Bösingen - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 0994

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Bei Bauarbeiten auf dem Lindenbühl wurde 1959 eine circa 90 cm lange Spatha gefunden, die mit einem in der Nähe des Ortes vermuteten Reihengräberfeld aus der Merowingerzeit in Verbindung gebracht wird. Die große Ortsmarkung wie auch der Ortsname auf -ingen (Personenname Bozzo) sprechen für eine alemannische Gründung in der so genannten Landnahmezeit. Die 994 erstmals genannte Ortschaft präsentiert sich als ausgedehntes Haufendorf, das bereits 1789 neben den ortsbildprägenden, vielfach stattlichen Bauernhöfen zahlreiche, vor allem auf der Allmende entstandene »Taglöhnerhäusel« aufweist. Neben der Dorfsiedlung umfasst die Gemarkung – neben den später entstandenen Herrenbühlhof und Waldhof – den aus dem Herdererhof hervorgegangenen Weiler Kasperleshof. Der etymologisch wohl vom mittelhochdeutschen »Hart« (entspricht Weidewald) oder »Herter« (entspricht Viehhirt) herzuleitende Herderer Hof wird 1371 erstmals urkundlich genannt und besitzt in Mittelalter und Frühneuzeit eine eigene Gemarkung. Seit dem 15. Jahrhundert erscheint der Hof im Besitz der Herren von Zimmern, die ihn seit 1508 als Erblehen an die Gemeinde Bösingen verleihen. Rottweil setzt diese Praxis 1595 zunächst fort.
Historische Namensformen:
  • Bosinga 0994
Geschichte: König Otto III. bestätigt 994 dem Kloster Petershausen die Schenkung eines Gutes zu Epfendorf mit Zubehör unter anderem in Bösingen. Begütert in Bösingen sind in der Folge gleichermaßen die Klöster Stein am Rhein, Alpirsbach und Hirsau. Zum Petershauser Besitz gehört auch die Epfendorfer Kirche samt den Zehnten sowohl im Pfarrort selbst als auch in den angeschlossenen Filialen (darunter Grünlingen). Petershausen verkauft 1482 und 1490 seinen Epfendorfer Besitz an die Herren von Zimmern, Stein am Rhein kann seinen Außenposten am oberen Neckar noch etwas länger halten, und Alpirsbach verfügt bis zum Verkauf an das Rottweiler Spital 1791 über sieben Güter (315 Jauchert). Bereits seit dem 14. Jahrhundert gewinnt die aufstrebende Reichsstadt Rottweil über ihre frommen Stiftungen, namentlich das Spital und die Heilig-Kreuz-Bruderschaft, verschiedene Klöster und die Stadtpfarrei einen wachsenden Anteil an der Bösinger Grundherrschaft. 1739 befindet sich die auf 22 verschiedene Inhaber aufgesplitterte Grundherrschaft zu 23 Prozent im Besitz der Reichsstadt selbst und der vom Magistrat verwalteten Stiftungen, weitere 20 Prozent besitzen Rottweiler Kirchen, Altarpfründen, Klöster und Orden, 8 Prozent entfallen auf Kirchenpflegen, Pfarrer und Widumgüter der reichsstädtischen Landschaft, 25 Prozent sind gemeinsam von Rottweiler und auswärtigen Grundherren vergebene Bauernlehen, und lediglich 24 Prozent des Grundbesitzes sind zur Gänze unter der Kontrolle von »ausländischen« Grundherren: der Klöster Rottenmünster, Wittichen und St. Georgen in Villingen (Priorat Rippoldsau), der Oberndorfer Dominikanerinnen, des württembergischen Klosteramts Alpirsbach und der Heiligenpflege des österreichischen Nachbardorfes Waldmössingen. Den Zehnten des nicht nach Epfendorf eingepfarrten Ortsteils von Bösingen teilen sich der Ortspfarrer und die örtliche Heiligenpflege, der Großzehnte der Epfendorfer Filiale Grünlingen geht je zur Hälfte an Rottweil und den Epfendorfer Pfarrer, ehe die Reichsstadt 1785 den gesamten Fruchtzehnten erwerben kann. Die Ortsherrschaft, die ein Lehen zunächst der Grafen von Hohenberg, sodann der Grafen von Sulz und schließlich seit 1687 der Grafen beziehungsweise Fürsten von Schwarzenberg ist, findet sich seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert in zwei Hälften geteilt; 1539 kann die Reichsstadt Rottweil beide Teile dauerhaft unter ihre Kontrolle bringen. Als Untertanenort der Reichsstadt Rottweil wird Bösingen dem Pürschvogteiamt zugeordnet. Als Besonderheit innerhalb des reichsstädtischen Landgebiets leistet Bösingen zusammen mit den gleichfalls an der Peripherie des Territoriums gelegenen Nachbarorten Winzeln, Hochmössingen und Seedorf der reichsstädtischen Landesherrschaft ein Geldsurrogat anstelle von tatsächlichen, vor allem in Fuhrdiensten bestehenden Fronen. Die Gemeinde tritt 1386 zunächst als »geburschaft« in Erscheinung, 1399 sodann verbürgen sich die Bösinger Bauern für ihren Ortsherrn Konrad von Justingen, im gleichen Jahr werden die gegenseitigen Rechte und Pflichten festgeschrieben. Zusammen mit den anderen Dorfgemeinden der reichsstädtischen Landschaft beteiligt sich auch Bösingen an den mit Unterbrechungen von 1684 bis 1783 währenden Untertanenkonflikten im Rottweiler Landgebiet. Im ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhundert verteidigt die Gemeinde letztlich erfolgreich den ihr bereits von den Herren von Zimmern (1508) und auch von Rottweil (seit 1595) verliehenen Besitz des Herdererhofs (1789: 279 Jauchert). Mit gerade einmal einem Angehörigen ist die stetig wachsende unterbäuerliche Schicht 1791 neben sechs Groß-, zwei Mittel- und zwei Kleinbauern im Dorfgericht vertreten. Zum Pirschvogteiamt der Stadt Rottweil gehörend, kam Bösingen 1803 an Württemberg, zum Landoberamt Rottweil, 1808 Oberamt Rottweil.
Wirtschaft und Bevölkerung: Die von Rottweil angelegten Musterungslisten vermerken für Bösingen einen Rückgang der wehrfähigen Männer von 68 im Jahr 1615 auf noch 34 nach dem 30jährigen Krieg im Jahr 1675. Die Zahl der Steuerpflichtigen im Ort steigt von 1740/41 bis 1802 von 72 auf 81 an. Am Jahrgericht 1788 nehmen 62 männliche Dorfbürger teil, die Zahl der Familien beträgt 1803 insgesamt 78. 1769 werden in Bösingen 308 Osterkommunikanten ermittelt, 85 Gemeindemitglieder nahmen nicht teil. Nach den Bevölkerungsverlusten des 30jährigen Krieges verzeichnet Bösingen eine Zuwanderung aus der Schweiz (elf von insg. 64 auswärtigen Ehepartnern zwischen 1659 und 1703) und sodann, im 18. Jahrhundert, vor dem Hintergrund eines zunehmenden Bevölkerungsdrucks, mindestens 45 Auswanderer vor allem in den habsburgischen Donauraum. Bösingen ist bis zum Übergang an Württemberg 1802/03 ein ausschließlich landwirtschaftlich bestimmtes Dorf. Gegenüber benachbarten Dörfern fällt Bösingen durch eine großbäuerlich bestimmte Betriebsstruktur mit Höfen von häufig mehr als 90 Jauchert Besitz auf. 1739 besitzen die 20 Vollbauern des Ortes (ein Drittel der insgesamt 60 Betriebe) 96 Prozent des gesamten individuell genutzten Bodens, 1789 kommen die jetzt 27 Vollbauern (bei insgesamt 72 Betrieben) auf einen Anteil von 91 Prozent. Für die Mehrzahl der Dorfarmen verbleiben damit nur sehr bescheidene Gütchen vielfach unter der Subsistenzgrenze. Die damals 32 Bösinger Taglöhner erwerben 1687 von Rottweil Felder in den vier Gewannen »Hochenbach«, »Rüedere«, »Staigli« und »Herrenbühel« und nutzen diese in der Folge als Eigengüter. 1739 sind 87 Prozent des individuell genutzten Grundbesitzes grundherrschaftlich gebunden und nur 13 Prozent bäuerliches Eigen. In Bösingen dominiert der Ackerbau: 1802 werden 2122 Jauchert Ackerfeld und nur 265 Jauchert Wiesen ermittelt. Die Allmende (1789: 457 Jauchert) wird großenteils für die Viehweide genutzt. Der zwischen Rottweil und seinen Untertanendörfern abgeschlossene Landschaftsrezess von 1698 garantiert Bösingen die Zulassung eines Maurers und eines Zimmermanns sowie, gemeinsam mit Herrenzimmern und Talhausen, überdies eines – in Rottweil verbürgerten – Schmieds und eines Schneiders. 1751 lässt sich überdies ein Barbier nachweisen. Nicht unter den Handwerkerzwang fallen die 1793 genannten beiden Wirte.

Ersterwähnung: 1275
Kirche und Schule: 1275 ist für Bösingen erstmals ein Kirchherr belegt. 1463 ist der Bösinger Pfarrsatz im Besitz des Klosters Alpirsbach. 1649 tauscht Herzog Eberhard III. als Inhaber des mittlerweile von Württemberg säkularisierten Klosters den Bösinger Pfarrsatz an das Kloster St. Blasien, das Rottweil das Nominationsrecht bei der Kandidatenauswahl überlässt. Die Bösinger Pfarrkirche ist ursprünglich eine Marienkirche, nach dem Wiederaufbau nach dem 30jährigen Krieg wird 1657 der Hochaltar dem heiligen Wendelin geweiht. Der nördliche Ortsteil Grünlingen ist als Filial nach Epfendorf eingepfarrt. Erst 1743 erhalten die Grünlinger die Erlaubnis, sich auf dem Bösinger Friedhof beerdigen zu lassen. 1786 und 1791 räumt der Epfendorfer Pfarrer seinem Bösinger Mitbruder die seelsorgerliche Betreuung der damals sieben Grünlinger Höfe ein, die endgültige Lösung aus dem Epfendorfer Pfarrverband erfolgt erst 1823. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wird erstmals ein Schulmeister namentlich erwähnt. 1789/90 wird ein Schulhaus genannt. Katholische Pfarrkirche St. Wendelin von 1817. Die Evangelischen nach Rottweil.
Patrozinium: St. Wendelin
Ersterwähnung: 1817

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