Schiltach 

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Typauswahl: Gemeinde
Status: Stadt
Homepage: http://www.stadt-schiltach.de
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Einwohner: 3849
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 112.0
Max. Höhe ü. NN (m): 864.51
Min. Höhe ü. NN (m): 288.19
PLZ: 77761, 78733

Schiltach liegt im Westen des Landkreises Rottweil und setzt sich aus den Stadtteilen Lehengericht und Schiltach zusammen. Im Mittleren Schwarzwald gelegen, zählt das 34,22 qkm große Gebiet zur naturräumlichen Einheit Quelltäler der Kinzig. Hauptgewässer sind die Kinzig, die das Areal von Nordosten nach Nordwesten durchläuft, sowie die Schiltach, der von Westen der Kienbach und das Reichenbächle zufließen. Letztere vereinigt sich im Kernort mit der Kinzig. Beide Gewässer schneiden sich tief in das Grundgebirge ein und gliedern es. Die Kinzig markiert an der Grenze zu Wolfach auf etwa 288 m NN den tiefsten Punkt des Geländes, das sich an der Nordabdachung des Moosenkapfs auf rd. 865 m NN erhebt. Wegen der Lage in den Flusseinschnitten vermochte die Stadt nach 1945 ihre Siedlungsfläche nur in den bis zu 250 m breiten Talsohlen der Kinzig und der Schiltach zu erweitern. Der Landesentwicklungsplan verortet den anerkannten Luftkurort, der als Berggebiet und benachteiligtes Gebiet eingestuft ist, im Ländlichen Raum. Durch den Grenzausgleich mit Baden vom 2. Oktober 1810 wurden die altwürttembergischen Orte aus dem Oberamt Hornberg herausgelöst und dem Amt Wolfach zugewiesen – bei zeitweiliger Zugehörigkeit zum nun badischen Bezirksamt Hornberg. Am 25. Juni 1939 wechselten beide Orte vom aufgelösten Bezirksamt Wolfach (seit 24.7.1813) zum gleichnamigen Landkreis. Nach dessen Aufhebung zum 1. Januar 1973 kamen sie zum Landkreis Rottweil. Am 1. April 1974 wurde Lehengericht nach Schiltach eingemeindet.

Teilort

Wohnplatz

aufgegangener Ort

Wüstung

Schiltach und sein Ortsteil Lehengericht sind die nordwestlichsten Außenposten des Landkreises. Die Entfernung zum Kreishauptort Rottweil beträgt 34 Kilometer. Die Stadt hat die Funktion eines Kleinzentrums und bildet mit dem 3 Kilometer entfernten Schenkenzell einen Verflechtungsbereich. Das nächste Mittelzentrum Schramberg liegt nur 10 Kilometer entfernt. Als Berggebiet und benachteiligtes Gebiet ist der anerkannte Luftkurort Schiltach mit Vorrang für die Ferienerholung geeignet und als solcher in der Regionalplanung vorgesehen. An der Landesentwicklungsachse Freudenstadt-Kinzigtal-Rheintal gelegen, ist die Gemeinde trotz ihrer Randlage im Kreis mit der Bundesstraße B 294 und der Bahnlinie Offenburg-Freudenstadt gut an den Fernverkehr angeschlossen. Das Gemeindegebiet ist durch zahlreiche, tief ins Grundgebirge eingeschnittene, der Kinzig tributäre Täler in viele kleine und schmale Bergrücken, Firste und Kämme zerlegt und gehört damit innerhalb des Mittelschwarzwalds zur naturräumlichen Einheit Quelltäler der Kinzig. Die Erosionsbasis liegt in Schiltach bei etwa 320 Meter über Normalnull; hier mündet auch die Schiltach in die Kinzig. Beide haben eine bis zu 250 Meter breite Talsohle aus groben Kiesen aufgeschüttet. Die Stadt selbst hat sich auf schmalem Raum bei etwa 330 Meter über Normalnull oberhalb der Kinzigtalaue unter dem Schlossberg und beiderseits der Schiltachmündung ausgebreitet. Der Ortsteil Vorderlehengericht nutzt einen Schuttkegel des Eulersbachs. Jenseits liegen an Ausgang von Heubach und Kuhbach die Streusiedlungen Vorderheubach und Vorderkuhbach. Nur die schwach terrassierten bis verebneten Hänge südlich der Kinzig und an der Schiltach bieten beschränkten Platz für Wohn- und Mischgebiete. Einige Gewerbebetriebe sind bei Vorderheubach bereits in den (hochwassergefährdeten) Talboden ausgewichen. Im Schiltachtal liegt, 4 Kilometer vom Stadtkern entfernt, die Streusiedlung Hinterlehengericht. Beiderseits der Kinzig und der Schiltach erheben sich die steilen Hänge, zwischen Vorderlehengericht und Heubach aus granitisiertem Gneis (Kinzigit), sonst im Granit bis zu etwa 600 Meter über Normalnull: im Norden Häberleskopf (614 Meter) und Fohrenbühl (599 Meter), im Süden Grumpenberg (599 Meter), Kirchberg (633 Meter), sodann östlich der Schiltach der allseitig angenagte und daher niedrigere Simonskopf (530 Meter) sowie der ihm darin ähnliche Zellersberg (548 Meter). Sie bilden eine Grundgebirgsterrasse und entsprechen der bloßgelegten Landoberfläche vor Beginn der Buntsandsteinauflagerung; deren Höhe geht über 700 Meter über Normalnull nicht hinaus. Südlich darüber erhebt sich ein weiteres Stockwerk mit breiterem Rücken, das am Mooskapf 843 Meter, am Kahlenberg 839 Meter und im Lehenwald am Härtsköpfle 825 Meter über Normalnull erreicht. Es sind dies Reste der alten, inzwischen weitgehend abgetragenen Buntsandsteindecke. Südlich davon öffnet sich zwischen Rotwasser und Kienbronn die angrenzende, weniger stark zerschnittene Landschaft des Oberen Schiltach-Lauterbachwaldes. Wie überall in den Nachbargemeinden treten an der Grenze des Buntsandsteins zum wasserstauenden Grundgebirge dank hoher Niederschläge (1100–1300 Millimeter pro Jahr) zahlreiche Quellen aus. Ihrem fast regelmäßigen Abstand von etwa 1 Kilometer folgen auch die Zinken und Einzelhöfe auf dem Grundgebirgssockel: Liefersberg, Höllgraben, Schöngrund, Stammelbach, Hunersbacher Hof, Ramsel, Hollai sowie südlich der Buntsandsteinplatte Kahlenberg/Kienbronn, Hinterlehen, Obersteigenbach und Hinterholz. Jenseits der Schiltach wiederholt sich diese Reihung unter der Buntsandsteinstufe von Aichhalden etwas weniger deutlich, so bei Schwenkenhof, Höfenhof und Rohrbach. Sind hier die Hofquellen von großer Bedeutung für die Ansiedlung der Höfe, so musste im Bereich Vorderlehengericht ein Wasserschutzgebiet im Einzugsgebiet des Erdlinsbaches sowie östlich der Schiltach ein weiteres zum Schutz der Quellen bei Rohrbach und schließlich jener von Kaibach und Egenbach festgesetzt werden; im Verbund wird Schiltach weitgehend über den Zweckverband Wasserversorgung Kleine Kinzig mit Trinkwasser versorgt. Zum Schutz des Grundwassers und der Quellen trägt auch der Wald wesentlich bei. Das Gemeindegebiet von Schiltach ist zu 79 Prozent bewaldet. An der Artenzusammensetzung sind die Nadelbäume mit 93 Prozent beteiligt, voran die Tanne mit 49 Prozent, Fichte mit 38 Prozent und Kiefer mit 5 Prozent. Klimatisch im Luv des Schwarzwaldes gelegen, werden aus forstlich-standortskundlicher Sicht für den Einzelwuchsbezirk Mittlerer Schwarzwald zwischen Kinzig und Dreisam folgende Waldgesellschaften als naturnah angesehen: An den unteren (kollinen) Hanglagen atlantische Buchenwälder, oberhalb von etwa 400–500 Meter über Normalnull submontane Buchenwälder mit Tanne und Traubeneiche, ab 600 Meter über Normalnull montaner Buchen-Tannenwald. Das lässt sich mit den pflanzensoziologisch ermittelten Waldgesellschaften korrelieren, die in der submontanen Höhenstufe den Hainsimsen-Buchenwald mit Traubeneiche und (seltener) Esskastanie als großflächig herrschende Gesellschaft mineralarmer Böden ansehen und darüber einen montanen Hainsimsen-Buchenwald mit reichlich Tanne und Waldschwingel als natürliche Vegetation konstruieren. Allerdings sind die tiefen Bachkerben, ferner die breiteren Talauen aber auch die felsigen und grobschuttreichen Steilhänge sowie die staunassen oder anmoorigen Lagen auf dem Grundgebirgssockel Sonderstandorte mit örtlich abweichender Zusammensetzung. Die zeitweilig überfluteten Talsohlen von Kinzig und Schiltach würden Auwälder mit Weidenarten und Schwarzerle tragen. Die steilen, gesteinschuttreichen Kerbtäler wie Reichenbächle, Kienbach und Kuhbach würden eher Schluchtwälder mit Esche, Linde, Bergulme und Bergahorn hervorbringen, für die Geißbart und Silberblatt im Hochstaudensaum der Bäche zeugen. Auf stärker felsigen Hängen wie am Burbachfelsen und über dem Deisenbauernhof an der Schiltach oder am Eingang des Kienbachtals, hätten nach Besenginster und Birken später Eichen gute Chancen. Auf Flächen stauender Nässe wie stellenweise im Mooswald sind auch Wälder mit vorherrschender Fichte neben der Tanne oder über Torf sogar mit Moorkiefer und Sumpfheidelbeere natürlich. Den atlantisch-subatlantischen Einschlag der Wälder zeigen Stechpalme und Roter Fingerhut an. Auf dem Gemeindegebiet sind weder Naturschutz- noch Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Der Landschaftsrahmenplan des Regionalverbandes bewertet aber das gesamte Kinzigtal zwischen Schiltach und Schenkenzell mit seinen Nebentälern als landschaftlich und ökologisch wertvoll, weswegen es in der Landschaftsfunktionenkarte als zusammenhängendes Landschaftsschutzgebiet geplant ist. Ebenso wurden das Schiltachtal mit seinen Felsbildungen und das Kienbachtal als geplante Landschaftsschutzgebiete eingetragen. Darüber hinaus genießen Sonderstandorte wie Felsbildungen, Gesteinshalden, naturnahe Quellen und Bachläufe, Sumpfwiesen und Heiden ohnehin den Schutz des Naturschutzgesetzes (Paragraph 24). Schiltach hat wegen seiner beschränkten Bauerweiterungsflächen nur geringe Chancen zur Ansiedlung weiteren Gewerbes. Doch hat die Gemeinde die Chance erkannt, ihre Lage, ihre Geschichte und die reizvolle landschaftliche Umgebung durch eine Verbesserung der entsprechenden Infrastruktur für die Ferienerholung und den Tourismus zu nutzen.

Am 2. Oktober 1810 trat Württemberg das Oberamt Hornberg an Baden ab. Schiltach und Lehengericht kamen an das Bezirksamt Hornberg, nach dessen Aufhebung 1857 an das Bezirksamt Wolfach. Ein damaliges Lexikon stellt Schiltach als »kleines Städtchen mit 1282 Seelen« vor. Haupterwerbsquelle war neben dem Handwerk und etwas Ackerbau die Flößerei auf der Kinzig. Lehengericht ist ein »Stab mit 669 Seelen«, der sich von Ackerbau und Viehzucht ernährt und Anteil am Floßholzhandel hat. In Lehengericht amtierte ein Vogt; er saß im Stadtgericht. Man hatte eine eigene Steuerkasse und ein getrenntes Bürgerrecht. Nachdem Lehengericht seit 1769 die Lostrennung von Schiltach forderte, leitete die Gemeinde 1809 den entsprechenden Schritt ein. Bei der Abstimmung gab es nur eine Gegenstimme. Die Schiltacher waren mit 193:28 Stimmen für die Trennung. 1817 unterzeichnete man die Trennungsurkunde, ihre ministerielle Genehmigung erfolgte am 31. Januar 1818. Natürlicher Mittelpunkt der neuen Gemeinde blieb Schiltach, wo der Ochsen der Ort für die Gemeindeversammlungen war. 1937 wurde das Haus im Vorstädtle gekauft, das bis 1974 das Lehengerichter Rathaus war. Die Gemeindeverfassung sah einen Stabsvogt, einen Rechner und zwei Gerichtsmänner vor. Das Gemeindewappen zeigte in Gold einen nach links gewendeten schwarzen Löwen mit roter Zunge und roter Krone. Keine Änderung gab es bei den Kirchen- und Schulverhältnissen. Die Ruine von Hohlandsehr unterstand der Domänenverwaltung in Karlsruhe. Sie sah in ihrer Erhaltung keinen Sinn, zumal Steinsturz Häuser und Menschen gefährdete. Die Wasser- und Straßenbauinspektion Offenburg setzte sich denkmalpflegerisch für die Erhaltung ein, doch befahl die Regierung 1828 den Abbruch. Auf Beschluss des Landtags wurden 1833 die kirchlichen Zehntrechte aufgehoben. Die Ablösungssumme betrug das Zwanzigfache der jährlichen Zehntabgabe, wovon die Zehntpflichtigen vier Fünftel bezahlen mussten, den Rest übernahm der Staat. Die Berechnung und Zahlung des Ablösekapitals zog sich über Jahre hin. Bei der Bürgermeisterwahl 1845 fiel der langjährige Amtsinhaber durch; gewählt wurde der Apotheker Philipp Wolber, dem der Holzhändler Isaac Trautwein folgte. Beide gehörten der jungen Generation an, die mit der liberalen Bewegung sympathisierte. Im März 1848 alarmierte der »Franzosenlärm« die Bürger. Danach wurde die Bürgerwehr gebildet, mit 97 Wehrpflichtigen und 24 Freiwilligen. Hecker hatte in Schiltach nur wenige Anhänger, die verhaftet wurden. Als die Nationalversammlung über die Schulfrage debattierte, unterschrieben 149 Schiltacher und 120 Lehengerichter Petitionen, die die »Jugendbildung auf Staatskosten und in Staatsanstalten« forderten. Bei der Proklamation des Volksaufstands im Mai 1849 in Offenburg war die Wehrmannschaft mit Bürgermeister Trautwein dabei. Im Juni 1849 wurde sie zusammen mit den Lehengerichtern mobilisiert und nach Bruchsal verlegt. Einige gerieten in Rastatt in Gefangenschaft. Im Auftrag der Revolutionsregierung hielt sich der Engelwirt Christian Wolber in Reutlingen und Tübingen auf, um die revolutionäre Stimmung zu erkunden. Im Juli 1849 zogen preußische Truppen ein. Es kam zu Verurteilungen wegen Hochverrats, den Einwohnern wurden Umlagen und Kosten für die einquartierten Truppen auferlegt. Wahlergebnisse liegen erstmals für den Reichstag vor, für den Männer ab 25 wahlberechtigt waren. Ihre Zahl betrug anfangs 341, sie stieg jedoch schnell und erreichte 1912 437. Schiltach gehörte zum badischen Wahlkreis 6, in dem es 1871 und 1877 nur Kandidaten des Zentrums und der Nationalliberalen Partei gab. Der evangelische Ort wählte zu 100 Prozent die Nationalliberalen, die den protestantischen Mittelstand ansprachen. 1890 wurde die SPD mit 56 Stimmen (17,1 Prozent) eine feste politische Größe. Sie wuchs kontinuierlich und war 1912 mit 210 Stimmen (51 Prozent) stärkste politische Kraft. Seit 1897 bestand eine SPD-Ortsgruppe. Parallel verloren die Liberalen, die 1912 noch 186 Wähler (45,1 Prozent) hatten. Das Zentrum blieb trotz zunehmender Katholikenzahlen (1885: 181) mit maximal 15 Stimmen unter 4 Prozent. Die Verhängung des Kriegszustands im August 1914 wurde auf dem Marktplatz verlesen, die ersten Einberufenen verabschiedete man mit dem Deutschlandlied. Bis 1918 waren aus Schiltach 111 und aus Lehengericht 34 Soldaten gefallen. Für sie ließ der Kriegerverein 1925 das »Heldenkreuz« errichten. Es bestanden Ortsgruppen der KPD, des Zentrums, der DNVP, der DVP, der DDP, der SPD sowie eine Einheit des Jungdeutschen Ordens. Bei den Gemeinderatswahlen standen sich die SPD und die Bürgerliche Vereinigung etwa gleich stark gegenüber (1926: SPD 46 Prozent, Bürgerliche Vereinigung 54 Prozent), so dass jeweils vier Sozialdemokraten und Bürgerliche im Gemeinderat saßen. Erstere waren Metallarbeiter, Postschaffner und Säger, letztere Gerber- und Schreinermeister, Prokurist und Wirt. 1928 wurde die NSDAP-Ortsgruppe gegründet, die bei den Gemeinderatswahlen 1930 mit 207 Stimmen drei Sitze erhielt. Als republikanische Schutzorganisation agierte eine Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. 1932 konstituierte sich die Eiserne Front, doch wandte sich auch hier der handwerkliche und gewerbliche Mittelstand der NSDAP zu, die zur stärksten Partei wurde (Reichstagswahlen Juli 1932: 380 Stimmen). Die Wirtschaftskrise traf vor allem die Firma Grohe, wo statt 150 nur noch etwa 30 Beschäftigte voll arbeiteten. Die Tuchfabrik Korndörfer schloss ganz. Im März 1933 erfolgten durch Polizei und SA Hausdurchsuchungen bei SPD- und Reichsbanner-Mitgliedern. Protokollbuch und Fahne des Reichsbanners wurden vor dem Zugriff geschützt und sind erhalten. Ein Bürger protestierte gegen das neue Regime, indem er die Hakenkreuzfahne vom Städtlebrunnen herunterholte. Im Juni 1933 wurden Gemeinderat und Gemeindeverordnete »gleichgeschaltet« und die SPD-Räte durch NSDAP-Mitglieder ersetzt. Neue Vorstände gab es im Turn-, Gesang- und Kraftsportverein. Es fanden Aufmärsche und Kundgebungen statt; Bürgermeister und Ortsgruppenleiter priesen Hitler, doch hörte man auch die Drohung, »wer sich nicht fügen wolle, setzt sich der Härte des Gesetzes aus«. Bei der Reichshandwerkerwoche stellten sich die einzelnen Gewerbe dar. Im November 1933 strömten 1600 Schiltacher auf dem Marktplatz zu einer Kundgebung zusammen. Bei der folgenden Reichstagswahl und Volksabstimmung gaben 1414 von 1423 Wahlberechtigten ihre Stimme ab, davon entfielen 1334 auf die NSDAP. Die Bauern in Lehengericht wurden in der NS-Bauernschaft organisiert und es gab wie in Schiltach eine NS-Frauenschaft. In der evangelischen Kirchengemeinde suchten die Deutschen Christen Fuß zu fassen. Kommunalpolitisch ging es vor allem um Arbeitsbeschaffung (Januar 1933: 175 Arbeitslose). Seit 1931 lagen Pläne für ein Freibad vor, das 1933/34 für 25000 RM erbaut wurde. Die Arbeitsbeschaffung umfasste den Ausbau von Waldwegen, Wasserleitung und Kanalisation, so dass im März 1934 nur noch zwölf Arbeitslose registriert waren. Auch die Sägewerke und die Firmen stellten wieder ein und verhalfen durch Investitionen dem Handwerk zu Beschäftigung. Die Fabrik Korndörfer nahm wieder den Betrieb auf und beschäftigte zahlreiche SA-Männer, die Uniformtuche herstellten. Im Juli 1933 wurde ein Bürger »wegen Beleidigung der Reichsregierung« in Haft genommen, ein KPD-Funktionär kam ins KZ Ankenbuck. An ausländischen Zwangsarbeitern wurden für Schiltach 220, für Lehengericht 135 ermittelt. 1942 erhängte die Gestapo im Zellersgrund den 27jährigen Polen Bernard Perzynski (Gedenkstein unweit der Hinrichtungsstelle). 1942 wurde die Rathausfassade von Eduard Trautwein mit Darstellungen aus der Stadtgeschichte und Symbolen der Schiltacher Industrie bemalt. Ende 1944 wurde der Volkssturm mit einheimischen Kompaniechefs aufgestellt, die in Schiltach Kampfhandlungen vermieden und Sprengungen verhinderten. Am 28. Dezember 1944 griffen Jagdbomber den Bahnhof an, einem weiteren Angriff fielen drei russische Arbeiter zum Opfer. Über einem Hof in Hinterlehengericht ging ein Bombenteppich nieder. Am 20. April 1945 erreichten französische Truppen Hinterlehengericht und Schenkenzell, wo sie von Schiltach aus unter Beschuss gerieten. Sie antworteten mit Artillerie, wodurch einige Häuser und die katholische Kirche beschädigt wurden. Am 21. April rückten sie in Schiltach ein, ohne auf Widerstand zu stoßen. Zuvor hatte man noch NS-Fahnen verbrannt und das Hitler-Bild am Rathaus zertrümmert. In Hinterlehengericht leisteten Schramberger Volkssturmleute Widerstand, der Hinterhof geriet dabei in Brand. Beim weiteren Vormarsch in Richtung Wolfach starben in Vorderlehengericht drei deutsche Soldaten und fünf Zivilisten. Die Franzosen durchsuchten die Häuser, im Ortsarrest kam ein Mann aus Lehengericht ums Leben. Der Marktplatz wurde zum Sammelplatz deutscher Soldaten, die Radio- und Fotoapparate mussten abgeliefert werden. An zwei Tagen kam es zu Plünderungen von Geschäften durch Fremdarbeiter. Der Ortsgruppenleiter und sein Stellvertreter wurden von einem Franzosen, einem Fremdarbeiter und einem zugezogenen Deutschen in Lynchjustiz erschossen. Durch den Krieg verloren von 553 eingezogenen Schiltacher Soldaten 128 ihr Leben, 42 wurden vermisst, für Lehengericht wurden 48 Gefallene und 30 Vermisste registriert. Die Besatzungsmacht ernannte den Kaufmann Paul Wolber zum Bürgermeister, dem 1946 der Fabrikant Waldemar Korndörfer folgte. Mit der Zulassung politischer Parteien wurden 1946 Ortsgruppen der Badisch Christlichen Sozialen Volkspartei (BCSV), der Demokratischen Partei (DP), der SPD sowie der KPD gegründet. Bei einer Wahlbeteiligung von 93 Prozent fanden 1946 die ersten Gemeinderatswahlen statt, bei denen der Demokratische Verein mit 429 Stimmen die Mehrheit erhielt, gefolgt von der SPD mit 357 Stimmen, der BCSV mit 281, den Freien Wählern mit 113 sowie der KP mit 110. Der Gemeinderat wählte Ende 1946 den Gerbereiteilhaber Gottlieb Trautwein (DP) zum Bürgermeister. Auf einer Bürgerversammlung 1947 kamen die kommunalpolitischen Probleme zur Sprache: Die Zuweisung neuer Flüchtlinge, die Versorgungsengpässe, der Wohnungsmangel und die Entnazifizierung. Darüber kam es zu Tumulten, die wegen des Vorwurfs, es sei eine Protestkundgebung gegen die Entnazifizierung abgehalten worden, Untersuchungen der Besatzungsmacht nach sich zogen. Gegen den Bürgermeister lief, wie gegen 44 weitere Geschäftsleute und Handwerker, ein Entnazifizierungsverfahren, aufgrund dessen er zurücktrat. Als »Entlasteter« wurde er 1948 bei der Bürgermeisterwahl von der Bevölkerung bestätigt. Damals waren der Wohnungsbau (39 Wohnungssuchende), die Unterbringung von heimatlosen Ausländern sowie die Verluste der Gemeindefinanzen durch die Währungsreform die Hauptprobleme. Dazu kamen die drohenden Demontagen bei den Firmen Grohe und Junghans in Schramberg, in denen viele Schiltacher beschäftigt waren. Die ersten Wahlen zum Deutschen Bundestag brachten 1949 für die SPD 508, die FDP 371, die CDU 188 und die KPD 81 Stimmen. 1949 kam Staatspräsident Wohleb zur Wiederverleihung der 1935 abgesprochenen Stadtrechte. Aus wirtschaftlichen und politischen Gründen war man in Schiltach für den Südweststaat, die Volksabstimmung 1951 brachte denn auch 84,5 Prozent Ja-Stimmen, der Spitzenwert des Landkreises Wolfach.

Wappen von Schiltach

In Silber (Weiß) drei (2:1) rote Schilde.

Beschreibung Wappen

Im Jahre 1371 ging Schiltach, an dem wichtigen alten Verkehrsweg Straßburg-Rottweil gelegen, von den Herzögen von Teck in den Besitz der Herzöge von Urslingen über. 1381 sicherte sich Württemberg die Herrschaft über die Stadt. 1810 fiel sie an Baden. 1378 wird Schiltach erstmals als Stadt genannt. Somit fällt die Stadterhebung in die Zeit der Urslinger Herrschaft. Darauf weist auch das Stadtwappen hin, das mit seinen drei Schilden dem Wappen der Herzöge von Urslingen entspricht. Dass die Schilde auch volksetymologisch „redende" Symbole für den Ortsnamen (vom Fluss Schiltach) sind, mag ein willkommener Zufall gewesen sein. Die älteste Wappendarstellung findet sich im Stadtsiegel (Abdrucke ab 1497). Lediglich ein Stempel des 18. Jahrhunderts enthält über den Schilden eine liegende Hirschstange als Hinweis auf die württembergische Landeshoheit. Das Stadtwappen auf dem Marktbrunnen von 1751 zeigt nur die drei Schilde.