Aubin, Hermann 

Geburtsdatum/-ort: 23.12.1885; Reichenberg (Sudetenland)
Sterbedatum/-ort: 11.03.1969;  Freiburg i. Br.
Beruf/Funktion:
  • Historiker
Kurzbiografie: 1906-1910 Studium der Geschichte an der Universität Freiburg i. Br., Abschluß mit Promotion
1914-1918 Kriegsteilnehmer als Österreichischer Offizier
1916 Habilitation in Bonn („Die Entstehung der Landeshoheit“, 1920)
1925 ordentlicher Prof. in Gießen
1929 ordentlicher Prof. in Breslau
1946 ordentlicher Prof. in Hamburg
1954 emeritiert
1955 Honorarprof. der Universität Freiburg i. Br.
Weitere Angaben zur Person: Religion: ev.
Verheiratet: 1912 (5.9.) Vera, geb. Webner (geb. 29.6.1890)
Eltern: Vater: Carl Alexander (1850-1920), Textilfabrikant in Reichenbach
Mutter: Anna, geb. Schirmer (1856-1935)
Geschwister: 4, Gustav (1881-1938), Nationalökonom und Wirtschaftshistoriker, sowie ein weiterer Bruder und zwei Schwestern
Kinder: 2, Bernhard (geb. 13.11.1913), Prof. Dr. iur., Direktor des Instituts für Europäisches Recht an der Universität des Saarlandes; Gerda, verehelichte Berg (geb. 27.9.1916), lebt in Hamburg
GND-ID: GND/118504991

Biografie: Helmut Maurer (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 2, 9-11

Unter den zahlreichen Nachrufen, die Aubins Leben und Werk würdigten, fand sich kaum einer, der nicht sein – nicht zuletzt durch den akademischen Lebensweg bestimmtes – forschendes Interesse an einer Vielzahl historischer Landschaften Deutschlands hervorgehoben hätte: sein Interesse an und seine wissenschaftlichen Arbeiten über die sudetendeutsche Heimat, die Rheinlande und Westfalen, Schlesien und den deutschen Osten insgesamt und endlich die deutschen Nordseelandschaften. Überall aber vermißt man den Hinweis auf eine deutsche Landschaft, der Aubin – abgesehen von seiner sudetendeutschen Heimat – am längsten verbunden war und der er – was offenbar kaum bekannt geworden ist - vor allem in seinen letzten Lebensjahren auch wissenschaftliche Beachtung geschenkt hat: Wir meinen die Oberrheinlande. Kennengelernt hat Aubin, der zunächst die Universitäten München und Bonn besucht hatte, diese deutsche Landschaft bereits, als er von 1906 bis 1910 in Freiburg studierte, wo er in diesem letztgenannten Jahr auch promovierte. Georg von Belows wegen hatte er, „um das große Problem des zweigeschichteten Staatsaufbaus in Deutschland verstehen zu lernen, die Universität aufgesucht, an der er lehrte“ (Vorwort zum Nachdruck von H. Aubins Habilitationsschrift von 1960).
Durch seine Verheiratung mit einer Freiburgerin der Stadt an der Dreisam noch mehr verbunden, führte ihn seine wissenschaftliche Laufbahn zunächst allerdings an den Niederrhein, ließ ihn, der als österreichischer Offizier im Felde stand, sich 1916 in Bonn habilitieren und ließ ihn eben in Bonn nach dem Ersten Weltkrieg zum Mitbegründer des „Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande“, ja der fortan so fruchtbaren neuen Disziplin einer „Geschichtlichen Landeskunde“ in Deutschland überhaupt werden. Das Bestreben nach „vertiefter Betrachtung unserer Landes- und Volksgeschichte und ihre Einordnung in die größeren abendländischen Kulturzusammenhänge“ (F. Petri über Aubin), diese von ihm selbst als „Kulturraumforschung und Kulturmorphologie“ im universalen Vergleich gekennzeichnete Forschungsrichtung, begleitete ihn auch an die Universitäten Gießen (1925) und Breslau (1929) und schließlich nach Hamburg (1946-1954). Der im Februar 1945 verwundet aus der „Festung“ Breslau herausgeflogene Volkssturmmann Aubin hatte jedoch mit seiner Familie sogleich das ihm vertraute Freiburg zu seinem Hauptwohnsitz erkoren und auch während der Hamburger Jahre beibehalten, so daß er nach der Emeritierung sogleich wieder in Freiburg präsent war. Dort ernannte ihn, der als „geborener Präsident“ (Hans Rothfels) bis 1958 das Amt eines Vorsitzenden des Verbandes der Historiker Deutschlands bekleidete, die Universität sogleich zum Honorarprofessor. In dieser Eigenschaft hat er dann auch während beinahe acht Jahren seine vor allem der „Verfassungs- und Agrargeschichte der Oberrheinlande“ gewidmeten Seminare gehalten, die letztlich darauf zielten, dem frühen Werk über „Die Entstehung der Landeshoheit nach niederrheinischen Quellen“ ein aus oberrheinischen Quellen gewonnenes Pendant zur Seite zu stellen. Diese Seminare, ausgezeichnet durch die Charakterisierung „privatissime“, gefürchtet wegen ihrer hohen Anforderungen, und dennoch getragen von Verehrung und Bewunderung der häufig sogar bereits promovierten Teilnehmer für den bedeutenden Gelehrten, der im äußeren Habitus freilich eher an ein Mitglied des Österreich-ungarischen Hochadels erinnerte, brachten in der Tat eine Fülle neuer Einsichten in die früh- und hochmittelalterliche Verfassungsgeschichte vorab des Breisgaus, der Ortenau und des südwestlichen Schwarzwaldes. Die gewonnenen Erkenntnisse zu einer Darstellung zusammenzufassen, gelang Aubin leider nicht mehr, wie er auch das Vorhaben, in seine aus universaler Warte konzipierte Studie über „Die Rheinbrücken im Altertum und Mittelalter“ vom Jahre 1937 die neuesten Forschungsergebnisse über die Brücken des Hochrheins und über die Breisacher Rheinbrücke einzuarbeiten und die Arbeit zu veröffentlichen, nicht mehr verwirklichen konnte. Indessen beschränkten sich die Wirkungen von Aubins forschendem Interesse an der mittelalterlichen Geschichte der Oberrheinlande keineswegs auf sein Seminar, sondern erstreckten sich ebensosehr auch auf das von Friedrich Metz geleitete Alemannische Institut, dessen Diskussionen er durch seine in souveräner Weise abgegebenen Voten oft überhaupt erst eine fruchtbare Richtung wies.
Dem die Überlieferung des deutschen Ostens pflegenden Freiburger Kopernikuskreis hatte er sich ebenfalls schon früh angeschlossen; die ihm von diesem Kreise zum 70. Geburtstag gewidmete Festschrift brachte in einigen ihrer Beiträge Aubins Interesse an oberrheinischen Themen deutlich zum Ausdruck.
Werke: Verzeichnet in „Schrifttumverzeichnis“ zu H. Aubin, Grundlagen und Perspektiven geschichtlicher Kulturraumforschung und Kulturmorphologie, hg. von F. Petri, 1965, 797-820.
Nachweis: Bildnachweise: vgl. Lit.

Literatur: H. Aubin 1885-1969. Werk und Leben. (= Alma Mater Nr. 32) 1970 (mit Bild; hier S. 76 Verzeichnis weiterer Nachrufe).
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