Bosch, Carl 

Geburtsdatum/-ort: 27.08.1874; Köln
Sterbedatum/-ort: 26.04.1940;  Heidelberg
Beruf/Funktion:
  • Chemiker, Industrieller, Nobelpreisträger
Kurzbiografie: 1893 Abitur an der Oberrealschule in Köln, anschließend Schlosserlehre bei der mit dem väterlichen Betrieb in Geschäftsverbindung stehenden Marienhütte in Kotzenau bei Liegnitz
1894-1896 Studium der Hüttenkunde und des Maschinenbaus an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg
1896-1899 Studium der Chemie an der Universität Leipzig, 1898 Verbandsexamen, Promotion in organischer Chemie, Assistent bis April 1899
1899 Anstellung (April) als Chemiker bei der Badischen Anilin- & Soda-Fabrik (BASF) in Ludwigshafen/Rhein
1899-1909 Betriebschemiker, Betriebsführer der Phthalsäurefabrik, Zusammenarbeit mit Rudolf Knietsch; infolge besonderer Leistungen frühe Protektion durch die Geschäftsführung; ab 1902 – seit 1904 mit Alwin Mittasch -Versuche zur Bindung des Luftstickstoffs
1909-1911 Großtechnische Entwicklung der von Fritz Haber am 2. Juli 1909 im Labor der Technischen Hochschule Karlsruhe demonstrierten katalytischen Hochdrucksynthese von Ammoniak aus atmosphärischem Stickstoff und Wasserstoff
1911 Ernennung (Dezember) zum Prokuristen
1912-1913 Errichtung und Inbetriebnahme der BASF-Ammoniakfabrik in Oppau, des ersten druckkatalytischen Stickstoffwerks der Welt
1914 Ernennung (April) zum stellvertretenden Direktor; „Salpeterversprechen“ (Oktober) gegenüber dem Preußischen Kriegsministerium
1915 Carl Duisberg spricht erstmals vom „Haber-Bosch-Verfahren“
1916 Errichtung und Ausbau der vom Reich geforderten zweiten Ammoniakfabrik der BASF im mitteldeutschen Leuna (vor Fliegerangriffen geschützt, Inbetriebnahme April 1917), Ernennung (November) zum Vorstandsmitglied der BASF
1918 Vertreter der chemischen Industrie bei den Waffenstillstandsverhandlungen in Spa
1919 Sachverständiger der deutschen Delegation bei den Friedensverhandlungen in Versailles (April-Juni); Berufung (Juni) zum Vorstandsvorsitzenden der BASF; Verhandlungen im französischen Kriegsministerium, Bosch muß sich einem Ultimatum beugen: Die BASF verpflichtet sich im „Bosch-Loucheur-Vertrag“ (November) zum Bau einer Ammoniaksynthese in Toulouse und handelt sich den Vorwurf des Landesverrats ein
1921 Explosion (September) des Ammonsulfat-Silos in Oppau mit über 500 Toten
1923 Inbetriebnahme der aus der Ammoniaksynthese entwickelten Methanolsynthese; erste USA-Reise
1925 Vorstandsvorsitzender (1925-1935) der aus der Interessengemeinschaft der Teerfarbenfabriken hervorgehenden I.G. Farbenindustrie A.G.
1926 Beschluß zum Bau einer Großanlage für synthetisches Benzin durch Kohlenstoffhydrierung in Leuna; zweite USA-Reise, Vertragsverhandlungen mit der Standard Oil Co. of New Jersey
1929 Dritte USA-Reise, umfassender Vertragsabschluß (November) mit Standard Oil: Einbringung der außerdeutschen Patente der Kohlenstoffhydrierung in eine gemeinsame Holding-Gesellschaft, Verständigung über Vertrieb des Leunabenzins durch die deutsche Tochtergesellschaft von Standard Oil
1931 Nobelpreis (Dezember) für Chemie – gemeinsam mit Friedrich Bergius (1884-1949) – in Anerkennung der Verdienste um die Entstehung und Entwicklung chemischer Hochdruckmethoden
1933 Abschluß (Dezember) des Benzinvertrags mit dem Dritten Reich
1935 Aufsichtsratsvorsitzender (Frühjahr 1935 bis zum Tod) der I.G. Farbenindustrie
1937 Präsident (Juni) der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Nachfolge von Max Planck
Weitere Angaben zur Person: Religion: ev.
Auszeichnungen: Neben Nobelpreis zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen: u.a. 1915 Dr.-Ing. E. h. (mit Fritz Haber) Technische Hochschule Karlsruhe, 1918 Professortitel, 1924 Titel „Geheimer Kommerzienrat“ (Bayerische Regierung), 1936 Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, 1939 Ehrenbürger der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität in Frankfurt a.M.
Verheiratet: 1902 (Köln) Else Marie (1880-1965)
Eltern: Vater: Carl Friedrich Alexander Bosch (1843-1904), Kaufmann, ab 1868 Mitinhaber, ab 1888 Alleininhaber der Firma C. Bosch, vormals Bosch und Haag, Fabrik und Großhandlung für Gas- und Wasserleitungsartikel in Köln
Mutter: Paula, geb. Liebst (1851-1936)
Geschwister: Emil, Hermann, Robert, Hans, Paula
Kinder: 1 Sohn
1 Tochter
GND-ID: GND/11866204X

Biografie: In: Badische Biographien NF 4, 34-39
Quellen: BASF-Unternehmensarchiv, Ludwigshafen, G 6101 Ammoniak, Geschichtliches, Akten Dr. C. Bosch.
Werke: Über die Kondensation von Dinatrium-Acetondicarbonsäurediäthylester mit Bromacetophenon. Diss. Leipzig 1898; Mitteilungen über d. Verarbeitung d. Ammoniaks auf Düngesalze. Vortrag a. d. Hauptversammlung d. Dt. Bunsengesellschaft in Berlin am 9. April 1918, in: Z. f. Elektrochemie 24 (1918) 361; Der Stickstoff in Wirtschaft u. Technik. Vortrag in Nauheim am 20. September 1920, in: Verhandlungen d. Gesellschaft Dt. Naturforscher u. Ärzte 1921, 27-46; Sozialisierung u. ehem. Industrie. Vortrag am 20. Mai 1921 a. d. Hauptversammlung d. Vereins Dt. Chemiker in Stuttgart. Chem. Ind. 44 (1921) 261; Vortrag a. d. Hauptversammlung d. Vereins Dt. Chemiker in Nürnberg über die Vorbildung der Chemiker. Referat in Z. f. Angew. Chem. 38 (1925) 794; Zukunftsprobleme d. chem. Großindustrie. Wirtschaftshefte der Frankf. Ztg. Nr. 1 v. 24. April 1927; Produktions- u. Absatzverhältnisse d. I. G. Farbenindustrie. Bericht vor d. Ausschuß zur Untersuchung d. Erzeugungs- u. Absatzbedingungen d. Dt. Wirtschaft. III, Die Deutsche Chemische Industrie, 111-135 (3. 12. 1928) Berlin 1930; Handelspolit. Notwendigkeiten. Vortrag im Verein z. Wahrung d. Interessen d. chem. Industrie Dt. Als Manuskript gedruckt November 1932; Erdöl u. synthetisches Benzin. Vortrag im Niederöster. Gewerbeverein in Wien am 12. Mai 1933, Petroleum XXIX Nr. 27; Über d. Entwicklung d. chem. Hochdrucktechnik bei d. Aufbau d. neuen Ammoniakindustrie (Nobelvortrag, 21. Mai 1932), Stockholm 1933.
Nachweis: Bildnachweise: In: Holdermann (1953) passim; Plumpe (1990), nach S. 160; BASF-Unternehmensarchiv, Bronzebüste von Prof. H. Haffenrichter (1958), BASF-Unternehmensarchiv, Ammoniaklaboratorium, BASF AG; Büste von E. Dietz (1955), Dt. Museum München, Ölgemälde von A. Haueisen von 1922, BASF-Unternehmensarchiv; Ölgemälde von L. Samberger (um 1935), BASF AG; Ölgemälde von A. Bresgen (1962), Max-Planck-Gesellschaft, München.

Literatur: D. Stoltzenberg, Fritz Haber: Chemiker, Nobelpreisträger, Deutscher, Jude. Weinheim, New York, Basel 1994; L. Suhling, Walther Nernst u. d. Ammoniaksynthese nach Haber u. Bosch, in: Naturwissenschaft u. Technik in d. Gesch. Stuttgart 1993, 343-356; G. Plumpe, Die I. G. Farbenindustrie AG: Wirtschaft, Technik u. Politik. Berlin 1990; J. Borkin, Die unheilige Allianz der I. G. Farben. E. Interessengemeinschaft im Dritten Reich. Frankfurt (M) 1979; H. Tammen, Die I. G. Farbenindustrie AG (1925-1933). E. Chemiekonzern in d. Weimarer Republik. Berlin 1978; T. P. Hughes, Das „technolog. Momentum“ in d. Geschichte. Zur Entwicklung d. Hydrierverfahrens in Dt. 1898-1913, in: K. Hausen, R. Rürup (Hg.) Moderne Technikgesch. Köln 1975, 358-383; B. Timm, C. Bosch zum 27. August 1974, in: BASF information 8 (1974) 4-9; M. Appl, Fortschritte d. Ammoniakerzeugung, in: Ebd. 14-40; A. v. Nagel, Stickstoff. Schriftenrhe. d. Firmenarchivs d. BASF. Bd. 3. Ludwigshafen 1970; ders., Methanol, Treibstoffe. Ebd. Bd. 5. Ludwigshafen 1970; D. Petzina, Autarkiepolitik im Dritten Reich. Der NS Vierjahresplan. Stuttgart 1968; W. Birkenfeld, Der synthetische Treibstoff 1933-1945. Ein Beitrag z. NS Wirtschafts- u. Rüstungspolitik. Göttingen 1964; B. Timm, 50 Jahre Ammoniaksynthese, in: Die BASF 4 (1963), 168-177; H.-J. Flechtner, Carl Duisberg. Vom Chemiker zum Wirtschaftsführer. Düsseldorf 1961; K. Holdermann, Im Banne der Chemie. C. Bosch Leben u. Werk. Düsseldorf 1953; A. Mittasch, Salpetersäure aus Ammoniak. Geschtl. Entwicklung d. Ammoniakoxydation bis 1920. Weinheim 1953; F. Ter Meer, Die I.G. Farbenindustrie AG. Ihre Entstehung, Entwicklung u. Bedeutung. Düsseldorf 1953; A. Mittasch. Gesch. d. Ammoniaksynthese. Weinheim 1951.
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