Schauenburg, August Moritz Ferdinand 

Geburtsdatum/-ort: 07.11.1863;  Lahr
Sterbedatum/-ort: 13.03.1933;  Lahr
Beruf/Funktion:
  • Verleger
Kurzbiografie: 1882 Abitur in Lahr, einjähriger Militärdienst in Heidelberg, Studium der Nationalökonomie in Berlin, Leipzig, Heidelberg, Dr. phil., Oberleutnant der Reserve
1895-1933 Leiter des Verlages Moritz Schauenburg in Lahr
Weitere Angaben zur Person: Religion: ev.
Verheiratet: 1897 Marie Luise Karoline, geb. Brauch, Tochter des Medizinalrats und Geheimen Hofrats Max Brauch in Kehl
Eltern: Vater: Johann Moritz Konrad Schauenburg, Verleger und Druckereibesitzer
Mutter: Julie Amalie, geb. Geiger, Enkelin des Gründers des Verlages, bzw. der Druckerei Geiger, später Schauenburg in Lahr
Geschwister: 7
Kinder: 4 (3 Söhne, 1 Tochter)
GND-ID: GND/117111724

Biografie: Renate Liessem-Breinlinger (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 1, 236-237

Das Lebenswerk des Schauenburg II ist, verglichen mit dem seines bekannteren Vaters gleichen Namens (1827–1895) weniger imposant. Gelang es beispielsweise dem Vater, dem „Lahrer Hinkenden Boten“ einen beachtlichen Markt in Amerika zu erschließen und die Millionenauflage zu überschreiten, so liegt das Verdienst des Sohnes darin, das bewährte Konzept der neuen Zeit angepaßt und weiterverfolgt zu haben. Mit der belletristischen Literatur befaßte sich das Haus Schauenburg nicht – Lahr war dafür nicht der Platz –, sondern druckte volkstümliche Gebrauchsbücher mit hohen Auflagen, was eine sichere Existenz gewährleistete: das evangelische Gesangbuch für Baden, das Allgemeine Deutsche Kommersbuch, eine nicht nur von Studenten geschätzte Liedersammlung, den oben erwähnten Jahreskalender, den Lahrer Hinkenden Boten, auch Schulbücher, die zu Schauenburgs Zeiten nicht so schnell gewechselt wurden wie heute. Mit diesem Programm ließen sich auch die schwierigen Jahre nach dem ersten Weltkrieg mit Inflation und Weltwirtschaftskrise meistern.
Schauenburg verfügte über eine fundierte Fachausbildung. Mit Bedacht hatte er seine nationalökonomischen Studien vorwiegend in der führenden deutschen Verlagsstadt Leipzig absolviert. Die Leipziger Zeit prägte sein Selbstverständnis als Verleger. Der einjährige Militärdienst, dem er den Rang des Reserveoffiziers verdankte, war dagegen für seine Persönlichkeit kaum bestimmend. Hier erfüllte der Sohn aus großbürgerlichem Haus nur das, was der gute Ton verlangte. Die Teilnahme am ersten Weltkrieg kam für Schauenburg aus Altersgründen nicht in Frage.
Schauenburg war eine populäre Gestalt in seiner Heimatstadt Lahr, deren Dialekt er liebte und sprach, obwohl der Vater Westfale war. Christian Sütterlin, Jahrgang 1890 und zeitenweise Schulprofessor in Lahr, schreibt über Schauenburg, den er persönlich kannte: „Er imponierte ... wegen seiner männlich kräftigen Gestalt. Für das kommunale Leben der Stadt zeigte er stets große Teilnahme. Zeitweilig gehörte er dem Bürgerausschuß an und war auch Obmann des Stadtverordnetenvorstandes. Als langjähriges Mitglied des evangelischen Kirchenausschusses widmete er den Belangen der hiesigen evangelischen Gemeinde sein besonderes Interesse. Sein leutseliges Wesen, seine Lauterkeit und sein gerader, offener Charakter ließen ihn schnell überall heimisch werden und gewannen ihm die Hochachtung und Verehrung aller, die mit ihm in Berührung kamen. Nicht zu vergessen ist seine jahrelange Tätigkeit im Verwaltungsrat des Ersten Deutschen Reichswaisenhauses.“ Der Anstoß zur Gründung dieses Waisenhauses, das bei der Aufnahme von Kindern weder Konfessionsschranken noch Ländergrenzen berücksichtigte, war 1877 von Schauenburgs Vater ausgegangen.
Nachweis: Bildnachweise: Vgl. Lit.

Literatur: Festschrift zur 175-Jahrfeier des Verlages Moritz Schauenburg KG, Lahr, Lahr 1969, Bild Schauenburg 25; Deutsches Geschlechterbuch Bd. 122 (Niedersächsisches Geschlechterbuch Bd. 6), Glücksburg 1957, 159 f., mit Bild; Christian Sütterlin: Lahrer Persönlichkeiten, Ettenheim 1955, 33 f.
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