Hohengehren - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1275

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Einzelfunde belegen den Aufenthalt von jungsteinzeitlichen Jägern und Sammlern auf dem Gebiet des späteren Hohengehren. Für die Bronzezeit bis ins Hohe Mittelalter fehlen Bodenfunde, ein Hinweis, dass der von Klima und Boden wenig begünstigte Schurwald – möglicherweise – später besiedelt wurde als vielfach vermutet. Auch der Ortsname, der ursprünglich ein keilförmiges Flurstück (germanisch – dreieckige Lanzenspitze) bezeichnet, verweist eher auf eine spätere Ausbauphase. Vermutlich begann die Besiedlung mit der stauferzeitlichen Herrschaftsverdichtung im 12. Jahrhundert Die erste urkundliche Erwähnung 1275 zeigt Hohengehren (»Herengern«) schon als Pfarrgemeinde. Die Kirche war auch der Kern, um den sich das frühe Haufendorf gruppierte. Nur langsam wuchs der Ort entlang der heutigen Vogelsangstraße, Lautergasse und Friedrich-Greiner-Straße nach Norden und Westen. Die bereits erwähnte württembergische Urkunde von 1278 nennt als Ausstellungsort »apud« (bei) Hohengehren, was als Hinweis auf die einfache Burganlage Holderstein im gleichnamigen Gewann südöstlich des Ortes gelesen wurde. Zwar erlauben die Bodenspuren keine sichere Aussage, aber noch 1594 nannte sich ein Vertreter der Esslinger Patrizierfamilie Holdermann in einer Urkunde »Holdermann von Holderstein« – auch wenn die Burg zu dieser Zeit sicherlich nicht mehr bestand. Die Gemarkung war mit 987 Hektar deutlich größer als die Gemarkungen der Nachbargemeinden. Zusammen mit auffallenden Flurnamen gab dies Anlass zur Vermutung, dass verschiedene ältere Weiler und Wohnplätze (Bogenhardt, Katzenlohe, Steinenbach, Witzlinsweiler) in ihr aufgingen; schriftlich oder archäologisch sind sie jedoch nicht nachgewiesen. Urkundlich belegt ist aber der Katzenbachhof für das Jahr 1525 im gleichnamigen Tal. Als Lehen der Gemeinde wurde der Einzelhof bis ins 17. Jahrhundert vergeben. Im 30-jährigen Krieg verlassen, wurde er nicht wieder besiedelt. Dafür bestand im 18. Jahrhundert im Westteil der Gemarkung ein Hof im Schlierbachtal. Da er den herzoglichen Wildbestand störte, musste er aufgegeben werden. Der auf dem Liashochflächenrücken nördlich Baltmannsweiler gelegene Ort besitzt neue Wohnsiedlungen am Südhang (1961/62) und nordwestlich im Gebiet »Ziegeläcker« (1970/71) bzw. »Küräcker« (1972/74). Die Bebauung aus Reihenhäusern und Bungalows schließt zwei Hochhäuser ein.
Historische Namensformen:
  • Hehengern 1275
  • Hohengern 1278
  • Herengern
Geschichte: Für alle Schurwaldgemeinden sind Aussagen über die Herrschaftsverhältnisse für die Frühzeit auf Vermutungen angewiesen. Doch lag wohl in Hohengehren von den Anfängen an die Ortsherrschaft bei den Staufern. Im Dreieck zwischen ihren Zentren Waiblingen, Esslingen und Gmünd und zudem unweit vom Hohenstaufen gelegen, wurde der Schurwald eng in die staufische Landesorganisation einbezogen. Dazu gehörte auch die Gründung des Klosters Adelberg. Ab dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts profitierten dann vor allem die Grafen von Württemberg vom Zerfall der staufischen Machtposition im Neckarraum. Bereits die zweite urkundliche Nennung bringt Hohengehren mit ihnen in Verbindung, als sie 1278 »apud (bei) Hohengern« urkundeten. 1400 waren die Grafen von Württemberg dann die weitaus größten Grundherren im Ort. Daneben hatten die Klöster Adelberg, Sirnau und Denkendorf sowie Esslinger Bürger und das Esslinger Spital vereinzelt Grundbesitz auf der Gemarkung. Schon damals lagen hohe und niedere Gerichtsbarkeit, Polizeirechte, Steuerhoheit und Patronat bei Württemberg. 1573 wird erstmals ein Schultheiß genannt, die überlieferte Dorfordnung für die Gemeinde dürfte vermutlich etwas früher formuliert worden sein. Wohl um 1560 wurde das sogenannte Schlichtener Waldgericht eingeführt; Richter aus der Gemeinde werden 1572 namentlich erwähnt. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war das Gericht für die Gemeinden des Schlichtener Waldbezirkes, also für Hohengehren, Baltmannsweiler, Hegenlohe, Thomashardt und Schlichten als unterste Instanz bei kleineren Vergehen und Zivilsachen zuständig. Neben den Schultheißen der genannten Gemeinden waren drei Bürger aus Hohengehren, zwei aus Baltmannsweiler und je einer aus den anderen drei Ortschaften im Richtergremium. Der Vorsitz lag beim Amtmann von Schnait, getagt wurde im Haus des Hohengehrener Schultheißen. Hohengehren gehörte zum Amt, später Oberamt Schorndorf und kam 1938 zum Landkreis Esslingen. Südwestlich des Dorfes befand sich ein von König Friedrich erweiterter und ummauerter Schwarzwildpark. Das von ihm errichtete Jagdschlösschen wurde nach Auflassung des Parks abgerissen.
Wirtschaft und Bevölkerung: Die 1400 genannten zehn Lehen mit 14 Wohnplätzen lassen auf circa 80 Bewohner schließen. 1605 war die Bevölkerung auf rund 330 Menschen angewachsen, ehe Seuchen, Hunger, Gewalttaten des 30-jährigen Krieges sie auf ein Drittel (1654) reduzierten! Erst 1726 erreichte die Einwohnerzahl mit 327 wieder das Vorkriegsniveau und stieg bis 1806 auf 491 Menschen an. Erwerbsgrundlage war die Landwirtschaft, die bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts durch die intensive Nutzung der Wälder zur Schweinemast, Waldweide oder Köhlerei ergänzt wurde. Dazu zählte noch im 16. Jahrhundert eine Glashütte im Katzenbachtal. Weitaus größter Waldbesitzer waren die württembergischen Grafen. Mit dem Aufbau einer geordneten Forstverwaltung wurde ab 1500 die Mehrzahl der Gewohnheitsnutzungen untersagt oder mit Gebühren belegt. Eine besondere Belastung stellte die herzogliche Jagd dar. Vor allem Herzog Carl Eugen richtete regelmäßig große Treibjagden im Waldgebiet der Schlichte aus und ließ südwestlich des Ortes einen Wildpark einrichten. Neben den üblichen dörflichen Handwerken fallen 1731 ein Barbier und ein erstmals genannter Gastwirt auf. 1775 werden zwei Gastwirte genannt von denen der »Chirurgus« Ch. Fried. Fraas den Grünen Baum führte. Ob er zudem in seinem Beruf praktizierte, ist unbekannt.

Name: Burg Holderstein - Jagdschlösschen Hohengehren (19. Jahrhundert)
Datum der Ersterwähnung: 1278

Ersterwähnung: 1275
Kirche und Schule: Eine erste Pfarrkirche ist bereits für 1275 belegt. Das Patrozinium Sankt Cyriakus wird ab 1572 greifbar. Das Patronat dürfte wohl von den Anfängen bei Württemberg gelegen haben, gesichert treten die Grafen 1466 als Patrone auf. Der große Turm und die erhöhte Mauer der Anlage erinnern an die einstige Wehrkirche. 1534 wurde die Reformation eingeführt. Unter Pfarrer Franz Jakob Simonius wurde im 18. Jahrhundert die Kirche in großen Teilen neu gestaltet. Gegen die Bedenken der kirchlichen Oberbehörden setzten Pfarrer und Gemeinde ihre Ausschmückung mit Tafelbildern durch. Die erhaltenen 22 Tafeln bilden ein schönes Zeugnis einer bildbezogenen Volksfrömmigkeit, wie sie im Barock auch im evangelischen Württemberg vorkam. Schule im Ort selbst wurde seit 1654 gehalten, davor hatten spätestens seit 1605 Kinder aus Hohengehren die Schule in Baltmannsweiler besucht. 1720 kam es zum Neubau eines Schulhauses, im 18. Jahrhundert wurde neben der Winter- auch die Sommerschule regelmäßig besucht. Evangelische Pfarrkirche in ummauertem Friedhof, spätgotisch, wiederholt verändert. Chor dreiseitig geschlossen mit Maßwerkfenstern. Massiger, ursprünglich befestigter Nordturm. Taufstein und Kanzel aus dem 16. Jahrhundert. Katholisch nach Baltmannsweiler.
Patrozinium: Hl. Cyriakus
Ersterwähnung: 1572

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