Dominikanerkloster St. Nikolaus Konstanz 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1220 [zwischen 1220 und 1236]
Zerstörung/Aufhebung: 1807 [1807]
Beschreibung: Brüder des erst 1215 gegründeten Predigerordens könnten bereits 1220 nach Konstanz gekommen sein, also noch zu Lebzeiten des 1221 verstorbenen Ordensgründers Dominikus. 1236 gestattete der Konstanzer Bischof Heinrich I. die Gründung eines Klosters und überließ dem Orden die Insel vor der Stadt, die vorher im Besitz des Benediktinerklosters Petershausen war. Junge Männer aus dem Konstanzer Patriziat und der umliegenden Ministerialität baten um Aufnahme. 1244 trat sogar der resignierte Abt des Klosters St. Gallen Werner von Trauchburg in den Konvent ein. Die um 1250 begonnenen Bauten von Kirche und Kloster wurden um 1270 vollendet. 1255 wird erstmals ein Lektor erwähnt, der Studienbetrieb wohl kurz vorher aufgenommen. In Konstanz wurden nur Grundstudien angeboten, zur Fortbildung wurden begabte Brüder in eines der Generalstudien des Ordens, vor allem Köln, geschickt. Als Bettelorden waren die Dominikaner auf Almosen und Gaben für ihre seelsorgerlichen Dienste angewiesen. Der Terminierbezirk des Konstanzer Konvents umfasste den Thurgau, den heutigen Kanton St. Gallen, das nördliche Vorarlberg, Oberschwaben bis zur Iller mit Ausnahme des nordöstlichen Teils, den Hegau und Klettgau. Die Almosensammler konnten in den Terminhäusern in Schaffhausen, Meßkirch, Ravensburg, Isny sowie in den Frauenklöstern des Ordens in diesem Bereich unterkommen. Dem Konstanzer Kloster oblag die Seelsorge und geistliche Leitung in den beiden dem Orden inkorporierten Frauenklöstern Löwental und St. Katharinental, sowie verschiedenen dominikanischen Schwesterngemeinschaften unter bischöflicher Jurisdiktion, delegierte sie aber öfters an Weltgeistliche. Konstanz gehörte zu der 1221 errichteten Provinz Teutonia und seit 1303 innerhalb dieser Provinz zur Nation Suevia. Das berühmteste Konventsmitglied ist der Mystiker Heinrich Seuse (um 1297-1366). Er trat um 1310 mit etwa 13 Jahren in das Kloster ein, absolvierte das Noviziat, ein Partikularstudium in Konstanz und besuchte das Generalstudium in Köln. Wegen seines Eintretens für Meister Eckhart wurde er 1327 vom Provinzkapitel gerügt. Nach seiner Rückkehr aus Köln wurde Seuse in Konstanz als Lektor eingesetzt, aber 1334 wegen seiner Lehren wieder abgesetzt. Behaglichkeit und Lässigkeit bestimmten das Leben im Konvent, an Seuses strenger Askese nahmen die Mitbrüder Anstoß. Er wandte sich nun seinen Mitmenschen zu und war als Wanderprediger unterwegs. Als 1336 das Interdikt über die Stadt verhängt wurde und König Ludwig der Bayer 1338 dessen Missachtung verlangte, verließ der Großteil des Konvents die Stadt und zog in die Verbannung in St. Katharinental oder in das Schottenkloster vor Konstanz. Im Exil wählten die Brüder Seuse 1343/44 zum Prior. 1346 konnten die Dominikaner wieder zurück kehren, 1347 wurde Seuse fälschlicherweise sexueller Vergehen beschuldigt. Seine Oberen versetzten ihn daraufhin in das Dominikanerkloster Ulm. Dort schrieb er seine Autobiographie, "ein Lehrbuch christlichen Verhaltens und Leidens" (Borst) und starb 1366. Im Schisma (1388-1417) blieben die deutschen Dominikaner bei der römischen Obödienz. Während des Konzils wohnte der Generalmeister des Ordens im Kloster und tagten dort die italienische und französische Nation. Gegenüber der Observanzbewegung im Orden verhielt sich Konstanz abwehrend und schloss sich 1475-1608 der nicht-observanten Kongregation in der Provinz an. In der Reformationszeit mussten die Dominikaner wieder ihr Kloster räumen und ließen sich zunächst in Radolfzell, dann wieder in St. Katharinental nieder. Von dort konnten sie nach der Rekatholisierung der Stadt wieder 1549 nach Konstanz in ihr Kloster zurückkehren, das die Stadt als Spital genutzt hatte. Das Klosterarchiv war mittlerweile verloren gegangen. Als 1619 die Provinz Teutonia neu in Vikariate gegliedert wurde, teilte man Konstanz dem Vikariat Helvetia zu, das nur Konstanz als Männerkloster, aber zudem acht Dominikanerinnenkonvente umfasste, drei in der Schweiz (St. Katharinental, Schwyz, Steinen) und fünf nördlich des Bodensees (Löwental, Sießen, Pfullendorf, Kubach, Engen). Freiburg und Augsburg, später Bamberg und Landshut waren nun die Studienzentren der Provinz. 1709 wurde die Provinz Teutonia geteilt und das Vikariat Helvetia der neuen Provinz Germania superior zugewiesen. Im 17. und 18. Jahrhundert zählte der Konvent meist 15-20 Mitbrüder. Er förderte die Einführung von Rosenkranzbruderschaften, die in vielen Pfarreien gegründet wurden und an die in diesen Kirchen die Bruderschaftsaltäre mit der Rosenkranzspende an Dominikus und Katharina von Siena bis heute erinnern. Seit dem 17. Jahrhundert verschlechterte sich das Einkommen des Klosters, es verarmte und verschuldete sich. 1781 musste Konstanz mit Freiburg aus der Provinz ausscheiden, da keine Verbindung mehr zu Klöstern außerhalb Österreich geduldet wurde. Kaiser Joseph II. holte Genfer Unternehmer nach Konstanz, um die Wirtschaft der Stadt zu stärken. Er überließ ihnen 1785 die Klostergebäude auf der Insel für die Einrichtung einer Indienne-Manufaktur. Die 16 Patres und sechs Laienbrüder hatten in das Dominikanerinnenkloster St. Peter an der Fahr zu ziehen. Aber nur noch zwei Patres und vier Laienbrüder bildeten dort einen Konvent. Die anderen hatten sich in andere Konvente versetzen lassen oder wirkten als Beichtväter in Frauenklöstern. Neue Novizen durften nicht mehr aufgenommen werden, bis 1800 waren 13 Patres gestorben. Als 1807 Baden das Kloster aufhob, lebten dort noch der Prior und drei Laienbrüder, die pensioniert wurden. Das Klostervermögen im Wert von nur 39.000 fl. wurde dem ehemals vorderösterreichischen Religionsfond übereignet. 1810 exsekrierte Generalvikar Wessenberg die Klosterkirche von St. Peter. 1813 kaufte der Genfer Fabrikant Macaire die ganze Insel mit allen Gebäuden, 1874 wurde das Kloster zum Inselhotel umgebaut. Um 1820-30 soll die Bibliothek verloren gegangen sein. Die Gebäude des heutigen Inselhotels geben, wenn auch vergrößert, in ihrer Anordnung um den erhaltenen Kreuzgang und mit der zum Speisesaal umgestalteten Kirche noch einen Eindruck von der ehemaligen Klosteranlage. Kreuzgang und Kirche entstanden wohl zwischen 1250 und 1270 und zeigen noch romanische Züge. Die Kirche ist eine dreischiffige, flachgedeckte Basilika mit geradem Chorabschluss. Die Säulen der Kirche erinnern an die des Münsters. Eine erste frühgotische Ausmalung der Kirche erfolgte vor dem Provinzkapitel von 1276, erhalten ist ein Fresko mit sieben stehenden Heiligen. Umfassend ausgemalt wurde die Kirche um 1300, davon hat sich vor allem ein großer Märtyrerfries mit ursprünglich 102 drastischen Darstellungen von Marterszenen erhalten. Ebenfalls um 1300 erhielt die Kirche eine Farbverglasung mit einem Christus-Zyklus, von dem sich heute Teile in der Schlosskapelle Heiligenberg befinden.
Autor: ELMAR L. KUHN
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Dominikaner 1236-1527
  • Dominikaner 1549-1785
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Freiburg,
fiel an: 1785 / 1807 (Ehem.) Vorderösterreichischer Religionsfond
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=153

Adresse Auf der Insel 01, Konstanz

Literatur: Helvetia Sacra Bd. IV/5: Die Dominikaner und Dominikanerinnen der Schweiz. Red. v. P. Zimmer u. Mitarb. v. B. Degler-Spengler. 2 Teile. Basel 1999. I, 391-419 (U. Tepkas).
M. B. HELBING: Das Dominikanerkloster St. Nikolaus auf der Insel vor Konstanz. Sigmaringen-München 1969.
A. BORST: Mönche am Bodensee 610-1525. Sigmaringen 1978, 246-263, 512-515, 553f.
H. MAURER: Konstanz im Mittelalter I (Geschichte der Stadt Konstanz 1). Konstanz 1989, 131-135.
J. MICHLER: Gotische Wandmalerei am Bodensee. Friedrichshafen 1992, 10-13, 16-23, 32, 178-180.
A. WILTS: Beginen im Bodenseeraum (Bodensee-Bibliothek 37). Sigmaringen 1994.
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