Benediktinerabtei Blaubeuren 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1085 [1085]
Zerstörung/Aufhebung: 1535 [1535]
Beschreibung: Sigiboto von Ruck und die Grafen Anselm und Hugo von Tübingen planten in Egelsee ein Kloster, das sie 1085 in die Siedlung Beuren (1175/78 erstmals Blaubeuren) verlegten. Das Kloster wurde von Hirsau aus besiedelt und übernahm das St. Johannis Baptista-Patrozinium der Kirche am Blautopf. Die Stifter übertrugen 1099 das Kloster mit freier Abts- und Vogtwahl dem Apostolischen Stuhl. Das Vogtrecht blieb bei den Grafen bzw. Pfalzgrafen von Tübingen, bis 1267 Pfalzgraf Rudolf die Vogtei niederlegte und damit den Immunitätsbezirk innerhalb der Klostermauern schuf. Den Schutz der übrigen Klostergüter übernahm der Schwiegersohn des Pfalzgrafen, Graf Ulrich von Helfenstein. Diese Vogteirechte gingen mit der Herrschaft Blaubeuren 1447 von den Grafen von Helfenstein an die Grafen von Württemberg über. Das Kloster hatte sich unter guter Leitung im 12./13. Jh. weiterentwickelt. Der Frauenkonvent des ursprünglichen Doppelklosters lag schon Mitte des 12. Jh. 500 Meter blauabwärts und ging im 14. Jh. endgültig ab. Mit der Bestätigung der Stadtrechte von Blaubeuren 1267 und dem Aufstieg des Konvents zur rechtlichen Mitwirkung 1260/67 begann sich die Stellung des Klosters zu ändern, das nach Güterverkäufen am Ende des 13. Jh. finanzielle Probleme hatte. Mit der Einführung des Privatbesitzes der Mönche lockerte sich zu Beginn des 14. Jh. die Klosterzucht im Konvent. Diese Entwicklung führte unter der Misswirtschaft Abt Johannes II. Hug (1386 abgesetzt) zu einer Krise, die das Kloster erst mit Unterstützung des Ulmer Patriziers Heinrich Krafft 1397/98 überwand. Das Kloster konnte sich aber dem damit verbundenen Versuch der Reichsstadt Ulm entziehen, die Schutzvogtei über Blaubeuren an sich zu bringen. 1451 schloss sich das Kloster der Melker Reformbewegung an, nachdem sich bereits im zweiten Jahrzehnt des 15. Jh. die Klosterzucht offenbar gebessert hatte. Seit der ersten Hälfte des 14. Jh., haben dem Konvent keine Adligen mehr angehört, die bürgerlichen Mönche stammten aus den Städten der Umgebung, im 15. Jh. zu einem guten Teil aus der Stadt Blaubeuren. Der Klosterbesitz lag 1535 in 50 Orten um Blaubeuren herum. Dazu kam Besitz in zwanzig Orten um den Pfleghof in Tübingen und in elf Orten um den Pfleghof in Esslingen. Im 12. Jh. wurde ein Priorat in Hindebach in unmittelbarer Nähe zu dem Tübinger Klosterbesitz errichtet, das aber bereits im 13. Jh. erlosch. Das Kloster besaß 17 Patronate, von denen ihm acht inkorporiert waren. Diese lagen überwiegend in der Umgebung des Klosters, zwei bei Tübingen. Das Kloster war im Mittelalter Zentrum mehrerer Wallfahrten, die mit der Reformation erloschen. Der Gründungskonvent brachte den Grundstock der Klosterbibliothek mit und hat sofort ein Skriptorium eingerichtet. Beide waren erst wieder nach der Reform von 1451 greifbar. Abt Ulrich Kundig (1456-1475) war nicht nur selbst im Skriptorium tätig, sondern hat auch im Kloster eine Werkstatt für Bucheinbände und eine Druckerei eingerichtet. Im 16. Jh. wurde das Skriptorium anscheinend aufgegeben und der Bibliothek weniger Interesse gewidmet. Teile der Bibliothek haben sich erhalten. In der zweiten Hälfte des 15. Jh. erlebte das Kloster den Höhepunkt seiner Geschichte. Abt Heinrich III. Fabri war maßgeblich an der Gründung der Universität Tübingen beteiligt und erhielt 1492 die Pontifikalien verliehen. Der Konvent musste 1535 nach der Reformation Württembergs sein Kloster verlassen, kehrte aber 1549 aufgrund des Augsburger Interims zurück, musste sich aber 1562 endgültig auflösen. Unter Leitung des katholischen Abts war 1556 eine evangelische Klosterschule entstanden. Der seit 1562 evangelische Abt war als Leiter der Klosterschule Mitglied der württembergischen Landschaft. Die Klosterschule wurde mit der Restituierung des Klosters 1630-1632 bzw. 1634-1648 mit Mönchen aus Weingarten geschlossen und 1650 wieder geöffnet. Sie wurde nach der Säkularisierung des Klosteramtes (1806) nach Schöntal verlegt (1810). Als evangelisch-theologisches Seminar wurde die Schule 1817 wiedererrichtet und besteht seither mit der Unterbrechung 1941-1945 bis heute. Klosteranlage und Kirche entstanden mit der Gründung, wobei letztere nach der Altarweihe von 1124 erst zu dieser Zeit fertig gestellt gewesen sein dürfte. Nach der Reform von 1451 und der wirtschaftlichen Konsolidierung wurde zwischen 1466 und 1510 die gesamte Klosteranlage neu errichtet. Der Chorraum mit Hochaltar wurde 1493 geweiht. Mit der Reformation stagnierte die bauliche Entwicklung. Die Benediktinerkapelle an der Ostseite des Chores wurde 1840 abgebrochen, ebenso 1887/88 der Westflügel der Klausur, das so genannte Abteigebäude. Letzteres wurde durch einen Zweckbau der Zeit ersetzt. Trotz der Schäden an der Klosteranlage ist diese eine weitgehend geschlossene Klosteranlage der Spätgotik. Die teilweise von Peter von Koblenz durchgeführten Bauten sind gegenüber dem Chor und seiner Ausstattung von nachgeordneter Bedeutung. Diese bildet mit dem Chorgestühl von Jörg Syrlin d. J., dem von Jörg Syrlin d. J, Michel Erhart, Bartholomäus Zeitblom, Bernhard Strigel u. a. geschaffenen Hochaltar und dem Raum eine Einheit von europäischer Bedeutung.
Autor: IMMO EBERL
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Benediktiner 1085-1535
  • Benediktiner 1549-1562
  • Benediktiner 1630-1632
  • Benediktiner 1634-1648
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Rottenburg-Stuttgart,
fiel an: Württemberg (1536)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=604

Adresse Klosterhof 02, Blaubeuren

Literatur:
  • W. Zimmermann / N. Priesching (Hg.): Württembergisches Klosterbuch. Klöster, Stifte und Ordensgemeinschaften von den Anfängen bis in die Gegenwart. Stuttgart 2003. 195f. (I. EBERL).
    Germania Benedictina, Bd. V: Die Benediktinerklöster in Baden-Württemberg. Bearb. v. F. Quarthal. Augsburg 1975. V, 160-174 (I. EBERL).
    Der Alb-Donau-Kreis. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Alb-Donau-Kreis (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). 2 Bde. Sigmaringen 1989/92. 611-613.
    Die Kunst- und Altertumsdenkmale im Königreich Württemberg. Inventar Donaukreis, Oberamt Blaubeuren. Bearb. v. J. Baum. Hg. v. E. von Paulus u. E. Gradmann. Esslingen a. N. 1911. 13-49.
    O. G. LONHARD: Das Kloster Blaubeuren im Mittelalter. Rechts- und Wirtschaftgeschichte einer schwäbischen Benediktinerabtei. Stuttgart 1963.
    Chr. TUBINGIUS: Burrensis Coenobii Annales. Hrsg. v. G. BRÖSAMLE. Stuttgart 1966.
    A. MORAHT-FROMM u. a. (Hg.): Kloster Blaubeuren. Der Chor und sein Hochaltar (Alb und Donau. Kunst und Kultur 31). Stuttgart 2002.
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