Adliges Damen-Stift Frauenalb 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1180 [um 1180]
Zerstörung/Aufhebung: 1803 [1803]
Beschreibung: Das in den 70er Jahren des 12. Jh., spätestens aber kurz vor 1185 durch die Grafen von Eberstein als adliger Benediktinerinnenkonvent gegründete Frauenalb war schon seit 1367 Gegenstand von Streitigkeiten um die politische Vormundschaft. Neben den für adelige Stiftungen vorherrschenden religiösen und politisch-wirtschaftlichen Beweggründen war das "Dominarum in Alba" von Anfang an gestiftet worden, damit "die unverheirateten oder verwitweten Frauen des Adels ein kontemplatives und standesgemäßes Leben führen konnten. Besondere Funktionen, etwa als Grablege der Stifterfamilie, hat es nie erfüllt und offensichtlich auch nie erfüllen sollen". Die erste Äbtissin, Oda von Eberstein, wird in der Bulle Papst Coelestins III. vom 18. Mai 1193 genannt. Ganz im Sinne einer Familienstiftung handelt es sich hierbei um die Schwester des Gründers Eberhard III. von Eberstein. Die Konventsmitglieder stammten bis ins 15. Jh. vorwiegend aus dem Ministerialadel des ebersteinischen Lehenshofes und aus mit den Stiftern anderweitig verbundenen Adelsgeschlechtern. Während ihrer Blütezeit im 13. und 14. Jh. bestand die Gemeinschaft aus bis zu 30 Frauen und wurde mit zahlreichen Stiftungen ausgestattet. 1387 veräußerte Wolf von Eberstein seine Hälfte der Grafschaft Eberstein an Markgraf Rudolf von Baden. Von nun an sah sich das Gotteshaus untrennbar mit der Geschichte der Markgrafen verbunden, denn Baden (nach der Landesteilung Baden-Baden) und Eberstein übten ab diesem Zeitpunkt gemeinsam die Schirmvogtei über Frauenalb aus. Das Kloster selbst hatte Patronatsrechte über vier Gemeinden und besaß dort die Niedergerichtsbarkeit sowie weitere Hoheitsrechte. Die Äbtissin übte hier mehr oder minder alle obrigkeitliche Gewalt aus. Das Klostergebiet erstreckte sich über die damaligen Dörfer Metzlinschwand, Burbach, Spessart, Unterniebelsbach, Bilfingen, Ersingen, Pfaffenroth, Schielberg und Völkersbach sowie über 15.000 Morgen Wald. Aus über fünfzig Dörfern wurden Zinsen und Gülten bezogen. Bereits im 15. Jh. wurde die "vita communis" faktisch aufgelöst zugunsten einer eher unverbindlichen Gemeinschaft adliger Damen mit Privateigentum, Einzelstuben und ohne einheitliche Ordenskleidung. Dennoch blieb man Reformansätzen nicht ganz verschlossen. Vor allem die Bursfelder Reformbewegung muss Einfluss auf Frauenalb genommen haben. Zwischen 1488 und 1495 finden sich die Frauenalber "Schwestern" in den Totenlisten der Bursfelder Generalkapitelsrezesse. Auch sind die erhaltenen Liturgica bursfelderisch. Im Bereich der Schreibtätigkeit ist in dieser Epoche ein deutlicher Aufschwung feststellbar. Eine ganze Reihe von Konventualinnen, darunter die letzte ebersteinische Äbtissin Anna und die spätere Katharina von Remchingen hatten sich in der ersten Hälfte des 16. Jh. als Schreiberinnen namhaft gemacht. Während der Reformationszeit war die Schutzherrschaft über Frauenalb aufs Engste mit der Trennung der badischen Lande in die Linien Baden-Baden und Baden-Durlach und dem daraus resultierenden reformationsgeschichtlichen Verlauf verknüpft. 1535 stellte zunächst die baden-badische Linie die Vogteiherren für Frauenalb. Von 1594 an waren die beiden Markgrafschaften nach der so genannten "Oberbadischen Okkupation" des katholischen Baden-Baden durch das evangelische Baden-Durlach faktisch vereint. Im Rahmen dieser "Okkupation" kam es zur Aufhebung Frauenalbs 1598 durch den baden-durlachischen Landesherrn Markgraf Ernst Friedrich. Als Schirmherr des Klosters nahm er den angeblichen "Verfall der Sitten" und finanzielle Unregelmäßigkeiten zum Anlass, die Äbtissin im Pforzheimer Spital gefangen zu setzen, das Gebiet des Konvents in Besitz zu nehmen und dort die Reformation einzuführen. Die Insassinnen wurden mit einem Deputat abgefunden. Bis Ende September 1609 hatte auch das letzte Konventsmitglied das Gotteshaus verlassen. Im 30-jährigen Krieg bzw. nach der Schlacht bei Wimpfen 1622 wurde der katholische baden-badische Markgraf Wilhelm in die Herrschaft eingesetzt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem katholischen Landesherrn kam es zu einer Restituierung des Benediktinerinnenkonvents. 1631 wurde Frauenalb mit Benediktinerinnen aus Urspring neu besiedelt, die zwischen 1632 und 1634 wegen der Kriegswirren nach Urspring und Lichtenthal fliehen mussten. Erst 1634 kehrten die Klosterfrauen endgültig nach Frauenalb zurück, und im gleichen Jahr kam es zur kaiserlichen Konfirmation der Benediktinerkongregation. Am 23. Oktober 1635 erfolgte die Huldigung der Untertanen vor der Äbtissin Johanna Maria von Mandach. Das Verhältnis zwischen Schirmvögten und Konvent war von Anfang an von Auseinandersetzungen geprägt, so dass Frauenalb 1639 vor dem Kaiser gegen badische Eingriffe in seine Rechte klagte und Kaiser Ferdinand III. "mein freiadliges Kloster als des Reichs" unter seinen Schutz stellte. Der Markgraf widersetzte sich jedoch allen kaiserlichen Mandaten. Dennoch kam 1655 ein Schutz- und Schirmvertrag zwischen Baden und Frauenalb zustande, der die jeweiligen Rechte festlegte und die Schutzpflicht Badens gegenüber dem Stift erneuerte. Mit der bereits zu dieser Zeit programmatisch geführten Titulatur Frauenalbs als "freyadliches Gotteshaus" konnte Baden nicht einverstanden sein und die Streitigkeiten um die "territoriale Superiorität" zogen sich bis zum vernichtenden Urteil des Reichskammergerichtes 1782 hin, welches die baden-durlachische Landeshoheit bestätigte. Als Äbtissinnen des adligen Stiftes werden u. a. Johanna Maria von Mandach (1631/35-1643), Maria Margarethe von Greith (1643-1689), Maria Salome von Breitenlandenberg (1689-1715) und Maria Gertrud von Ichtrazheim (1715-1761) genannt. Bei der Wahl letzterer setzte sich der Konvent aus 15 Frauen zusammen. Maria Gertrud, aus einem unterelsässischen Adelsgeschlecht stammend, wurde 1715 gewählt und konfirmiert. Sie war die erste Freifrau unter den Äbtissinnen. Nicht nur die seit 1728 auftretenden Auseinandersetzungen mit dem Bischof von Speyer, die fehlende Klausur betreffend, beschäftigte die Äbtissin, auch der Konflikt mit der Landesfürstin Sibylle Augusta verschärfte sich unter ihr. Die Zahl der adeligen Insassinnen schmolz im 18. Jh. zusammen, so dass 1787 nur noch sieben, dazu meist kranke Stiftsdamen im Konvent lebten. Die neue Äbtissin, Maria Antonia von Beroldingen, schlug dem Bischof von Speyer vor, entweder das Professalter auf das 25. Lebensjahr heraufzusetzen oder Bürgerliche zuzulassen. Der Bischof gestattete, dass es künftig genügen sollte, wenn nur noch die Eltern einer Novizin von Adel seien. Die letzte Äbtissin, Maria Viktoria von Wrede aus Gießen (1793-1802), eine Konvertitin, verfolgte das Anliegen ihrer Vorgängerin weiter, entgegen den Stiftsstatuten auch nicht-adelige Novizinnen aufzunehmen. Faktisch kam es jedoch nie zu einer Aufnahme nichtadeliger Novizinnen. Im Zuge der Säkularisation nahm Baden im Dezember 1802 provisorisch von Frauenalb Besitz und hob es 1803 endgültig auf. Im Konvent Maria Viktorias von Wrede befanden sich bei der Auflösung auch Mitglieder des französischen Emigrantenadels. Die verbliebenen zehn Stiftsdamen, Novizinnen und Laienschwestern wurden teils finanziell abgefunden, teils gingen sie in andere Klöster oder zu Verwandten; eine von ihnen hatte sich bereits 1803 verheiratet. Während sich von der 1598 erwähnten Klosteranlage kaum Spuren erhalten haben, sind die Neubauten unter den Äbtissinnen Maria Salome von Breitenlandenberg und Maria Gertrud von Ichtrazheim auch mit Plänen gut dokumentiert. Kirche und Konventsgebäude waren zwischen 1694 und 1751 durch die Architekten Franz Beer und Peter Thumb in Barockform neu errichtet worden. Die Innenausstattung erfolgte durch Riccardo Retti und Lucca Colomba unter der Äbtissin Maria Abundantia von Stotzingen. Wie in der Vorgängerkirche, waren auch hier fünf Altäre aufgestellt, über deren Platzierung die vorhandenen Pläne nicht eindeutig Auskunft geben. In einer Aufzeichnung von 1802 werden neben Konventsgebäude, Kirche und "Abtei" noch ein Amts-, Verwaltungs- und Wirtshaus sowie eine Schmiede, eine Mühle und weitere Ökonomiegebäude mit Stallungen genannt. Die 1763 neu gegossenen Glocken (Marien-, Peter- und Paul-, Scholastika- und Agathaglocke bzw. Wetterglocke) kamen nach der Säkularisation nach Karlsruhe. Teile der Innenausstattung wurden an umliegende Kirchengemeinden abgegeben, besonders wertvolle Gegenstände nach Karlsruhe transportiert. Nach mehreren Besitzwechseln und verheerenden Bränden, verfiel das Klosterareal ab 1844 und ist nur noch als Ruine vorhanden. Diese dient bis heute als malerische Kulisse für Freiluftgottesdienste.
Autor: MICHAELA WEITZENBERG
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Benediktinerinnen um 1180-1598
  • Chorfrauen, weltliche 1631-1803
Sonstiges: Bistum: Speyer, ab 1821 Freiburg,
fiel an: Baden (1802)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=266

Adresse Marxzell

Literatur: Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Ettlingen (Kreis Karlsruhe). Bearb. v. E. Lacroix (Die Kunstdenkmäler Baden Bd. IX/3). Karlsruhe 1936. 74-91.
F. GEIGES(-HEINDL): Das Benediktinerinnenkloster Frauenalb von den Anfängen bis zur Reformation. Diss. Frankfurt a. M. 1980.
DIES.: Das Benediktinerinnenkloster Frauenalb vom Dreißigjährigen Krieg bis zu seiner Auflösung. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins und seiner Umgebung, 1 (1850) - 39 (1885). NF 1 (1886) ff. 147 (1999) 423-437.
P. RÜCKERT / H. SCHWARZMAIER (Hg.): 850 Jahre Kloster Herrenalb. Auf Spurensuche nach den Zisterziensern. Stuttgart 2001.
M. RENNER: Die Säkularisation des Benediktiner-Nonnenklosters Frauenalb. Aufhebung und Besitznahme des adeligen Damenstifts durch die Badische Regierung (1802 - 1803). Stuttgart 2000 (Magisterarbeit, Univ. Stuttgart 2000).
DERS.: "Ohnehin nur noch wenige grossentheils bejahrte adeliche Dames vorhanden". Die Säkularisation des adeligen Damenstifts Frauenalb durch Baden 1802-1803. In: Alte Klöster - neue Herren. Die Säkularisation im deutschen Südwesten. Ausstellung und Begleitpublikation zur Großen Landesausstellung 2003 in Bad Schussenried. Stuttgart 2003. Bd. 2/1, 591-608.
M. ROHRBACHER (WEITZENBERG): Zwischen Nonnenkloster und Adelsstift - Frauenalb im 17. und 18. Jahrhundert. Tübingen 2002 (Zulassungsarbeit, Univ. Tübingen 2002).
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