Dominikanerinnenkloster Gruol 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1353 [1353]
Zerstörung/Aufhebung: 1827 [1803/27]
Beschreibung: Die Schwesternklause zu Gruol ist seit 1353 nachweisbar, sie wird auch aufgeführt im "Liber marcarum" des Bistums Konstanz (um 1370) sowie im Subsidienregister der Diözese von 1468 und im Konstanzer Synodalkatalog von 1567. Die Klause stand offenbar von Anfang an unter dominikanischer Leitung. Als Kongregation des dominikanischen Dritten Ordens erscheint das Kloster Gruol aber erst in der Neuzeit. 1477 gaben sich Priorin Anna Strycher und acht namentlich aufgeführte Mitschwestern der Klause eine Ordnung, die sie sich später vom Bischof von Konstanz bestätigen ließen. Darin werden alle bisherigen und künftigen Insassinnen dazu verpflichtet, ihr eingebrachtes und ererbtes Gut der Gemeinschaft zu übergeben und dort bei einem allfälligen Austritt oder Übertritt in einen Orden zu belassen. Außerdem gelobten sie, sich gegenseitig in Not und Krankheit schwesterlich beizustehen und in Einigkeit und Gehorsam ein tugendhaftes Leben zu führen. In Ermangelung eines eigenen Siegels wurde die Ordnung von Junker Kraft von Hailfingen, dem damaligen Vogt zu Haigerloch, besiegelt. Die Schwestern zu Gruol kamen aus bürgerlichen Familien in der Umgebung. Sie ernährten sich von eigener Arbeit in der Landwirtschaft und durch ihre Gebetsdienste in der Kirche zu Gruol. Die Gemeinde verlangte 1484, dass die Schwestern von ihren Gütern die Kornsteuern zu zahlen hätten. 1539 sah sich Graf Jos Niklas von Hohenzollern veranlasst, gegen nicht näher bekannte Missbräuche im Kloster einzuschreiten. In der zweiten Hälfte des 16. Jh. konnte Gruol sich als einzige der vier Dominikanerklausen im Gebiet Hohenzollern-Haigerloch halten. Die letzten Schwestern und die Vermögenswerte der abgegangenen Klausen zu Haigerloch, Heiligenzimmernund Stetten wurden nach Gruol transferiert, möglicherweise auch das Vermögen der Klause zu Weildorf. Allerdings erhob nun auch der Dominikanerorden Anspruch auf den Besitz dieser "Kongregationen des Dritten Ordens", wie diese nun konform dem Sprachgebrauch des nachtridentinischen Kirchenrechts bezeichnet werden. Es kam darüber 1600-1615 zu mehreren Auseinandersetzungen zwischen den Grafen von Haigerloch und der Ordensleitung. Schließlich durfte Gruol ein Teil des Vermögens behalten. Im 17. Jh. geriet das Kloster durch die Verwüstungen des 30-jährigen Krieges in große Armut. Einen gewissen Aufschwung erlebte Gruol erst wieder als Mitglied der 1709 gegründeten süddeutschen ("sächsischen") Provinz des Predigerordens. Dies schlug sich auch in einem leichten Anstieg der Klostereintritte nieder. 1753 lebten elf Schwestern im Kloster, 1779 und 1801 waren es mit der Priorin 16. Nach dem Klosterplan des Haigerlocher Baumeisters Christian Großbayer aus dem Jahr 1773 lehnte sich das Klostergebäude baulich an die alte (später zerstörte) Pfarrkirche von Gruol an, wo die Schwestern auf der Empore ihren Chordienst abzuhalten pflegten. Das dreistöckige Klostergebäude war durch einen Gang direkt mit der Empore verbunden und durch einen abgeschlossenen Hof von der Außenwelt abgeschirmt. Im Erdgeschoss befanden sich die Wirtschaftsräume, im ersten Obergeschoss die Konventsstube mit vier heizbaren Zimmern und im zweiten Obergeschoss 15 Klosterzellen. Unter dem Dach lagen zwei Fruchtböden und weitere Kammern. Zu welchem Zeitpunkt dieses doch recht stattliche Gebäude errichtet wurde, ist nicht mehr bekannt. Als Großbayer die Zeichnung anfertigte, bestanden bereits Pläne zur Erweiterung der Gebäude. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Die Fürstliche Regierung befahl den Bau einzustellen, da man sich auch im Haus Hohenzollern-Sigmaringen mittlerweile Gedanken über die Weiterexistenz der Klöster machte. Um dem seit 1801 drohenden Schicksal der Säkularisation zu entgehen, hatten sich die Klosterfrauen 1802 auf Vermittlung von Pfarrer Wilhelm Mercy gegenüber der Landesherrschaft bereit erklärt, den Mädchenunterricht zu übernehmen. Das konnte jedoch nicht die hohenzollersche Besitznahme verhindern. Sie wurde, gestützt auf den Reichsdeputationshauptschluss, im Verlauf des Jahres 1803 zur Tatsache. Die hohenzollersche Regierung erstellte ein Inventar der Klostergüter und übernahm die Oberaufsicht über das Klostervermögen. Dem Kloster wurde die Aufnahme von Novizinnen untersagt. Es blieb zunächst aber weiterhin als landesfürstliches "Schulinstitut" bestehen. Für den Mädchenunterricht in den Elementarfächern hatten sich zwei Klosterfrauen zur Verfügung gestellt. Das Holz für die Schule kam aus den klostereigenen Wäldern. Nach der formellen Aufhebung des Klosters am 27. September 1827 erhielt die Gemeinde sechs Klafter Schulholz aus den an die Herrschaft gefallenen Wäldern zugesprochen. Die Klosterschwestern wurden mit Pensionen abgefunden, für den Konvent wurde für 120 Gulden die Abhaltung eines Jahrtages bewilligt. Die Klostergebäude gingen in den Besitz des Kirchenfonds über und wurden 1833 zum Abbruch freigegeben. Bis auf die heute noch erhaltene Klosterscheune aus dem Jahr 1743 wurde alles zerstört. Die Mädchenschule fand keine Fortsetzung.
Autor: MARTINA WEHRLI-JOHNS
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Schwesternsammlung 1353-um 1600
  • Dominikaner-Terziarinnen um 1600-1803
  • Schulinstitut 1824-1827
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Freiburg,
fiel an: Hohenzollern (1803)
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Adresse Haigerloch

Literatur:
  • Kreis Hechingen. Bearb. v. F. Hossfeld (Die Kunstdenkmäler Hohenzollerns Bd. 1. Hg. im Auftrag d. Landeskommunalverbandes der Hohenzollerischen Lande v. W. Genzmer). Hechingen 1939. 100.
    Drei Urkunden aus dem Kloster Gruol vom Dominikaner-Orden. Mitgetheilt von Oberrevisor PFEIFFER in Sigmaringen. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern. Sigmaringen/Hechingen 1 (1868)-63 (1932). Fortges. u. d. Titel HJh 18 (1884/85) 115-123.
    A. WALZ: Statistisches über die Süddeutsche Ordensprovinz (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Dominikanerordens in Deutschland 23). Leipzig 1927, 12, 18, 36, 88.
    F. X. HODLER / N. MÜLLER: Geschichte des Oberamtes Haigerloch. Hechingen 1928, 743-751.
    J. A. KRAUS: Die Klösterlein Haigerloch, Stetten, (Heiligen-) Zimmern und Weildorf. In: Hohenzollerische Heimat 5 (1955) 65.
    DERS.: Um vier Klausen und eine Schlosskirche im Haigerlochischen. In: Hohenzollerische Heimat 6 (1956) 30.
    M. KUHN-REHFUS: Frauenklöster in Hohenzollern. In: Freiburger Diözesan-Archiv 113 (1993) 105-127.
    900 Jahre Gruol. Hrsg. v. der Ortschaftsverwaltung. Gruol 1994, 263-279.
    R. FRANK: Die Herrschaft erntete, wo sie nicht ausgesät hatte. Die Säkularisation und die Auflösung von Kloster Gruol. In: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte. Hg. vom Hohenzollerischen Geschichtsverein Sigmaringen. Gammertingen/Sigmaringen 1ff. (1965ff.) 38/39 (2002/2003) 295-325.
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