Von der Hohenzollern-Prinzessin zur Königin von Portugal: Stephanie von Hohenzollern-Sigmaringen

Programm zur Festvorstellung im Düsseldorfer Stadttheater anlässlich der Verlobung von Stephanie. Vorlage: Landesarchiv BW, StAS FAS HS 1-80 T 19 Nr. 41
Programm zur Festvorstellung im Düsseldorfer Stadttheater anlässlich der Verlobung von Stephanie. Vorlage: Landesarchiv BW, StAS FAS HS 1-80 T 19 Nr. 41

Mit 21 Jahren ohne den Bräutigam Hochzeit gefeiert und dann an einen Ort verschifft, der über 2.000 km vom Geburtsort entfernt liegt. Dies erlebte Stephanie, das zweite von sechs Kindern des Fürsten Karl-Anton von Hohenzollern-Sigmaringen.

Geboren wurde Stephanie auf Schloss Krauchenwies bei Sigmaringen am 15. Juli 1837. Bis heute unvergessen ist sie vor allem in Düsseldorf, wo man ihr ein Denkmal setzte und wo bis heute der Schützenverein jedes Jahr am 2. Mai den Stephaniengedenktag begeht.

Wie gelangte eine Hohenzollern in die Stadt am Rhein? Stephanies Vater, Fürst Karl-Anton, trat Ende 1849 die Souveränität seines Landes an Preußen ab. Daraufhin erhielt er 1852 das Amt des Divisionskommandeurs in Düsseldorf. Die Familie lebte von nun an dort, Stephanie war zu dieser Zeit 15 Jahre alt. Die Prinzessin war aufgrund ihrer hilfsbereiten und mitfühlenden Art sehr beliebt im Volk. Diese Eigenschaften trugen ihr auch ihren Ehrentitel ein: Engel der Armen. Bereits in jungen Jahren kümmerte sie sich persönlich um die Armen und Schwachen, auch in Begleitung ihrer Mutter, Josephine von Baden.

Bald sollte sich ihr Leben jedoch grundlegend ändern. 1857 ließ Dom Pedro V., König von Portugal, durch einen Gesandten den Fürsten Karl-Anton um die Hand seiner Tochter bitten. Die Familie der zukünftigen Königin stimmte zu.

Es war eine hochpolitische Eheverbindung, waren die Sigmaringer Hohenzollern doch Teil des Gesamthauses Hohenzollern und damit des preußischen Königshauses. Um die Nähe zum preußischen Königshaus zu betonen, fand deshalb die Hochzeit am 29. April 1858 in der St. Hedwigskirche in Berlin statt. Wie schon bei der Verlobungsfeier am 15. Dezember 1857 in Düsseldorf, war der portugiesische König nicht dabei. Es handelte sich um eine Hochzeit durch Prokuration, bei der Stephanies Bruder, der Erbprinz Leopold, die Stelle des Bräutigams versah. So konnte die Prinzessin offiziell als Königin das Schiff nach Portugal besteigen. Erst in Lissabon begegnete sich das Brautpaar zum ersten Mal; dort fand noch einmal eine Trauung statt.

Das portugiesische Volk gewann seine junge Estefania bald lieb. Sie setzte sich auch hier ein für alle diejenigen, die in Not waren. Doch Stephanies Leben als Königin währte nur kurz. Bereits 14 Monate nach ihrer Ankunft in Lissabon, am 17. Juli 1859, nur zwei Tage nach ihrem 22. Geburtstag, verstarb sie an Diphtherie. Sie wurde tief betrauert, sowohl in Portugal als auch in Düsseldorf. Dom Pedro schrieb in einem Brief: Es gibt wenig Trost und Linderung für solche Schmerzen wie der, welcher mich augenblicklich verfolgt. Er gründete in ihrem Andenken das Krankenhaus Estefania, das bis heute Bestand hat.

 Lara S. Sauer

Quelle: Archivnachrichten 52 (2016), S.45.

Suche
Durchschnitt (0 Stimmen)
Zum Kommentieren bitte anmelden