Sulz am Neckar - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 0790

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Die frühesten Siedlungsfunde auf der Gemarkung Sulz reichen bis in die Jungsteinzeit zurück. Größere Siedlungsplätze fanden sich im Gewann Brände südöstlich der Stadt. Aus der älteren Eisenzeit (800–500 v. Chr.) stammen die Grabhügelgruppen der Kelten im Stadtwald. Im Hundsrück finden sich sechs Hügel, im Oberen Forlenwangen sieben zusammen mit einer keltischen Viereckschanze und im Glockenturm zwei Grabhügel, aus deren Grabbeigaben (Wagen, Dolch) man auf einen Bestatteten von Rang schließen kann. Im 1. Jahrhundert lag südlich der heutigen Stadt Sulz ein römisches Kastell in der Flur Guldenhalde, rund 100 Meter über der Talsohle. Es riegelte den Durchgang zum Gebiet um Rottweil ab, nach dem Bau des Neckar-Limes diente es hauptsächlich zur Überwachung der Fernstraße zwischen dem Rhein- und Donautal. Die Römerstraße führte von Straßburg kommend über Waldmössingen bei Sulz über den Neckar und gelangte über Häsenbühl und Lautlingen weiter an die Donau. Eine zweite Römerstraße, die nach Rottweil führte, kreuzte im nahe gelegenen Kastelldorf. Vor 110 n. Chr. zog die römische Truppe aus dem Kastell ab und verkaufte es auf Abbruch der Zivilbevölkerung, die das Baumaterial zum Wiederaufbau des nahe gelegenen Dorfes verwendete. Das Kastelldorf (»vicus«) ist wohl wenig später als das Kastell um 80 n. Chr. entstanden. Es lag in der Mulde am flachen, östlichen Abhang der Weiherwiese und setzte sich nach Süden bis in die Flur Hinter der Kirche fort. Der Vicus hatte eine Ausdehnung von circa 300 Metern und war circa 6–8 Hektar groß. Er lag circa 50 Meter vom Kastell entfernt. Diese erste Siedlung ist teilweise durch einen Brand im Jahrzehnt nach 100 n. Chr. zerstört worden und danach als zivile Siedlung wieder aufgebaut worden. Sie dürfte bis um 170 n. Chr. bestanden haben, als sie in einem Großbrand zerstört wurde, der vermutlich im Zusammenhang mit einem kriegerischen Ereignis beim Einfall von germanischen Stämmen, den Chatten, ins Limesgebiet gesehen werden muss. Die Frage, ob der römische Name Solicinium für Sulz am Neckar gebraucht wurde, ist noch nicht endgültig geklärt. 368 n. Chr. wird der Ort Solicinium im Zusammenhang mit der Strafaktion Kaiser Valentinianus gegen die Alemannen erwähnt. Nach der neueren Forschung wird er nicht mehr mit Sulz am Neckar, sondern mit der zweiten Lagemöglichkeit mit Sülchen bei Rottenburg gleichgesetzt. Jedoch fehlen bisher eindeutige Belege für die Lokalisierung. Sicher sind die Siedlungsfunde aus der alemannischen Ausbauzeit im 7. und 8. Jahrhundert n. Chr. Im heutigen Stadtgebiet von Sulz sind fünf alemannische Reihengräberfriedhöfe belegt. Sie lagen im Stockenberg, an der Freudenstädter Straße, an der Horber Straße, beim Kinderheim Pfisterwald und beim Gähnenden Stein. Zu den Bestattungsplätzen gehörten kleinere Weiler und Gehöftgruppen. Welcher hiervon die »Sulza villa« der Erstnennung vom 24. Januar 790 n. Chr. war, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Nahe liegend ist, dass es sich bei Sulz um den im Brunnenbach vermuteten Ort handelt, dessen Gräber beim Gähnenden Stein lagen. Dieser ist nach Aussage der allerdings nur spärlichen Funde die älteste der fünf alemannischen Siedlungen. Er könnte sich schon vor der Stadtgründung 1284 nach und nach zu dem gefassten Salzbrunnen auf dem späteren Marktplatz hin verlagert haben, der das eigentliche Wirtschaftszentrum bildete. Der Name »Sulza« (althochdeutsch für Salz beziehungsweise Salzlake) weist unmissverständlich auf ein Salzvorkommen hin, dies bedeutet aber nicht, dass es bereits wirtschaftlich genutzt wurde. Sicher belegt ist dies erst für das Jahr 1252, als das Kloster Frauenalb eine Salzhalle in Sulz, die es von Graf Berthold von Sulz geschenkt bekommen hatte, an das Kloster Kirchberg verkaufte. Die Salzgewinnung spielte also bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle für Sulz. Auch die Tatsache, dass bei den Grafen von Sulz – erstmals 1092 als Edelfreie von Sulz erwähnt – vermutlich der Siedlungsname auf die Burg und das Geschlecht überging, lässt auf eine Bedeutung des Ortes schließen, der in der Salzgewinnung lag. Die Anlage des Ortes mit Stadtmauer, Oberem und Unterem Tor und dem Platz mit dem Salzbrunnen geht vermutlich auf die Zeit vor der Stadtgründung zurück. Um 1270 soll Sulz ummauert worden sein. Die Stadtmauer stand noch bis zum Stadtbrand im Jahr 1794. Sulz lag zentral innerhalb seiner Gemarkung, die 1730 circa 2000 (1895: 2446) Hektar groß war. Die ummauerte Stadt hatte eine Größe von 65 Hektar. Innerhalb der Stadtmauer bildeten der Salzbrunnen umgeben von 14 Siedehallen den Mittelpunkt. Daneben gab es eine hölzerne Pfarrkirche, an deren Stelle 1513–1515 die heutige Stadtkirche St. Fabian und St. Sebastian errichtet wurde. Zwischen Pfarrkirche und Stadtmauer lag die Sammlung der Frauen in der Klause, deren Haus im 15. Jahrhundert teilweise als Schule Verwendung fand. Neben den Bürgerhäusern um den Salzbrunnen, gab es Handwerker- und Bauernhäuser. Am Oberen Tor lag die städtische Mühle (1458) am Mühlenkanal, der die Stadt von Norden nach Osten teilte. Im nördlich des Mühlenkanal gelegen kleineren Gebiet waren hauptsächlich Handwerker ansässig. Das Stadtgebiet selbst wurde bereits im 15. Jahrhundert durch den Bau zweier Vorstädte erweitert. Im Norden entwickelte sich seit etwa 1450 jenseits des Neckars in der Umgebung des Spitals die wenig bedeutende alte Vorstadt, etwas später gegen Osten vor dem Unteren Tor die kleine Vorstadt in Richtung des Feldsiechenhauses. Die alte Vorstadt scheint ummauert gewesen zu sein und verfügte über zwei Tore (Grimmingstörle und Spitaltor). Im Jahr 1571 wurden die Salzhallen im Zentrum der Stadt abgebrochen und außerhalb der Stadt auf der anderen Seite des Neckar im Gewann Auf dem Wördt neue Produktionsstädten erbaut. Dadurch wurde Platz frei für den Bau eines frei stehenden Rathauses mit Fruchtschranne und Speicher 1571. Dieses wurde bereits 1581 mit 112 anderen Gebäuden bei einem Stadtbrand zerstört. Damit wurden fast zwei Drittel der Gebäude der Stadt, die 182 Häuser zählte, von den Flammen vernichtet. 1720 wurden erneut 73 Gebäude durch einen Brand zerstört. Zum dritten Mal brannte die Stadt am 15. Juli 1794. Dieser Brand ging von einem Bäckerhaus im oberen Brühl unweit der Stadtkirche aus: 194 Gebäude brannten ab, innerhalb des Mauerrings blieben nur die Evangelische Stadtkirche, das Schulhaus, das Dekanat, der Alpirsbacher Pfleghof, die Stadtmühle und zwei Bürgerhäuser stehen. Der Neuaufbau der Stadt 1795 wurde zu einer großzügigeren Anlage genutzt. Vom quadratischen Marktplatz gehen strahlenförmig alle wichtigen Straßenzüge aus. Die ortsansässigen Ackerbürger wirtschafteten auf kleinen Flächen in der klassischen Dreizelgenflur. Das Acker- und Weideland am Neckar war durch Überschwemmungen gefährdet. In den Jahren 1634, 1652, 1663, 1739, 1774, 1778, 1824, 1849 und 1940 sind Überschwemmungen belegt. Durch Korrektionen des Neckars (1924, 1950/51, 1954–56) wurde die Überschwemmungsgefahr bekämpft. Auf der Gemarkung lag außerhalb der Stadtgrenze mit zusammenhängendem Güterbesitz das ehemalige Hofgut Burgösch, das zur Burg Albeck gehörte. Daneben gab es noch einige zur Herrschaft gehörige Lehen- oder Dinghöfe (Marienhof, Ramshalde, Riedelhalde, Schnaithof und Viehhaus). Bereits im 14. Jahrhundert war Betzenhausen abgegangen. Neuere Ortsteile von Sulz an den Talhängen ansteigend. Planmäßiges Neubaugebiet im Westen und auf der linksseitigen Talschulter. Gewerbe- und Industriegebiete im Nordosten zwischen Bahnlinie und Neckar sowie auf der südlichen Talhochfläche.
Historische Namensformen:
  • Sulza 0790
  • Siulzo
Geschichte: Sulz wird erstmals 790 bei einer Schenkung an das Kloster St. Gallen als Gerichtsort genannt. Zu welcher Herrschaft es im 8. Jahrhundert gehörte, ist jedoch nicht bekannt. Erst im 11. Jahrhundert erscheinen die Grafen von Sulz. 1092 wird, vermutlich als erster Graf von Sulz, ein »Alewich comes de Siulzo« urkundlich erwähnt. Die Grafen von Sulz waren bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts im Besitz des Ortes Sulz und seiner Burg. Außer den Grafen von Sulz waren die Grafen von Hohenberg, die Teile ihres Besitzes 1285 an das Kloster Reutin verkauften, und die Grafen von Zollern Grundbesitzer im Ort, sowie ab dem 12. Jahrhundert auch verschiedene Klöster. Neben Kloster Reutin waren das die Klöster Alpirsbach, Frauenalb und Kirchberg. Kloster Alpirsbach, das eine Gründung der Herren Ruotmann von Hausen, Adelbert von Zollern und Alwig von Sulz war (1099), erhielt von Adelbert von Zollern 1101/25 seine nicht näher genannten Güter in Sulz gestiftet. Nach dem Herrschaftswechsel an die Herren von Geroldseck waren auch die Klause in Sulz und die Kirche von Sulz Grundherren und Mitbesitzer an den Salzsieden und dem Salzbrunnen in Sulz. Daneben gab es auch Eigengüter, so das Schenkengut, das 1331 von Margrethe Schenkin an das Kloster Alpirsbach abgetreten wurde. Weitere Eigengüter hatten Hans von Rusier (Busier), Schultheiß in Sulz 1363 und Klaus Ganter, Bürger zu Sulz 1404. Ortsansässig war 1094 auch der »miles Caro« des Herzogs Berthold von Zähringen und die Patriziergeschlechter Gut und Ungericht von Sulz, die später in den Niederadel aufstiegen. Der Herrschaftswechsel in Sulz in der Mitte des 13. Jahrhunderts von den Grafen von Sulz zu den Herren von Geroldseck liegt quellenbedingt im Dunkel. Sicher ist lediglich, dass 1278 Heinrich von Geroldseck (Heinrich von Veldenz) im Besitz von Sulz war. Am wahrscheinlichsten ist, dass Sulz als Erbgut direkt an die Herren von Geroldseck gelangte und nicht über die Linie Diersburg/Tiersburg, die nach anderen Theorien zwischen 1251 und 1278 Inhaber von Sulz gewesen sein sollen. Auf Bitten Heinrichs von Geroldseck (Heinrich von Veldenz) verlieh König Rudolf von Habsburg am 26. Oktober 1284 Sulz die Freiheiten der Stadt Freiburg sowie das Recht donnerstags einen Wochenmarkt abzuhalten, mit der Einschränkung allerdings, dass in der Stadt weder habsburgische noch königliche Eigenleute aufgenommen werden sollten. Die Stadtprivilegien wurden 1304 durch Johannes von Geroldseck und 1378 durch die vier Brüder Johannes, Konrad, Heinrich und Walther von Geroldseck bestätigt. Diese teilten im Jahr 1383 die Stadt unter sich auf, wobei die Achsen Oberes Tor und Brückentor einerseits, Niederes Tor und der Zugang von der Vöhringer Steige andererseits, die Stadt in vier Teile teilte. Nach der Erbteilung verschlechterten sich die ökonomischen Verhältnisse der Geroldsecker, so dass 1414 die Stadt verpfändet werden musste. Zusätzlich beschleunigten mehrere Fehden den Abstieg. So erwarben 1423 die Grafen von Württemberg nach der Beilegung der Bubenhof-Fehde das Öffnungsrecht an der Burg Albeck und ein Viertel der Stadt Sulz. Neben den Württembergern hatten auch der Pfalzgraf Otto und Markgraf Bernhard von Baden Rechte an der Herrschaft Sulz. Gemeinsam hielten sie 1421 ein Viertel an der Burg Albeck. Prekär wurde für die Geroldsecker die Lage dann 1459, nachdem das Hofgericht Rottweil über Hans von Geroldseck die Acht verhängt hatte und plötzlich die Grafen von Sulz selbst versuchten, sich in den Besitz ihrer alten Stammherrschaft zu bringen: Graf Alwig IX. kaufte alle erreichbaren Schuldforderungen an den Geroldsecker auf, erlangte vom Rottweiler Hofgericht die Einweisung in die geroldseckischen Güter, konnte sie aber, trotz eines ebenfalls erwirkten Kirchenbanns, nicht durchsetzen. Er veräußerte daher seine Rechte 1471 an Württemberg, das sich mit Kriegsgewalt in den Besitz von Burg und Stadt Sulz brachte. Hans von Geroldseck wurde mit seinen Söhnen gefangen genommen. Er wurde erst aus dem Uracher Kerker freigelassen, als er 1473 die Herrschaft Sulz an Württemberg abgetreten hatte. Die Familie Geroldseck von Sulz verschwand dann völlig, wohl auch durch eine bürgerliche Heirat des letzten Vertreters des Geschlechts. Die Grafen von Sulz blieben jedoch über ihre Waldbesitzungen am obersten Neckar dauerhaft mit Sulz verbunden. Ein wesentlicher Teil des Holzes, das für die Feuerung der Salzpfannen benötigt wurde, kam aus Besitzungen der Grafen von Sulz. Entsprechende Belege reichen zurück bis ins 15. Jahrhundert. Am 27. Dezember 1493 gab Graf Eberhard (VI.) d. J. seine Zustimmung, dass Graf Eberhard (V.) d. Ä. seinem natürlichen Sohn Dr. Ludwig Wirtemberger Schloss und Stadt Sulz als Mannlehen gab. Bei der Vertreibung Herzog Ulrichs von Württemberg setzte sich Gangolf von Hohengeroldseck 1519 in den Besitz der Herrschaft Sulz und nahm sie 1526 von Erzherzog Ferdinand zu Lehen. Aber schon 1534 musste er Schloss und Stadt vor Herzog Ulrich räumen. Danach blieb Sulz württembergisch. Seitdem war es, wie schon seit 1483, Sitz des württembergischen Obervogtes am Schwarzwald, dem die Ämter Sulz, Rosenfeld, Dornstetten, Dornhan und Hornberg unterstellt waren. Das Zehntrecht hatten schon die Herren von Geroldseck, wie auch später die Grafen von Württemberg an Ortsadelige verliehen. So waren im 14. Jahrhundert die Ungericht von Sulz, im 15. Jahrhundert die Gut von Sulz und im 16. und. 17. Jahrhundert die Herren von Neuneck und von Münchingen mit dem Großen Zehnt belehnt. Der Kleine Zehnt gehörte zu Teilen jeden Stiftungen der Pfarrei beziehungsweise der St. Wendelinskaplanei und dem Spital in Sulz, kleinere Teile gehörten den Pfarreien in Glatt, Oberndorf und der Gemeinde Holzhausen. Bereits vor der Stadterhebung 1284 von Sulz, trat 1236 ein Schultheiß in Sulz auf. Am 10. Juni 1285 stellt Heinrich von Geroldseck mit seinen beiden Söhnen Walther und Hermann in Sulz die Urkunde aus, mit der sie die Stadterhebung für ihre Person und Herrschaft vollziehen. Die Erweiterung des Stadtrechts auf einen Teil der Markung, die Grenzen verlaufen etwa 600–800 Meter außerhalb der Ummauerung und umfassen 1,2 Quadratkilometer, dürfte ihren Grund in den Salzquellen haben. Der bekannte Salzbrunnen lag zwar innerhalb der Stadt, doch vermutlich gab es auch außerhalb der Stadt Salzquellen geringerer Güte. Salz war die wirtschaftliche Grundlage der Stadt. Für das Freiburger Recht zahlten die Bürger von Sulz jährlich gemeinschaftlich 30 Pfund Tübinger Pfennige. Es beinhaltete im Wesentlichen sieben Punkte, die auf die Überarbeitung des Freiburger Rechtes von 1248 zurückgehen: Gewährung sicheren Geleits von und zum Markt, bedingungsloses Erbrecht der Witwe eines Verstorbenen, Gewährung der Allmendenutzung für die Bürger, Befreiung vom Zoll, freie Vogts- und Priesterwahl, eigene Gerichtsbarkeit der Bürger und freier Verkauf des Besitzes sowie die Verleihung des Bürgerrechts nach vier Jahren. Eine Bestätigung dieser Privilegien fand 1304 durch Johannes von Geroldseck statt, der die geroldseckische Familie in Sulz begründete. Seit 1285 hatte Sulz ein eigenes Gericht über das Stadtgebiet, dem der Schultheiß und zwölf Richter vorstanden, 1383 bestand es aus zwölf Richtern und zwölf Ratsherren. Die aus der Gemeinde erwählten »Vierer« wurden »von alters« bei wichtigen Entscheidungen hinzugezogen. Das Hofgericht in Rottweil war erst in zweiter Instanz als Berufungs- und Appellationsinstanz für Sulz zuständig. Die Sulzer Bürger hatten seit 1348 ein kaiserliches Privileg, das verbot, die Bürger vor das Hofgericht in Rottweil zu zitieren. Als Gefängnis diente wohl ein Turm der Stadtmauer. 1484 sind Reparaturen am Gefängnisturm belegt. Ein freistehendes Rathaus bekam die Stadt erst 1572, als auf dem Marktplatz der nötige Platz durch den Abbruch der Salzhallen frei wurde, die aus der Stadt hinausverlagert wurden. Von den Pflichten aus dem Bürgerrecht befreit war der Alpirsbacher Pfleghof am Unteren Tor, welchen das Kloster Alpirsbach von Albrecht dem Schultheißen gekauft hatte. Die Befreiung sprach 1338 und auch 1350 der Grundherr von Sulz, Walther von Geroldseck, mit Zustimmung des Schultheißen, der Richter und Bürger der Stadt aus. Der Pfleger des Klosters Alpirsbach war ebenfalls befreit, solange er nicht den Markt, die Allmende und Weide nutzte und kein Handwerk oder Gewerbe ausübte. Die Stadt hatte bis 1735 Anteile an der Saline Sulz, noch 1730 besaß die Stadt 6455 Gulden, das sind 14,5 Prozent am gesamten Hallenkapital (44 800 Gulden). Bedeutende Einnahmen hatte die Stadt durch die verschiedenen Zölle, die sie erhob. Dies waren der große Zoll, der Holzzoll und der Marktzoll sowie das Weg-, Brücken- und Pflastergeld. Das Siegel der Stadt Sulz von 1252 enthielt einen Schild mit dem geroldseckischen Wappen (in Gold ein roter Balken zwischen zwei Haken), die als Salzsiederhaken zum Bewegen und Umwenden der Salzpfannen gedeutet werden. Über dem Wappenschild füllt eine Ranke den leeren Raum aus. Ab 1596 ist das obere Feld des geroldseckischen Schildes mit einer Hirschstange belegt, die erst im 20. Jahrhundert rechtshin gelegt wird. Die Salzsiederhaken werden immer mehr zu Dekorationsstücken und fallen im 19. Jahrhundert ganz weg. Wappenzeichnungen von 1535 und 1596 zeigen in schwarzem Schild zwischen zwei silbernen Haken einen goldenen Schild mit einem roten Balken. Am Bauernaufstand des Armen Konrad im Jahr 1514 waren 18 Personen aus Sulz beteiligt. Sulz war als Amts- und Gerichtsort Schauplatz von Hexenprozessen in Württemberg und zählte in den Jahren 1626–1630 neben Dornhan und Alpirsbach zu den regionalen Prozessherden, in denen intensive Verfolgungen in Kettenprozessen stattfanden. Dennoch blieb die Zahl der Opfer insgesamt gering. Einzelne Prozesse gegen Frauen aus Sulz und anderen Orten der Gegend fanden bereits seit dem Jahr 1596 in Sulz statt. Nach Köhler sollen in den Jahren 1596–1604 22 Frauen aus Sulz, Wittershausen, Vöhringen, Boll, Holzhausen, Reinhartsaue und Alpirsbach sowie ein Mann aus Sulz der Hexerei angeklagt und hingerichtet worden sein. Die Burg bei Sulz wurde anscheinend im 11. Jahrhundert als Stammburg der Grafen von Sulz südwestlich von Sulz erbaut, so dass hier vermutlich die Burg den Grafen den Namen gab. Erst später, wohl unter den Herren von Geroldseck, wurde die Burg Albeck genannt (1240). Die südwestlich der Stadt auf steil abfallendem Bergrücken gelegene Burg besteht heute aus einer Ringmauer, die noch aus der Anfangszeit stammen dürfte. Der Kern der Anlage, die Wohnturmburg, wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts von den Herren von Geroldseck erbaut. Innerhalb der Ringmauer, auf erhöhtem Platz, umgibt die Umfassungsmauer die rechteckige, fast quadratische Innenburg. An zwei Seiten an sie angelehnt, mit ihr im Mauerverband, erhebt sich der Hauptbau, der schon durch die Mauerstärke von 2,25 bis 2,4 Meter – dicker als die Umfassungsmauer, vergleichbar fast den Schildmauern – als Wehrbau ausgewiesen ist. Über dem Eingang von 1370 befindet sich ein verwittertes Allianzwappen Geroldseck-Urslingen. 1421 haben Pfalzgraf Otto bei Rhein, der auch Herzog in Bayern war, und Markgraf Bernhard von Baden mit den Herren von Sulz einen Burgfrieden geschlossen, der ihnen ein Viertel der Burg Albeck mit Zubehör zusprach. Zwei Jahre später hatten die Württemberger das Öffnungsrecht für die Burg Albeck erworben. Ein halbes Jahrhundert später gehörte sie ihnen ohnehin. 1424 wurde ein Burgfrieden zwischen den Besitzern von Albeck, den Herren von Geroldseck und den öffnungsberechtigten Grafen von Württemberg geschlossen, der eine friedliche gemeinsame Nutzung der Burg Albeck ermöglichte. Der Burgfriedensbezirk umfasste auch die Stadt Sulz mit ihrer Gemarkung und hatte eine Größe von etwa 17,5 Quadratkilometer. Die Burg Albeck der Herren von Geroldseck wurde zweimal, 1420 und 1469, von den Grafen von Württemberg mit großem Aufgebot und mit Bundesgenossen monatelang belagert, ohne genommen zu werden. Zwei Jahre später überwältigte sie Graf Eberhard im Bart von Württemberg im Handstreich – was ihm lange Rechtsstreitigkeiten eintrug, obwohl der hoch verschuldete Besitzer geächtet und die Burg bereits Gläubigern zugesprochen worden war. Im Jahr 1688 wurde die Burg durch französische Truppen zerstört. Sulz war seit 1471 Hauptort des Amtes, später Oberamt Sulz, das 1938 im Landkreis Horb aufging.
Ersterwähnung als Stadt: 1284
Wirtschaft und Bevölkerung: Mit der Erhebung zur Stadt 1284 erhielt Sulz das Marktrecht und wurde dadurch zum wirtschaftlichen Mittelpunkt seiner Gegend. Bereits im 15. Jahrhundert wurde die Fläche der Stadt für die Bevölkerung zu klein. Mitte des 15. Jahrhunderts zogen die Einwohner vor die Stadtmauern in zwei neu entstandene Vorstädte. Die erste Bevölkerungszählung wurde 1538, nachdem Sulz 1534 endgültig württembergisch geworden war, unter Herzog Ulrich von Württemberg durchgeführt. Gezählt wurden 630 Erwachsene sowie 460 Jugendliche und Kinder, zusammen 1090 Einwohner. Anlässlich der Türkensteuer wurden in Sulz 1544 233 Schatzungspflichtige gezählt, dies entspricht ungefähr 1048 Einwohnern. 1581 waren es nur noch 819 Einwohner (182 Häuser). Es erfolgte ein kontinuierlicher Anstieg (1598: 207 Bürger, d. h. rund 932 Einwohner, 1622: 1200 Einwohner). Nach dem 30jährigen Krieg und der Pestepidemie 1634/35 lag die Bevölkerungszahl 1654 bei 563 Einwohnern. Bereits 20 Jahre später konnten die großen Verluste ausgeglichen werden (1676: 1165 Einwohner). Seither stieg die Einwohnerzahl wieder stetig. Sie erhöhte sich von 1210 Einwohnern im Jahre 1703 auf 1471 im Jahr 1730 (268 Bürger, 46 Witwen und 13 Beisitzer). In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhöhte sich die Einwohnerzahl von 1551 im Jahr 1763 auf 1749 im Jahr 1794. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Einwohnerzahl auf 1614 im Jahr 1805 gesunken. Die soziale Struktur der Bevölkerung von Sulz lässt sich für das 16. Jahrhundert anhand der Schatzungserhebung für die Türkensteuer 1544/45 nachzeichnen. Mehr als die Hälfte der Familien, von 233 waren das 151 Familien (65 Prozent), verfügten lediglich über ein kleines Vermögen von bis zu 100 Gulden. Das durchschnittliche Vermögen betrug 225 Gulden. Über ein mittleres Vermögen von 100 bis zu 500 Gulden verfügten 50 Familien (21,5 Prozent). Die verbleibenden 32 Familien verfügten über ein Vermögen von über 500 Gulden (16 Familien) beziehungsweise über 1000 Gulden (16 Familien) und besaßen damit fast zwei Drittel des gesamten Schatzungsvermögen (52430 Gulden). Man erkennt deutlich ein großes soziales Gefälle innerhalb der Einwohnerschaft der Stadt Sulz. Ein kleine Anzahl sehr vermögender Bürger (14 Prozent) besaß fast zwei Drittel des Schatzungsvermögens (73,3 Prozent). Die überwiegende Mehrzahl der Bürger (86 Prozent) besaß nur gut ein Viertel des Schatzungsvermögens (26,7 Prozent). An diesem sozialen Gefälle hatte sich auch im 18. Jahrhundert nichts Wesentliches geändert. Der überwiegende Teil der Einwohnerschaft von Sulz (162 Bürger oder 49,5 Prozent) betrieb im Jahr 1730 ein Handwerk. Hierbei handelte es sich hauptsächlich um kleine Betriebe mit einem steuerpflichtigen Vermögen von 20 bis zu 100 Gulden. Nur ein Kupferschmied kam auf ein mittleres Vermögen von 150 Gulden steuerpflichtigem Einkommen. Ganze drei Betriebe besaßen ein Vermögen über 500 Gulden. Die Mehrzahl der Bauern bewirtschaftete kleine Flächen, die sich auf die drei Zelgen der Gemarkung (Wintersteig, Horbersteig und Veringersteig) verteilten. Zusammenhängender Güterbesitz findet sich bei der ehemaligen herrschaftlichen Burgdomäne Burgösch beziehungsweise Geroldseck, zu der die Meierei mit 16 Morgen Gärten, 233 Morgen Äcker, 63 Morgen Wiesen und 105 Morgen Waidgang gehörte. Daneben gab es nur wenige größere Bauern. Das Lagerbuch von 1562 verzeichnet sechs Lehen mit zusammenhängendem Besitz in den Zelgen. Die Stadt selbst besaß einige Äcker und Wiesen, so etwa im 17. Jahrhundert rund 35 Morgen. Der Ziegelei am Burgberg gehörten 42 Morgen Güter, sie wurde 1537 der Stadt auf ewige Zeit zu Lehen gegeben. 1730 verteilte sich die genutzte Markungsfläche wie folgt: Von 2969 Morgen Ackerfläche gehörten 339 Morgen der Stadt, 2630 Morgen den Bürgern. Die Wiesen mit 999 Morgen Fläche gehörten den Bürgern allein. Dagegen besaß die Stadt 481 Morgen Allmendefläche. Von 1672 Morgen Wald besaß die Stadt 374 Morgen, die Bürger 1298. Den Bürgern gehörten auch 168 Morgen Baum- und Küchengärten. Neben dem Anbau der üblichen Ackerbau- und Hackfrüchte wurden in Sulz auch die Handelsgewächse Flachs und Hanf sowie die Ölgewächse Mohn und Raps in der Brache angebaut. Weinbau ist in Sulz vor 1400 belegt, erreichte je-doch nie eine nennenswerte Größe. Noch 1648 war in Sulz ein Rebknecht tätig, aber schon 1662 gab es in Sulz längst keine Weinberge mehr. Die Viehwirtschaft hatte in Sulz eine eigene Bedeutung, die schon durch die großen Weideflächen im Überschwemmungsgebiet rings um die Stadt bezeugt ist. Im 16. Jahrhundert gab es einen gemeinsamen Schaf- und Schweinestall, ein Viehhaus und zwei Kuhhirten, die das Rind- und Schmalvieh der Bürger im Sommer im Stadtwald hüteten. Die Stadt hatte eine eigene Vieh- und Hirtenordnung und seit 1699 eine Vieh- und Schafordnung und ein eigenes Schafhaus. 1696 gab es 1000 Schafe, nach einer Bürgermeisterrechnung von 1740 gab es 1240 Schafe in der Stadt. Neben der Landwirtschaft bestimmten Handwerk und Handel die Wirtschaftsweise der Bürger von Sulz. Hauptzweig war die Saline, die sich als Wirtschaftsbetrieb seit 1252 nachweisen lässt. Im Mittelalter gehörten zur Saline neben dem Salzbrunnen 14 Siedehallen auf dem Marktplatz. Nach der Verlegung vor die Tore der Stadt auf den Wöhrd (1579) arbeiteten in der Saline 14 Säckelträger, davon zwei zum Brunnenmeister gewählte, zwei Faktoren, ein Gesödsschreiber, zwei Scheiblingießer (später: Brunnenknechte), sechs Siedknechte und ein Werkmeister. Dazu kommen noch Pfannenschmiede, Holzmesser, Waldknechte und Schachtarbeiter. Im Jahr 1645 sollen »etliche 100 Personen« bei der Saline gearbeitet haben und 1660 befanden sich unter der Belegschaft der Saline 55 Bürger. In Sulz gab es mehrere Mühlen. Die älteste ist wohl die Mahlmühle am Oberen Tor, die innerhalb der Stadtmauern am dort durch die Stadt fließenden Mühlenkanal lag. Sie hatte über die Stadt hinaus Bedeutung und war in ihrem Bannkreis, der neben Sulz die Orte Holzhausen, Sigmarswangen, den Hof Burgösch und die Ziegelhütte umfasste, die einzige Mahlmühle. Bereits im 15. Jahrhundert ist eine Walkmühle mit Tuchrahmen beschrieben, die von der Herrschaft als Erblehen vergeben wurde. 1484/87 wurde dem Mühlmeister erlaubt seinen Tuchrahmen in die Vorstadt zu stellen. 1680 verkaufte die Herrschaft Württemberg der Stadt auf deren Bitten hin die Walkmühle mit Rahmen und Zubehör um 200 Gulden. Die Stadt brach darauf hin die heruntergewirtschaftete Mühle ab und baute sie 1683 neu auf. Daneben gab es vor dem Oberen Tor zwischen Neckar und Stadtmauer auf städtischem Boden eine Schleifmühle, die 1473 der Stadt als Erblehen verliehen wurde. Die Stadt verlieh sie ihrerseits, so 1575 und 1683, an Huf- und Waffenschmiede, die sich verpflichteten, den Bau zu unterhalten und gegebenenfalls andere Waffen- und Messerschmiede sowie Weißgerber in ihr arbeiten zu lassen. Im 16. Jahrhundert bekam die Stadt auch eine Lohmühle. Ihre Inhaber hatten darauf Acht zu geben, dass durch den Betrieb der Mühle der Mühlkanal und die Mahlmühle nicht zu Schaden kamen. 1681 hatten die Lohmühle zwei Rotgerber inne. 1623 bekam die Stadt die Erlaubnis, am Mühlgraben vor dem Oberen Tor eine Sägemühle zu errichten. Bereits im Mittelalter hatte Sulz wohl zwei Ziegelhütten. Die eine, noch 1539 erwähnt, lag in der alten Vorstadt und zinste in die Kellerei. Wohl noch älter war die Ziegelhütte, die am Weg zur Domäne Burgösch lag. Diese wurde 1537 von der Herrschaft als ewiges Lehen an die Stadt vergeben. Nach dem Stadtbuch von 1539 gab es in Sulz eine Hanfreibe, eine Mange (Walze zum Glätten von Tüchern) und eine Badestube. Die Badestube, die schon 1457 erwähnt wurde, lag im Brühl nahe der Stadt(mahl)mühle und verfügte über Holzgerechtigkeiten im herrschaftlichen Wald (1723 erneuert). 1555 wurde ein zweites Bad in der Vorstadt errichtet, das bis 1579 bestand. In der Stadt Sulz waren alle Handwerke vertreten. Allerdings fehlen zuverlässige Angaben aus dem Mittelalter und zu Beginn der frühen Neuzeit, da es große Quellenverluste in den Stadtbränden des 16. bis 18. Jahrhunderts gab. Erste Nennungen gibt es im 17. Jahrhundert. 1619/20 gab es sieben Wirte, 1696 bereits 13. Die Zahl der Bierbrauer hatte von einem 1623 auf sechs im Jahre 1696 zugenommen. 1664 wurde eine Metzgerordnung für die sechs ortsansässigen Metzger von Vogt, Bürgermeister, Gericht und Rat aufgestellt, die 1688, 1696 und 1710 erneuert wurde. Jeder Metzger durfte drei Stück Vieh auf den Gemeindeweiden (»Butzenwäßenlin«, »Striettener Teuch«, »Waaßen vorm Goldtbronnen«, »Haldenbankh«) und auf den Stoppelfeldern weiden. 1710 hatte sich die Zahl der Metzger auf zehn erhöht. 1664 hatte Sulz ein Schlachthaus und drei amtlich bestellte Fleischschätzer. Aus einer beträchtlichen Zahl verschiedenster Handwerker ragen zwölf Bäcker (1644) heraus, von denen jede Woche abwechselnd zwei Brot backten, sowie vier Schuster (1646). 1730 werden erstmals alle Handwerker erfasst. In Sulz gab es 181 Handwerker, die nicht einzeln, sondern in Handwerksgruppen zur Steuer veranlagt wurden. Viele Handwerkszweige waren überbesetzt und ihr durchschnittlicher Steueranschlag lag noch weit unter dem durchschnittlichen Steueranschlag je Handwerker von 63 Gulden. Dazu gehörten vor allem die Bäcker und Schuhmacher, aber auch noch die Metzger und Weber. Mehr als zwei Drittel aller Handwerker hatten einen durchschnittlichen Steueranschlag unter 63 Gulden, lagen also unter dem Durchschnitt. Nur knapp ein Drittel, genau 50 Handwerker, lagen mit ihrem durchschnittlichen Steueranschlag über dem Durchschnitt und hatten ein gutes bis sehr gutes Auskommen. Dies sind in der Reihenfolge ihrer Steueranschläge die Bierbrauer und Wirte, die Schmiede, die Kupferschmiede, der Küfer, der Sattler, die Kürschner und Rotgerber, die Barbiere, die Färber, die Weißgerber und die Schreiner. Im Jahr 1600 wurde in Sulz durch Herzog Friedrich von Württemberg eine Leinwand- und Zeugweberei errichtet, die jedoch nur bis um 1636 bestand. 1749 wurde eine Indienne-Fabrik gegründet, 1755 eine Baumwollmanufaktur, die 1758 rund 300 Beschäftigte hatte, darunter zahlreiche Kinder. Die Baumwollmanufaktur wurde 1802 nach Heidenheim verlegt. Überregionale Bedeutung hatte Sulz auch durch seine Märkte. Bereits mit der Stadtgründung 1284 wurde ein Wochenmarkt errichtet, der donnerstags abgehalten wurde. Als zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein zweiter Wochenmarkt hinzu kam, der samstags stattfand, wurde der ältere Wochenmarkt auf Mittwoch verlegt. Später kam das Privileg zur Abhaltung von Frucht- und Kornmärkten hinzu, das 1552, 1554 und 1574 bestätigt wurde. Kornmärkte waren überregionale Märkte, auf denen Bauern bestimmter Orte ihre Früchte und ihr Getreide verkaufen mussten. Sie wurden zusammen mit den Wochenmärkten abgehalten. Seit im Jahr 1572 das Rathaus auf dem Marktplatz mit Fruchtschranne, Waaghaus und Speicher erbaut war, fanden die Märkte dort statt. Der Stadtknecht hatte die Aufsicht über den Kauf- und Verkauf auf den Märkten. Vermutlich erst nach 1571 wurde Sulz das Recht zur Abhaltung eines Jahrmarktes verliehen. Erstmals belegt ist ein Gallusmarkt im Jahr 1599. Die Jahrmärkte wurden seit dem 18. Jahrhundert viermal im Jahr abgehalten und dienten als Krämer- und Viehmärkte. Sie waren die einzigen im Amt Sulz. 1730 wurde der Sulzer Viehhandel mit 665 Gulden Steuer veranschlagt. Diesen Märkten kam überregionale Bedeutung zu, vor allem auch dem Jahrmarkt am ersten Donnerstag im Juni, der schon lange vor 1692 den Namen Wollmarkt trug. Der Sulzer Wollmarkt war lange Zeit der einzige in Württemberg. Neben den Märkten wurde ganzjährig mit Salz und seit dem 17. Jahrhundert mit Hallerde gehandelt, die in der Saline gewonnen wurden. Im Salzhaus der Saline wurden auch kleine Mengen an die städtische Bevölkerung verkauft. 1710 versorgte die Saline Sulz hauptsächlich Orte der näheren und weiteren Umgebung, so die Ämter Alpirsbach, Freudenstadt, Dornhan, Hornberg, Rosenfeld, Herrenberg und Sulz. Nach einer Berechnung des Salzverbrauchs im Herzogtum Württemberg 1732 versorgte die Saline Sulz zehn Städte, vier Klöster, 164 Dörfer und Weiler, 100 Höfe und Mühlen mit Salz. Dem Verkauf der Hallerde als Düngemittel für die Landwirtschaft, einem Nebenprodukt der Salzgewinnung, kam ebenfalls wirtschaftliche Bedeutung zu, da durch ihn zahlreiche Bauern täglich in die Stadt kamen. Unmittelbar mit der Saline hängt auch der Wirtschaftszweig des Holzhandels und der Flößerei zusammen. Bereits im 16. und 17. Jahrhundert wurde mit Hilfe der Scheiterholzflößerei das benötigte Brennholz zum Sieden des Salzes nach Sulz gebracht. 1730 gab es in Sulz zwei größere Handelshäuser, die den »ganzen Schwarzwald bis Triberg mit jedem Handelsartikel von Sulz aus« versorgten . Das Handelshaus von Johann Martin Vaihinger war mit 800 Gulden, das von Johann Ludwig Dollmetsch mit 700 Gulden veranschlagt. Ebenfalls mit 700 Gulden war die Apotheke veranschlagt, die seit 1691 in Sulz bestand.

Name: Burg Sulz (11. Jahrhundert); Burg Albeck (1240)

Ersterwähnung: 1261
Kirche und Schule: Sulz war bis 1503 Filial der Muttergemeinde in Bergfelden. Seit 1261 wurde Sulz wiederholt als eigene Pfarrei genannt und eigene Pfarrer erwähnt, so 1261 Pfarrer Heinrich, 1270 Pfarrer Kizzin, 1332 Nicolaus Ungericht, 1382 Bertholt Grünwalt. Das Patronat der Pfarrkirche hatte seit 1317 Württemberg als Patronatsherr in Bergfelden inne. Die Pfarrkirche von Sulz war den heiligen Sebastian und Fabian geweiht. Im Jahr 1491 wurde das Predigeramt in Sulz vom Generalvikar in Konstanz bestätigt. Von 1503 an war Sulz Pfarrort, nachdem das Vikariat vom Konstanzer Bischof Hugo von Landenberg zur unabhängigen Pfarrei erhoben worden war. Daraufhin wurde in den Jahren 1513–1515 noch vor der Einführung der Reformation statt der alten hölzernen Pfarrkirche die spätere evangelische Stadtkirche gebaut. Neben der Pfarrgemeinde gab es verschiedene religiöse Gemeinschaften in Sulz. Seit mindestens 1363 bestand eine Sammlung der Frauen in der Klause, die ursprünglich wohl eine Beginengemeinschaft, seit 1363 eine Klause der Dominikanerinnen war. Sie war in einem Haus bei der Pfarrkirche untergebracht. 1406 bauten die Klausnerinnen von Sulz vor ihrer Klause einen Brunnen; ob es ein Salzbrunnen war, ist nicht bekannt. Die Klausnerinnen hatten Einnahmen aus Besitzungen in Wiesenstetten, Weingärten, Gesöden und anderen Gülten in Sulz und einem Hof in Bondorf. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts vermehrte die Klause ihre Einnahmen durch etliche Gülten aus Sulzer Besitz, die sie von den Herren von Geroldseck sowie von Bürgern der Stadt erhielt. 1423 war Dorothea von Leinstetten Priorin. Zuletzt wird die Klause 1530 genannt. Eine zweite Frauengemeinschaft, »alte Frauensammlung« genannt, bestand seit mindestens 1348. Noch 1472 erhielt sie weitere Zuwendungen. Die Frauen zu St. Wendelin bildeten spätestens seit 1387 die dritte Frauengemeinschaft in und bei Sulz. Außer den drei Frauengemeinschaften, die spätestens mit der Reformation 1534 in Sulz aufgelöst wurden, gab es in Sulz eine 1498 gegründete St. Sebastianbruderschaft sowie eine Vertretung des Johanniterordens (1478). Neben der Pfarrkirche gab es fünf Kapellen: Die St. Wendelins Kapelle ob der Vöhringer Steige (genannt 1360–1576) mit Klause und eigener Pflege, die Liebfrauenkapelle beim Sondersiechenhaus (genannt 1401, heute Friedhofskapelle), die St. Bernhard-Kapelle im Tal (genannt 1285–1632), die St. Nikolauskapelle (heute Auf der Kappeln, genannt 1402 bis 1696) und die Spitalkapelle (1498 im Bau). Nach der Rückkehr Herzog Ulrichs wurde die Reformation 1534 durch Ambrosius Blarer, Prior des Klosters Alpirsbach und Alexius Bertsch, erster evangelischer Pfarrer in Sulz, durchgeführt. Die Heiligenaltäre wurden aus der Stadtkirche entfernt, das Spital wurde umorganisiert, die Frauenklöster aufgehoben. Der Friedhof wurde 1542 vor die Stadt ans Siechenhaus bei der Liebfrauenkapelle verlegt. Die Verlegung war 1556 abgeschlossen. Nach der Reformation wurde das Gebäude der Klause der Dominikanerinnen bei der Stadtkirche als Schule genutzt (bis 1842, dann 1852 abgebrochen). Schon 1417 wurde mit Magister Adelhart ein (Latein?)Schulmeister erwähnt. 1475 ist Johann Rüf als Schulmeister belegt. 1496 wurde die Schule erwähnt, die an die Mauer des Gartens der Klause der Dominikanerinnen anstoße. Im Zuge des reformatorischen Neubeginns wird 1601 ein Schulmeister genannt, der neben sieben Lateinschülern 46 Jungen und 40 Mädchen an der Deutschen Schule unterrichtete. Nach dem 30jährigen Krieg gab es zunächst keine Lateinschüler, die Schülerzahlen der Deutschen Schule waren jedoch bereits 1654 wieder hoch (56 Jungen und 44 Mädchen). Seit 1680 gab es dann zwei Lehrer, einen für die Lateinschüler und einen für die deutschen Schüler. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts war die Sulzer Schule mit drei Lehrern versorgt. 1703 unterrichtete der Lateinschullehrer 17 Jungen, die beiden Lehrer für die deutschen Schüler zusammen 130 Schüler (56 Jungen, 74 Mädchen). Die Winter- und Sommerschule setzte sich in Sulz um die Mitte des 18. Jahrhunderts durch. 1768 besuchten 19 Jungen die Lateinschule. An der deutschen Schule unterrichtete der erste Lehrer im Sommer 47 Jungen und 39 Mädchen, im Winter 41 Jungen und 43 Mädchen, der zweite Lehrer im Sommer 44 Jungen und 53 Mädchen sowie im Winter 38 Jungen und 44 Mädchen. Seit spätestens 1779 wurden die deutschen Schüler getrennt in einer Knaben- und einer Mädchenschule unterrichtet, der ganzjährige Schulbesuch war nun die Regel. Die Schülerzahlen stiegen in den beiden Deutschen Schulen auf 153 in der Knabenschule im Jahr 1805 und 169 in der Mädchenschule. Zwölf Jungen wurden im Jahr 1805 in der Lateinschule unterrichtet. Ihre Schülerzahlen schwanken von sechs zu Beginn des 17. Jahrhunderts, dem vorübergehenden Fehlen von Lateinschülern nach dem 30jährigen Krieg, und Spitzenzahlen bis zu 24 im Jahr 1794. Im Durchschnitt hatte die Lateinschule 13 Schüler. Seit der Reformation evangelische Dekanatssitz, heute bei Pfarrei I, die den Süden der Stadt umfaßt; außerdem Pfarrei II für den Nordteil von Sulz, zu deren Bezirk bis 1979 auch Holzhausen gehörte. Katholiken bis 1920 nach Leinstetten, dann eigene Pfarrei. Der Sprengel umfaßt auch die Stadtteil Bergfelden und Holzhausen sowie von der Gemeinde Vöhringen den Ortsteil Vöhringen. Die Kirche St. Johannes von 1952. Die evangelische Pfarrkirche St. Sebastian und Fabian, spätgotische Westturmanlage, 1513/15 erbaut, das Langhaus 1817 erneuert, der polygonale Chor mit Netzgewölbe noch original. Im Innern Renaissancegrabsteine, u.a. für Anna von Hohengeroldseck, geborene Gräfin von Lindau-Ruppin von 1528.
Patrozinium: Heilige Sebastian und Fabian

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