Sindringen - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1037

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Auf Sindringer Gemarkung lässt sich der Verlauf des Obergermanischen Limes gut verfolgen. Es handelt sich um einen Abschnitt von 3,5 Kilometer Länge mit ehedem sieben Türmen; seiner Sicherung diente ein Kleinkastell beziehungsweise eine Feldwache. Ansonsten wurden hier bislang keine römerzeitlichen Funde gemacht. Die Anfänge der heutigen Siedlung sind im Zusammenhang mit der Landnahme zu vermuten. Aus merowingischer Zeit datiert ein Grab mit reichen Beigaben. Die erste Erwähnung des vermutlich von einem Personennamen hergeleiteten Namens geschieht im Öhringer Stiftungsbrief von angeblich 1037 (»Sinderingon«) beziehungsweise in einer Urkunde Kaiser Heinrichs III. von 1042 (»Sinderingun«). 1322 wird Sindringen erstmals als Stadt bezeichnet; von einer förmlichen Privilegierung ist indes nichts bekannt. Die planmäßig angelegte und ehedem ummauerte Marktsiedlung hat einen quadratischen Grundriss und lehnt sich in der nordöstlichen Ecke an die Turmburg an, die mit einer eigenen Mauer umfangen und von der Stadt getrennt war. Im Osten, an der Straße nach Ernsbach, befand sich das obere Tor, im Westen gegen Ohrnberg das untere. Noch am Ende des 18. Jahrhunderts beschränkte sich die Bebauung trotz hinderlicher Enge ganz auf das von der Stadtmauer umfasste Areal. Von den vormals auf Sindringer Markung gelegenen, längst abgegangenen Wohnplätzen werden »Sunichilendorf« und Geroldshagen bereits 1042 erwähnt; die Flurnamen Sindeldorf und Hag(wald) östlich des Städtleins erlauben noch heute ihre ungefähre Lokalisierung. In einem hohenlohischen Gültbuch von 1422 finden die damals schon abgegangenen Höfe Holzweiler und Wüstenzweifligen Erwähnung, außerdem der Hof Ingelbach mit fünf Lehen, der bereits 1583 nicht mehr bewohnt war.
Historische Namensformen:
  • Sinderingen 1037
  • Sinderingon
  • Sinderingun
Geschichte: Im 11. Jahrhundert gehörte Sindringen zum Gebiet der Kochergaugrafen. Um 1037 waren hiesige Güter Teil des Stiftungsguts von Öhringen, und 1042 übergab Kaiser Heinrich III. der Würzburger Bischofskirche hier konfiszierten Adelsbesitz. Später gelangten Gerechtsame möglicherweise als Würzburger Lehen an die Grafen von Löwenstein (Mitte 12. Jahrhundert), und schließlich wurden über die Staufer deren Ministerialen von Weinsberg Herren der Ortschaft (1212/31). Infolge einer Heiratsverbindung kam Sindringen (1328 »oppidum«) im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts als freies Eigentum von den Weinsbergern an die Hohenlohe und blieb – abgesehen von gelegentlichen Verpfändungen (1401 von Berlichingen, 1505 Bürger der Stadt Rothenburg ob der Tauber, 1517 von Waldstein und von Gemmingen, 1614 Ritterkanton Odenwald) – in deren Besitz bis zum Ende des Alten Reiches. 1397 trug Ulrich von Hohenlohe die Burg und Stadt der Krone Böhmen zu Lehen auf. In der Hauptlandesteilung von 1553/55 fiel Sindringen an die Linie Waldenburg, 1615 an deren Pfedelbacher Zweig und 1728 an Hohenlohe-Bartenstein. Seit dem ausgehenden Mittelalter war es Sitz eines Amts, das außer der Stadt nur noch Neuzweiflingen umfasste. 1506 bewilligte die Herrschaft Hohenlohe den Berlichingen bei Sindringen eine Gnadenjagd. Im übrigen verfügten die Grafen respektive Fürsten über alle hohe und niedere Obrigkeit. Nach Sindringen nannten sich vom 13. bis ins 15. Jahrhundert ritterliche Ministerialen – Gefolgsleute zunächst der Weinsberger, dann der Edelherren von Dürn und von Hohenlohe –, die wahrscheinlich mit den Herren von Neudeck beziehungsweise Maienfels stammverwandt waren; ihr Wappen zeigt im blauen Schild einen goldenen Balken. Ein genealogischer Zusammenhang mit dem um 1096 genannten Anshelm von Sindringen ist kaum anzunehmen. Lehen trugen sie vom Hochstift Würzburg, von der Grafschaft Löwenstein und von der Herrschaft Weinsberg. Ihre Begüterung erstreckte sich vorwiegend auf den Nahbereich, namentlich auf Sindringen, Ernsbach, Zweiflingen, Tiefensall, Lindelberg, Wimpfen, Biberach, Kochersteinsfeld und Lautenbach. Als Erben der Sindringer erscheinen im ausgehenden 15. Jahrhundert vor allem die von Berlichingen. Die Burg in Sindringen gehörte vermutlich zum weinsbergischen Lehen der Familie; später scheint sie Sitz der hohenlohischen Amtleute gewesen zu sein. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die Anlage im Stil der Renaissance umgebaut, 1813 gelangte sie durch Verkauf in Privatbesitz. Neben dem Stift Öhringen (1037) und dem Hochstift Würzburg (1042) begegnen als Grundherren zu Sindringen im hohen Mittelalter auch die Grafen von Löwenstein; durch sie gelangten um 1145 insgesamt zwölf Hufen und eine Mühle an das Kloster Hirsau. In Spätmittelalter und Frühneuzeit war neben den Ortsherrschaften vor allem das Kloster Schöntal in Sindringen begütert. Der erste entsprechende Nachweis datiert von 1212; hernach kamen durch Schenkung, Kauf und Tausch noch vielerlei sonstige Gerechtsame hinzu. Der örtliche Ritteradelsbesitz – Liegenschaften, Einkünfte und Fischrechte – ist wohl ganz überwiegend auf einstige Güter der von Sindringen zurückzuführen; im einzelnen begegnen so die von Ottersbach (1413/16), von Gochsen (1415/51), von Berlichingen (1420/1605), von Neuenstein (1452/53), Capler von Oedheim (1484) und von Gemmingen zu Bürg (1629). Den Großzehnt (Frucht und Wein) beanspruchte 1489 das Kloster Schöntal ganz, mit Ausnahme einiger Weingärten, von denen der Zehnt zur Hälfte der Herrschaft Hohenlohe zustand. Im späteren 16. Jahrhundert bezogen Schöntal fünf Sechstel des großen Zehnten und Hohenlohe das übrige Sechstel; aufgrund eines 1591 zwischen Hohenlohe und Schöntal geschlossenen Vergleichs bezog fortan jede Partei den halben Zehnt. Der Kleinzehnt gehörte allein dem Pfarrer. Die Stadtwerdung Sindringens vollzog sich offenbar um die Wende zum 14. Jahrhundert, blieb aber ohne größere Wirkung. Die Einwohnerschaft (1405 »opidani civitatis opidi in Sindringen«) war leibeigen; als der Graf von Hohenlohe-Waldenburg sie 1593 von dieser persönlichen Abhängigkeit befreite, musste die Gemeinde ihm dafür die Hälfte der Nachsteuer und ein Fünftel des Ungelds überlassen. Kommunale Lasten und Dienste waren von allen Einwohnern zu tragen, ausgenommen allein der Vogt und der Schultheiß. Eine der beiden örtlichen Mühlen gehörte der Gemeinde. Das Gericht, das gegebenenfalls auch als Rat fungierte (1474), umfasste zwölf Schöffen. Aus ihrem Kreis wurde jährlich ein Bürgermeister gewählt. Ein Rathaus gab es seit 1533, ein Stadtbuch seit 1566, und ein städtisches Siegel lässt sich seit 1505 nachweisen. Es zeigt in Blau ein goldenes Kreuz auf einem Dreiberg zwischen zwei sechsstrahligen goldenen Sternen und nimmt damit Bezug auf das Heilig Kreuz-Patrozinium der Sindringer Kirche. Großenteils erhalten ist die fast quadratische, 5 m hohe Stadtmauer, deren Ecktürme im 19. Jahrhundert abgebrochen wurden. Der Bergfried wurde Ende des 19. Jahrhunderts zum Teil abgetragen. Sindringen fiel 1806 an Württemberg, Oberamt Neuenstein, 1809 Oberamt Schöntal, 1824 Oberamt, 1938 Landkreis Öhringen. — 1945 wurde Sindringen durch Luftangriffe erheblich beschädigt.
Ersterwähnung als Stadt: 1322
Wirtschaft und Bevölkerung: In Sindringen gab es 1422 dreißig zinspflichtige Hausbesitzer, mithin etwa 135 Seelen; 1583 zählte man 45 Haushaltungen (circa 205 Seelen), 1700 68 (circa 310 Seelen), 1796 aber bereits 659 Seelen. 1807 belief sich die Einwohnerzahl auf 716, wovon auf Neuzweiflingen zehn und auf die Ziegelhütte acht Seelen entfielen. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts waren in der Stadt wiederholt zahlreiche Pesttote zu beklagen, beim ersten Auftreten der Pest 1607 gab es 292 Todesopfer, 1626 230 und 1635 noch einmal 327. Bis ins 18. Jahrhundert war der Weinbau die wichtigste Erwerbsquelle der Sindringer Bürger. Bereits 1037 werden hiesige Weinberge genannt, 1422 vierzehn Weingärten am Mühlenberg, fünf am Haydberg, 22 am Häuserberg und vier an den Setzten. Im 16. und 17. Jahrhundert bestanden zwei Keltern. Im 18. Jahrhundert wurde der Weinbau zugunsten des Feld- und Obstbaus teilweise aufgegeben. Die Landwirtschaft florierte, hingegen spielten Gewerbe eine untergeordnete Rolle; die Handwerker produzierten praktisch nur für den örtlichen Bedarf. Eine Mühle begegnet erstmals in der Mitte des 12. Jahrhunderts; 1422 gab es deren zwei, nämlich die alte Kochermühle, die vom 16. bis ins 19. Jahrhundert von der Stadtgemeinde in Bestand verliehen war, und die erst im 14. Jahrhundert errichtete Äußere Mühle (Kanalmühle), die lange Zeit herrschaftlich war und 1770 von Hohenlohe an Privat verkauft wurde. Jährlich zu Lichtmess wurde in der Stadt ein Jahr- und Viehmarkt veranstaltet. 1796 gab es in Sindringen eine außerhalb der Stadt gelegene Mühle, eine Ziegelhütte, eine Mang-, Walk-, Gips- und Stampfmühle sowie das an der Hohen Straße gelegene Bauernwirtshaus zum Lamm beziehungsweise zur Traube; das 1750 erwähnte Kronenwirtshaus in der Stadt existierte am Ende des 18. Jahrhunderts offenbar nicht mehr. Im übrigen beurteilte der Pfarrer die wirtschaftliche Situation wie folgt: »Das Städtchen ist übrigens sehr todt und gewerblos, weil es von Hauptlandstraßen ganz abgesondert liegt; diesem könnte aber auch mit der Zeit durch Anlegung zwoer Chausseen und Erbauung einiger Vorstädte abgeholfen werden, wodurch erst Kunst- und Industriefleiß aufleben würde, denn zur Zeit kann ich von keinem dergleichen Subject oder Individuo etwas rühmen.«

Name: Schloss Sindringen
Datum der Ersterwähnung: 1529

Ersterwähnung: 1230
Kirche und Schule: Die Sindringer Kirche zum Heiligen Kreuz war ursprünglich Filial von Wülfingen beziehungsweise Forchtenberg. Die Kirchenherrschaft war als Würzburger Lehen im Besitz der Herren von Weinsberg. Die Pfarrei wird erstmals 1230 erwähnt; damals gehörten zu ihr Ernsbach, Buchhof, Eichelshof, Spitzenhof, Neuzweiflingen und Eselsdorf. 1328 schenkten die Weinsberger die Kirche samt dem Patronatsrecht an das Kloster Schöntal, dem die Pfarrei wenig später auch inkorporiert wurde (1332). Wegen der Lehnsabhängigkeit von Würzburg ergaben sich daraus langjährige Auseinandersetzungen. Um 1405 wurde im Zusammenwirken des Klosters Schöntal und der Herrschaft Hohenlohe eine Frühmesse zu Ehren der Muttergottes und der Elftausend Jungfrauen gestiftet (1473 Sankt Cyriacus); das Vorschlagsrecht zur Besetzung dieser Pfründe lag bei Hohenlohe, das ius praesentandi beim Abt von Schöntal. Aufgabe des Frühmessers war in erster Linie die Versehung des Gottesdienstes in der Filialkapelle zu Ernsbach. Nach der Reformation wurde die Frühmesse aufgehoben und die Frühmessgüter durch die Grafen von Hohenlohe-Waldenburg eingezogen. Das Patronatsrecht verblieb de iure beim Kloster Schöntal, wurde aber faktisch von Hohenlohe ausgeübt. Ein diesbezüglich geführter langer Rechtsstreit zwischen den Grafen und dem Kloster wurde 1591 vertraglich beendet. 1712 erfolgte die Verselbständigung des Filials Ernsbach. Nach dem Anfall Sindringens an die zum katholischen Bekenntnis zurückgekehrte Linie Bartenstein (1728) kam es zu einem langwierigen konfessionellen Konflikt zwischen Herrschaft und Gemeinde, der im sogenannten Sindringer Osterstreit (Kalenderstreit, 1744 bis 1750) kulminierte und nur durch eine militärische Intervention des Fränkischen Reichskreises beigelegt werden konnte. Die älteste Kirche wurde vermutlich schon im 12. Jahrhundert als romanische dreischiffige Basilika erbaut; der Chorturm weist ein Kreuzgewölbe auf. Um 1600 erfuhr das Gotteshaus eine Erneuerung und Erweiterung; gelegentlich seiner Renovierung wurden 1963/64 Fresken aus dem 14. Jahrhundert freigelegt. Eine Schule hatte Sindringen schon vor der Reformation. 1556 wurde der Schulmeister zu mehr Fleiß in der Ausübung seines Amts ermahnt. 1610 stand dem Präzeptor noch ein Provisor zur Seite. Im 18. Jahrhundert waren die Präzeptoren zugleich Gerichts- und Ratsschreiber. Katholiken zu Schöntal.
Patrozinium: Heilig-Kreuz
Ersterwähnung: 1230
Jüdische Gemeinde: Im 13. Jahrhundert lebten in Sindringen zwei jüdische Familien, die Opfer der Judenverfolgung von 1298 wurden.

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