Deizisau - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1268

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Der Ortsname – 1268 »Dizinsowe«, 1287 »Ticisowe«, 1532 »Dytzesow« – bedeutet Siedlung des Ditzin in der (Neckar-)Aue und weist wohl in die frühe Ausbauzeit, wofür auch zwei Reihengräberfunde am westlichen beziehungsweise nordöstlichen Ortsausgang, eines bereits in West-Ost-Ausrichtung, sprechen. Im Westen kam es zu Lesefunden spätkeltischer Scherben, während Befunde im Gewann Gseid auf einen Platz der Jungsteinzeit schließen lassen könnten. Reste von Leistenziegeln und einer Hypokaustenpfeilerplatte im Gewann Gmäuer dürften zudem auf einen römischen Gutshof hindeuten. Der aus der Neckartalebene am quellreichen Nordabhang des Filderplateaus aufsteigende Ort entstand wohl am unteren Hangrand; Ausgangspunkt der hochmittelalterlichen Ortsgenese dürfte der Fron- oder Herren- und spätere Widumhof gewesen sein, hier auch der frühneuzeitliche Ausbau mit Rathaus, Zehntscheuer und Kelter. Hervorzuheben ist der Palmsche Freihof, früher zwei Erblehenhöfe Sankt Blasiens, 1649 von Esslingen für einen verdienten Bürgermeister gekauft und 1652 von allen Steuern befreit, bevor er 1683 an die Freiherren von Palm kam. Die Zelgen der teils häufig vom Neckarhochwasser bedrohten Gemarkung hießen Blochingen, Öhrwieß beziehungsweise Kerschfeld und Köngen beziehungsweise Auf dem Berg; dort im Gewann Dinkelstraße befand sich wohl zudem die Anbindung des ehemaligen römischen Gutshofs an das Kastell Grinario-Köngen. Durch neue Wohngebiete nach dem Zweiten Weltkrieg östlich und nördlich gewachsen. Industriegelände an der Bundesstraße 10 in Richtung Plochingen und Sirnau.
Historische Namensformen:
  • Dizinsowe 1268
  • Ticisowe
  • Dytzesow
Geschichte: Erstmals erwähnt wird Deizisau 1268, doch hat es vermutlich bereits viel früher bestanden. Denn 783/784 hatte das Königskloster Lorsch von »Ediram«, einem fränkischen Großen im Neckargau, dessen Besitz unter anderem in der »Alachbacher Marca« (Altbach) erhalten, darunter wohl auch Güter in Deizisau. Ludwig der Deutsche zog diese indes bald nach der Mitte des 9. Jahrhunderts als Reichsgut ein, und so dürfte 1079 auch Deizisau mit Esslingen an Friedrich I. von Staufen als neuen Herzog in Schwaben gelangt sein. Spätestens in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts kam der Ort an Württemberg, doch schon 1296 belehnte Eberhard I. den Esslinger Patrizier Markward Burgermeister mit der Vogtei, woraufhin sich die dann landadlige Familie Ritter beziehungsweise Burgermeister von Deizisau nannte. 1411 verkauften diese ihren Besitz an das Esslinger Spital, das jetzt größter Grundherr wurde und bald auch Güter und Einkünfte anderer an sich zu ziehen verstand. Zu nennen sind im 14. und 15. Jahrhundert Klöster – zuvorderst Sirnau, sodann die Esslinger Dominikaner, Karmeliter und Klarissen sowie Adelberg, Blaubeuren, Denkendorf, die Propstei Nellingen, Salem, Sankt Blasien und Weil –, jedoch auch Esslinger Bürger wie die Kilse, Nellinger, Ower, Remser und Ungelter sowie die Gemeinde Deizisau. Als Orts- und Gerichtsherr ernannte das Spital noch vor 1450 einen Schultheißen – 1533 mit der Niedergerichtsbarkeit ausgestattet –, schon 1401 wurden Gemeindepfleger tätig, 1509 und 1609 erste Ordnungen erlassen. Als in der Reformation 1532/34 Esslingen das Spital übernahm, verarmte dieses zunehmend und machte 1682 den Versuch, Deizisau zu verkaufen. Mit Esslingen kam es 1802/03 schließlich an Württemberg und erhielt zudem die Gemarkung Sirnau – kirchlich seit alters Deizisau zugeordnet –, die 1928 nach langem Streit indes an Esslingen fiel. Seit 1802/03 gehörte Deizisau zum Oberamt Esslingen, seit 1938 Landkreis Esslingen. Bis 1928 gehörte die Gemarkung Sirnau zu Deizisau.
Wirtschaft und Bevölkerung: 1598 lebten in Deizisau 156 Menschen, 1643 nach dem 30-jährigen Krieg dann nur noch 30, bevor es 1700 wieder 372 und 1807 insgesamt 762 mit 145 Bürgern, 271 Kindern, 23 Waisen und 17 Witwen waren. Im Spätmittelalter waren alle üblichen Handwerke vertreten, 1411 ist ein Backhaus, 1682 eine Salpeterhütte bezeugt, von 1590 bis 1634 gab es eine Thurn- und Taxissche Poststelle, Schafzucht war von einiger Bedeutung. Weinbau erfolgte seit Beginn des 16. Jahrhunderts einzig im Gewann Nothalde, um dessen Zugehörigkeit von 1527 bis 1554 heftig mit Plochingen gestritten wurde. Die Höfe der unterschiedlichsten Größe waren meist in Teilbau verliehen, der Orts- und Leibherr bekam den Groß- und Wein-, der Pfarrer den Kleinzehnten, Württemberg Vogthafer.

Ersterwähnung: 1275
Kirche und Schule: Wohl noch im 9. Jahrhundert wurde von Lorsch aus eine Kirche in Deizisau errichtet, worauf das jedoch erst 1609 genannte Patrozinium Basilides, Cyrinus, Naborius und Nazarius hindeutet. 1275 erstmals erwähnt (1287 Pleban), gehörte die Kirche ins Dekanat Owen (Kirchheim). Der Kirchensatz samt Patronat befand sich zunächst bei den Burgermeistern von Deizisau und kam 1411 ebenfalls an das Esslinger Spital, dem die Kirche wohl noch vor 1441 inkorporiert wurde. Die spätgotische Westturmanlage mit netzgewölbtem, eingezogenem Chor wurde seit 1490 neu erbaut und 1495 geweiht. Innen sind neben dem schon früher existenten Taufstein bemerkenswert die Reste eines spätgotischen Flügelaltars mit Tafeln der Heiligen Agnes und Christophorus aus der Esslinger Spitalkirche. 1532/34 wurde die Reformation eingeführt. Eine deutsche Schule ist zuerst 1595 bezeugt und wurde bereits von 32 Knaben besucht, 1623 von 33 Knaben und Mädchen, 1807 die Winterschule von 60 beziehungsweise 44 und die Sommerschule von 52 beziehungsweise 36. Spätestens im 18. Jahrhundert gab es neben dem Schulmeister auch einen Provisor, 1831 wurde ein zweiter gewünscht. Der Schulraum befand sich zunächst im Rathaus, 1845 wurde ein neues Schulhaus mit drei, 1908 ein weiteres mit zwei Sälen errichtet, seit 1842 existierte eine Industrieschule für Mädchen. Die evangelische Pfarrkirche wurde 1934 erneuert. Katholische Kirche zum Hl. Clemens 1960 erbaut, zur Pfarrei Altbach gehörig.
Patrozinium: Heilige Basilides, Cyrinus, Naborius und Nazarius
Ersterwähnung: 1609

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