Wellendingen - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1258

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Die überwiegend auf -ingen endenden mittelalterlichen Nennungen des Ortsnamens, dessen Ersterwähnung mit der des Ortsadels zusammenfällt, deuten auf eine frühmittelalterliche Ansiedlung hin. Frühe Zeugnisse menschlicher Besiedlung sind drei vermutlich frühkeltische Grabhügel an der westlichen Gemarkungsgrenze (Flur Oberes Brühlholz) sowie eine 1981 entdeckte ebenfalls keltische Viereckschanze an der südlichen Gemarkungsgrenze. Die im Westen gelegene Flur Weiherhausen (1749 »In Weydhaußen«) deutet auf eine Siedlungswüstung hin. Die benachbarten Fluren Hundsbreite und Breitenholz, welche auf herrschaftliche Eigenwirtschaft hinweisen, bezogen sich möglicherweise auf den abgegangenen Wohnplatz. Bei der Landbergischen Fehde 1540 wurden 32 Wohnstätten sowie das herrschaftliche Schloss niedergebrannt und lediglich fünf bis sechs Hofstätten blieben unversehrt. 1749 wurden 83 Häuser gezählt, davon 21 Bauern- und 61 Taglöhnerhäuser sowie ein Mesnerhaus. Die Bauqualität des größten Teils der Häuser war schlecht. Gab es 1790 im ganzen Ort 111 Gebäude, so waren es 1806 ohne die Herrschaftsgebäude 131 Häuser. Das im 18. Jahrhundert erneuerte obere Schloss ist möglicherweise auf ein 1389 erwähntes Steinhaus zurückzuführen und wurde nach seinem Verkauf 1824 zu einem Schul- und Rathaus umgewidmet. Das damals ebenfalls veräußerte kleinere untere Schloss wurde in ein Gasthaus umgewandelt. Der 1543 erwähnte Burgstall dürfte auf die 1400 erstmals erwähnte Burg zu Wellendingen zurückzuführen sein. Wellendingen weist ein planmäßiges Neubaugebiet im Osten auf.
Historische Namensformen:
  • Walelingen 1258
  • Welelingen 1296
  • Waleligen
Geschichte: Der Ortsadel von Wellendingen (»C. miles de Waleligen«) wurde 1258 erwähnt. Das 1365 letztmalig nachweisbare Geschlecht zählte zur Ministerialität der Grafen von Hohenberg. Im Wappen führte es einen roten Löwen (Leoparden). Ende des 14. Jahrhunderts gehörten die herrschaftlichen Rechte über den Ort im engeren Sinne zur Grafschaft Hohenberg. Im 18. Jahrhundert war die Hochgerichtsbarkeit über den Westteil der Gemarkung mit der Pürschgerechtigkeit Rottweils verbunden, während sie im Ostteil einschließlich des Orts selbst von Österreich beansprucht wurde. Weitere landesherrliche Rechte wurden sowohl vom Ritterkanton (Steuer- und Geleitshoheit) als auch von Österreich (unter anderem Zollhoheit) für sich reklamiert. Die Niedergerichtsbarkeit hingegen war unbestritten in der Hand der Ortsherrschaft. Ab 1384 ist der Ort als Pfand in der Hand der Pfuser nachweisbar. Von deren Besitznachfolgern, den Ifflingern, ging die Ortsherrschaft 1543 als Allod an Kaspar Gräter über. 1548–1608 gehörte der Ort den Humpiß von Waltrams. Auf diese folgten 1608 die Herren von Freiberg, welche bis zum Ende des alten Reichs die Ortsherrschaft innehatten. Nachdem er bis 1805 dem Ritterkanton Neckar-Schwarzwald angehört hatte, wurde der Ort 1806/08 dem Oberamt Rottweil angegliedert. Neben der umfangreichen ortsherrschaftlichen Eigenwirtschaft ist seit dem 13. Jahrhundert auch Grundbesitz des Rottweiler Spitals nachweisbar, das der größte auswärtige Grundherr war. Im 14. Jahrhundert besaß das Kloster Rottenmünster einen Hof und vier Güter. Auch der Johanniterkonvent von Rottweil sowie die Herren von Landenberg waren damals in Wellendingen begütert. Im folgenden Jahrhundert ist Grundbesitz des Klosters Wittichen (1471) nachweisbar. Im 16. Jahrhundert verfügte die Heilig-Kreuz-Bruderschaft zu Rottweil (1509) über einen Hof und das Rottweiler Dominikanerinnenkloster St. Ursula über ein Lehen. Der Großzehnt ist 1543 als Allod teilweise in der Hand der Ortsherrschaft nachweisbar und blieb es bis in das 19. Jahrhundert. Der andere Teil war ein Lehen von der Landgrafschaft Stühlingen und wurde erst 1601 mit Teilen des Kleinzehnten Eigen der Ortsherrschaft. Erste Strukturen kommunaler Selbstverwaltung werden 1410 mit der Nennung von Gemeinde (»Gebaursami«) und Gericht sichtbar. Daneben werden 1687 zusätzlich je zwei Bürgermeister und Heiligenpfleger unter anderem erwähnt. Die zahlreichen rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen der Ortsherrschaft und den Untertanen, die zu einer Reihe von vertraglichen Regelungen (1410, 1544, 1609) führten, konnten erst durch ein Abkommen im Jahr 1790 endgültig beigelegt werden. 1592 wurde eine Dorfordnung erlassen.
Wirtschaft und Bevölkerung: Gab es um 1630 16 größere und kleinere Bauern sowie 50 Taglöhner, so wurden 1680 gleichfalls 16 Bauern sowie eine ungenannte Zahl von Erben eines Bauern und 26 Taglöhner gezählt. Deutlich erkennt man die Kriegsfolgen an der Zahl der männlichen Erwachsenen, die 1641 lediglich 18 betrug, bis 1704 auf 60 anstieg und schließlich 102 (1749) erreichte. Bei einer Gesamteinwohnerzahl von 799 im Jahr 1806 zählte die Gemeinde 157 Bürger. An Handwerkern gab es 1749 sieben Weber, je drei Schmiede, Zimmerleute und Schneider, je zwei Wagner, Maurer und jeweils einen Schreiner, Schuhmacher, Bäcker und Küfer. Eine Wirtschaft ist für 1592 nachweisbar. Im Jahr 1749 gab es zusätzlich vier Branntweinschenken. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Salpetergraben betrieben. 1749 setzte sich die besteuerte landwirtschaftliche Gesamtnutzfläche von 2595 Morgen aus 870 Morgen Acker, 513 Morgen Wiesen und Hanffelder, 30 Morgen Garten und Hofstätten, 514 Morgen Wald sowie 667 Morgen Allmende und Weide zusammen. Dazu kamen die herrschaftlichen Güter, die zu dieser Zeit insgesamt 754 Jauchert umfassten. Die Ackerflur wurde im Rahmen der Zelgwirtschaft bebaut (1749 »Zellg Altweeg«, »Altberg«, »Lohnweeg«). Die obere Mühle wurde als die jüngere Mühle des Orts bis 1807/08 erbaut. Noch 1691 wird eine Badestube erwähnt.

Name: Burg zu Wellendingen – unteres Schloss – oberes Schloss
Datum der Ersterwähnung: 1400

Ersterwähnung: 1469
Kirche und Schule: Bei der abgegangenen Kapelle westlich des Orts (1749 Flurname »Beym Kappelen«) handelt es sich möglicherweise um die Vorgängerin der heutigen Kirche. Diese ist erstmals für 1469 als Filiale der St. Pelagius-Pfarrei von Rottweil-Altadt genannt. Jedoch schon zuvor 1441 ist die Rede von einem Widemhof in Wellendingen. 1540–1543 und 1863–1864 wurde die Kirche umgebaut und erweitert. 1773 ist eine Schlosskapelle nachweisbar. Wellendingen war 1469 eine Kaplanei, bis es vermutlich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zur Pfarrei erhoben wurde. Das zwischen der Herrschaft und der Gemeinde strittige Patronatsrecht erkannte 1556 die bischöfliche Kurie der Gemeinde zu, jedoch gelang es der Ortsherrschaft 1667 dieses Recht in ihre Hand zu bekommen. Das Kapellenpatrozinium St. Ulrich ist erstmals 1469 nachweisbar. 1665 nach ihrer Zerstörung im 30jährigen Krieg wurden ein Altar der Dreifaltigkeit, ein zweiter der Jungfrau Maria und ein dritter den hl. Johannes Baptist, Johannes Evangelist und dem Apostel Matthias neu geweiht. 1721/23 wurde eine Schlosskapelle eingerichtet. Die Kapelle St. Margaretha ist mit ihrem Patrozinium erstmals für 1723 belegbar. Um den 1694 nach Wellendingen gebrachten Leib des heiligen Bonus entwickelte sich eine lebhafte Wallfahrt, die später von der Diözese verboten wurde. Eine 1696 gegründete Bruderschaft Jesus, Maria, Joseph ist noch für das Ende des 18. Jahrhunderts nachweisbar. 1692 und 1748 wurden Kirchenordnungen erlassen. Der von der Ortsherrschaft 1595 errichtete Armenkasten wurde 1771 erneuert. Ein Schulmeister ist erstmals 1695 sicher nachweisbar. 1807 betrug die Schülerzahl 100 und erforderte die Einstellung eines Gehilfen. Die Kirche St. Ulrich wurde 1937 neu gebaut. Katholische Pfarrei. Die Evangelischen nach Rottweil eingepfarrt.
Patrozinium: St. Ulrich
Ersterwähnung: 1469

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