Orendelsall - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1312

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Die am Südrand ihrer Gemarkung auf einem Sporn am steil abfallenden Nordhang des Salltals gelegene Siedlung verdankt ihren Namen der Sage nach einem Einsiedler Orendel, der hier im 9. Jahrhundert gelebt haben soll. Sicher ist, dass der Ortsname eine Verbindung des Personennamens Orendel mit dem Flussnamen Sall darstellt. Allerdings bleibt die Identifizierung mit der um 800 im Kontext einer Schenkung an das Kloster Fulda genannten Siedlung »Sala« zweifelhaft. Vermutlich ist der Ort im 8. Jahrhundert von Wülfingen aus an einem Sallübergang sowie an den sich hier kreuzenden Wegen von Wülfingen nach Öhringen und von Ohrnberg nach Schwäbisch Hall entstanden. Von der Südspitze des Bergsporns aus, auf dem sich um die Kirche der Kern des 1312 erstmals zweifelsfrei erwähnten Orts (»sant Orendels Salle«) lokalisieren lässt, dürfte sich die Siedlung entlang der aus dem Salltal heraufkommenden Straße und des Wegs nach Forchtenberg entwickelt haben. 1651 gab es hier zwanzig schöntalische Häuser und ein hohenlohisches Haus, das Pfarrhaus. Von den Zerstörungen des Dreißigjährigen Kriegs zeugten damals noch beschädigte Scheunen und ein nicht wieder aufgebautes Haus. 1697 wurden 24 bäuerliche Anwesen gezählt, und rund hundert Jahre später gab es 28 Haushaltungen unter schöntalischer und zwei Häuser unter hohenlohe-ingelfingischer Obrigkeit. Im Nordwesten der Orendelsaller Gemarkung, deren lange Zeit strittige Grenzen mit Zweiflingen 1577 und mit Tiefensall 1681 vertraglich festgelegt wurden, hat man möglicherweise die Wüstung Bergheim zu suchen. Im späten Mittelalter gehörte diese im Öhringer Stiftungsbrief von angeblich 1037 erwähnte Siedlung teils dem Stift Öhringen, teils dem Kloster Murrhardt, das 1314 eine halbe Hufe »in Bergheim uff dem hohen Roßbach« an Schöntal verkaufte, teils auch denen von Hornberg, die den Hof zu Roßbach 1420 an Hohenlohe veräußerten. Der Hof war 1491 bereits wüstgefallen.
Historische Namensformen:
  • Sala 0800 [um 800]
  • Sant Orendels Salle 1312
Geschichte: Die kurz nach 1300 bezeugte Zugehörigkeit des Dorfs zum Besitz der Grafen von Dürn könnte darauf hindeuten, dass die Siedlung ursprünglich ebenso wie Forchtenberg Pertinenz des alten Wülfinger Adelssitzes war. 1312 und nochmals 1314 seitens der Dürner verpfändet, trugen diese den Ort 1319/20 von Würzburg zu Lehen. Das halbe Gericht und diverse Güter hatten als Würzburger Lehen zunächst die von Aschhausen inne, seit 1326/27 die von Bieringen. Letztere veräußerten 1372 die Vogtei, das halbe Gericht sowie Güter und Gülten an das Kloster Schöntal, das die andere Hälfte am Gericht sowie Einkünfte, einen Weinberg und weiteres Zubehör bereits 1314 vom Kloster Murrhardt erworben hatte. Die Zisterzienser, die hier seit dem ausgehenden Mittelalter praktisch alleinige Grundherren waren, installierten in Orendelsall ein Gericht für alle ihre Hintersassen in der Sall und in der Hirschbach. Die Blutgerichtsbarkeit hatte wohl schon im 15. Jahrhundert Hohenlohe zu beanspruchen. Ein 1579 geschlossener Vergleich schrieb die Verhältnisse bis zur Säkularisation durch Württemberg in den Jahren 1802/03 fest: Die Ortsherrschaft samt niederer Gerichtsbarkeit stand demnach Schöntal zu, ausgenommen allein das damals evangelische Kirchenpersonal, das hohenlohischer Jurisdiktion unterstand; die hohe Obrigkeit exerzierte im ganzen Dorf Hohenlohe-Neuenstein beziehungsweise -Ingelfingen. 1314 in Murrhardter Besitz erwähnte Zehntrechte sind gewiss zusammen mit der Kirche 1563 an Hohenlohe gelangt; 1672 war die Neuensteiner Linie im Besitz des Frucht-, Wein- und Kleinzehnten, während Schöntal den Novalzehnt bezog. Die 1600 vom Schöntaler Abt erlassene Dorfordnung nennt einen Schultheißen sowie ein Rüggericht, dessen Mitglieder vom Kloster berufen wurden. Nach dem Anfall an Württemberg gehörte Orendelsall bis 1809 zum Oberamt Schöntal, dann Oberamt, 1938 Landkreis Öhringen.
Wirtschaft und Bevölkerung: 1651 gab es in Orendelsall 21 Häuser, woraus sich eine Einwohnerzahl von etwa neunzig errechnen lässt. Ein halbes Jahrhundert später (1697) bestand das Dorf aus 25 Häusern und zählte mithin zwischen 110 und 120 Seelen, 1799 bei 28 Herdstellen zwischen 120 und 130. 1806 belief sich die Einwohnerzahl auf 143. Seit 1314 ist auf der Gemarkung Weinbau belegt. Daneben wurde über die Jahrhunderte intensiv Ackerbau betrieben und Ende des 18. Jahrhunderts vorrangig auch Viehzucht (Rinder, Pferde) sowie Ochsenmast. 1789 ließ die Gemeinde von ihren 1697 bezeugten rund 100 Morgen Wald vier Fünftel roden, um sie als Kulturland unter die Einwohner zu verteilen; davor wüst liegende Flächen wurden damals für den Kartoffel- und Kleeanbau nutzbar gemacht. Das Wirtshaus Zum Rößle findet 1750 Erwähnung. In Orendelsall und seinem Kirchspiel gab es 1799 eine Reihe von Handwerkern.

Ersterwähnung: 1321
Kirche und Schule: Die dem Frankenapostel Kilian geweihte, 1321 zuerst genannte Pfarrkirche mit romanischem Chorturm gehörte Mitte des 15. Jahrhunderts zusammen mit Sindringen und Forchtenberg zum Landkapitel Weinsberg, woraus auf eine ursprüngliche Abhängigkeit von Wülfingen-Forchtenberg zu schließen ist. Das Patronatsrecht war schon vor 1314 im Besitz des Klosters Murrhardt; im Zuge der Reformation gelangte es an Württemberg, das nach 1534 gegen den Willen der schöntalischen Ortsherrschaft den Gottesdienst in lutherischem Sinn feiern ließ. Bereits 1517 hatte der Pfarrer Wolfgang Taurus erste reformatorische Anstöße gegeben. 1563 trat Württemberg die Kirche und alle mit ihr verbundenen Rechte an Hohenlohe ab. 1672 und 1799 umfasste das Kirchspiel außer dem Pfarrort die Filialen Zweiflingen, Hohensall, Tiefensall, Metzdorf, Haberhof, Orbachshof, Wohlmutshausen, Schwarzenweiler, Heiligenhaus beziehungsweise Eselsdorf sowie den 1612 angelegten Tiergarten (Friedrichsruhe). Von 1069 Seelen im Kirchspiel waren 1799 nur zwei Katholiken. Die erste nachweisbare Schule war eine Mesnerschule. Auf Befehl des Grafen von Hohenlohe-Neuenstein wurde bereits 1563/68 ein Schulhaus errichtet. Das im Dreißigjährigen Krieg baufällig gewordene Gebäude wurde 1721/22 durch einen Neubau ersetzt, der hinter dem alten zu stehen kam. Orendelsall war 1671/72 Schulort für Wohlmuthausen, Zweiflingen und Tiergarten (Friedrichsruhe). Infolge starker Zunahme der Schülerzahl wurde 1692 eine zweite Lehrerstelle geschaffen und von einem Provisor wahrgenommen. Das Schiff der St. Kilianskirche wurde 1672 an den romanischen Chorturm neu angebaut, 1728 erweitert und 1791 durch einen Neubau ersetzt. Katholiken zu Öhringen.
Patrozinium: St. Kilian
Ersterwähnung: 1321

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