Gochsen - Altgemeinde~Teilort 

Regionalauswahl:
Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1253

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Die erste gesicherte Erwähnung des Orts datiert aus dem Jahr 1253 (»Gozzißheim«). Weitere Namensformen waren »Gosheim« oder »Gossheim«, später »Gochsheim« (1353) oder »Goschen« (1523). Die Verbindung der Genitivform eines Personennamens mit dem Grundwort -heim deutet darauf hin, dass Gochsen zur ältesten nachantiken Siedlungsschicht gehört. Allerdings bestanden hier schon in römischer Zeit zivile Siedlungen, die durch Gebäudereste dokumentiert sind. Die mittelalterliche Siedlung knüpfte freilich nur bedingt an die spätantiken Reste an. Die 1334 mit Turm, Ringmauer und Vorhof erwähnte Stammburg der Ritteradligen von Gochsen trug ursprünglich den Namen des Dorfs, hatte aber eine eigene Gemarkung (1417); später samt dem dabei entstandenen Weiler immer öfter als »Bürg« bezeichnet, gehört sie heute zu Neuenstadt am Kocher. Die Lage der Wüstung Treuchtlingen ist unbekannt. Am rechtsseitigen Talhang des Kochers aufsteigend ist der Ort im Westen gewachsen. Die Neubaugebiete »Au« und »Unteres Gewann« entstanden 1948/68 beziehungsweise 1965/66, das im »Mittleren Gewann« folgte 1970.
Historische Namensformen:
  • Gozzißheim
  • Gosheim
  • Gossheim
  • Gochsheim
  • Goschen
Geschichte: Gochsen wird in einer im 13. Jahrhundert auf Kaiser Ottos III. und das Jahr 996 gefälschten Urkunde unter Orten genannt, in denen das Kloster Amorbach begütert war. Demnach verfügten das Kloster respektive seine Vögte, die Edelherren von Dürn, im 13. Jahrhundert hier über Herrschaftsrechte. Die Dürner Gerechtsame gelangten im 14. Jahrhundert an die Herren von Weinsberg, die Gochsen ihrem Herrschaftskomplex um Neuenstadt einfügten. Zusammen mit Neuenstadt wurde Gochsen immer wieder verpfändet, so vor 1385 an die von Wunnenstein, 1387 an die Stadt Wimpfen, 1405 an die von Helmstatt, 1424 an die Pfalz und 1431 an die Herren von Hohenlohe. 1446 verkaufte Konrad von Weinsberg den Ort auf Dauer an Kurpfalz. Infolge des Bayerischen Erbfolgekriegs kam er 1504 an Württemberg. Über alle diese Wechsel blieb die Zugehörigkeit zum Amt Neuenstadt erhalten; für die Hochgerichtsbarkeit jedoch war die Zent Möckmühl zuständig. Eine adlige Familie von Gochsen begegnet seit der Mitte des 13. Jahrhunderts unter den Vasallen der Herren von Dürn. Später erscheinen ihre Vertreter im Umkreis der Hohenlohe und der Weinsberg. Neben anderen war die Familie verschwägert mit den Capler von Oedheim, den Talheim und den Gemmingen. Seit 1398 führten einige Familienangehörige den Beiname Platz oder Blatz. Das Wappen der von Gochsen zeigte drei Blätter (wohl von Seerosen) auf einem Schrägbalken (1310). Über Besitz verfügte die Familie unter anderem in Braunsbach, Brambach bei Kochertürn, Cleversulzbach, Muthof, Sindringen, Siglingen und Kochersteinsfeld. In Gochsen hatte sie eine Burg westlich des Dorfs (Bürg), dazu im Dorf selbst ein festes Haus, das 1413 von den Weinsberg zu Lehen rührte. Das Geschlecht erlosch im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts. Besondere Bedeutung erlangte die Verbindung Anna von Gochsens mit Dieter von Gemmingen (gestorben 1359), dem Begründer der Bürger, später Hornberger Linie. Er begann, die Besitzanteile an der Ganerbenburg in Gochsen zusammenzuführen und auch seine sonstigen Güter am Ort zu arrondieren. So konnte 1473 Hans von Gemmingen dem Pfälzer Kurfürsten einen beträchtlichen Gochsener Besitz zu Lehen auftragen. Daneben begegnen als Grundbesitzer in Gochsen noch andere niederadlige Geschlechter, die großenteils mit denen von Gochsen verschwägert waren, darunter die von Weiler (1371), von Talheim (1396), von Seckach (1379), von Obrigheim (1394) und von Boxberg (1497). Die Herren von Weinsberg bemühten sich im 14. Jahrhundert, ihren Besitz in Gochsen zu ergänzen. Auch geistliche Institutionen wie die Klöster Schöntal und Gnadental oder der St. Katharinen-Altar in der Pfarrkirche zu Neuenstadt hatten vereinzelt Grundbesitz und Einkünfte in Gochsen. Bei der Gründung einer eigenen Pfarrei in Gochsen wurde der Zehnt bei der Kochersteinsfelder Mutterpfarrei belassen, aber in der Folge wurde die Berechtigung doch aufgeteilt. 1346 bezogen die Weinsberg zwei Teile des Zehnten, 1523 teilten sich Württemberg (2/3) und das Stift Möckmühl (1/3) in den großen und den Weinzehnt. Eine Besonderheit war der Teil des Weinzehnten, den die von Gochsen bis ins 15. Jahrhundert innehatten; er blieb danach zwischen Württemberg, dem Stift Möckmühl und den Gemmingen lang umstritten. Bei der Zehntablösung im 19. Jahrhundert hatten die Gemmingen zwei Drittel und Württemberg ein Drittel des Weinzehnten in Hohenroth (1523 in der Roßbach). Die Gemeinde tritt erstmals 1444 in Erscheinung, als ihr Verlangen, das Stift Möckmühl solle zur Haltung des Faselviehs beitragen, abgewiesen wurde. Im 16. Jahrhundert werden Schultheiß, Bürgermeister und Gericht genannt. Im 17. und 18. Jahrhundert hatten Gochsen und Kochersteinsfeld einen gemeinsamen Schultheißen mit Sitz in Gochsen. Die Beständigkeit der dörflichen Strukturen zeigt sich am Dorfbuch der Gemeinde; 1661 angelegt – ein älteres Buch aus der Zeit um 1500 ist nicht mehr erhalten –, enthält es Einträge bis ins Jahr 1934. Es berichtet über wichtige Geschäfte, wie etwa den Verkauf zweier Seen an Württemberg (1652) oder die Verpachtungen der Schäferei im 17. Jahrhundert, dazu allerlei Vergleiche und Entscheidungen wie beispielsweise einen Vertrag mit Kochersteinsfeld über die Finanzierung eines Kocherbrückenbaus (1727). Gochsen gehörte zum Amt Neuenstadt, ab 18.3.1806 Oberamt Neckarsulm, ab 1.10.1938 Landkreis Heilbronn.
Wirtschaft: 1495 lebten in Gochsen etwa 280 Menschen, 1545 rund vierhundert und um 1600 bereits 550. Der Dreißigjährige Krieg unterbrach diese rasante Zunahme. Erst um 1730 erreichte die Einwohnerzahl wieder den Stand vor dem Krieg und hielt sich auf diesem Niveau bis 1806. Die Dorfbewohner lebten vorwiegend von der Landwirtschaft. Bereits um 1523 war die Gemarkung sehr klein parzelliert, Ackerstücke über 3 Morgen sind nach Ausweis eines damals angelegten Lagerbuchs selten. 1473 werden die drei Zelgen Auflur, Brunnentalflur und Flur »ob Zerleders Haus« genannt; wie die 1523 ebenfalls erwähnte Flur beim Heiligenkreuz zuzuordnen ist, bleibt unklar. Eine Kelter war zwar schon 1396 vorhanden, jedoch scheint der Weinbau bereits um die Wende zur Neuzeit keine große Rolle mehr gespielt zu haben, zumindest werden verschiedentlich Egärten, Wiesen oder Baumgärten genannt, die ehedem Weingärten waren. 1523 bestanden die Kochermühle mit zwei Gängen und die kleine Buchsmühle am Buchsbach, die aber nur sehr wenig Zins gab. Bereits 1304 bezog das Kloster Schöntal Einkünfte aus einer Gochsener Mühle und 1344 findet ein Mühlenweg am Kocher Erwähnung. Berechtigungen an einer Mühle hatten im 14. Jahrhundert auch die Herren von Gochsen. Die Buchsmühle überließ die Herrschaft Württemberg 1656 der Gemeinde zu Erblehen; 1776 wurde sie zu einer Ölmühle mit Hanfreibe umgebaut. Der Fischfang im Kocher war nicht unbedeutend; immerhin wurde aus einem Fischwasser im Kocher 1523 doppelt soviel Zins gezahlt wie aus der großen Kochermühle.

Ersterwähnung: 1315
Kirchengeschichte: Gochsen gehörte ursprünglich zur Pfarrei Kochersteinsfeld und wurde 1315 auf Betreiben Konrad von Weinsbergs verselbständigt. Das Patrozinium des heiligen Markus wird 1393, ein Pleban 1405 genannt. Eine Frühmesse zu Gochsen wurde vor 1416 gestiftet. Die Reformation führte Württemberg nach der Auslösung des Amts Möckmühl 1542 durch. 1601 wurde die Kirche unter Einbeziehung von Teilen der Vorgängerkirche neugebaut; der einstige Turmchor weist mit seinem romanischen Ostfenster auf eine Entstehungszeit im 12. Jahrhundert hin. Im Kircheninneren finden sich qualitätvolle Ausmalungen aus der Zeit der Renaissance. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche renoviert und neogotisch umgestaltet. Erster Schulmeister an der deutschen Schule in Gochsen war 1571 Johannes Bayer. Evangelische Pfarrkirche, 1601 erbaut und 1878 von Leins völlig umgebaut; älterer Ostturm. Katholiken zu Neuenstadt-Kochertürn.
Patrozinium: St. Markus
Ersterwähnung: 1393

GND-ID:
  • 4624530-3
Suche
Durchschnitt (0 Stimmen)