Jesuitenkolleg Baden-Baden 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1622 [1622]
Zerstörung/Aufhebung: 1773 [1773]
Beschreibung: Markgraf Wilhelm (reg. 1622-1677) nahm die Markgrafschaft Baden-Baden 1622 in Besitz und trieb sogleich die Rekatholisierung des Landes mit Hilfe der Jesuiten voran. 1623 begann der erste Pater der Societas Jesu seine Tätigkeit in der Stadt Baden-Baden. Er erneuerte die Marien-Kongregation und die Wallfahrten nach Maria Linden bei Ottersweier und nach Lichtental. Mit weiteren Kräften wurde der Schulunterricht begonnen. Zunächst im Schloss angesiedelt, bezogen die Jesuiten 1627 ein neues Haus, in dem eine Kapelle eingerichtet wurde. 1629 zählte die Gemeinschaft zehn Patres. Der Markgraf stattete den Konvent großzügig aus und betraute ihn mit der Prinzenerziehung. 1632 zwangen die Invasion der Schweden und die Intervention des Markgrafen von Baden-Durlach die Jesuiten zur Flucht, doch 1635 kehrten sie zurück. Das in dieser Zeit von einem Superior geführte Haus wurde schließlich zu einem eigenständigen Kolleg unter Führung eines Rektors erhoben. Am 20. Mai 1642 stiftete Markgraf Wilhelm die Gründung. Mit Predigt in der Stiftskirche, Katechismusunterricht, Exerzitien, religiösem Theater, neuen Heiligenkulten und dem Unterricht am Gymnasium wirkten die Patres auf die Bevölkerung. Zwischen 1671 und 1680 entstanden die Jesuitenkirche und die Kolleggebäude nach den Plänen des wohl durch den Luzerner Konvent vermittelten Italieners Tommaso Comacio. Den Komplex vervollständigten zwei ältere Häuser an den sogenannten "Jesuitenstaffeln": Die als Schulgebäude dienende "Aula" und der ehemaligen Dattenhof, der später durch einen Neubau für ein "Seminarium" ersetzt wurde. Nach der Zerstörung Baden-Badens 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg mussten die Kolleggebäude instand gesetzt werden. Die Erbauer des Rastatter Schlosses, Aegidius Rossi und Johannes Mazza, waren damit beauftragt. 1701 war die Kirche wiederhergestellt, 1704 das Kolleg. In den 1760er Jahren erhielt die Kirche drei neue Altäre, die der Himmelfahrt Mariens sowie den Heiligen Stanislaus und Franz Xaver geweiht waren. Die Förderung durch den in Rastatt ansässigen Hof blieb bestehen, der Konvent zählte gewöhnlich 20 bis 25 Patres. Das Verhältnis zum Speyerer Ortsbischof und zu den ebenfalls in der Stadt ansässigen Kapuzinern war nicht konfliktfrei. 1768 konnte man noch die Patres aus den aufgelösten Ordenshäusern im Elsass aufnehmen. Mit dem Ende der Baden-Badener Linie geriet das Haus 1771 unter die Herrschaft der evangelischen Baden-Durlacher Linie, kurz darauf erfolgte 1773 die Aufhebung des Jesuitenordens. Diese bedeutete allerdings nicht das Ende des Gymnasiums, das nun in ein weltliches Lyzeum umgewandelt wurde. Ein Gutachten von Franz Ignaz Krohmer, d.h. ein Inventar der Gebäude und ein Plansatz, sind im Generallandesarchiv Karlsruhe erhalten, Teile der Büchersammlung heute in der Historischen Bibliothek Rastatt. Die Kolleggebäude des 17. Jahrhunderts, ab 1811 zum Conversationshaus für die Badegäste umgestaltet, sind im Kern im heutigen Rathaus am Jesuitenplatz noch erhalten, während die Kirche teils in einem Neubauten aufging.
Autor: STEPHANIE ZUMBRINK
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Jesuiten 1622-1773
Sonstiges: Bistum: Speyer, ab 1821 Freiburg
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=250

Adresse Marktplatz 02, Baden-Baden

Literatur:
  • Die Kunstdenkmäler der Stadt Baden-Baden. Bearb. v. E. Lacroix, P. Hirschfeld u. H. Niester (Die Kunstdenkmäler Baden Bd. XI/1). Karlsruhe 1942. 143ff.
    A. KAST: Mittelbadische Chronik für die Jahre 1622 -1770. Bühl 1934.
    D. KAUß: Kolleg und Residenz: die Jesuiten in Baden-Baden und Ottersweier von 1622-1774. In: Die Ortenau 58 (1978), 530-544.
    M. KITZING-BRETZ: Der Markgräflich Baden-Badische Hofbaumeister und Bauinspektor Franz Ignaz Krohmer (1714-1789). Diss. Heidelberg 2001, 281-283.
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