Schmid, Richard 

Geburtsdatum/-ort: 31.03.1899;  Sulz am Neckar
Sterbedatum/-ort: 01.01.1986;  Stuttgart
Beruf/Funktion:
  • Jurist, Verfolgter des NS-Regimes, Generalstaatsanwalt, Präsident hoher Gerichte
Kurzbiografie: 1905-1913 Volksschule in Sulz
1913-1917 Oberrealschule in Tübingen
1917-1918 Kriegsdienst
1919-1922 Studium der Rechte in Tübingen, Freiburg und München
1922 I. Juristische Dienstprüfung, 1923 Promotion zum Dr. iur. utr., 1924 II. Juristische Dienstprüfung
1924-1925 Hilfsrichter beim Amtsgericht und Hilfsstaatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart
1925-1938 Rechtsanwalt in Stuttgart
Seit 1933 Illegale Tätigkeit für die „Sozialistische Arbeiterpartei“ (SAP); Reisen nach Paris, Kopenhagen, Zürich, Basel und 1935 in die Sowjetunion
1938 (November) Verhaftung in Mannheim; danach Untersuchungshaft
1940 (19.01.) Verurteilung durch den Volksgerichtshof zu drei Jahren Zuchthaus (Ludwigsburg) und Berufsverbot
1941-1945 Landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter in Tailfingen
1945 (01.06.) Generalstaatsanwalt in Stuttgart; (Dezember) Vereidigung als Generalstaatsanwalt in Stuttgart
1946 (ab Februar) Rechtssachverständiger im Verfassungs-Vorausschuß Württemberg-Baden
1953 (01.04.) Präsident beim Justizministerium; (11.07.) als Staatssekretär Leiter des Justizministeriums; (01.11.) Präsident des Oberlandesgerichts Stuttgart und des Staatsgerichtshofes von Baden-Württemberg
1964 Ruhestand; umfangreiche schriftstellerische Arbeit
Weitere Angaben zur Person: Religion: evangelisch (seit 1927 „glaubenslos“)
Verheiratet: 1942 Stuttgart, Gertrud Banholzer (* 1919)
Eltern: Johann Michael Schmid (1863-1931), Kunstmüller
Clara Dolmetsch (*1873)
Geschwister: 3 Brüder
Kinder: Claudia (* 1943)
GND-ID: GND/118759582

Biografie: In: Baden-Württembergische Biographien 2, 407-410
Quellen: Nachlaß Schmid im HStAS, Q1/40 (6 lfd. m); Personalakte Richard Schmid (No. 7991) im Justizministerium Baden-Württemberg; Akten zum Wiederaufbau der Justiz in Württemberg 1945 im HStAS (Nachlaß Gebhard Müller, Q1/35, B 19)
Werke: Offene Handelsgesellschaft und juristische Persönlichkeit. Jur. Diss., Tübingen 1926; Zum politischen Streik, in: Gewerkschaftliche Monatshefte, Heft 1 (1954); Verjährungsfrist: Erst später ansetzen. Eine Verlängerung ist verfassungsrechtlich nicht zulässig, in: Die Zeit Nr. 6 (1965), 5; Die Post als Zensor. Unsere neue Postordnung verletzt eindeutig die Grundrechte, in: Die Zeit Nr. 9 (1965), 7; Auf dem Weg zum Überwachungsstaat. Das neue Vereinsgesetz und das KPD-Verbot, in: Die Zeit Nr. 11 (1965), 3; Einwände. Kritik an Gesetzen und Gerichten. 1965; Die Justiz im Dritten Reich, in: Die Funktion der Justiz in der modernen Gesellschaft, Tagungsprotokoll 1965, 19-23; Justiz in der Bundesrepublik, 1967; Unser aller Grundgesetz? Praxis und Kritik. 1971; Der Eid: eine fragwürdige Tradition, in: Neues Hochland Nr. 5 (1973), 431-443; Das Unbehagen an der Justiz, 1975; Das Grundgesetz und die Rechtsprechung, in: Roderich Klett (Hg.), Reden auf die Republik, 1979, 45-54; Letzter Unwille, Stuttgart 1984; Frei sollen nicht Verträge, sondern die Menschen sein. Das Leben des Rechts ist Erfahrung, in: Die Zeit Nr. 12 (1985) 72
Nachweis: Bildnachweise: In den genannten Zeitungsartikeln (vgl. Literatur); Nies, 142 (vgl. Literatur)

Literatur: Karl Henn, OLG-Präsident a.D. Richard Schmid zum 75. Geburtstag, in: Juristenzeitung Nr. 7 (1974), 237; Paul Sauer, Demokratischer Neubeginn in Not und Elend. Das Land Württemberg-Baden 1945-1952, 1978, 37, 116; Lehrstücke in Solidarität. Briefe und Biographien deutscher Sozialisten 1945-1949 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 23), hg. von Helga Grebing ..., 1983, 19, 30, 241-250, 257, 348, 352, 363, 370f.; Wolfgang Niess, Richard Schmid, Rechtsanwalt und Sympathisant der SAP, in: Michael Bosch/Niess (Hg.), Der Widerstand im deutschen Südwesten 1933-1945 (SpLBW 10), 1984, 142-152; Gebhard Müller, Wie ich das Kriegsende 1945 erlebte ..., in: Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach, 9. Jg., Heft 2 (1985), 37-40, bes. 40; Munziger-Archiv/Internationales Biographisches Archiv, Lieferung 7/86, P 005974-6/107, Schm-ME; Thomas Blanke, Für Richard Schmid, in: Kritische Justiz, 102ff.; ders., Richard Schmid (1899-1986). Recht für die Menschen, nicht für den Staat, in: Streitbare Juristen. Eine andere Tradition. 1988, 487-495; Ulrich M. Bausch, Die Kulturpolitik der US-amerikanischen Information Control Division in Württemberg-Baden von 1945-1949. Zwischen militärischem Funktionalismus und schwäbischem Obrigkeitsdenken (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart 55), 1992, 95, 98; Frank Raberg, „Vielleicht wird ein Höherer unsere Arbeit segnen“. Josef Beyerle und die politische Neuordnung in Württemberg, in: ZWLG 55 (1996), 313-361, bes. 325ff.<br /> Zeitungen: Ein Angelsachse aus Schwaben, in: Stuttgarter Zeitung vom 30.03.1974; Werner Birkenmaier, Unermüdliches Querdenken für die Meinungsfreiheit, in: ebd. vom 07.01.1986
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