Mager, Alois OSB 

Andere Namensformen:
  • Taufname: August
Geburtsdatum/-ort: 21.08.1883;  Zimmern ob Rottweil
Sterbedatum/-ort: 26.12.1946; Freilassing (Bayern)
Beruf/Funktion:
  • Prof. der experimentellen Psychologie
Kurzbiografie: 1890-1896 Katholische Volksschule in Zimmern ob Rottweil
ab 1896 Gymnasiale Schulbildung an den Beuroner Oblatenschulen
1903 Eintritt in das Kloster Beuron
1904 Ablegung der Profess daselbst
1909 Priesterweihe nach philosophisch-theologischen Studien in Maria Laach
1910 Studium an der Katholischen Universität Löwen; Promotion zum Dr. phil. mit einer Dissertation zum Thema „Aristoteles und die spanische Mystik“
1913-1914 Studium der experimentiellen Psychologie an der Universität München
1914-1918 Feldgeistlicher an der Front
1918-1922 Fortsetzung der Studien in München
1924 Berufung an die Universität Salzburg
1930 Ernennung zum ordentlichen Prof.
1931-1937 Durchführung der Salzburger Hochschulwochen
1939 Visitationsreise nach Japan
seit 1945 Wiederaufbau der theologischen und philosophischen Fakultät in Salzburg
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Eltern: Vater: Konrad Mager (1841-1916), Zimmermeister und Schultheiß in Zimmern
Mutter: Agnes, geb. Weiger (1847-1923)
Geschwister: Maria (geb. 1872)
Mathilde (geb. 1874)
Dagobert (geb. 1875)
Richard (geb. 1878)
Gregor (geb. 1882)
Franziska (geb. 1885)
Johann Baptist (geb. 1886)
Franz Xaver (geb. 1887)
GND-ID: GND/101295863

Biografie: Gerald Paul Mager (Autor)
Aus: Württembergische Biographien 1 (2006), 165-167

Mit seiner zweiten Heimat, der Benediktinerabtei Beuron, kam Alois Mager bereits im Alter von zehn Jahren auf einer Wallfahrt der Heiligkreuzgemeinde Rottweil in Berührung. Auch mögen Benediktinerpatres aus Beuron, die öfters in Zimmern Gottesdienst-Aushilfe leisteten, den jungen Alois Mager in seiner Absicht, ein geistliches Leben zu führen, bestärkt haben. Während Alois Mager seine schulische Elementarbildung an der katholischen Volksschule seiner Heimatgemeinde erhielt, erteilte der Zimmerner Pfarrer Franz Magnus Bristle dem offensichtlich begabten Jungen die ersten Lateinstunden. Pfarrer Bristle bestärkte Alois Mager auch in seinem Wunsch, Geistlicher zu werden und zuvor an den Beuroner Oblatenschulen Emmaus-Prag und Seckau seine gymnasiale Schulbildung zu absolvieren. Im Herbst 1903 trat Alois Mager in das Benediktinerkloster ein, wo er ein Jahr später seine Profess ablegte. Nach mehreren Jahren theologischer Studien in Maria Laach wurde Alois Mager 1909 in der Abteikirche von Beuron zum Priester geweiht. Zunächst assistierte Alois Mager einige Zeit P. Desiderius Lenz, dem Begründer der Beuroner Kunstschule, als theologischer Berater bei dessen Ausmalung der Unterkirche von Kloster Monte Cassino. Bald jedoch sandte ihn sein Erzabt Ildefons Schober zum Studium der Philosophie an die katholische Universität Löwen in Belgien, wo er zum Thema „Aristoteles und die spanische Mystik“ zum Dr. phil. promovierte. Nach einem England-Aufenthalt setzte er seine Studien an der Universität München fort, wo er sich mit der deutschen Philosophie und vor allem der experimentiellen Psychologie auseinander setzte.
Als Divisionsgeistlicher an der Front, wo er wiederholt für seinen Mut ausgezeichnet wurde, wurde der Seelenforscher Alois Mager mit menschlichen Seelenzuständen in Extremsituationen konfrontiert. Seine Kriegserfahrungen fasste er kurz nach dem Krieg in einem Aufsatz in der von ihm mitbegründeten Zeitschrift „Benediktinische Monatschrift“ zusammen, wo er auch in der Folgezeit regelmäßig Beiträge publizierte.
1922 bis 1924 fungierte Alois Mager als Leiter des Beuroner Studienhauses, nachdem er in den ersten Nachkriegsjahren seine Studien in München fortgesetzt hatte, wo er sich auch als geistlicher Berater der caritativen Genossenschaft „Societas Venio“, deren Mitbegründer er war, einbrachte.
In Fachkreisen kein Unbekannter mehr, erhielt Alois Mager 1924 einen Ruf an die wiedergegründete Universität Salzburg, wo er habilitierte und 1930 zum ordentlichen Professor ernannt wurde. Hier trat er neben seiner Lehrtätigkeit vor allem für den Universitätsgedanken ein, denn er sah die sich im Wiederaufbau befindende Universität Salzburg als „Mittlerin zwischen Ost und West“. Seine Vision war die einer deutschen katholischen Universität in Salzburg, nachdem die alte Benediktineruniversität schon 1810 aufgehoben worden war. Aus diesem Gedanken rief Alois Mager die „Salzburger Hochschulwochen“ als „universitas in nuce“ ins Leben, die er von 1931 bis 1937 vorbereitete und durchführte und an denen die führenden Persönlichkeiten des katholischen Geisteslebens in Deutschland teilnahmen.
Bei seiner Rückkehr von einer Visitationsreise nach Japan 1939 war die Hochschule in Salzburg aufgehoben, auch der Universitätsverein und die Salzburger Hochschulwochen waren von den Nationalsozialisten verboten worden.
Als erklärter Gegner des Antisemitismus war Alois Mager auch persönlich Schikanen und der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Während der Zeit des Verbots seiner Lehrtätigkeit wandte sich Alois Mager noch intensiver der Seelsorge zu, als Exerzitienmeister, Kanzelredner, Beichtvater und Gewissensberater.
Nach dem 2. Weltkrieg war Alois Mager als Dekan maßgeblich am Wiederaufbau der theologischen und philosophischen Fakultät in Salzburg beteiligt.
Als Wissenschaftler und glänzender Redner nahm Alois Mager, der auch dem Vorstand der Gesellschaft für Religionspsychologie angehörte, an zahlreichen internationalen philosophischen Kongressen teil. Dabei kam ihm seine ungewöhnliche Begabung für Fremdsprachen zugute. In Italien, Frankreich, Spanien oder England konnte er als Redner auftreten und frei sprechen. Von seinen Mitmenschen wird Alois Mager persönlich als bescheiden, freundlich und hilfsbereit, wenn auch – in jungen Jahren – als gelegentlich aufbrausend geschildert. Am Tage seiner Priesterweihe legte er das Gelübde ab, in seinem Leben sich nie mehr einem Mitmenschen zu versagen, der mit einem seelischen Anliegen zu ihm käme. Sein tiefer Glaube und seine Frömmigkeit waren frei von Sentimentalität.
Alois Mager war Gelehrter und Wissenschaftler, vor allem aber mit ganzer Seele Ordensmann. „Seinem“ Kloster Beuron blieb Alois Mager zeitlebens verbunden. So war er auch auf der Reise von Salzburg nach Beuron, als er am Stefanstag, am 26. Dezember 1946, einem Herzschlag erlag.
Quellen: Archiv der Pfarrei St. Konrad in Zimmern o. R., Pfarrchronik 1803 bis 1964; Archiv der Erzabtei Beuron; UA Salzburg.
Werke: Zahlreiche Aufsätze in der Benediktinischen Monatschrift und anderen Zeitschriften (Auswahl): Aristoteles und die spanische Mystik. Diss. 1920; Die Staatsidee des hl. Augustinus, 1919; 2. Aufl. 1920; Die Enge des Bewußtseins. Eine experimentiell-psychologische Untersuchung, 1920; Der hl. Thomas und die Mystik, 1921; Der Wandel in der Gegenwart Gottes. Eine religionsphilosophische Betrachtung, 1921; Moderne Theosophie. Eine Wertung der Lehre Steiners, 1922; Theosophie und Christentum, 1922, 2. Aufl. 1926; Neue Versuche zur Messung der Geschwindigkeit der Aufmerksamkeitswanderung, 1925; Vorlesungen über experimentelle Psychologie, 1929; Christus und der Forscher, 1931; Mystik als Lehre und Leben, 1934; Des hl. Thomas Erklärungen zu den drei Büchern des Aristoteles über die Seele, 1937; Mystik als seelische Wirklichkeit. Eine Psychologie der Mystik, 1946.
Nachweis: Bildnachweise: Sterbebild (Porträt) 1946, z. B. im Archiv der Pfarrei St. Konrad in Zimmern o. R.; Mager mit Familie (um 1910), im Besitz des Autors.

Literatur: Engelbert Krebs, Grundfragen der kirchlichen Mystik dogmatisch erörtert und für das Leben gewertet, 1921; Josef Kreitmaier, Beuroner Kunst. Eine Ausdrucksform der christlichen Mystik, 1923; Kosch, Kath. Dtld. 2, 1933; Justinus Uttenweiler, Pater A. Mager, in: Benediktinische Monatschrift 23 (1947), 148-155; Virgil Fiala, Ein Jahrhundert Beuroner Geschichte, in: ders. (Hg.), Beuron 1863-1963. FS zum hundertjährigen Bestehen der Erzabtei St. Martin (1963); P. Suso Mayer, Beuroner Bibliographie. Schriftsteller und Künstler während der ersten hundert Jahre des Benediktinerklosters Beuron 1863-1963, 1963, 86-91; Erika Weinzierl, Die Salzburger Hochschulwochen 1931-1937 und die Bestrebungen zur Errichtung einer katholischen Universität in Salzburg, in: Thomas Michels (Hg.), Heuresis. FS für Andreas Rohracher, 25. Erzbischof von Salzburg, 1969; Elmar Salmann, Gnadenerfahrung im Gebet. Zur Theorie der Mystik bei Anselm Stolz und A. Mager, Diss. 1979; Paulus Gordan, Christliche Weltdeutung. Salzburger Hochschulwochen 1931-1981, 1981; Artikel „A. Mager“ in: Bibliographie der deutschsprachigen Benediktiner 1880-1980 29/II, 1987, 584-585; Franz Ortner, Die Univ. Salzburg. Die dramatischen Bemühungen um ihre Wiedererrichtung 1810-1962, 1987; Georg Pfligersdorffer (Hg.), Christliche Philosophie im katholischen Denken des 19. und 20. Jh.s II. Rückgriff auf scholastisches Erbe, 1988; Geschichte Salzburgs. Stadt und Land (Bd. II, Teil 3). Neuzeit und Zeitgeschichte, 1991; Artikel „Mager, A.“ in: BBKL 14, 1993, 1209-1222; Dietrich von Hildebrand, Memoiren und Aufsätze gegen den Nationalsozialismus, 1994; Bernabé Dalmau, Artikel „Mager, A.“ , in: ders., Léxico de Espiritualidad Benedictina, 1995, 187.
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