Die Firma Hohner in Trossingen

Katalog der Firma Hohner
Die Titelseite dieses englischsprachigen Hohner-Katalogs aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert zeigt das hohnersche Fabrikanwesen im Stadtzentrum von Trossingen Herkunft/Rechte: Deutsches Harmonikamuseum (CC BY)

Die Matthias Hohner AG in Trossingen gehört zu den südwestdeutschen Unternehmen, die Wirtschaftsgeschichte schrieben. Das 1857 gegründete Unternehmen ist besonders bekannt für die Herstellung von Mundharmonikas, aber auch von Akkordeons, Blockflöten und den von Hohner 1957 erfundenen Melodicas. Matthias Hohner, der 1833 in Trossingen geboren wurde, war zunächst als Uhrmacher tätig, arbeitete dann aber in der elterlichen Werkstatt mit, wo er seine ersten Mundharfen herstellte. 1857 machte Hohner den Instrumentenbau zu seinem Haupterwerb. Bis 1860 wurden die Mundharmonikas in reiner Handarbeit gefertigt, ohne jegliche maschinelle Unterstützung. In den folgenden Jahren gelang es Hohner durch Expansion des Betriebs, Arbeitsteilung und maschinelle Fertigung rasch die Produktion zu steigern. Schon um 1900 zählte das Unternehmen rund 1000 Beschäftigte in und um Trossingen und bereits im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wurde über die Hälfte der Hohner-Instrumente nach Amerika verkauft. 1900 übergab Hohner das Unternehmen an seine fünf Söhne, das noch heute als Hohner Musikinstrumente GmbH besteht. Vor allem die bunten Verpackungen der Mundharmonika machen die Instrumente zu einem Zeitdokument. Kaum ein anderes Industrieprodukt spiegelt den Zeitgeist so gut wider wie die Mundharmonika. Mundharmonikadeckel und -etuis erzählen Geschichten über Krieg und Frieden, Fürsten und Politiker, Mode, Sport und Musik in vergangenen Jahrzehnten. Einen Einblick in die Kulturgeschichte der Harmonika-Instrumente gibt das Deutsche Harmonikamuseum in Trossingen. Über Jahrzehnte hinweg sammelte das Hohner-Unternehmen nahezu alles, was für die Produktion von Zungeninstrumenten von Belang war. So entstand eine weltweit einzigartige Sammlung mit heute circa 25.000 verschiedenen Mundharmonikas, vielen Handzuginstrumenten sowie einem umfangreichen Bestand an branchen- geschichtlichen Dokumenten. 1987 wurde die Sammlung vom Land Baden-Württemberg angekauft und 1991 mit der Eröffnung des Harmonikamuseums der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Einige Exponate finden Sie auch auf dem digitalen Museumsportal Baden-Württemberg sowie auf der Seite des Harmonikamuseums. (JH)

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