Ulm - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Namensformen: Ulm-Mitte
Ersterwähnung: 0813 [813, Fälschung 2. Drittel 12. Jahrhundert]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Das Stadtgebiet in den Grenzen von 1970, also vor der Kreisreform, gliedert sich heute in die 9 Stadtteile Ulm-Mitte, Oststadt, Böfingen, Weststadt, Eselsberg, Söflingen, Grimmelfingen, Wiblingen und Donautal. Diesen Gebietsumfang hatte die Stadt seit der Eingemeindung von Grimmelfingen und Wiblingen 1926/27. Ulm-Mitte, der zentrale Stadtteil umfasst die Baufläche der histori­schen Reichsstadt einschließlich der Stadterweiterung des 19. Jahrhunderts nach Norden (»Neu­stadt«), den Gaisenberg und Michelsberg sowie das Gelände zwischen Stuttgarter Straße und Örlinger Tal mit dem Neuen Friedhof. Auf der Blau-Donauebene bilden im Westen die Bahnanlagen mit dem Hauptbahnhof, im Оsten die Münchner Straße (ehemaliger Stadtgraben) - König-Wilhelm-Straße die Grenzen. So hat der Stadtteil Mitte die Form eines etwa 5 Kilometer langen, nach Norden spitz zulaufenden Streifens mit der etwa 1,2 Kilometer langen Donaufront der Reichsstadt als Basis. Seine innere Gliederung unter städtebaulichem Aspekt von Süden nach Norden spiegelt zugleich die wichtigsten Etappen der historischen Entwicklung wider. Innerhalb der durch den Mauerzug des 14. Jahrhunderts umgrenzten Altstadt lässt das Grundrissbild noch den Bereich der älteren, staufischen Stadt erkennen. Im Anschluss an die karolingische Pfalz beim Weinhof reicht die Marktsiedlung des 12. Jahrhunderts etwa bis zur Nordseite des Münsterplatzes, an die Hafengasse, Grünhofgasse und den Grünen Hof. Die wichtigsten Straßen verlaufen hier von Westen nach Osten, vielleicht vorbestimmt durch den Hochsträß-Fernweg. Dagegen quert keine der rippenförmig nach Norden und Süden abzweigenden Gassen diesen Bezirk ganz. Etwa in der Mitte der ungefähr rechteckigen Anlage ein nord-südlich gerichteter Straßenmarkt, später durch Seitenplätze erweitert. Durch die Vergrößerung im 14. Jahrhundert auf das Vierfache der Fläche entstand der ovale Grundriss der Reichsstadt, der noch heute im Straßen­zug Promenade-Friedrich-Ebert-, Olga-, Heim- und Münchner Straße deutlich ist. Die Straßenführung in diesem neueren Teil der Altstadt ist großzügiger und regel­mäßiger, wobei die Nord/Süd-Straßen als Hauptachsen hervortreten. In Kleinformen des Grundrisses sind vielleicht noch die Dorfsiedlungen Pfäfflingen und Westerlin­gen zu erkennen. Der Altstadtbereich des 14. Jahrhunderts, unverändert bis Anfang 19. Jahrhunderts, ist mit über 70 Hektar bemerkenswert groß. Seit dem 16. Jahrhundert bestimmte der Festungsbau die Entwicklung der Stadt bis an die Schwelle des 20. Jahrhunderts; von den Befestigungen des 16. bis 18. Jahrhunderts sind nur noch Reste einiger Erdwerke vorhanden, von der Bundesfe­stung des 19. Jahrhundert dagegen noch mächtige Anlagen (zum Teil unter Denkmalschutz). Der Grundriss der Altstadt erfuhr seit dem 15. Jahrhundert kaum Veränderungen. Durch Abbruch von Häuserblocks entstanden neue Plätze, so Erweiterung des Marktplat­zes 2. Hälfte 15. Jahrhundert. In Etappen bildete sich der große Münsterplatz (Westteil 1529 und 1874/80 durch Abbruch des Barfüßerklosters, Südteil durch Auflassung des Kirch­hofs 1807, Ostteil 1870/72, Nordteil 1899). Durchbruch der Bahnhofstraße 1865, Straße zur Gänstorbrücke 1911. Seit der Zerstörung Ulms durch die Luftangriffe 1944/45 wird das Stadtbild außer von dem weiterhin beherrschenden Münster nur noch punktuell von historischer Bausubstanz geprägt. Am meisten blieb in drei Bezirken erhalten: im Nordosten zwischen Bockgasse und Seelengraben, nördlich des Münsters zwischen Hafengasse und Neuem Graben sowie im Süden zwischen Blau und Donau. Beim Wiederaufbau wurde 1954/57 eine neue, 1,2 Kilometer lange Ost/West-Ver­kehrsachse mitten durch die Altstadt geschaffen (Neue Straße), sonst das alte Stra­ßennetz teilweise verbreitert und begradigt. Zwischen der Olgastraße und dem Michelsberg (Bahnlinie) erstreckt sich auf dem ehemals feuchten, einige Meter tiefer als die Altstadt gelegenen »Boden« die Neu­stadt der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts mit einem uniformen Straßengitternetz, dem Karls­platz-Quadrat als Zentrum und dem aufgelassenen Friedhof, der als Grünzone erhal­ten blieb. Die Nordrichtung der Stadterweiterung war bestimmt durch den Fe­stungsbau ab 1842, der nur hier Raum ließ, und durch die Bahnhofsanlagen im Westen der Altstadt seit 1850. Dieser Bezirk, der 1944/45 ebenfalls starke Zerstörungen erlitt, besteht hauptsächlich aus Mietwohnblocks und gewerblichen Betrieben. Der Südhang des Michelsbergs ist im Gegensatz zur Neustadt ein Villenviertel vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Auf der Höhe des Berges die ehemalige Zitadelle (Wilhelmsburg und Wilhelmsfeste) als Kernstück der Bundesfestung und das nach Norden vorgeschobene Fort Prittwitz. Am Osthang der neue Friedhof (1894). Auf dem Vorsprung des Gaisenbergs wich eine Festungsbastion 1960 dem Neubau der Fachhochschule.
Historische Namensformen:
  • Ulmam villam 0813 [813, Fälschung 2. Drittel 12. Jahrhundert]
  • Hulmam palatio regio 0854
Geschichte: 813 Ulmam . . .villam (Fälschung 2. Drittel 12. Jahrhundert), 854 Hulmam palatio regio (wohl von mittelhochdeutsch ulmic = sumpfig). Die 854 genannte königliche Pfalz nahm die niedrige Kuppe nördlich der Donau, den heutigen Weinhof, ein. Diese war schon im 7. Jahrhundert von Alemannen besiedelt. Dabei handelte es sich aber offenbar nicht um eine der bäuerlichen alemannischen Gruppensiedlungen, wie sie, an ihrem Ortsnamen auf -ingen erkenn­bar, in der Umgebung häufig vorkommen. Ob zu dieser ältesten Siedlungsschicht die beiden Orte Westerlingen (im Blauviertel) und Pfäfflingen (im Osten, 1244, 1279 Pheplingin) zu rechnen sind, die 1316 in die beginnende Stadterweiterung einbezogen wurden, ist noch unsicher. Daher muss auch die Zuordnung des mit circa 420 bekann­ten Bestattungen recht umfangreichen Reihengräberfeldes am Kienlesberg (heute Bahnhofsbereich) aus der Zeit um 450 bis 700 offen bleiben. Dasselbe gilt für die alte Pfarrkirche »ennet feldes« im heutigen Alten Friedhof, für die auch die Entste­hung im Zusammenhang mit dem Königshof in Frage kommt. Dessen Anlage wird auf das 8. Jahrhundert angesetzt. Nach der auf 813 gefälschten Urkunde schenkte Karl der Große den königlichen Ort Ulm (Ulmam nostram regalem villam) dem Kloster Reichenau. Da der Fälschung eine Urkunde Ludwigs des Deutschen zugrunde liegt, wird vermutet, dass dieser dem Kloster nur die Pfarrkirche samt Zubehör geschenkt hatte, was dann auf das ganze Reichsgut in Ulm ausgedehnt werden sollte. Die Pfalz entwickelte sich zur wichtigsten im alemannischen Raum. Die mit dem Herzogtum Schwaben belehnten Staufer bauten die sich räumlich anschließende, 1028 oppidum genannte, bereits 1060 und 1090 über eine Münze verfügende Marktsiedlung vom Ende des 11. Jahrhunderts an zur Stütze ihrer Macht aus. Als solche trafen sie auch gegnerische Angriffe, so 1131 und besonders 1134, als der Welfe Heinrich der Stolze das oppidum völlig zerstörte. Der Wiederaufbau der Pfalz samt dem »Luginsland« als Bergfried war wohl bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts abgeschlossen, und noch im 12. Jahrhundert wurde die sich im Оsten und Norden anschlie­ßende Marktsiedlung in die Befestigung einbezogen (»Stauferstadt«). Ihre drei Tore standen im Bereich des westlichen Münsterplatzes, der Frauenstraße und an der Südostecke der Stadt. Eine »obere Brücke« über die Donau ist 1240 genannt. Sie lag in der Nähe des Spitals, das sich damals aber vermutlich noch innerhalb der »Stauferstadt« befand. Die Stadt wurde 1245/46 durch den Gegenkönig Heinrich Raspe vergeblich belagert. Bis zum Ende der Staufer blieb Ulm die bevorzugte schwäbische Pfalz. Die Stadtwerdung vollzog sich allmählich, vielleicht schon seit dem 11. Jahrhundert. Unter Kaiser Friedrich I. ist 1181 die Bürgerschaft (civitas) genannt. 1255 bestätigten Am­man, Rat und Bürgergemeinde (minister, consules et universitas civium), die dabei erstmals bezeugt sind, Graf Albert von Dillingen, seine Familie habe von alters her das Amt des Reichsvogts innegehabt, das heißt die Herrschaftsrechte für den König ausgeübt. Nach dem Aussterben der Dillinger 1258 übertrug Konradin die Vogtei 1259 an Graf Ulrich von Württemberg. In nachstaufischer Zeit gelang es der Stadt, die Reichsunmittelbarkeit zu wahren. Die Reichsvogtei erlosch zwischen 1357 und 1361; letzter Träger dieses Amts war Herzog Stefan von Bayern. Während der Vogt die Hochgerichts­barkeit innehatte, übte der erstmals 1222 nachweisbare Amman (minister) als Vorsitzender des Stadtgerichts die Niedergerichtsbarkeit aus. Der Amman wurde alljähr­lich von 63 vornehmen Stadtbürgern gewählt, was erstmals für 1296 nachgewiesen werden kann. 1347 gelang es der Stadt, dem Reich das Amt abzukaufen; an seine Stelle trat allmählich das des erstmals 1292 genannten Bürgermeisters. Um die Betei­ligung der erstarkten Zünfte am Rat und damit am Stadtregiment entbrannte um die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert ein erbitterter Streit mit den bisher herrschenden patrizischen Familien. Die Zünfte erkämpften sich bis um 1325 die Ratsmehrheit und stellten sich zusammen mit dem Bürgermeister an die Spitze. Der Streit hielt jedoch an und überdauerte die Verpfändung der Stadt 1331 bis 1342 durch den Kaiser an Graf Berthold von Graispach und Marstetten, genannt von Neuffen. Auf der Grundlage eines Sühnevertrags schufen die beiden Stände mit dem »Kleinen Schwörbrief« 1345 eine neue Stadtverfassung, die den 17 Zünften mit je einem Sitz im 31köpfigen Rat die Mehrheit sicherte. Alljährlich am Schwörtag leistete die Bürgerschaft zusammen mit dem neugewählten Bürgermeister und dem neuen Rat darauf den Eid. Der »Große Schwörbrief« von 1397, das bedeutendste Verfassungsinstrument der Reichsstadt, führte diese Entwicklung fort, verstärkte nochmals die Stellung der Zünfte und bestätigte den Bürgermeister als Stadtoberhaupt. Der Amman behielt den Vorsitz im Stadtgericht. Durch kaiserliche Privilegien erlangte die Stadt 1359 die Freiheit von fremden Gerichten und 1397 den Blutbann. Nach der Unterwerfung Ulms im Schmalkaldischen Krieg beseitigte Kaiser Karl V. 1548 die in den Schwörbriefen festgelegte Stadtverfassung. Der Einfluss der Zünfte wurde stark zurückgedrängt und diese selbst vorübergehend aufgehoben. Die Verfassungsrevision von 1558 brachte zwar eine neue Verfassungsurkunde und an diesen »Schwörbrief« angeknüpft die Wiederaufnahme der Schwörfeiern, doch blieben die Zünfte politisch entmachtet. Diese Regelung bestand bis zum Ende der Reichsstadtzeit. Die Erweiterung der Stauferstadt zu Anfang des 14. Jahrhunderts leitete die spätmittelalter­liche Blütezeit ein. Die 1316 begonnene Neubefestigung gab der Stadt ihre bis ins 19. Jahrhundert nahezu unveränderte Ausdehnung. Außerhalb blieb die Pfarrkirche »ennet feldes«. 1376 verbot der Rat den Neubau von Häusern in dem gegenüberliegenden Vorstadtweiler Schwaighofen, siedelte die Bewohner in die Stadt um und ließ die Gebäude abbrechen. 1375 begann der Ausbau der Donauinsel zu einem Brückenkopf mit einer befestigten Handwerkersiedlung. Die 4 Haupttore waren das Frauen-, Herdbrucker-, Glöckler- und Neutor, alle im 19. Jahrhundert abgebrochen. Erhalten sind der Metzgerturm von vor 1349, der Gänstorturm um 1360 (Oberteil 1495, Dach 1956) und der Seelturm ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert (Zundeltor; seit 1638 Wasserturm, renoviert 1974). Teile des Mauerzugs stehen vor allem noch entlang der Donau sowie am Frauen- und Seelengraben, wo die bemerkenswerten Grabenhäuschen, Soldatenwoh­nungen der Zeit um 1610/30, angebaut sind. Bis ins 16. Jahrhundert hatten die Bemühungen der Stadt, ihr Territorium zu erweitern, Erfolg. Dieses zählte schließlich - nur noch mit dem der Reichsstadt Nürnberg vergleichbar - zu den größten reichsstädtischen Herrschaftsgebieten. Über den rei­chen Juden Jäcklin erwarb Ulm 1377 die Stadt Langenau und 1383/85 Stadt und Herrschaft Albeck der Grafen von Werdenberg-Sargans. Etwa gleichzeitig (1382/96) folgte (zunächst als Pfand) die Grafschaft der Helfensteiner mit der Stadt Geislingen und dem Schloss Helfenstein sowie schließlich 1453 die Stadt Leipheim (Bayern). Die Herrschaft Wain gehörte 1571 bis 1773 als Exklave zum Stadtterritorium, dessen wei­terer Arrondierung auch die Erwerbungen des Spitals der Reichen Siechen zu Sankt Katharina dienten. Ein wichtiger Schritt bei der Verdrängung fremden Einflusses aus der Stadt war der Aufkauf der Güter des Klosters Reichenau. Dieses hatte in der Umge­bung, nach der Tradition von Karl dem Großen, bedeutenden Besitz, darunter die Pfarrkirche »ennet feldes« erhalten. Weitere Erwerbungen führten schließlich zu einem umfangreichen Verwaltungskomplex; der Reichenauer Hof ist allerdings erst 1246 nachweisbar (vermutlich in dem östlich gelegenen Pfäffingen). 1264 erwarb die Reichenau den im Gelände des Grünen Hofs gelegenen Salemer Klosterhof. 1383 kaufte die Stadt das Präsentationsrecht der Pfarrei im Zusammenhang mit dem Bau­beginn am Münster. Dies war aber offenbar kirchenrechtlich nicht voll gültig, so dass 1434 Streit darüber ausbrach. Schließlich konnte die Stadt 1446 den gesamten Klosterbesitz mit allen zugehörigen Rechten um 25000 Gulden erwerben. Damit war der letzte fremde Einfluss innerhalb der Mauern endgültig beseitigt. Mit dem Heranwachsen der reichsstädtischen Freiheiten begann für Ulm die Zeit der selbständigen Vertrags- und Bündnispolitik. Nachdem die Stadt schon bei mehreren Landfriedenseinungen als politisch führend anerkannt worden war, folgte 1376, ebenfalls unter ihrer Führung, der Zusammenschluss von 14 Reichsstädten zum Schwäbischen Städtebund. Noch im selben Jahr Belagerung durch den Kaiser. Dieser Städtebund hatte trotz dem Rückschlag infolge der Niederlage gegen Württemberg bei Döffingen 1388 bis über den 2. Städtekrieg von 1449/50 hinaus Bestand, verlor dann aber an Bedeu­tung. 1488 ging aus ihm der »Schwäbische Bund« hervor; der Bündnisvertrag wurde mehrfach, zuletzt 1522 (bis 1534), verlängert. Ulm war als Vorort der Städte Schau­platz der meisten Städtetage und militärischer Stützpunkt, so 1519 im Kampf gegen Herzog Ulrich von Württemberg und 1525 im Bauernkrieg. Die Nachfolge des Schwäbi­schen Bundes übernahm seit den 1530er Jahren in gewissem Sinne der als reichs­rechtliche Institution geschaffene Schwäbische Reichskreis. Ulm wurde 1542 zum ständigen Sitz der Kreiskasse bestimmt und fortan als Tagungsort bevorzugt. Zu­gleich wuchs der Stadt der - allerdings von Augsburg immer wieder bestrittene - Vorsitz der Städtebank zu. In der Kreisfestung sollte schließlich die Kreisartillerie gelagert werden. Die politische und wirtschaftliche Bedeutung Ulms ermöglichte die Modernisie­rung der Stadtbefestigung, die 1527 begann. Schon 1480 war eine Mauer vom Herdbruckertor nach Westen entlang der Donau gezogen und damit die Befestigung begradigt worden. Jetzt trug man die mittelalterliche Stadt- und Zwingermauern teilweise ab und verwan­delte sie durch Auffüllung des Zwingers in einen Wall. Dieser wurde durch vorge­legte Basteien oder Vorwerke (erhalten: Wilhelmshöhe, 1527 Bastei unter den Fischern, 1617 Bastion Lauseck) verstärkt. Die Befestigung bewährte sich bei der Belagerung durch ein starkes Heer im Markgrafenkrieg 1552. 1564 erfolgte die Siche­rung der Westseite der Donauinsel durch das »Steinerne Werk«. Die 1566 neu er­richtete Donaubrücke musste schon 1569/73 durch einen Neubau ersetzt werden. Der Unterbringung des Kriegsgeräts dienten das Zeughaus in der Nordostecke der Stadt sowie die Büchsenstadel. Eine entscheidende Veränderung des Stadtbildes brachte die bis 1622 fertiggestellte Bastionärbefestigung, die die Verteidigungslinien weit in das Vorfeld hinausschob. Die Reste der Bastionen stellen die Adlerbastion (1606/07) und die Wilhelmshöhe (Umbau 1617) dar; weitere sind noch im Bereich des Zeughauses sichtbar. Der 30jährige Krieg verursachte in Ulm Bevölkerungsverluste, einen Niedergang von Handel und Gewerbe sowie wesentliche Vermögenseinbußen, doch wurde die Reichsstadt während des ganzen Krieges nie von feindlichen Truppen eingenommen. Dies gelang aber 1702 im Spanischen Erbfolgekrieg einer bayerischen Abteilung, die sich der Stadt verkleidet näherte und nach Überrumpelung der Wachen das Gänstor öffnete. Die bayerisch-französische Besatzung zog zwar 1704 wieder ab, doch trafen die finanziellen Belastungen dieses Krieges und der Franzoseneinfälle von 1707 die be­reits geschwächte Stadt so schwer, dass sie sich davon nicht mehr erholte. Während der Feldzüge der Jahre 1799/1800 hatte sie österreichische Besatzung, die sich 1800 gegen eine französische Belagerung behauptete. Im Waffenstillstand dann doch an die Franzosen ausgeliefert, begannen diese sofort mit der Schleifung der Festungs­werke bis auf den mittelalterlichen Mauerring, die auch nach 1803 weiter anhielt. Nach dem Frieden von Lunéville vollzog Bayern bereits 1802 die Besitzergreifung, die 1803 der Reichsdeputationshauptschluß legalisierte. 1803 wurde Ulm nach Auflösung der pro­visorischen Regierungen in Dillingen und Kempten Sitz der kurpfalzbayerischen Landesdirektion und damit Hauptstadt der Provinz Schwaben. Im dritten Koalitionskrieg belagerte Napoleon nach der Schlacht bei Elchingen 1805 die Stadt noch­mals. Die österreichische Besatzung musste kapitulieren. Im Staatsvertrag von 1810 wurde das linke Ufer der Iller und der Talweg der Donau als bayerische Landes­grenze festgelegt und daher Ulm an Württemberg abgetreten. Dieses richtete hier den Sitz der Landvogtei an der Donau und 1817 den Sitz der Kreisregierung für den Donaukreis (1924 aufgehoben) ein. Zugleich wurde Ulm 1810 Oberamtsstadt. Im 19. Jahrhundert spielte Ulm nochmals eine Rolle als Bundesfestung und als Festung des Deutschen Reichs. Der Ausbau war schon 1815 beschlossen worden. Die Arbeiten begannen unter der Leitung des preußischen Ingenieur-Majors von Prittwitz aber erst 1842. Sie waren 1859 zu beiden Seiten der Donau abgeschlossen. Die zum Teil heute noch wohlerhaltenen Anlagen bestanden aus einer bastionären »inneren Umwallung« mit 4 Defensivkasernen und 13 vorgeschobenen Forts auf württembergischer Seite. Die innere Um­wallung umschloss die Stadt, von der Wilhelmsburg (Defensivkaserne) und Wil­helmsfeste auf dem Michelsberg ausgehend, im Westen über die Bastion Kienlesberg und die Mittelbastion zur oberen Donaubastion mit Defensivkaserne, im Оsten über die obere und untere Gaisenbergbastion mit Defensivkaserne sowie den »Kavalier« an der unteren Bleiche zur unteren Donaubastion, abermals mit Defensivkaserne. Von den Toren stehen noch das Ehinger und das Blaubeurer Tor; das Stuttgarter Tor wurde abgebrochen. (Die Forts sind bei den einzelnen Stadtteilen genannt.) In Neu-Ulm entstanden außerhalb der Ringbefestigung drei weitere Forts. Bereits 1886 wurde Ulm jedoch zur »Festung 2. Ordnung« herabgestuft, und 1899 ging die als Verteidigungsanlage bedeutungslos gewordene Umwallung an die Stadt über. Nach der Jahrhundertmitte neigte die Stadt in den Landtagswahlen parteipolitisch der Deutschen (nationalliberalen) Partei und der Demokratischen Volkspartei zu, die sich bis zum 1. Weltkrieg abwechselten. In den Wahlen zum Reichstag (Wahlkreis XIV zusammen mit den Oberämtern Geislingen und Heidenheim) setzten sich bis zum 1. Weltkrieg abwechselnd die Nationalliberale Partei, die (freikonservative) Reichspartei und die Demokratische Volkspartei durch. 1938 wurde der Stadtkreis Ulm durch Ausgliederung aus dem Landkreis gebildet. Am Ende des 2. Weltkrieges erlitt die Stadt durch Luftangriffe, der schwerste am 17. Dezember 1944, weitere am 22. Februar, 1. März und 4. März 1945, umfangreiche Zerstörungen. Die Altstadt sank zu etwa 80 Prozent in Trümmer. Am 24. April 1945 wurde die Stadt von amerikanischen und französischen Truppen gemeinsam besetzt. Erhaltene beziehungsweise wiederhergestellte Gebäude (außer Kirchen und Stadtbefesti­gung): Rathaus mit Ostflügel von 1420/34 (Uhrengiebel 1520) und Nordflügel (Ar­kadenbau) von 1539. 1539/40 einheitlich zusammengefasst und bemalt (Bemalung 1950 erneuert). Die beiden alten Flügel des Rathauses entstanden zunächst als Kauf­haus. 1899/1905 Erweiterungsbau und baulich verändert. 1944 teilweise zerstört, 1949/50 wiederhergestellt. Schwörhaus am Weinhof, 1612/13 erbaut. 1785 und 1944 ausge­brannt, zuletzt 1954 wiederhergestellt (heute Stadtarchiv und -bibliothek). Vom 1433 erstmals erwähnten Zeughaus (1522 neu erbaut, 1596 durch 2 Trakte erweitert) stehen noch der Löwen- und der Reiterbau von 1666/67 (renoviert 1975/76; Gesund­heitsamt). Büchsenstadel (heute Jugendhaus) von 1485. Schuhhaus (Ausstellungssaal), 1537 als Tanzhaus des Patriziats erbaut. Steuerhaus (heute Weinhofschule), 1951 wiederaufgebaut. Kaisheimer Hof von 1522 (1811 bis 1903 Oberamtei, seitdem Post­amt). Ochsenhauser Hof (um 1500; Universitätsverwaltung) und Salmansweiler Hof (Wasserwirtschaftsamt). Der »Neue Bau« (Polizeidirektion), 1585/93 als Lagerhaus erstellt, 1924 und 1944 abgebrannt. Salzstadel von 1592. Kornhaus (Konzertsaal) von 1594. Patrizierhäuser: Ehinger Hof (um 1535, darin mit Fresken ausgemalter Prunk­saal von um 1370), Haus Frauenstr. 19 (1577). Bürgerhäuser: Haus Drei Kannen (mit barocker Loggia im Garten), Kiechelhaus (Ulmer Museum), Leubesches Haus. Fischkasten-Brunnen auf dem Marktplatz von Jörg Syrlin dem Älteren 1482 (Kopie), Lö­wenbrunnen vom Ende des 16. Jahrhunderts (ebenfalls Kopie). Der 1294 erwähnte rector puerorum war wohl Vorsteher einer Lateinschule. Nach 1614 bürgerte sich für sie der Titel Gymnasium ein. 1622 zum Gymnasium academicum erhoben, 1809 aber aufgelöst, als Bayern eine »Studienanstalt« einführte. 1811 Unter- und Obergymnasium (heute Humboldt-Gymnasium). Seit 1803/10 stand da­mit ein »Realinstitut« in Verbindung, 1844 als selbständige Anstalt ausgegliedert, 1878 in eine Doppelanstalt mit Realgymnasium umgewandelt. 1903 wurde die Real­schule zur Oberrealschule (heute Kepler-Gymnasium) und 1931 das Realgymnasium verselbständigt (heute Schubart-Gymnasium). 1819 »Höhere Töchterschule«, 1878 höhere Mädchenschule (heute Hans- und Sophie-Scholl-Gymnasium). Privates Mäd­chengymnasium Sankt Hildegard seit 1950; Vorgängerin war seit 1922 die Katholische Töch­terschule (1937 geschlossen). Gewerbliches Schulwesen seit 1826. Die Fachhoch­schule Ulm wurde als Staatliche Ingenieurschule 1960 gegründet. Die »Hochschule für Gestaltung«, nach 1950 durch die Geschwister-Scholl-Stiftung ins Leben gerufen, musste 1968 geschlossen werden. Als Nachfolgeeinrichtung wurde das der Universi­tät Stuttgart angegliederte Institut für Umweltplanung noch bis 1972 fortgeführt. Die Universität Ulm, eine Medizinisch-Naturwissenschaftliche Hochschule, wurde 1967 gegründet. Der Lehrbetrieb begann im Winter 1969/70.
Ersterwähnung als Stadt: 1181
Wirtschaft: Für die frühe Bedeutung der Donau als Wasserstraße spricht, daß Ulmer Kauf­leute bereits vor 1164 in der steiermärkischen Stadt Enns (Eisenhandel) nachweisbar sind. Auch die Landverbindungen waren günstig; hier trafen sich Handelswege von der Baar, aus dem Ries, vom mittleren Neckar und aus Augsburg, über die Alpen nach Italien führten Fernpaß und Brenner. Schon 1255 waren Ulmer Kaufleute in Genua. Der Handel setzte vor allem die Erzeugnisse der Leinwand- und Barchent­weberei (letztere seit dem 14. Jahrhundert) ab, beschäftigte sich aber auch in größerem Um­fang mit dem Umschlag von Wein, Eisen und Salz. Die städtische Leinwand- und Barchentschau sicherte eine gleichbleibende hohe Qualität der Erzeugnisse. Im Spätmittelalter waren diese über das gesamte europäische Wirtschaftsgebiet verbreitet. Die Barchentweberei ging bis zum 30jährigen Krieg stark zurück, wogegen sich die Leinenweberei seit 1600 erneut belebte und zum wichtigsten Gewerbe der Stadt wurde. Im 18. Jahrhundert ging auch sie, und in ihrem Gefolge der Handel, wegen steigender Konkurrenz sehr zurück. Mit einem ersten, 1473 erschienenen Druckwerk ist Ulm der früheste Druckort des Bundeslandes. Mit dem Stand der städtischen Wirtschaft scheint die Entwicklung der Einwoh­nerzahl verbunden, die seit dem 15. Jahrhundert anstieg und um 1600 rund 21000 betrug. Im und nach dem 30jährigen Krieg war sie rückläufig und fiel um die Wende 18./19. Jahrhundert auf rund 11500 zurück. Nach 1810 wirkte sich die Randlage der Stadt an der württember­gisch-bayerischen Grenze nachteilig aus. Jedoch bemerkenswert frühe Ansätze der Industrialisierung: Hutfabrik 1800, Gießerei 1820, Zementfabrik 1838, Pflugfabrik 1854, Feuerwehrgerätefabrik 1867. Eine wirtschaftliche Belebung, die vor allem der Zement- und Ziegelindustrie zugute kam, brachte der Festungsbau, der bis zu 8000 auswärtige Arbeitskräfte (1848) gleichzeitig beschäftigte. Der ebenfalls in der Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzende Eisenbahnverkehr löste die um 1570 aufgekommenen flach und breit gebauten Zillen, die bekannten »Ulmer Schachteln«, für den Güterverkehr donauabwärts ab.

Name: Pfalz; Wilhelmsburg -feste; Fort Prittwitz; Festung

Ersterwähnung: 1092
Kirchengeschichte: Kirche und Pfarrei 1092 (Ulmensis ecclesie presbyter), Unsere Liebe Frau um 1220. Nach der chronikalischen Überlieferung soll die Kirche 600 gegründet worden sein. Das Patronat stand früh, nach der Klostertradition als Geschenk Karls des Großen, dem Kloster Reichenau zu; Inkorporation 1327. Pfarrkirche war bis zur Verle­gung der Pfarrei in die Stadt 1377 die Kirche »ennet feldes« vor dem Frauentor im bis um 1900 benutzten »Alten Friedhof« (1377 abgebrochen, Reste 1879 gefunden). Der mit der Grundsteinlegung 1377 in der Stadt begonnene Münsterbau besaß daher von Anfang an die Rechte einer Pfarrkirche. Der Sprengel reichte weit über die Markung der Stadt hinaus. Das Präsentationsrecht erwarb die Stadt schon 1383, das Patronatsrecht 1395, die vollen Rechte aber erst 1446. Bis zur Reformation waren in der Stadt etwa 35 weitere Kirchen und Kapellen vorhanden; die Zahl der bepfründeten Kapläne wird für 1508 mit 91 angegeben. Das Münster war zunächst als außergewöhnlich breite Hallenkirche von den Par­lera geplant und wurde während des Baus durch Ulrich von Ensingen zur fünfschiffigen Basilika mit Ostchor und zwei Chortürmen sowie Westturm im Mittelschiff umgestaltet. Bauzeit im wesentlichen 1377 bis 1507. Chor 1377/85, Westturm nach 1392 begonnen, Weihe 1405; doch erst 1446 bis 1471 Einwölbung. Im Zusammenhang mit dem Münsterbau wuchs Ulm im 14. und 15. Jahrhundert zu einem Zentrum der schwäbi­schen Kunst der Spätgotik und der frühen Renaissance heran. 1528 Bau eingestellt. Vollendung des Münsters nach alten Plänen 1856 bis 1890. Aus dieser Zeit stammen die Chorgalerie, die Oberteile der Osttürme, das Strebewerk des Mittelschiffs und vor allem der Achteckteil und Helm des Westturms (mit 161,60 Metern höchster Kirchturm der Welt). Innenrenovierung des Münsters 1965 bis 1970. Das Augustinerchorherrenstift Sankt Michael zu den Wengen, 1183 durch Witegowo von Albeck zunächst auf dem Michelsberg gegründet, wurde schon 1215 auf die westlich vor der Stadt gelegenen Blauwiesen verlegt. Hier entstand das 1250 geweihte »Wengenmünster«; die frühere Kirche auf dem Michelsberg blieb bis in die Zeit nach der Reformation erhalten. 1377 wurde das Stift in die Stadt verlegt und 1402 die neue Wengenkirche geweiht. Die Deutschordenskommende ging auf eine Schenkung Markgraf Hermanns (V.) von Baden zwischen 1216 und 1221 zurück. Das Ordenshaus und die Sankt Maria geweihte Kirche stiftete Meinloh von Söflingen. Späte­stens 1277 Komturei (Komtur 1281 genannt). Die zunächst außerhalb der Mauern gelegene Niederlassung wurde nach 1316 in die Stadterweiterung einbezogen. 1335 bis 1347 Neubau von Komturei (1719/24 durch Barockbau ersetzt) und Kirche Sankt Elisabeth. Unter den Niederlassungen der Franziskaner war das 1229 gegründete Mannskloster das bedeutendste. Seine Gebäude lagen in der nordwestlichen Ecke der Stauferstadt auf dem heutigen Münsterplatz (1874/79 abgebrochen). Die aus einer Sammlung entstandene Franziskanerinnenklause (vor 1284) musste schon 1377 dem Münsterbau weichen. Die »Sammlungsschwestern« ließen sich daraufhin 1385 in der Frauengasse nieder. Sie konnten beträchtliche Einkünfte und Besitzungen erwerben, darunter die Dörfer Asselfingen und Ersingen. Ein zweiter Drittordenskonvent, die späteren »Regelschwestern beim Hirschbad«, erhielt 1393 ein Haus bei der Steiner­nen Brücke. Das vor 1237 auf dem Gries östlich der Stauferstadt gegründete Klaris­senkloster Sankt Elisabeth zog 1258 nach Söflingen. Das Dominikanerkloster wurde vor 1281 ebenfalls östlich vor der Stauferstadt gegründet und nach 1316 in die Stadterweiterung einbezogen. Das Kloster bot stets ein Bild regen geistigen Lebens, hier lebten Seuse und Fabri. Nachdem das ältere, 1183 gegründete Spital der Augustinerchorherren auf dem Michelsberg wohl spätestens seit seiner Verlegung den Spitalcharakter verloren hatte, gründete die Bürgerschaft das Heiliggeistspital, das 1240 erstmals erwähnt ist. Die für 1419 nachweisbare Bestellung von zwei städtischen Spitalpflegern durch den Rat beweist den Einfluss der Stadt auf die Spitalverwaltung, die sie später auch als wich­tigsten Vermögensträger benutzte. Neben der alten Spitalkirche zum Heiligen Geist (1819 abgebrochen) entstand 1621 aus den Resten der Dominikanerkirche die Dreifaltig­keitskirche (1944 ausgebrannt, nur teilweise wiederhergestellt). Außerhalb der Stadt lagen das Spital der Reichen Siechen zu Sankt Katharina und das Spital der Armen Siechen zu Sankt Leonhard. Das Katharinenspital an der Frauensteige wurde 1507/08, das Leon­hardsspital am Gries 1527 unter die Verwaltung des Heiliggeistspitals gestellt. Wei­tere Wohlfahrtseinrichtungen waren das Funden- und Waisenhaus, das Seelhaus so­wie das Brechenhaus (für Pestkranke). Die Reformation setzte sich von 1526 an durch. Nach der Abstimmung der Bür­gerschaft von 1530, die mit großer Mehrheit die Ablehnung des Augsburger Reichs­tagsabschieds und damit die Bekräftigung der Confessio Augustana erbrachte, trat die Stadt dem Schmalkaldischen Bund bei und begann der Rat die energische Durch­führung der Reformation (Bildersturm, Abschaffung der Messe 1531). Fast alle kirchlichen Gebäude in der Stadt wurden profaniert; das Barfüßerkloster nahm die Lateinschule (später auch das Gymnasium academicum) auf. Auch die Niederlassung der Dominikaner wurde aufgehoben. Nur das Haus des Deutschen Ordens und das 1549 restituierte Augustinerchorherrenstift blieben bis 1803 bestehen. Aus der Klause der Sammlungsschwestern entstand 1536 ein evangelisches Damenstift; 1808/09 durch Vereinigung mit dem Damenstift Sankt Anna in München aufgelöst. Der für die Stadt unglückliche Ausgang des Schmalkaldischen Kriegs führte 1548 zur Einführung des Interims, das bis 1552 währte. Den Katholiken wurde 1554 die Barfüßerkirche über­ lassen, aber nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 mussten sie starke Einschränkungen in der Verrichtung ihrer Gottesdienste hinnehmen. Die Zahl der Katholiken betrug 1570 noch rund 400, sank dann aber auf rund 200 ab. Seit 1567 fanden die Gottesdienste in den Kirchen des Augustinerklosters (Wengenkirche) und der Deutschherren statt. Die Neuorganisation der evangelischen Kirche erfolgte 1553/54 nach dem würt­tembergischen Vorbild. Die Stadt blieb unzerteilter Pfarrsprengel bis 1809. Zweite Pfarrkirche wurde die Dreifaltigkeitskirche. Das Münster erhielt bis 1905 zwei wei­tere Pfarreien, eine vierte 1962. Nach der Zerstörung der Dreifaltigkeitskirche 1944 wurde die frühere evangelische Garnisonskirche, 1908/10 erbaut von Theodor Fischer, neue Pfarrkirche (Pauluskirche); 1970 umgebaut. Zwei Klinikpfarrämter 1957, 1969. Mili­tärpfarramt 1960. Jugendpfarramt 1962. Ulm ist seit 1810 Sitz eines Dekanats und eines Generalats (Prälatur). Die katholische Pfarrei Sankt Michael wurde 1805 eingerichtet und ihr die Wengen­kirche zugewiesen. Das Landkapitel beziehungsweise Dekanat Ulm entstand 1818 durch Umbenennung des Landkapitels Blaubeuren. Die 1928 an der Wilhelmstraße zur Entla­stung der Wengenpfarrei erbaute Susokirche wurde nach ihrer Zerstörung 1944 nicht wiederhergestellt. Die Wengenkirche dagegen bekam nach der Kriegszerstörung 1953/54 ein neues Schiff (alte Kirche als Chorraum und Seitenkapelle erhalten). Eine zweite Pfarrei entstand 1920 in der neugotischen Sankt Georgskirche, die 1902/04 als katholische Garnisonskirche von Max Meckel erbaut worden war. Sonderseelsorger sind der Jugend-, Studenten-, Militär- und Krankenhauspfarrer. Der gesamte heutige Stadt­kreis liegt im Bereich des Dekanats Ulm.
Patrozinium: Unsere Liebe Frau
Ersterwähnung: 1220 [um]
Jüdische Gemeinde: Juden sind erstmals 1241 nachweisbar und waren nach der Stadtrechtsmitteilung von 1296 als privilegierte Darleihergenossenschaft anerkannt. Der jüdische Bankier Jäcklin leistete der Stadt 1377 und 1383/85 wertvolle Hilfe beim Kauf der Stadt Langenau und der Herrschaft Albeck. Die mittelalterliche Ansiedlung der Juden war in der Umgebung des »Judenhofs« mit »der Juden Schulhof« und der Synagoge. 1499 wurden die Juden durch kaiserliches Mandat zum Verlassen der Stadt gezwungen. Die kaiserlichen Privilegien für die Stadt von 1521, 1561 und 1571 untersagten ihnen den dauernden Aufenthalt. Im 19. Jahrhundert, besonders von 1828 an, bildete sich wieder eine israelitische Gemeinde (seit 1870 550 bis 650 Juden). 1873 erbaute sie eine Synagoge nördlich des Weinhofs, 1888 eigenes Rabbinat. In der Zeit des Nationalsozialismus wanderte ein großer Teil der 530 (1933) ansässigen Juden aus. 112 fanden in der Deportation den Tod. Die Synagoge wurde 1938 niedergebrannt und später abgebro­chen.

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