Cahn-Garnier, Fritz 

Geburtsdatum/-ort: 20.06.1889;  Mannheim
Sterbedatum/-ort: 08.06.1949;  Mannheim
Beruf/Funktion:
  • Oberbürgermeister, Verfolgter des NS-Regimes
Kurzbiografie: 1907 Abitur am Gymnasium Mannheim, Übertritt zur evangelischen Kirche
1907/08 Dienstzeit als Einjähriger
1908-1912 Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Berlin, Freiburg, Heidelberg und München
1912-1914 Rechtspraktikant
1913 Promotion an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg
1914-1918 Teilnahme am Ersten Weltkrieg, Kriegsgefangenschaft und Internierung in der Schweiz
1919 Zweite juristische Staatsprüfung, Note „gut“
1919-1922 Staatsanwalt in Lörrach
1922-1933 Stadtsyndikus in Mannheim
1933 Zurruhesetzung aus rassischen Gründen
1945 15. 4. Stadtsyndikus in Mannheim
1945 10. 9. Landesdirektor der Finanzen in Karlsruhe
1946 1. 1. Finanzminister des Landes Württemberg-Baden
1947 1. 1. Präsident der Landeszentralbank Württemberg-Baden
1948 20. 2. Oberbürgermeister von Mannheim
Weitere Angaben zur Person: Religion: isr./ev.
Verheiratet: 1922 Lörrach Wera, geb. Garnier (geb. 1899)
Eltern: Vater: Dr. Carl Cahn, Hals-Nasen- und Brustarzt
Mutter: Luise, geb. Leoni
Geschwister: keine
Kinder: 1 Sohn
GND-ID: GND/116401508

Biografie: Karl Otto Watzinger (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 3, 55-56

Wie sein Amtsvorgänger Ludwig Landmann war auch Cahn-Garnier die rechte Hand des Oberbürgermeisters, der vor allem Gutachten zu grundlegenden Fragen der Kommunalpolitik anfertigte. Er war Dozent an der Sozialen Frauenschule in Mannheim und beteiligte sich an der Ausbildung der Beamten der Städtischen Sparkasse. Bereits im März 1933 von den neuen Machthabern beurlaubt, wurde Cahn-Garnier aufgrund des am 7. 4. des Jahres erlassenen „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, der Handhabe zur Entlassung jüdischer und politisch nicht genehmer Beamten, zur Ruhe gesetzt. Wie zum Hohn wurde ihm im Jahre 1934 „Im Namen des Führers und Reichskanzlers“ das Ehrenkreuz für Frontkämpfer verliehen. Diese Auszeichnung verhinderte es aber nicht, daß er bei den Pogromen vom 9./10. 11. 1938 ins KZ Dachau verschleppt wurde, wo er einen Monat festgehalten wurde. Von der Deportation blieb er zunächst verschont, da er in einer sogenannten „privilegierten Mischehe“ lebte. Als im Februar 1945 sein Abtransport nach Theresienstadt drohte, konnte er bei Freunden in Heidelberg untertauchen
Als einer der Männer der ersten Stunde trat er sein Amt als Stadtsyndikus wieder an, um am Wiederaufbau seiner total zerstörten Heimatstadt mitzuhelfen. Bei den ersten Wahlen wurde Cahn-Garnier Mitglied der SPD-Fraktion der Verfassunggebenden Landesversammlung und später des Landtages von Württemberg-Baden. Bei der ersten Volkswahl der Bürgermeister am 1. 2. 1948 zum Oberbürgermeister der Stadt Mannheim gewählt, betonte Cahn-Garnier bei seinem Dienstantritt am 20. Februar des Jahres, daß es nicht nur um den äußeren Wiederaufbau der Stadt gehe, sondern auch darum, „die seelischen Schlacken zu entfernen.“ So setzte er sich unermüdlich für den Neubau des völlig zerstörten Nationaltheaters ein, begründete im November 1948 die Zeitschrift Mannheim heute (seit 1952 'Mannheimer Hefte') und betrieb die baldige Wiederherstellung der Kunsthalle.
Die restlose Anspannung aller seiner Kräfte führte dazu, daß sein Herz am 8. Juni 1948 plötzlich versagte. Nur vier Jahre leidenschaftlicher Arbeit für den neu entstehenden demokratischen Staat und 16 Monate für seine heißgeliebte Heimatstadt waren Cahn-Garnier nach zwölf Jahren der Verfehmung vergönnt. Eine große Anzahl wertvoller Reden und Aufsätze sind uns geblieben, in denen sich der Finanzminister mit den wirtschaftlichen Problemen der Nachkriegszeit und der Oberbürgermeister mit den schweren Fragen der am Boden liegenden Stadt Mannheim auseinandersetzt.
Werke: Der Wechsel der Interessenten im Rechte der Schadensverhütung, Diss. Freiburg, Mannheim 1914; Aufsätze und Reden im Nachlaß Cahn-Garnier im StadtA. Mannheim.
Nachweis: Bildnachweise: StadtA. Mannheim.

Literatur: Wera Cahn-Garnier, Dr. F. C, Oberbürgermeister von Mannheim, in: BH, 39 (1959), 53-57; Joachim Irek, Mannheim in den Jahren 1945-1949, Stuttgart 1983 Bd. 1, 128, 173-178, 182, 188 f., 219, 223, Bd.2, 140-146, 153, 155 f., 167 f., 173 f., 181-184; K. O. Watzinger, F. Cahn-Garnier zum 100. Geburtstag, in: Mannheimer Hefte 1989/1, 35-37.
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