Staudigl, Josef 

Geburtsdatum/-ort: 18.03.1850; Wien
Sterbedatum/-ort: 21.04.1916;  Karlsruhe
Beruf/Funktion:
  • Sänger
Kurzbiografie: 1874-1884 Erstes Engagement am Karlsruher Hoftheater
1884-1887 Engagement an der Metropolitan Opera, New York
1887-1901 Bühnengastspiele und Konzerttätigkeit, zeitweilige Aufenthalte in (u. a.) Wien, Berlin, Dresden, Innsbruck, Bozen, Meran, Graz
1901 Einstellung der Bühnengastspiele (wegen Krankheit), Fortsetzung der Konzerttätigkeit
1913 Niederlassung in Karlsruhe
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Verheiratet: 1885 Gisela Staudigl, geb. Koppmayer (1864-1929), Sängerin
Eltern: Vater: Joseph Staudigl (1807-1861), Sänger
Mutter: Henriette Staudigl, geb. Putz
Geschwister: 2
GND-ID: GND/117223301

Biografie: Horst Ferdinand (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 4, 283

Wenn Staudigl auch nur eine verhältnismäßig kurze Karriere beschieden war, gelang es ihm doch, aus dem Schatten seines berühmten Vaters – des ersten Stadinger (Waffenschmied, 1846) und ersten Elias (in Mendelssohns Oratorium, 1846) – herauszutreten. Nach gründlicher sängerischer Ausbildung am Konservatorium der Stadt Wien bei bedeutenden Lehrern (V. von Rokitansky, F. Krenn, auch A. Bruckner) betrat Staudigl am 22. 9. 1874 zum ersten Mal die Opernbühne (als Jacob in „Joseph und seine Brüder“ von E. N. Méhul). Dem Ensemble des Karlsruher Hoftheaters – wo er debütierte – gehörte er auf den Tag genau zehn Jahre an und sang in dieser Dekade alle wichtigen Partien seines Fachs: den Holländer, Telramund, auch den König in Lohengrin, Pogner (Meistersinger), Don Giovanni und Leporello, Figaro (Mozart), Kühleborn (Lortzing, Undine), Escamillo etc. Staudigl, der erste Wotan der Karlsruher Oper, besaß einen „weichen, überaus biegsamen Baßbariton“ (F. Schweikert), und es scheint, daß er die Partien, in denen die „gemütliche lyrische Seite herrschte“, den dramatischen vorzog. In der engen Zusammenarbeit mit dem weltberühmten Dirigenten F. Mottl, unter dem Staudigl in vier Spielzeiten sang, vervollkommnete er seine künstlerischen Fähigkeiten und wurde in jugendlichem Alter zum Großherzoglich badischen Kammersänger ernannt. Während seines dreijährigen Engagements an der Metropolitan Opera konnte er „Triumphe feiern, wie sie“ – nach dem Bericht eines Zeitzeugen – „wohl nur wenigen Sängern gegönnt waren“. Er war der erste Pogner in der Metropolitan (4. 1. 1886).
Nach der Rückkehr in die Heimat konnte sich Staudigl offensichtlich leisten, kein festes Engagement mehr anzunehmen, und gastierte in der Folge auf vielen der größeren europäischen Opernbühnen, während zweier längerer Aufenthalte auch, zusammen mit seiner Ehefrau, einer hervorragenden Mezzosopranistin, in den Vereinigten Staaten. Im Jahre 1901 erzwang ein Diabetes mellitus die frühzeitige Beendigung der Bühnenkarriere. Der erst Einundfünfzigjährige versuchte, sein knappes Ruhegehalt – 857,14 Mark jährlich, gezahlt von der Karlsruher Hoftheater-Pensionskasse auf Grund der zehnjährigen Zugehörigkeit zum Hoftheater und der bis 1901 gezahlten Beiträge – aufzubessern, aber seine Hoffnung auf eine größere Schülerzahl erfüllte sich nicht. Er muß aber, besonders nach „glücklichem Verkauf“ (Staudigl) seines Wiener Besitztums, in auskömmlichen Verhältnissen gelebt haben. Die Konzerttätigkeit setzte er fort: „Als Verkündiger Schuberts trat Staudigl das Erbe seines Vaters ... an“ (F. Schweikert). 1912 entschloß sich das Ehepaar, das Wanderleben zu beenden; es wählte Karlsruhe – „das uns mächtig anzog“ –, die Stätte glücklicher und erfolgreicher Jugendtage, als Ruhesitz.
Das Alter von Staudigls Witwe, in dessen Todesjahr zur Großherzoglichen Kammersängerin ernannt, war düster: In der Inflation ging der Rest des Vermögens verloren; ohne Pension und bei nur geringer Schülerzahl war sie gezwungen, Schmuck und andere kostbare Erinnerungsstücke zu verkaufen. – Weder Ton- noch Bilddokumente des Ehepaars sind erhalten geblieben.
Quellen: GLAK 238/1662; 57a/1846; 235/2923.
Nachweis: Bildnachweise: nicht feststellbar.

Literatur: L. Eisenberg, Großes Biograph. Lexikon d. Dt. Bühne im XIX. Jh. (Leipzig 1903); Kammersänger J. Staudigl (Bad. Presse v. 22. 4. 1916, ohne Verf.); F. Schweikert, Dem Andenken J. Staudigls, in: Die Pyramide Nr. 3 (Karlsruhe 1917); A. B. Faust, Das Deutschtum in d. Vereinigten Staaten in s. Bedeutung f. d. amerik. Kultur (Leipzig 1912); K. J. Kutsch/L. Riemens, Großes Sängerlexikon (Bern/Stuttgart 1987, Stichworte Staudigl, Gisela, Mezzosopran; Staudigl Joseph, Baß; Staudigl, Josef, Baß-Bariton).
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