Augustiner-Chorherrenstift Allerheiligen 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1302 [1302]
Zerstörung/Aufhebung: 1806 [1806]
Beschreibung: An der Stelle eines früheren Bettelordensklosters der so genannten Sackbrüder wurde durch Ritter Johannes Amann von Waldkirch ein Chorherrenstift eingerichtet und 1302 mit der Bezeichnung "monasterium ... ordinis canonicorum regularium" belegt. Die Gründung wurde von Graf Konrad von Freiburg als Stadtherr und Bischof Heinrich von Konstanz bestätigt, die ersten Konventualen kamen aus dem elsässischen Augustiner-Chorherrenstift Marbach. Der Besitzschwerpunkt lag in Endingen, Riegel und Ihringen am Kaiserstuhl. Dennoch war die Ausstattung unzureichend, so dass das Stift sich gegen die Versuche einer Unterstellung unter das Augustiner-Chorherrenstift Kreuzlingen (südlich von Konstanz/heute Schweiz) zu wehren hatte. Während anfangs verwandtschaftliche Beziehungen der Konventualen zum Abt von Tennenbach, zum Stiftsgründer und zum Adel dominierten, waren die Konventualen späterer Zeit ausschließlich bürgerlich. Der bereits 1306 belegte Schulmeister könnte mit dem 1359 erwähnten Johannes Saltzmann aus Villingen, zugleich Kaplan am Freiburger Münster, identisch sein. Die wirtschaftlich schwierige Lage des Klosters St. Märgen führte dazu, dass nach der Resignation des St. Märgener Abtes Werner von Weisweil am 14. November 1370 ein Chorherr von Allerheiligen, Bertold Schultheiß, zum Propst gewählt wurde. Von da an waren St. Märgen und Allerheiligen unter gemeinsamer Leitung. Nach einem Brand in St. Märgen 1430 wurde das dortige Chorherrenstift 1462 nach Allerheiligen verlegt. Ohne das Chorherrenstift Allerheiligen hätte St. Märgen wohl kaum überleben können. Wegen dieser Verlegung des St. Märgener Konvents wurde der Chor in Allerheiligen 1495 vergrößert, angrenzende Häuser dazuerworben und um 1500 auch die Bezeichnung Abt von Allerheiligen gebraucht. 1518 brannten die Gebäude nieder, während die Kirche gerettet wurde. Trotzdem konnte 1523 der ehemalige Karmeliter Christoph Scheydeck von Scheinfeld als Sympathisant der Reformation noch im Kloster predigen, wurde daraufhin aber vom Stadtrat ausgewiesen. Von 1540 bis zur Rücksiedlung nach St. Märgen 1713 besaß Allerheiligen keinen Propst mehr, sondern nur einen Administrator. In den späten 1570er Jahren waren bei Visitationen die Vorstellungen entwickelt worden, eine Verbindung von Universität, Münsterpfarrei und einem Kollegiatstift zu schaffen und mit den tridentinischen Reformideen zur Errichtung eines Priesterseminars zu verbinden. Zur Umsetzung war das Augustiner-Chorherrenstift zeitweise im Gespräch. Die Jesuiten, die dieses Priesterseminar hätten betreiben sollen, konnten auf Intervention der Universität (noch) nicht Fuß fassen, der Plan scheiterte. Obwohl das Stift Allerheiligen, das in der Freiburger Neuburg lag, 1644 wegen seiner Nähe zur Stadtmauer gesprengt wurde, blieb nur die Kirche erhalten. Wegen fehlender Chorherren wurde 1672 das Chorgebet eingestellt. 1677 wurden die Stiftsgebäude wegen des Ausbaus der Stadtbefestigung unter dem französischen Festungsbaumeister Vauban niedergelegt, 1678 die Gebeine der Pröpste Jakob und Christoph in die Augustiner-Eremitenkirche übertragen und die Glocke in die Münsterbauhütte gebracht. Das Gnadenbild, das ebenfalls bei den Augustiner-Eremiten Zuflucht gefunden hatte und erstmals 1711 in einem Wallfahrtsbüchlein beschrieben wurde, fand in der Pfaffengasse/Herrenstrasse ein neues Domizil, ehe es 1723 nach St. Märgen überführt wurde. Dennoch wurde 1700 in der Herrengasse das Stift Allerheiligen neu eingerichtet und erlebte 1714-1717 eine erneute bauliche Fortsetzung - trotz des gleichzeitigen Baues von St. Märgen. Bei der Säkularisation 1806 war Allerheiligen noch mit drei Konventualen besetzt. Danach diente das Kirchlein der ersten Freiburger evangelischen Gemeinde bis zum Bau der Ludwigskirche und wurde bis 1851 in den Adressbüchern als evangelische Kirche geführt. Die Orgel wurde 1808 nach Hartheim verkauft, die ehemaligen Gebäude in den Neubau des Ordinariats einbezogen. Ein einheitliches Siegel ist nicht bekannt. Fast jeder der Pröpste wählte einen anderen Heiligen, der Konvent führte seit 1304 ein rundes Siegel mit dem Gotteslamm. Über die Bibliothek ist nur sehr wenig bekannt. Nach der Säkularisation übernahm die Freiburger Universitätsbibliothek etwa 200 Bände aus St. Märgen und Allerheiligen, die später weiter reduziert wurden. Ferner sind einige Bücherkästen nach Freiburg gebracht worden.
Autor: DIETER SPECK
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Augustiner-Chorherren 1302-1806
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Freiburg
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=933

Adresse Schoferstrasse 02, Freiburg im Breisgau

Literatur:
  • Freiburg im Breisgau. Stadtkreis und Landkreis. Amtliche Kreisbeschreibung. Hg. v. der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg in Verbindung mit der Stadt Freiburg i. Br. und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. 4 Bde. Freiburg 1965-1974. I/2; 922.
    Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz. Beschreibende Statistik. Bearb. v. F. X. Kraus (Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden Bd. I). Freiburg i. B. 1887. 514-517.
    H. SCHREIBER (Hg.): Urkundenbuch der Stadt Freiburg im Breisgau. Bd.1.1-2.2 NF 1-3. Freiburg 1828, 1863-1866.
    W. MÜLLER: Studien zur Geschichte der Klöster St. Märgen und Allerheiligen, Freiburg im Breisgau. In: Freiburger Diözesan-Archiv 89 (1969) 5-129.
    DERS.: Visitationsbescheid für das Kloster Allerheiligen in Freiburg vom Jahre 1591. In: Freiburger Diözesan-Archiv 89 (1969) 130-139.
    E. MITTLER: Die Universitätsbibliothek Freiburg i. Br. 1795-1823. Personal, Verwaltung, Übernahme der säkularisierten Bibliotheken (Beiträge zur Freiburger Wissenschafts- und Universitätsgeschichte 35). Freiburg 1971, insbes. 76.
    J. KÖHLER: Die Universität zwischen Landesherr und Bischof. Recht, Anspruch und Praxis an der vorderösterreichischen Landesuniversität Freiburg (1550-1752) (Beiträge zur Geschichte der Reichskirche in der Neuzeit 9). Wiesbaden 1980.
    H. SCHADEK: Das Kloster Allerheiligen der Augustiner-Chorherren. In: H. HAUMANN / H. SCHADEK (Hg.): Geschichte der Stadt Freiburg im Breisgau, Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Neuen Stadtrecht von 1520. Freiburg 1996.
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