Weiden - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1330

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Westlich des Ortskerns finden sich im Bereich Schloßbühl fünf Hügel, bei denen es sich wohl um hallstatt- oder frühlatènezeitliche Grabhügel handelt. Auf dem nördlichsten und größten dieser Hügel wurde vielleicht im 13. Jahrhundert eine Motte oder Verteidigungsschanze angelegt. An der nördlichen Ortsgrenze findet sich ein Grabhügel, der offenbar im Zusammenhang mit der unweit davon auf Sulzer Gebiet liegenden keltischen Vierecksschanze und ihr unmittelbar benachbarten Grabhügeln stand. Nördlich davon noch teilweise auf Weidener Gebiet (Flur Forlewangen) liegt ein weiterer keltischer Grabhügel. Durch das westliche Ortsgebiet verläuft auch die von Waldmössingen nach Sulz führende Römerstraße. Der Ort selbst wird erstmals mit seiner frühesten Erwähnung als »Wida« 1330 fassbar. Der Name (weide entspricht Weideland oder Salweide) lässt auf einen hochmittelalterlichen Ausbauort schließen. Die vorreformatorische Filialbeziehung zur Kirche von Marschalkenzimmern deutet dabei auf eine Begründung Weidens von dort aus hin. Im 30jährigen Krieg wurde der Gebäudebestand halbiert und ging von 22 (1634) auf elf (1655) zurück. Im Jahr 1732 gab es 26 Häuser mit Scheunen unter einem Dach. Sämtliche Gebäude sollen damals alt, baufällig und mit Stroh bedeckt gewesen sein. Der Ackerbau wurde im Rahmen der Zelgwirtschaft betrieben (1612: »Zellg im Obern Ösch«, »vor Wangen«, »gegen Sullz«). Neubauten im Westen, Südwesten und Nordosten von Weiden.
Historische Namensformen:
  • Wida 1330
Geschichte: Die Zugehörigkeit zum Amt Rosenfeld in württembergischer Zeit ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass der Ort ursprünglich den Herzögen von Teck unterstand. Jedoch ist erst für 1524 mit Württemberg ein Inhaber der Hochgerichtsherrschaft anhand von Quellen belegbar. Hingegen hatten Ende des 14. Jahrhunderts die Herren von Lupfen eine bedeutende Position in Weiden inne; ihnen gehörte das Patronatsrecht, der Groß- und Kleinzehnt, der Widemhof sowie weitere grundherrliche Rechte als Allod, welches als Bestandteil des ebenfalls ihnen gehörigen Guts Marschalkenzimmern zum Zubehör der Landgrafschaft Stühlingen wurde. Die Rechte waren zunächst an die Herren von Ow als Lehen ausgegeben, bis Georg von Gippichen zuerst 1396 den grundherrlichen Besitz und 1399 die übrigen Lehnsrechte von Volkart von Ow abkaufte. Die Lehnsrechte an Kirchenpatronat und Zehnt konnte die Herrschaft Württemberg erst 1598 zusammen mit dem Adelsgut Marschalkenzimmern erwerben, zu dessen Lehenszubehör sie noch 1710 gehörten. Während dabei das Zehntrecht als Afterlehen wieder ausgegeben wurde, behielt Württemberg das Patronatsrecht in eigener Hand. Der umfangreiche Widemhof ist erst für 1612 als württembergisches Allod nachweisbar. Der Ort war verwaltungstechnisch dem Amt (später Oberamt) Rosenfeld unterstellt, seit 1808 dem Oberamt Sulz. Die Frühmesse in Dornhan erwarb 1424/26 mit vier Höfen zumindest einen Teil der lupfischen Grundherrschaft. Hingegen wird die württembergische Grundherrschaft erst 1524 erkennbar. Im folgenden Jahrhundert verfügte auch das Kloster Alpirsbach über ein Lehen und das Augustinerkloster Oberndorf, die dortige Siechenpflege und die Kellerei Sulz über Zinsrechte. Wie der Großzehnt so waren 1717 der Kleinzehnt und der Heuzehnt als Afterlehen von Württemberg in der Hand des Grafen Grävenitz, dem Lehensinhaber des Adelsguts Marschalkenzimmern. Weiden gehörte 1524 mit Aistaig unter einen Gerichtsstab. In demselben Jahr wird erstmals ein Richter aus Weiden genannt. Erste eigenständige administrative und gemeindliche Strukturen werden dann erst durch die Erwähnung von Dorfvogt, Richtern und der »Gemeind« 1717 erkennbar. Den Armen des Orts stand im 18. Jahrhundert aus der Saline zu Sulz das so genannte Almosensalz zu. Weiden kam 1938 zum Landkreis Horb.
Wirtschaft und Bevölkerung: Einen ersten Hinweis auf Bevölkerungszahlen liefert die Türkensteuerliste von 1544/45, in der neun männliche Erwachsene für die Steuer veranschlagt wurden. Im Jahr 1598 gab es dann schon 18 männliche Bürger. Deren Zahl stieg bis 1634 auf 27 an, fiel dann aber bis 1655 auf 13 und hatte schließlich 1732 mit 31 den Vorkriegsstand überschritten. Die Gesamtzahl an Erwachsenen und Schülern spiegelt die schweren durch den 30jährigen Krieg verursachten Bevölkerungsverluste, aber auch das kräftige Bevölkerungswachstum nach dem Krieg wider, als sich die Gesamtbevölkerungszahl von 1676 bis 1805 verdreifachte. Erste Einblicke über die frühen Vermögensverhältnisse und -verteilung gewährt die erwähnte Türkensteuerliste. Nach ihr verfügten sechs von den insgesamt neun Schatzungspflichtigen über einen Betrag von zusammen 1550 Gulden (100 Prozent). Davon besaß einer 50 Gulden (3,2 Prozent), vier zusammen 1000 Gulden (64,5 Prozent) und einer schließlich 500 Gulden (32,3 Prozent). Die land- und forstwirtschaftliche Fläche setzte sich 1732 aus 605 Morgen Ackerland, 130 Morgen Wiesen und Grasfelder, 37 Morgen Garten, 383 Morgen Wald und Weiden in Bürgerbesitz, 45 Morgen Wald in Gemeindebesitz und schließlich 241 Morgen Allmendfläche zusammen. Ein Bäcker, drei Weber, ein Schmied, ein Schuhmacher und zwei Schneider vertraten das Dorfhandwerk. Dazu kamen noch zwei Weinwirte. 1524 waren die Weidener in die Mühle von Aistaig gebannt.

Ersterwähnung: 1396
Kirche und Schule: Weiden war im Spätmittelalter Filial der Kirche von Marschalkenzimmern. Als in Weiden wie im übrigen Württemberg die Reformation eingeführt wurde, unterstellte man es der Kirche von Aistaig, da Marschalkenzimmern erst nach seinem Verkauf an Württemberg 1598 reformiert wurde. Ungeachtet dessen mussten die Weidener dem katholischen Pfarrer der Mutterkirche in Marschalkenzimmern für jede durch den Aistaiger Pfarrer an einem Weidener vollzogene Taufe, Eheschließung oder Bestattung weiterhin Gebühren zahlen. Die Kapelle war 1396 erstmals erwähnt worden und 1524 dem hl. Nikolaus geweiht. Seit der Reformationszeit wurde sie nur für Kindertaufen in harten Wintern, nachweislich bis 1763 für Predigten zu Kirchweih und seit 1773 für eine wöchentliche Betstunde und erst wieder seit 1836 durchgängig für den Gottesdienst genutzt. Die um 1300 entstandene Kirchenglocke ist ein Hinweis auf die Entstehung oder eine bauliche Veränderung des romanische und gotische Elemente enthaltenden Gebäudes. Vermutlich 1717, nachweisbar seit 1719, hat es einen eigenen Schulmeister für Weiden gegeben, nachdem zuvor die Schüler nach Aistaig hatten gehen müssen. Er unterrichtete insgesamt 36 Schüler, davon 19 Mädchen und 17 Knaben. Die Schülerzahl stieg mit einigen Schwankungen bis 1805 auf 52 an, wovon 27 Mädchen und 25 Knaben waren. Die von Anfang an nachweisbare Sommerschule hatte sich bis 1768 durchgesetzt. Weil kein Schulhaus vorhanden war, musste noch 1809 der Unterricht in der engen Wohnstube des Schulmeisters abgehalten werden. Ursprünglich romanische Chorturmkirche, gotisch verändert. Die evangelische Kirche seit 1966 Filiale von Marschalkenzimmern; die Katholiken nach Oberndorf.
Patrozinium: St. Nikolaus
Ersterwähnung: 1524

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