Kolb, Wilhelm 

Geburtsdatum/-ort: 21.08.1870;  Karlsruhe
Sterbedatum/-ort: 18.04.1918;  Karlsruhe
Beruf/Funktion:
  • Journalist, SPD-Politiker, Mitglied des Landtags
Kurzbiografie: 1894 Expedient des „Volksfreund“ in Karlsruhe
1899 Redakteur des „Volksfreund“
1899-1902 und 1905-1908 Stadtverordneter in Karlsruhe
1903-1918 Mitglied der 2. Kammer der badischen Landstände, 1905 Fraktionsvorsitzender
1908-1918 Stadtrat
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Verheiratet: 1894 Sofie Regina, geb. Faßbind (geb. 1870)
Eltern: Vater: Johann Wilhelm, Schuhmacher
Mutter: Christiane, geb. Mienhardt
Kinder: Keine
GND-ID: GND/124441807

Biografie: Karl Otto Watzinger (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 4, 168-169

Als Malergeselle wanderte Kolb einige Jahre durch Süddeutschland und die Schweiz. Nach Karlsruhe zurückgekehrt wurde er 1894 Expedient des in Offenburg von Adolf Geck herausgegebenen „Volksfreund“. Im Jahre 1899 trat er in die Redaktion des nach Karlsruhe verlegten „Volksfreund“ ein. In demselben Jahr wurde er Mitglied des Bürgerausschusses und 1903 in die 2. Kammer der badischen Landstände gewählt.
Nach der Landtagswahl von 1905 wurde Kolb Vorsitzender der SPD-Fraktion, wo er mit dem Mannheimer Rechtsanwalt Ludwig Frank die Großblockpolitik zwischen SPD, Demokraten und Nationalliberalen einleitete. Als Vertreter einer jungen, nicht dogmatisch festgelegten Generation hatten der 35jährige Autodidakt und der 31jährige Anwalt keine Berührungsängste vor dem freiheitlich gesinnten badischen Bürgertum und erkannten in der Zusammenarbeit mit diesem die Chance, die drohende Vorherrschaft des Zentrums in Baden zu verhindern. Wenn beide auch im Grundsatz Republikaner waren, so war doch ihr Nahziel die parlamentarische Monarchie. Sie waren daher zur Mitarbeit an der Gesetzgebung der liberalen Großherzöge Friedrich I. und Friedrich II. bereit und nahmen auch an der Beisetzung des allseits beliebten Großherzogs Friedrich I. im Herbst 1907 teil, was zu Protesten radikaler Parteimitglieder führte. Die Stichwahlabkommen mit Demokraten und Nationalliberalen führten dazu, daß die SPD-Fraktion 1905 von sechs auf 13 und 1909 auf 20 Mandate anstieg und damit nach dem Zentrum zur zweitstärksten Fraktion wurde. Mit der Zustimmung dieser drei Parteien konnte der badische Innenminister von Bodman weitreichende Reformen wie die Schulreform, die Reform der Einkommensteuer und die Neuordnung der Gemeindeverfassung durchführen. Als Konsequenz davon stimmte die SPD-Fraktion dem Budget von 1908 und 1910 zu, wodurch sich Kolb und Frank schweren Angriffen von führenden SPD-Politikern des Reiches aussetzten.
Auf dem Nürnberger SPD-Parteitag 1908 erklärte Kolb, daß die Taktik den Verhältnissen angepaßt werden müsse, und daß die Dinge sich anders entwickelten, als sie sich der Theoretiker der Partei, Karl Kautsky, in seiner Studierstube vorstelle. Die Koalition von Bassermann bis Bebel, die sich Friedrich Naumann im Reich vergeblich gewünscht hatte, war in Baden durch die pragmatische Haltung von Kolb und Frank und die fortschrittliche Einstellung des badischen Bürgertums verwirklicht.
Auch bei seiner verantwortlichen Tätigkeit als Fraktionsvorsitzender vernachlässigte Kolb seine Aufgaben als Stadtrat nicht, wo er in vielen Kommissionen mitwirkte, so z. B. in der Schul-, Straßenbahn- und Bäderkommission und in den Beiräten der Realschulen und des Realgymnasiums. Als Inspektor der städtischen Gutsverwaltung bemühte er sich im Ersten Weltkrieg, die unzureichende Lebensmittelversorgung seiner Mitbürger zu verbessern. Im April 1918 ist Kolb nach schwerem Leiden verstorben und konnte wie sein im Krieg gefallener Mitstreiter Frank seine Erfahrungen nicht mehr in den Aufbau des Freistaates Baden nach dem Krieg einbringen.
Werke: Die Tätigkeit d. Sozialdemokratie im Bad. Landtag 1907/08, Karlsruhe 1908; Die Tätigkeit d. Sozialdemokratie im bad. Landtag 1909/10, Mannheim 1910; Desgl. 1911/12, Mannheim 1912; Desgl. 1913/14, Mannheim 1914; Die Sozialdemokratie am Scheidewege, Karlsruhe o. J. (um 1915); Aus vergangenen Tagen. E. Beitr. z. Gesch. d. Volksfreund u. d. Karlsruher Parteibewegung, in: Jörg Schadt (Hg. u. Bearbeiter). Wie wir den Weg zum Sozialismus fanden, Stuttgart 1981, 29-35.
Nachweis: Bildnachweise: Jörg Schadt a. a. O. 32.

Literatur: N. N., W. Kolb, in: Sozialist. Mh. Jg. 24, Bd. 50 (1918) 434; Jörg Schadt, Wolfgang Schmierer (Hgg.). Die SPD in Baden-Württemberg u. ihre Geschichte. Von den Anfängen der Arbeiterbewegung bis heute, Stuttgart 1979 (Schrr. z. pol. Landeskd. Baden-Württembergs, Bd. 3). 27, 29, 83 f., 93-97 u. ö.; K. O. Watzinger. Ludwig Frank. Ein dt. Politiker jüd. Herkunft, Sigmaringen 1995.
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