Kirschner, Martin 

Geburtsdatum/-ort: 28.10.1879; Breslau (heute: Wroclaw, Polen)
Sterbedatum/-ort: 30.08.1942;  Heidelberg
Beruf/Funktion:
  • Chirurg
Kurzbiografie: 1893–1899 Ostern Humanistisches Luisengymnasium in Berlin bis Abitur, bestanden im zweiten Anlauf
1899–1903 Studium d. Medizin in Freiburg, SS 1899, Straßburg, WS 1899/1900, SS 1900, WS 1900/01 u. WS 1902/03, Zürich, SS 1901,
u. München, SS 1902; 16. Febr. 1901 Physikum in Straßburg, „sehr gut“
1901 X.–1905 III. Einjährig-Freiwilliger; I. Hälfte im Preußischen Artilleriereg. Nr. 52 in Straßburg bis März 1902, Okt. 1904 bis März 1905 II. Hälfte als Arzt beim 1. Bayer. Feldartillerie-Reg. in München
1904 VII. u. IX. 20 Approbation in Straßburg mit d. Note „sehr gut“ u. Promotion zum Dr. med.: „Syringomyelie u. Tabes dorsalis“
1904 X–1907 XII. Assistent am Städt. Krankenhaus Moabit
1906 II. – V. Ärztlicher Reisebegleiter des Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach auf dessen Reise nach Ceylon u. Indien
1908 I.–1913 IX. Assistent an d. Chirurg. Universitätsklinik Greifswald bis Sept. 1910, dann Assistent an d. Chirurg. Universitätsklinik Königsberg
1911 II. Habilitation über „Freie Sehnen- u. Fascientransplantation“, ohne Habilitationsschrift
1912 X.–1913 V. Chefarzt d. Hilfsexpeditionen des Dt. Roten Kreuzes, DRK, beim 1. Balkankrieg
1913 X.–1916 IX. Oberarzt mit dem Titel Professor, ab Oktober 1915 stellvertr. Direktor d. Chirurg. Universitätsklinik Königsberg
1914 VIII.–1915 IX. Stabsarzt, zuletzt beratender Chirurg an d. Westfront beim 3. Bayer. Armeekorps
1916 IX.–1927 VIII. o. Professor u. Direktor d. Chirurgischen Universitätsklinik Königsberg
1927 X.–1934 III. o. Professor u. Direktor d. Chirurg. Universitätsklinik Tübingen; Antrittsrede am 28.6.1928: „Die operative Behandlung d. Lungenembolie“; 1931/1932 Rektor d. Univ. Tübingen; April 1933 bis April 1934 Vorsitzender d. „Dt. Gesellschaft für Chirurgie“ u. Präsident beim 58. Jahreskongress
1934 IV.–1942 VIII. o. Professor u. Direktor d. Chirurg. Universitätsklinik Heidelberg
Weitere Angaben zur Person: Religion: ev.
Verheiratet: 1916 (Königsberg, eventuell auf Kapps Landgut in Ostpreußen) Eva, geb. Kapp (1889–1977), Tochter des Generallandschaftdirektors Wolfgang Kapp (1858–1922)
Eltern: Vater: Karl August Martin (1842–1912), Jurist, 1892–1912 Oberbürgermeister von Berlin
Mutter: Margarete, geb. Kalbeck (1853–1923)
Geschwister: 4; Margarethe (* 1873), verh. Rive, Mathilde (* 1875), Charlotte (* 1876) u. Johanna (* 1886)
Kinder: 3; Gabriele Margarethe (1917–2010), Hartwig (1922–1995), Prof. Dr., Chirurg, u. Margarethe (* 1923), verh. Liebrecht
GND-ID: GND/116189800

Biografie: Alexander Kipnis (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 6 (2011), S. 193-198

Kirschner wurde als einziger Sohn eines Breslauer Rechtsanwalts und nachmaligen Oberbürgermeisters von Berlin geboren, wohin die Familie 1893 übergesiedelt war. Dort besuchte er das humanistische Luisengymnasium. Die „oft ungerechte Strenge“ des Unterrichts war ihm wohl zuwider, wie sein Sohn überlieferte (H. Kirschner, 1986, 2), umso mehr als er eher technisch und naturwissenschaftlich interessiert war. Kirschner bestand sein Abitur 1899 dann auch erst im zweiten Anlauf, wobei er in allen Fächern „genügend“ erhielt; nur im Singen war er „sehr gut“; Musikalität gehörte zu seinen Wesenszügen. Dass Kirschner das Abitur 1898 nicht sogleich bestanden hatte, empfand er als Katastrophe, die einen langanhaltenden Minderwertigkeitskomplex auslöste.
Kirschner wählte Medizin als Studienfach; Freiburg, Zürich, München, hauptsächlich aber Straßburg, wo er auch promovierte, waren seine Studienorte. Übrigens, alle seine Vorfahren väterlicherseits seit dem 18. Jh. bis auf den Vater selbst waren Wundärzte und Chirurgen gewesen.
Nach der Promotion hatte Kirschner das Glück, gleich eine Assistentenstelle an der inneren Abteilung des Städtischen Krankenhauses in Moabit bei Prof. Rudolf von Renvers (1854–1909) zu erhalten, ungeachtet seines Militärdienstes, den er abzuleisten hatte, und offensichtlich war von Renvers mit den Leistungen, dem Fleiß und der Einsatzfreudigkeit seines Assistenten so zufrieden, dass er ihn dem Großherzog von Sachsen-Weimar für eine ausgedehnte Indienreise als Arzt empfahl. Das im Familienbesitz aufbewahrte Reisetagebuch Kirschners wurde in Auszügen veröffentlicht; vielleicht wurde Kirschners Interesse für die Chirurgie während seiner Reise durch Indien erst so recht geweckt.
Auf von Renvers Rat ging Kirschner 1908 als Volontärassistent an die Chirurgische Universitätsklinik in Greifswald, die unter der Leitung von Erwin Payr (1871–1946) stand. Dieser bevorzugte Assistenten mit einer allgemein klinischen Ausbildung, zu Chirurgen wollte er sie selbst erziehen. So kam Kirschner zwar mit solidem internistischem Wissen aber als Anfänger in der Chirurgie 1908 nach Greifswald. Er schrieb später vom schweren Stand für den „Neuling in diesen unter Hochdruck stehenden Chirurgenkessel“ (1941, 100).
Kirschner konnte bereits im August 1908 seinen ersten Artikel zur Kasuistik von Schädelverletzungen publizieren. Die Schule Payrs prägte Kirschner streng anatomisches Vorgehen beim Operieren ein, die saubere Operationstechnik und die Exaktheit und Sorgfalt im Detail; Operationspraxis erwarb Kirschner beim bedeutenden Chirurgen Ernst Heller (1877– 1964), Payrs Oberarzt.
Im Laufe seiner chirurgischen Ausbildung begann Kirschner auch mit ersten grundlegenden Versuchen über die freie Sehnen- und Fascientransplantation, deren Ergebnisse er im Frühjahr 1909 beim „38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie“ vorstellte. Weitere Resultate wurden auf dem nächsten Kongress am 30. März 1910 präsentiert. Im Jahr darauf habilitierte er sich mit diesen Arbeiten. Inzwischen war er in Königsberg, wohin Payr im Oktober 1910 berufen worden war und einige Mitarbeiter mitnahm. Im Herbst 1911 wechselte Payr nach Leipzig. Kirschners neuer Chef wurde Paul Friedrich (1864 –1916).
Während des I. Balkankriegs war Kirschner Chefarzt und Leiter von Hilfsexpeditionen des DRK. Die ersten fünf Monate verbrachte er in Sofia. Dort leitete er das erste Etappenlazarett und gab prägende Impulse bei Organisation und Ausbau des bulgarischen Sanitätswesens. Anschließend erhielt er den Auftrag, die Leitung einer weiteren Hilfsexpedition, diesmal in der hartumkämpften Festung Adrianopel, dem heutigen Edirne, zu übernehmen. Seine Aufgabe dort war die ärztliche Versorgung türkischer Kranker und Verwundeter in bulgarischer Gefangenschaft. Durch sein energisches Eintreten für gerechte Behandlung der Gefangenen gelang es ihm, größte Missstände zu beseitigen. Für seine Verdienste wurden ihm – ein einmaliger Fall! – bulgarische und türkische Orden verliehen. Im Herbst 1913 wurde Kirschner Oberarzt mit dem Titel Professor.
Während dieser Zeit sammelte er Erfahrungen in der Kriegschirurgie, einem Gebiet, auf dem er später immer wieder arbeiten musste; denn mit Ausbruch des I. Weltkrieges wurde er sofort als Oberarzt der Reserve einberufen. Bis zum Herbst 1915 wirkte Kirschner als Stabsarzt, zuletzt als beratender Chirurg an der Westfront. Im Oktober 1915, der bisherige Lehrstuhlinhaber Friedrich war schwer erkrankt und verstarb im Januar 1916, wurde Kirschner als dessen Vertreter nach Königsberg versetzt. Nach Friedrichs Tod wurde er sein Nachfolger. Auch wenn die „Hausberufung“ allein durch die Kriegsumstände bedingt war, entging Kirschner nicht dem „törichten Vorwurf“ (Nissen, 1969, 81), er habe aus den Kriegsumständen Vorteil gezogen. Auch darunter litt der sensible Mann sehr.
In Königsberg erarbeitete Kirschner für sich ein System der effektivsten Zeiteinteilung, das seine enorme Leistungsfähigkeit weiter beförderte. Wichtige seiner Arbeiten entstanden dort nach dem Krieg: ein neues Verfahren der Oesophagoplastik, der Rekonstruktion der Speiseröhre, und die erste erfolgreiche Embolektomie, der Entfernung des Tromben aus der Lungenarterie. Diese Operation machte Kirschner international bekannt. Er führte auch einen gründlichen Umbau und die Erweiterung der Königsberger Chirurgischen Klinik durch. Schließlich begann Kirschner ein großes literarisches Unternehmen, die Herausgabe seines fundamentalen Werks: „Die Chirurgie“. Bemerkenswert ist auch Kirschners Artikel „Mehr Kritik!“ von 1926, in dem er gegen den „Hexentanz“ eines „sinnlosen therapeutischen Optimismus“ Stellung bezog, einen „aus Ehrgeiz, Gewinnsucht und Massensuggestion gespeisten allgemeinen Begeisterungstaumel über die neuesten therapeutischen Schlager“. Die Folgen dieser Unvernunft seien oft fatal für die Kranken.
1927 nahm Kirschner den Ruf nach Tübingen an, wo ihm der Neubau für eine Chirurgische Klinik zugesagt wurde. Hier fand seine literarische, chirurgische und Forscherarbeit den neuen Schwerpunkt Anästhesie. Dieser Fachbereich gehörte bis nach dem II. Weltkrieg zur Chirurgie. Auch seine Rektoratsrede widmete Kirschner diesem Thema. Kirschners Tübinger Zeit ist durch zwei große Leistungen gekennzeichnet. Zuerst ist die Gründung der neuen Zeitschrift „Der Chirurg“ zu nennen, deren erstes Heft im November 1928 erschien. Die Herausgeber, neben K. Otto Kleinschmidt (1880–1948) und Otto Nordmann (1878–1946), wollten damit eine Lücke in der Fachperiodik füllen und „dem Praktiker gebrauchsfertige Neuerungen […] vermitteln“, indem sie den Schwerpunkt auf „praktische Chirurgie im weitesten Sinne des Wortes“ (Vorwort der Herausgeber im ersten Heft, o. S.) legen wollten. Spätere Publikationen Kirschners erschienen fast ausschließlich in dieser Zeitschrift. Kirschner entwickelte auch das Muster eines Neubaus für künftige deutsche Krankenhäuser, wofür er folgende drei Forderungen formulierte, die er während der Planungsphase 1929/1930 in „Der Chirurg“ veröffentlichte: Ruhe für die Patienten und die Arbeit des Personals, gute Belichtung und Belüftung der Räume und möglichst kurze Wege und Verbindungen innerhalb der Klinik. In Hans Daiber (1880–1969) aus Stuttgart fand Kirschner den kongenialen Architekten, der seine Vorstellungen umsetzen konnte. Beider Werk, der erste Hochbau eines Krankenhauses in Deutschland, galt bei seiner Einweihung im Oktober 1935 als modernste Chirurgische Klinik Europas.
Mit der Emeritierung Enderlens (vgl. S. 90) war der Heidelberger Lehrstuhl für Chirurgie vakant geworden. Kirschner erhielt den Ruf dorthin zweimal. 1932 hatte er abgelehnt, da er keine Zusage zu einem sofortigen Neubau der Klinik bekommen hatte. Beim zweiten Male musste das Ministerium diese Zusage verbindlich geben, dann nahm Kirschner den Ruf an. In seiner Antrittsvorlesung – ihr Text wurde 2000 gedruckt (Hörmann, 2000, 251–259) – betonte Kirschner die wichtigsten Anforderungen an den Chirurgen und erörterte die zwei bedeutendsten Fortschritte der Chirurgie während den letzten Jahrzehnte: das Arbeiten unter Asepsis und die Entwicklung der Anästhesie. In beiden Gebieten war er selbst sehr erfolgreich.
Wie zuvor in Tübingen war Kirschner durch den Neubau in Heidelberg sehr beansprucht. Der Platz im Neuenheimer Feld war bereits bestimmt, sogar der erste Spatenstich geschah noch vor der Ankunft Kirschners. Dennoch konnte er seine Leitidee durchsetzen: getrennte, durch einen Zwischenbau verbundene Funktionseinheiten. Lediglich die Außenfassade der am 3. Juli 1939 eröffneten neuen Klinik war nach dem Geschmack des „Dritten Reichs“ gestaltet.
Obwohl Kirschner immer deutschnational gesinnt war, muss seine Einstellung dem Nationalsozialismus gegenüber eher ablehnend charakterisiert werden. Parteimitglied ist er nie geworden, auch wenn er im „Deutschen Führerlexikon“ wie schon früher im „Reichshandbuch d. deutschen Gesellschaft“ biographiert wurde. Diese öffentliche Anerkennung war ihm wohl nicht gleichgültig. Dem Regime gegenüber aber machte er nur widerwillig Konzessionen. Typisch seine Masche, den Hitler-Gruß zu vermeiden: er betrat mit irgendeinem Präparat in Händen den Hörsaal, hielt es hoch und begann gewöhnlich mit den Worten: „Hier sehen Sie, meine Herren …“
Kirschner erkannte früh die Tendenzen des Regimes, wenngleich man darin durchaus auch Konzessionen dem herrschenden Geiste gegenüber erblicken könnte. Ab SS 1936 zumindest nannte er seine Hauptvorlesung, früher hieß sie einfach „Chirurgische Klinik“, „Chirurgische Klinik mit Berücksichtigung der Unfall- und Kriegschirurgie“. Im selben Jahr publizierte er einen Artikel über „Die Schmerzbekämpfung im Felde“ und sofort nach Kriegsausbruch den programmatischen Artikel über die „Aufgaben des Chirurgen im Krieg“.
Kirschner wurde mehrmals als beratender Chirurg im Range eines Oberfeldarztes zu Inspektionen herangezogen, u. a. in Frankreich und Belgien, wobei er mit vollem Einsatz arbeitete. Anfang 1942 sah er sich jedoch gezwungen, seinen Schüler und Oberarzt Rudolf Zenker (1903–1984) um eine diagnostische Bauchoperation zu sich zu bitten. Zenker eröffnete einen inoperablen Krebs mit Lebermetastasen. Er verschwieg aber die Diagnose und vermochte Kirschner meisterhaft zu täuschen, indem er ihm histologische Befunde eines anderen Patienten vorlegte, so dass Kirschner bis zum Tod den Glauben an Genesung bewahrte und bis zuletzt literarisch arbeitete. Seinem Wunsch gemäß fanden Ansprachen und Kranzniederlegungen bei der Beerdigung nicht statt.
Kirschner gehört zu den Letzten seines Fachs, die trotz enormer Erweiterung des Wissensbereichs und wachsender Spezialisierung noch ihr ganzes Fachgebiet beherrschten. Dies wird besonders in der Herausgabe von zwei monumentalen Arbeiten deutlich, dem sechsbändigen Werk „Die Chirurgie: Eine zusammenfassende Darstellung der allgemeinen und speziellen Chirurgie“. 1926 bis 1930 erschien dann die mit Otto Nordmann verfasste mehrbändige „Allgemeine und Spezielle Chirurgische Operationslehre“, die erst 1972 von Kirschners Schülern fertiggestellt wurde. Diese beiden Werke gewannen bleibenden Platz in der Geschichte der Chirurgie.
Aus Kirschners Feder stammen außerdem mehr als 250 Artikel, die das weite Spektrum seiner Interessen veranschaulichen. Besonders seine Aufsätze aus der zweiten Hälfte seines Berufslebens sind äußerst klar dargestellt, inhaltsreich und ausgezeichnet formuliert, gelten bis in die Gegenwart als musterhaft. Vieles in Kirschners Texten spiegelt seine echte Sorge um die Leiden der Patienten und sein tiefes Verständnis für deren psychologische Befindlichkeiten wider. Typisch in dieser Hinsicht sind sein Vorschlag in „Musik und Operation“, 1936, Musik „zur Stütze der Psyche“ bei Operationen heranzuziehen. Der Schluss des Artikels „Behandlung der Trigeminusneuralgie“ lautet: „Ich kenne in der gesamten Heilkunde kein eindrucksvolleres und kaum beglückenderes Erlebnis, als die Umwandlung eines durch viele Jahre schmerzzerquälten Trigeminuskranken innerhalb von wenigen Minuten in einen arbeitsfreudigen, lebens- und genussfrohen Gesunden“ (Kirschner, 1942, 269).
Als herausragend unter den in der Fachliteratur ausführlich beschrieben Leistungen Kirschners gelten die Entwicklung des rotierenden Bohrdrahtes, des „Kirschner-Drahts“ zur Extension und zur Osteosynthese im Rahmen der Frakturbehandlung zwischen 1909 und 1927, dann ein neues Verfahren zur Eröffnung des Kniegelenks 1910, eine neue Methode zur Bildung einer künstlichen Speiseröhre 1920 und die erwähnte erste erfolgreiche Operation der Lungenembolie 1924. Kirschner bereicherte auch die Anästhesie, für die er die Hochdruck-Lokalanästhesie, die segmentäre Spinalanästhesie und die intravenöse Narkose entwickelte. Seine 1938 vorgetragenen Forderungen zur notärztlichen Therapie am Notfallort, im II. Weltkrieg erprobt und ausgebaut, gelten im Grundsatz bis heute.
Kirschner war nicht nur „einer der ideenreichsten Köpfe seiner Zeit“, er war auch „ein Genius in der Lösung mechanisch-chirurgischer Probleme, ein glänzender Organisator und ein Baumeister von überdurchschnittlicher Begabung“, wie Rudolf Nissen (1969, 81) formuliert; denn zwei mustergültige Chirurgische Kliniken in Baden und in Württemberg, die Tübinger und die Heidelberger, sind Teil seines Erbes.
Quellen: UA Greifswald, Sachakten des Kuratorbestandes K 379, K 407 u. Auskunft vom 11.1.2011; UA Tübingen 126/326b, Stammliste Kirschner, u. 119/109, Besetzung des chirurgischen Lehrstuhls; UA Heidelberg PA 1011, PA 4501, PA 4502, Personalakten Kirschner, Rep. 27, Nr. 502, Akademische Quästur Kirschner, u. H-III-556/1, Akten d. Med. Fakultät Heidelberg; Auskünfte des. Geh. StaatsA Preuß. Kulturbesitz, Berlin, vom 13.1.2011, des StadtA Heidelberg vom 8. 2. 2011 u. des Bürgeramts Heidelberg Mitte vom 18. 2. 2011.
Werke: Werkverzeichnisse in: Dieter Kramer, Martin Kirschner, Prolegomena zu einer Kirschner-Biographie, Diss. med., Heidelberg, 1970, 57–82, u. F. W. Hörmann, Martin Kirschner (1879–1942): Leben – Werk – Wirkung, Diss. med. Tübingen, 2000, 270–288. – Auswahl: Über Nagelextension, in: Beitrr. zur klinischen Chirurgie 64, 1909, 266–279; Die praktischen Ergebnisse d. freien Fascien-Transplantation, in: Archiv für klinische Chirurgie 92, 1910, 888– 912; Ein neues Verfahren zur schonenden Eröffnung des Kniegelenkes, ebd. 71, 1910, 703–713; Der gegenwärtige Stand u. die nächsten Aussichten d. autoplastischen, freien Fascien-Übertragung, ebd. 86, 1913, 5–149; Paul Friedrich †, in: Dt. medizin. Wochenschr. 42, 1916, 230 f.; Die Wundinfektionskrankheiten, in: A. Borchard, V. Schmieden (Hgg.), Lehrbuch d. Kriegs-Chirurgie, 1917, 155–216, 3. Aufl. 1937, 102–173; Ein neues Verfahren d. Oesophagoplastik, in: Archiv für klinische Chirurgie 114, 1920, 606–663; Die operative Behandlung d. Kontrakturen u. Ankylosen, in: O. von Schjerning (Hg.) Handb. d. Ärztlichen Erfahrungen im Weltkriege 1914/1918, Bd. II, 2. Teil, 1922, 805–856; Ein durch die Trendelenburgsche Operation geheilter Fall von Embolie d. Art. pulmonalis, in: Archiv für klinische Chirurgie 133, 1924, 312–359; Die Behandlung d. eitrigen freien Bauchfellentzündung, ebd. 142, 1926, 66–69, 253–311; Mehr Kritik!, in: Ostdt. Ärztliche Grenzwarte 7, 1926, Nr. 6, 37 f.; Verbesserung d. Drahtextension, in: Archiv für klinische Chirurgie 148, 1927, 651–658; (mit A. Schubert) Allgemeine u. spezielle chirurgische Operationslehre, Bd. I: Allgemeiner Teil, 1927; Wesentliche Probleme d. Chirurgie, in: Dt. medizin. Wochenschr. 54, 1928, 1541–1544; Zum Neubau d. Chirurgischen Universitätsklinik Tübingen, in: Der Chirurg 1, 1929, 1185–1194, 2, 1930, 54 –61, 103–112, 202–215, 369–378; Wandlungen in d. Asepsis des Operationsapparates, ebd. 2, 1930, 337–341; Der Schmerz u. seine Bekämpfung in d. Chirurgie, in: Univ. Tübingen: Reden bei d. Einweihung des Universitätsgebäudes u. d. Rektoratsübergabe am 28. April 1931; Das synchrone kombinierte Verfahren bei d. Radikalbehandlung des Mastdarmkrebses, In: Archiv für klinische Chirurgie 180, 1934, 296–308; Schmerzbekämpfung im Felde, in: Der Chirurg 8, 1936, 269–276; Musik u. Operation, ebd. 429–431; Der Kollaps in d. Chirurgie, ebd. 10, 1938, 248–256, 314–322; Die fahrbare chirurgische Klinik, ebd. 713–717; Der Betriebsunfall. Gedanken zur Sozialversicherung, ebd. 11, 1939, 262–270; Die wichtigsten Aufgaben des Frontchirurgen nach den Erfahrungen d. letzten Kriege, ebd. 769–783; Eugen Enderlen †, ebd. 12, 1940, 404; Die Steckschussverletzung, ebd. 565–580, 597–611; Erwin Payr zum 17. Februar 1941, ebd. 13, 1941, 99–101; Die einzelnen Behandlungsperioden d. Schussfrakturen, ebd. 14, 1942, 415–422; Einige Neuerungen d. Drahtextensionsbehandlung d. Knochenbrüche, ebd. 673–677; Die Behandlung d. Trigeminusneuralgie (Nach Erfahrungen an 1113 Kranken), in: Dt. medizin. Wochenschr. 89, 1942, 235–239, 263–269; Randbemerkungen zur Kriegschirurgie in den Heimatlazaretten, 1942; Die Hochdrucklokalanästhesie, 1944.
Nachweis: Bildnachweise: Ölportrait von P. J. Schober (1932) in d. Graphischen Sammlung des Kunsthistorischen Instituts d. Univ. Tübingen, Inventar 97/134; Der Chirurg 14, 1942, Titelbild; D. Kramer, 1970, passim; H. Kirschner, 1986, passim ; F. W. Hörmann, 2000, passim (vgl. Literatur).

Literatur: M. Michler, K. Markwart, Kirschner, in: NDB 11, 1977, 675 f.; Kirschner, Martin, in: Reichshandb. d. dt. Gesellschaft Bd. 1, 1930, 929 (mit Bildnachweis); I. Fischer, Biographisches Lexikon d. hervorragenden Ärzte d. letzten fünfzig Jahre, Bd. I, 1932, 763; Kirschner, Martin, Das Deutsche Führerlexikon, 1934/ 1935, 1935, S. 230 (mit Bildnachweis); H. Steigmann, Zum Tode von Martin Kirschner, in: Die medizinische Welt 16, 1942, 1062 (mit Bildnachweis); A. Hübner, Martin Kirschner zum Gedächtnis, in: Klinische Wochenschr. 21, 1942, 916; W. H. Müller, Prof. Martin Kirschner †, in: Schweizerische medizin. Wochenschr. 72, 1942, 1359; J. St[einer], Zur Erinnerung an Martin Kirschner, in: Wiener medizin. Wochenschr. 92, 1942, 824; [Ludwig] Zuckschwerdt, Martin Kirschner †, in: Medizin. Klinik 38, 1942, 1103 f. (mit Bildnachweis); O. Kleinschmidt, Martin Kirschner zum Gedächtnis, in: Der Chirurg 14, 1942, 577–582; R. Zenker, Martin Kirschner †, in: Münchner medizin. Wochenschr. 89, 1942, 876 f.; O. Nordmann, Martin Kirschner †, in: Archiv für klinische Chirurgie 204, H. 1, 1942, 1–3 (mit Bildnachweis); E. von Redwitz, Martin Kirschner †, in: Mitteilungen aus den Grenzgebieten d. Medizin u. Chirurgie 46, 1942/43, I–V (mit Bildnachweis); K. H. Bauer, Martin Kirschner Gedächtnisrede, in: Der Chirurg 15, 1943, 129–133; E. Payr, Martin Kirschner zum Gedenken, in: Ergebnisse d. Chirurgie u. Orthopädie 43, 1943, 1f.; N. Guleke, 50 Jahre Chirurgie, in: Langenbecks Archiv für Chirurgie 280, 1954, 1– 42, bes. 23 f. (mit Bildnachweis); H. Krebs, H. Schipperges, Heidelberger Chirurgie 1818–1968, 1968, 85–94, 125; R. Nissen, Helle Blätter, dunkle Blätter: Erinnerungen eines Chirurgen, 1969, 80 f., 300, 371; Dieter Kramer, Martin Kirschner, Prolegomena zu einer Kirschner-Biographie, Diss. med., Heidelberg, 1970 (mit Werkverzeichnis und Bildnachweis); W. Schmidt, Martin Kirschner zum 100. Geburtstag am 28. 10. 1979, in: Zentralblatt für Chirurgie 104, 1979, 1434 –1437 (mit Bildnachweis); H. Killian, Meister d. Chirurgie u. die Chirurgenschulen im gesamten dt. Sprachraum, 2. Aufl. 1980, 51 f., 97–99; R. Zenker, Die Chirurgie Martin Kirschners in unserer Zeit, in: Münchner medizin. Wochenschr. 122, 1980, 318 f.; Fr. Lindner u. M. Amberger, Martin Kirschner, in: Semper Apertus, 1986, Bd. IV, 203–205 (mit Bildnachweis); H. Kirschner, Martin Kirschner als Mensch, in: 50 Jahre Chirurgische Universitätsklinik Tübingen, hgg. von L. Koslowski, 1986, 1–13 (mit Bildnachweis); D. Lembke, Die Entwicklung des Krankenhausbaus in fünf Jahrzehnten. Beispiel Universitätsklinikum Tübingen, ebd., 31–51; H. Hamelmann, Änderungen chirurgischer Techniken seit Martin Kirschner, ebd. 53–67; Chr. Weißer, Martin Kirschners willkürlich begrenzte u. individuell dosierbare gürtelförmige Spinalanästhesie: Grundlagen – Technik – aktuelle Bedeutung. Ein Beitrag zur Geschichte d. Regionalanästhesie, in: Würzburger medizinhist. Mitteilungen 10, 1992, 39–52; ders., Die Knochenbruchbehandlung bei Martin Kirschner u. die Entwicklung des „Kirschner-Drahtes“. Anmerkungen zu einer genialen Idee in d. Chirurgie, ebd. 12, 1994, 5–18; M. Goerig, J. Schulze am Esch, Martin Kirschner: Anästhesist – Intensivmediziner – Schmerztherapeut, in: Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie 29, 1994, 343–353; F. W. Hörmann, Martin Kirschner (1879–1942): Leben – Werk – Wirkung, Diss. med. Tübingen, 2000 (mit Werkverzeichnis u. Bildnachweis); P. Voswinkel, in: Biographisches Lexikon d. hervorragenden Ärzte d. letzten fünfzig Jahre von Isidor Fischer. Nachträge u. Ergänzungen, Bd. III, 2002, 784 f.; F. W. Schildberg, G. O. Hofmann, M. H. Kirschner, Zum 125. Geburtstag von Martin Kirschner, in: Der Chirurg 76, 2005, 85–90; D. Drüll, Heidelberger Gelehrtenlexikon 1933–1986, 2009, 340 f.
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