Benediktinerabtei Schwarzach 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 800 [8. Jh.]
Zerstörung/Aufhebung: 1802 [1802/03]
Beschreibung: Die Existenz des Benediktinerklosters Schwarzach ist seit dem frühen 9. Jh. bezeugt, allerdings deutet manches darauf hin, dass es sich dabei nicht um eine Neugründung handelt, sondern um einen vermutlich noch im 8. Jh. hierher verlegten Konvent, den der auch anderwärts bekannte Graf Ruthard um 749 auf der Rheininsel Arnulfsau gestiftet hatte. Sein durch zahlreiche Urkundenfälschungen stark verunklarter Ursprung muss im Zusammenhang mit den auf Alemannien gerichteten Ambitionen der fränkischen Oberschicht und der kirchlichen Raumerschließung seitens des Bistums Straßburg gesehen werden. Eine Blüte des Klosters in ottonischer Zeit lässt sich infolge der allzu dürftigen Überlieferung mehr erahnen als erkennen. Immerhin streute der Klosterbesitz damals bis in den Breisgau, ins Hecken- und Schlehengäu, an den oberen Neckar sowie an den Südrand der Schwäbischen Alb um Ehingen, ja sogar bis nach Rätien. Ansonsten lagen die Schwarzacher Güter während des Mittelalters und der frühen Neuzeit so gut wie ausschließlich in der Rheinebene, zu beiden Seiten des Stroms, im Wesentlichen zwischen dem Oos- und dem Selzbach im Norden sowie der Breusch und der Rench bzw. der Kinzig im Süden, wobei zumindest in älterer Zeit dem linksrheinischen Besitz das größere Gewicht zugekommen sein dürfte. Was nach dem 30-jährigen Krieg an Gerechtsamen in dem nunmehr französischer Souveränität unterworfenen Elsaß an Besitz verblieben war, trat das Kloster 1702/15 im Tausch gegen Güter und Rechte in der Ortenau an das Straßburger Domkapitel ab. Die herrschaftliche Zuordnung des Klosters gestaltete sich seit dem hohen Mittelalter kompliziert und ist zum Teil nur schwer zu durchschauen. Von Kaiser Heinrich II. 1014 an das Bistum Straßburg geschenkt, gelangte Schwarzach bereits wenige Jahre später durch Konrad II. (1032, bestätigt 1048 und 1057) an die Bischöfe von Speyer, die bis zum Ende des Alten Reiches die Lehnshoheit über die gleichwohl auch weiterhin dem Straßburger Diözesansprengel zugehörige Abtei behaupten konnten. Die Vogteirechte oblagen den Burggrafen von Nürnberg (1283); Untervögte waren als zollerische, zum Teil auch als geroldseckische Aftervasallen bis ins 15. Jh. die das Kloster wiederholt hart bedrängenden Niederadligen von Windeck (1196 bzw. 1224, 1451/53) und schließlich - aber wohl nur nominell - der brandenburgische Hofgerichtsschreiber Jos Gruber (1488). Infolge eines Streits zwischen Schwarzach und denen von Windeck beauftragte 1422 König Sigmund den Markgrafen Bernhard von Baden mit der Wahrnehmung der Schirmrechte, woraus das Haus Baden alsbald einen Anspruch auf die Ausübung von Landesherrschaft und Landeshoheit über das Kloster ableitete und diesen in einer mehr als drei Jahrhunderte währenden Auseinandersetzung auch durchzusetzen vermochte; der entsprechende Prozess vor dem Reichskammergericht in Wetzlar war, als Schwarzach 1802/03 säkularisiert wurde, noch nicht entschieden, jedoch hatten sich die Kontrahenten 1790 in einem Vergleich provisorisch geeinigt. Die einstige Blüte des Klosters war freilich schon lange vor dem Konflikt mit seinen Vögten und Schirmherren dahin; bereits in salischer Zeit ist von einem dramatischen Niedergang die Rede. Der Neubau der Abteikirche sowie des Kreuzgangs und der Konventgebäude lässt zwar in staufischer Zeit einen neuerlichen Aufschwung erkennen, doch nehmen während des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit die Klagen und Nöte wegen Schulden und wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Klosters fast kein Ende; nicht zuletzt ist Schwarzach durch den Bauernkrieg schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Dass im 16. und 17. Jh. Schwarzacher Äbte mehrfach ihr Amt resigniert haben und Administratoren aus anderen Klöstern berufen wurden, hängt nicht zuletzt mit dieser wirtschaftlichen Misere zusammen; Angehörige des oberrheinischen Ritteradels haben dem Konvent allem Anschein nach nur während des späten Mittelalters angehört. Erst im Laufe des 18. Jh. scheint wieder eine Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse eingetreten zu sein. So konnte Baden bei der Säkularisation im Spätjahr 1802 zwar einen stattlichen, um 1724/32 nach Plänen von Peter Thumb errichteten Gebäudekomplex übernehmen, dazu aber nur einen stark reduzierten Besitz, der kaum noch über das Gebiet der alten Klosterimmunität hinausreichte. Die Klosterkirche zu Ehren der hll. Petrus und Paulus, der Muttergottes und Aller Heiligen (1661 mit zwölf Altären) war den 1964/69 gelegentlich einer Renovierung durchgeführten Grabungen zufolge von der Karolingerzeit bis ins 12. Jh. einschiffig und zunächst ohne Apsis; um das Jahr 1000 erlebte sie eine Erweiterung. Der schließlich um die Mitte des 12. und zu Beginn des 13. Jh. errichtete Neubau ist an den Vorbildern von Gengenbach und Hirsau orientiert. Es handelt sich um die im Wesentlichen bis heute erhaltene Abteikirche, eine dreischiffige Säulenbasilika mit fünf gestaffelt angeordneten Apsiden im Osten und einem in gotischer Zeit erneuerten Vierungsturm. Die Verwendung von Pfeilern im vorderen Joch deutet auf Hirsauer, die großen, reich ornamentierten Würfelkapitelle auf elsässische Bautraditionen hin. Gewölbt ist nur der Chor, die Vierung, das Mittelschiff, die Seitenschiffe und die Querhäuser sind allesamt flach gedeckt. Das Westportal lässt oberitalienische Einflüsse erkennen. Bei der jüngsten Restaurierung wurden die barock verbreiterten Seitenschiffe wieder auf ihre alten Maße zurückgeführt; der Hochaltar von 1752 fand im nördlichen Querhaus Aufstellung. Heute dient die einstige Abteikirche als Pfarrkirche. Die übrigen Klostergebäude haben die Säkularisation und anschließende gewerbliche Nutzung nur zum geringeren Teil überdauert.
Autor: KURT ANDERMANN
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Benediktiner 8. Jh.-1802/03
Sonstiges: Bistum: Straßburg, ab 1821 Freiburg,
fiel an: Baden (1802)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=273

Adresse Lindenbrunnenstraße 01, Rheinmünster

Literatur:
  • Der Landkreis Rastatt. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Rastatt (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). 2 Bde. Stuttgart 2002. II, 446-448 (mit Faltkarte des Klosterbesitzes)
    P. MARZOLFF: Die Abteikirche Schwarzach. München, Berlin 1976. (Große Baudenkmäler 237).
    Germania Benedictina, Bd. V: Die Benediktinerklöster in Baden-Württemberg. Bearb. v. F. Quarthal. Augsburg 1975. V), 574-588 (H.-M. SCHWARZMAIER).
    P. MARZOLFF: Die frühmittelalterliche Abtei Schwarzach. In: W. MÜLLER (Hg.): Die Klöster der Ortenau (Die Ortenau 58). Offenburg 1978, 243-262.
    S. GARTNER: Kloster Schwarzach (Rheinmünster). In: Ebenda, 263-341.
    H. SCHMID: Die Säkularisation der Klöster in Baden 1802-1811. Überlingen 1980, 199-202.
    W. SCHEURER: Abteikirche St. Peter und Paul Schwarzach. Lindenberg 1996.
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