Trautz, Max Theodor 

Geburtsdatum/-ort: 19.03.1880;  Karlsruhe
Sterbedatum/-ort: 19.08.1960;  Karlsruhe
Beruf/Funktion:
  • Chemiker
Kurzbiografie: 1887 Vorschule in Karlsruhe bis 1889, Gymnasium in Karlsruhe bis 1898
1898 X-1903 V Studium der Chemie an der TH Karlsruhe (bis 1900), dann an der Universität Leipzig bis 1903; ebd. 1903 Promotion summa cum laude zum Dr. phil.
1903 X Assistent an dem ehemaligen Laboratorium der Universität Freiburg
1905 II Habilitation ebd.; Probevorlesung: „Die Prinzipien der chemischen Kinetik“
1910 II.07. außerordentlicher Professor für physikalische Chemie ebd.
1910 IV.01. etatmäßiger außerordentlicher Professor für physikalische Chemie an der Universität Heidelberg
1921 außerordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften Heidelberg
1927 I ordentlicher Professor und Direktor des Instituts für physikalische Chemie ebd.
1928 ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften Heidelberg
1934 V-1936 IX ordentlicher Professor und Direktor des ehemaligen Instituts an der Universität Rostock
1936 X ordentlicher Professor und Direktor des ehemaligen Instituts an der Universität Münster
1943 X Ausbombung des Instituts
1944 IX Ausbombung der Wohnung, Umzug nach Bomlitz, Pulverfabrik Gebr. Wolf
1945 X Emeritierung
1948 Rückkehr nach Karlsruhe
1952 Dr. rer. nat. h. c. TH Karlsruhe
Weitere Angaben zur Person: Religion: evangelisch
Verheiratet: 1912 Pembury (Kent, England), Mona Janet, geb. Drysdale (1885-1971)
Eltern: Julius Theodor (1845-1897), Oberkirchenrat
Marie Luise Laura Johanna, geb. Hauer (1857-1941)
Geschwister: Friedrich Max (1877-1952)
Luise Agnes Marie, verh. Krumm (1878-1920)
Kinder: Dieter Max Fritz Ferdinand (1914-1941)
Fritz Alexander Theodor (geb. 1917)
GND-ID: GND/11740733X

Biografie: Alexander Kipnis (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 3, 421-423

In der frühen Kindheit erlitt Trautz eine schwere Erkrankung, die lebenslange Folgen nach sich zog; seine Gesundheit war stets schwach und schloß einen Militärdienst aus. Trautz konnte aber seine Schwäche durch unermüdliche Arbeit überwinden und viele fruchtbare Jahre erleben.
Trautz erhielt eine gute Bildung zuerst im Elternhaus. Die Familie und danach das humanistische Gymnasium hatten ihm ein „Verlangen nach Geistesgütern“ anerzogen, das für ihn während des ganzen Lebens typisch blieb.
Nach dem Abschluß des Gymnasiums mit Prädikat „gut“ studierte Trautz vier Semester Chemie an der TH Karlsruhe, bestand mit besten Noten das Abschlußexamen und ging nach Leipzig, wo er bei W. Ostwald physikalische Chemie studierte und summa cum laude zum Dr. phil. promovierte.
Er erhielt eine Stelle als Assistent des Chemischen Laboratoriums an der Universität Freiburg bei dem Organiker Ludwig Gattermann und begann gleichzeitig seine eigenen Forschungen, zuerst auf dem Gebiet der Photochemie, der er seine Habilitationsschrift widmete. Vom Wintersemester 1905/06 an bis zum Sommersemester 1910 lehrte er theoretische Aspekte der Chemie, insbesondere der Photochemie. Die Jahre in Freiburg waren für die Entwicklung Trautz’ als selbständiger Wissenschaftler entscheidend: Hier entstanden die wichtigsten Forschungsrichtungen seiner Arbeit. Trautz war der erste, der die Idee über die chemische Aktivierung der Moleküle durch das Licht theoretisch wie experimentell erarbeitete. Dabei verband er die neuesten Planckschen Entdeckungen über die Gesetze der Strahlung mit chemischen Ergebnissen bezüglich der Aktivierung der Reaktionen. Zugleich wandte sich Trautz der thermischen Aktivierung chemischer Reaktionen zu. In einer langen Reihe von Forschungen begründete er vielseitig den Begriff „Aktivierungsenergie“, den er im Alter „mein liebstes wissenschaftliches Kind“ nannte und der für die chemische Kinetik eine bedeutende Leistung darstellte.
Als Trautz zum a. o. Professor für physikalische Chemie nach Heidelberg berufen wurde, setzte er diese Arbeiten fort. Seine Arbeitsbedingungen waren sehr ungünstig, das Labor war vollgepackt und organisatorisch war Trautz eingeengt. Trotzdem konnte er, von morgens bis abends tätig, wichtige experimentelle Arbeiten über die chemische Kinetik der Gasreaktionen und über physikalische Eigenschaften der Gase und der binären Gasgemische durchführen. Einige von ihm gefundene Gesetzmäßigkeiten bei Gasgemischen wurden viele Jahrzehnte angewandt. Außerdem verfaßte er – noch in Freiburg geplant – ein Praktikumsbuch und ein Lehrbuch über die Allgemeine Chemie. Das letztere Werk (mehr als 140 Druckbogen) ist besonders interessant als wohl letzterer Versuch, die gesamte Chemie, die theoretische und experimentelle, die beschreibende und konzeptuelle, die organische und anorganische, in einem Buch als eine Einheit darzustellen. Noch heute ist die Konzeption dieses Werkes beispielhaft.
Nachdem 1926 K. Freudenberg als neuer Leiter der Heidelberger Chemie gekommen war, wurde Trautz zum persönlichen ordentlichen Professor und Direktor des neuen Instituts für physikalische Chemie befördert und erhielt für das Institut ein eigenes Haus (das ehemalige Haus Bunsens und Curtius’).
Freudenberg unterstützte Trautz später weiter: Er empfahl ihn als Nachfolger von P. Walden, als Direktor des chemischen Instituts an der Universität Rostock. 1934 übernahm Trautz diese ehrenvolle Stelle. Nach fünf Semestern wechselte er aber an die etwa gleichbedeutende Stelle an der Universität Münster. In Rostock und Münster arbeitete Trautz vorzüglich über verschiedene anorganische Reaktionen, teilweise für die synthetische Anwendung.
Während der Zeit des 3. Reichs war Trautz loyal gegenüber dem Regime – seine Einstellung war, wie er sagte, „stets im nationalen Sinne“. Er nahm also die formellen „Spielregeln“ an, wurde aber kein Mitglied der NSDAP und hatte weder als Rektor noch als Dekan eine Position inne, bis auf das Jahr 1933 in Heidelberg, als der jüdische Dekan entlassen worden war.
Nachdem sein Institut und seine Wohnung durch Luftangriffe zerstört worden waren, sah sich Trautz gezwungen, seine wissenschaftliche Tätigkeit aufzugeben und nach dem Städtchen Bomlitz zu übersiedeln, wo er, durch Vereinbarung mit der Universitätsleitung, Unterkommen und Beschäftigung bei der dortigen Pulverfabrik fand.
Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Trautz in seiner Heimatstadt Karlsruhe und konnte sich noch der Anerkennung seiner Leistungen durch die Zeitgenossen erfreuen. Jene, die ihn kannten, schätzten besonders seine, so Freudenberg, „absolut lautere Persönlichkeit“.
Ein unermüdlicher Arbeiter, Autor von mehr als 190 wissenschaftlichen Werken, hat Trautz, besonders dank seiner Forschungen zur chemischen Kinetik, in der Geschichte der Chemie seinen Platz.
Quellen: UA Freiburg, Auskunft; UA Heidelberg, Personalakte 6113, Personalakte 6114, Rep. 14-5, UB Heidelberg Hs 3695E; GLA Karlsruhe 235/2598; Archiv der Akademie der Wissenschaften Heidelberg, 1-111, UA Rostock, Philosophische Fakultät Nr. 272, Personalakte; UA Münster, Auskunft; UA Karlsruhe, 0/1/52, 0/1/810
Werke: Zur physikalischen Chemie des Bleikammerprozesses (Diss.), Zeitschrift für physikalische Chemie 1904, 47, 513-610; Studien über Chemiluminiszenz (Habilitationsschrift), ebd. 1905, 53, 1-111; Der Temperaturkoeffizient chemischer Reaktionsgeschwindigkeiten, 1908, ebd. 64, 53-88, 1909, 66, 496-511, 67, 93-104, 1910, 68, 295-315, 1911, 76, 129-144; Beitrag zur chemischen Kinetik, Zeitschrift für Elektrochemie 1909, 15, 692-695; Geschwindigkeit von Gasreaktionen, ebd. 1912, 18, 513-520; Praktische Einführung in die Allgemeine Chemie: Anleitung zu physikalisch-chemischem Praktikum und selbständiger Arbeit, 1917; Verlauf der chemischen Vorgänge im Dunkeln und im Licht, Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften Heidelberg, 1917, 8, A 14, 1-36; Das Gesetz der thermochemischen Vorgänge und das der photochemischen Vorgänge, Zeitschrift für anorganische Chemie, 1918, 102, 81-129; Galvanische Elemente, Handbuch der Elektrizität und des Magnetismus, von L. Graetz, Bd. I, 1918, 421-698; Lehrbuch der Chemie, Bd. I-III, 1922-1924; August Friedrich Horstmann, Berichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft 1930, 63 A, 61-86; Abbrandsreaktionen (mit J. D. Holtz), Jahrbuch für praktische Chemie 1937, 148, 225-265; Vorstellung von chemischem Reaktionsereignis: einiges über Ursprung, Leistung und Grenzen davon, ebd. 1943, 162, 121-147
Nachweis: Bildnachweise: Siehe Literatur; Photos im UA Heidelberg und im UA Rostock

Literatur: Poggendorff, Biographisch-literarisches Handwörterbuch, V, 1267-1268, VI, 2683-2684, Vlla, 705-706 (mit Bibliographie); Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft, 1931, 1919 (Bild); G.-M. Schwab, Zu Max Trautz’ 75. Geburtstag, in: Zeitschrift für Elektrochemie 1955, 59, 139f. (Bild); I. N. Stranski, Max Trautz †, 1961, 65, 401-402 (Bild); P. Günther, Max Trautz †, Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Jahresheft 1961/62, 40-41
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