Zimmern ob Rottweil - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1275

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Die große Römerstraße von Straßburg nach Neuhausen ob Eck führte über Zimmerner Gemarkung. 1933 wurden bei Grabungen im Gewann Mühlhöfle eine alemannische Pfeilspitze, ein kleines Hufeisen, Knochen und Zähne gefunden. Die Gemarkung Zimmern war eine der größten der Umgebung, was für ein hohes Alter spricht. Bis in die 1860er Jahre war sie in drei Ösche aufgeteilt (»gegen Bletzzain«, »gegen Benne Kreuz«, »gegen Hausen«), was mit der Dreifelderwirtschaft zusammenhing. Einen stattlichen, rechteckigen Ortskern bildeten die 1945 abgebrannten Spittelhöfe zusammen mit Kirche und Pfarrhaus. 1639 wurden von den kaiserlichen Truppen einzelne Häuser angesteckt. Auch 1707 wurde Zimmern durch Franzosen großenteils ein Raub der Flammen. Der Ortsname wird vom althochdeutschen »Zimbaron«, gotisch »timrjan« (entspricht Bauholz oder Holzbauten) abgeleitet. Er ist in einfacher oder zusammengesetzter Form zahlreich belegt, vor allem im alemannischen Gebiet. Zimmern verfügt über Neubaugebiete im Westen und Osten.
Historische Namensformen:
  • Ancencimbra 0994
  • Zimbern 1275
Geschichte: Über das Alter des auch Waldzimmern genannten Ortes herrscht Unklarheit. Weil kleinere Nachbargemeinden schon im 8. und 9. Jahrhundert erwähnt werden und die alte Römerstraße dicht am Ort vorbeiführte, wird angenommen, dass hier ebenfalls schon vor 1000 gesiedelt wurde. 1275 wird Zimmern in einer päpstlichen Schutzbulle erstmals urkundlich erwähnt; damals verfügte das Rottweiler Spital über Güter in verschiedenen Ortschaften, unter anderem in »Zimbern«. 1289 erhielt das Spital außerdem Eigengut eines Tunhart in Zimmern. Einer der Spitalhöfe wurde 1540 von landenbergischen Reitern zerstört. Besitz hatte auch das Kloster Rottenmünster: 1283 bezogen die Klosterfrauen Fruchtgülten aus einem Acker »gegen dem dörfle Zimmern«, nachdem sie sich diese vor dem Rottweiler Stadtgericht erstritten hatten. 1316 vertauschten die Nonnen mit dem Rottweiler Spital eine Hofstatt sowie Ackerland. 1327 besaß Rottenmünster in Zimmern sechs große Höfe, von denen zwei bis zur Auflösung des Klosters 1802 in Besitz blieben. Neben dem Rottweiler Spital und dem Kloster Rottenmünster werden weitere Eigentümer beziehungsweise Nutznießer genannt: 1323 verzichtete die Familie Bletz in Rottweil zugunsten der Abtei Reichenau auf Leibeigene in Zimmern. 1339 verkaufte Ritter Burkart Salzfasse eine Leibeigene von »Klaina-Zimbern« an das Kloster St. Georgen, 1499 Konrad Wyghan von Zimmern Zinsen an den Kirchherrn und Kaplan von Heiligkreuz in Rottweil. 1514 erwarb das Rottweiler Geschlecht der Bletz von Rotenstein ein Zimmerner Eichenwäldchen. Bereits 1405 war es der nahen Reichsstadt Rottweil gelungen, Anteile der Gerichtsrechte zu erwerben. Zimmern war damit das erste Dorf des Rottweiler Umlandes, das die Stadt in ihre Verwaltung nahm; sukzessive gelang es ihr, weitere Gebiete zu erlangen, so dass die Landschaft 1545/46 in zwei Vogteien geteilt werden musste. Zimmern blieb bis 1803 Teil der Rottweiler Pürschvogtei. Die Bevölkerung war Rottweil gegenüber – entsprechend den Rezessen von 1698 und 1776 – zu Hand- und Spannfron verpflichtet, außerdem zur Lieferung von Deichelholz. Ein Ortsadel fehlte in Zimmern. Der Ort wurde während der Zugehörigkeit zu Rottweil vom Pürschvogteiamt der Stadt verwaltet, Vogt und Untervogt wohnten vor Ort. 1803 kam Zimmern, das bis dahin zum Pirschvogteiamt der Stadt gehörte, an Württemberg, Stadtoberamt Rottweil, 1808 Oberamt Rottweil.
Wirtschaft und Bevölkerung: Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung fehlen weitgehend. 1623 ist von 150 »kirchbaren Menschen« die Rede, 1732 werden neun Höfe und 15 Häuser sowie 34 Feldbesitzer aufgezählt. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein blieb der Ort rein bäuerlich-agrarisch geprägt. Handwerk war, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, bis 1803 nicht erlaubt. Vermutlich handelte es sich jeweils um einen Wirt, Zimmermann und Metzger. Die Abhängigkeit von Klima und Wetter bestimmte Alltag und Besitz. Einschneidende Ereignisse waren die großen Viehseuchen von 1715 und 1796 im gesamten Rottweiler Gebiet. 1786 hatte Zimmern etwa 350 Einwohner.

Ersterwähnung: 1564
Kirche und Schule: 1275 ist Zimmern als eigenständige Pfarrei genannt, 1360/70 erscheint es als Filiale von Dunningen. Später wurde Zimmern Filiale der Stadtpfarrei Heiligkreuz in Rottweil. Der Fonds zum Unterhalt der Kirche und zur Bestreitung des Kults wurde bis 1803 in Rottweil verwaltet. Der dortige Pfarrer hatte an elf Tagen des Jahres in Zimmern Gottesdienst zu feiern, außerdem kümmerten sich Ordensleute (Jesuiten und Kapuziner) um die Seelsorge. An den übrigen Sonn- und Feiertagen hatten die Einwohner die Messe in Heiligkreuz zu besuchen, wo ihr Platz in der hinteren Seitenkapelle des Südschiffes war. In Rottweil wurden die Kinder getauft, bis 1563 die Toten beerdigt, danach in Villingendorf. 1623 erhielt Zimmern die Erlaubnis, einen Friedhof anzulegen. Ein »Kirchlin« wird erstmals im Rottenmünsterischen Urbar von 1564 erwähnt. Es stand auf dem heutigen Pater-Alois-Mager-Platz und war dem Patronat des Konstanzer Bistumsheiligen Konrad, schriftlich belegt 1754, geweiht. 1698 bat die Gemeinde beim Pürschvogteiamt um einen Beitrag zur Ausbesserung der Turmuhr. 1700 wurde die Kirche, die damals auch drei Altäre erhielt, auf Kosten der Heiligenpflege erneuert. 1756 erhielt sie ein neues Schindeldach, nur der Chor wurde mit Ziegeln gedeckt. 1800 wurde für Zimmern ein eigener Vikar bestellt, der jeden Sonn- und Feiertag Messe zu feiern hatte, aber nach wie vor in der Stadt wohnte. Eine Schule wird erst 1756/57 erwähnt. Die Oberaufsicht führte wohl die Pürschvogtei; jedenfalls wurden im Jahrgericht von 1788 ausführlich Schulangelegenheiten verhandelt. Demnach wurde der Unterricht nachlässig besucht, zudem nur im Winter. Die heutige Pfarrkirche St. Konrad wurde 1902 erbaut. Die Evangelischen nach Flözlingen.
Patrozinium: St. Konrad
Ersterwähnung: 1754

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