Lichtenstern - Rettungshaus, Lehrerseminar, Stiftung

Rettungshaus

Das ehemalige Kloster Lichtenstern, 1867.
Das ehemalige Kloster, abgebildet in Lichtenstern als Frauenkoster, Oberamtei und Anstalt von Christian Eichenhofer, 1867.

Nachdem das Zisterzienserinnenkloster Lichtenstern 1570 aufgelöst worden war, wurde der dazugehörige Besitz durch einen herzoglichen Klosterhofmeister verwaltet. Die Klosterhofmeisterei bestand bis 1806; danach verfielen die nunmehr ungenutzten Gebäude und wurden 1834 auf Abbruch verkauft. 1836 schließlich entstand in Lichtenstern auf Initiative von Dr. Karl August Zeller (1774–1846) ein Rettungshaus zur Unterbringung und Erziehung verwaister und verwahrloster Kinder. Es stand in der Trägerschaft eines Vereins, dem die Honoratioren der Umgebung, darunter auch Justinus Kerner in Weinsberg, angehörten.

Das Zeller folgte hier dem Vorbild seines jüngeren Bruders Christian Heinrich (1779–1860), der 1820 in Beuggen am Hochrhein die erste Einrichtung dieser Art gegründet hatte. Während jedoch die Pädagogik in Beuggen durchaus pietistisch orientiert war, muss Karl August Zeller als Pestalozzianer und Spätaufklärer bezeichnet werden, der den Gedanken einer gegenseitigen Erziehung der Kinder zu verwirklichen gedachte. Darüber kam es zu Unstimmigkeiten mit dem Komitee, so dass Zeller bereits 1837 aus der Leitung Lichtensterns ausschied. Das Rettungshaus folgte künftig dem Beispiel der anderen Rettungshäuser.

Lehrerbildungsanstalt

1839 wurde mit ihm eine Armenlehrerbildungsanstalt verbunden, deren Zöglinge ein Handwerk zu erlernen hatten, um damit ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Die in Lichtenstern ausgebildeten Lehrer waren vorgesehen für den Einsatz in deutschen Auswanderergemeinden in Amerika, vor allem aber in Russland, sowie in der Mission. Die wenigsten von ihnen traten in württembergische Schuldienste. Bei einem Brand am 17. Mai 1906 wurde das als Unterkunft der Kinder dienende Bandhaus der einstigen Klosterhofmeisterei zerstört, in der Folge aber in zeitgemäßen Formen wiederaufgebaut. Das Lehrerseminar, das bis dahin alle Veränderungen in der Lehrerbildung mitgemacht hatte, wurde 1922 geschlossen.

Nachdem seit 1933 hin und wieder Gruppen des Reichsarbeitsdiensts in Lichtenstern untergebracht waren, mussten 1943 die größeren Kinder das Heim verlassen, damit dort ein Wehrertüchtigungslager eingerichtet werden konnte; andere dergleichen Einrichtungen folgten. Seit Kriegsende waren etwa sechzig bombengeschädigte Löwensteiner Bürger in Lichtenstern untergebracht. 1946 wurde eine evangelische kirchliche Lehrerinnenoberschule eingerichtet, die 1954 als Lichtenstern-Gymnasium nach Großsachsenheim übersiedelte. Für einige Jahre waren dann die Unterklassen des evangelischen Kirchlichen Aufbaugymnasiums Michelbach hier untergebracht.

Stiftung

Seit 1963 baute die Diakonie Stetten im Remstal das Evangelische Heim Lichtenstern für Menschen mit geistiger Behinderung auf. Rund 350 Personen mit Behinderung nutzen derzeit die am individuellen Hilfebedarf ausgerichteten Wohnangebote im einstigen Klosterareal und in der Region. Das Angebot der Evangelischen Stiftung Lichtenstern umfasst in Lichtenstern einen Kindergarten, eine Sonderschule mit Außenklassen, eine Werkstatt für behinderte Menschen und therapeutische Angebote, ferner werden ambulante Dienste geleistet.

Hermann Ehmer

Veröffentlicht in: Der Landkreis Heilbronn. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Heilbronn (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2010, Bd. 1, S. 222. 

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