Schlaitdorf - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1088

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Der Grabhügel eines Keltenfürsten im Lehbühl stammt aus der Hallstattzeit. An der Straße nach Aich wurde eine Keltenmünze gefunden. Beim Dorf führt am Südhang des Schaichbergs ein vorgeschichtlicher Höhenweg vorbei. Um 500–600 nach Christus war die Markung vermutlich bereits fest besiedelt, worauf die Ortsnamensendung »-dorf« als Kennzeichen des 6./7. Jahrhunderts hinweist. Der Ortsnamensbestandteil »Schlait-« bedeutet soviel wie »rutschiger, lehmiger Boden«. Vermutlich wurde die Siedlung auf der »Walddorfer Platte« vom Altsiedelland um Neckartailfingen her gegründet. Die Erstnennung des Ortes liegt mit der urkundlichen Erwähnung des »Albericus de Sleithdorf« 1088 (25. Januar) im Schenkungsbuch des Klosters Reichenbach vor. 1383 hatte das Dorf 33 Häuser. 1525 zählte man 58 Herdstätten. Im 30-jährigen Krieg verbrannten 1636 während bayerischer Einquartierung 27 Anwesen. Insgesamt waren von 148 Gebäuden 1634 im Jahr 1655 noch 76 übrig, womit der Ort mit einer Quote von 51,4 Prozent unzerstörter Bauten im Vergleich zum ganzen Amt Tübingen (64,6 Prozent) am unteren Ende der Skala rangiert. 1729 betrug die Anzahl der Gebäude 110. 1797 gab es im Ort 60 Häuser und 25 Scheuern. Im Ortskern haben sich, später auch verputzte, Fachwerkhäuser aus dem 16.–18. Jahrhundert erhalten. Über dem Höllbach am Südhang des Schaichbergs Ortserweiterungen vorwiegend nordöstlich, östlich und südöstlich des alten Dorfkerns. Die Wohnsiedlungen entstanden 1952/64 an der Vogelsang-, Panorama-, Schönblick- und Weinbergstraße, 1970/76 im Gebiet »Lachenäcker« und 1972/73 Reihenhäuser an der Teckstraße. Allgemein herrschen Ein- und Zweifamilienhäuser vor. Am östlichen Ortsausgang befindet sich seit 1968 ein Gewerbegebiet.
Historische Namensformen:
  • Sleitdorf 1090 [Kopialüberlieferung 16. Jahrhundert]
  • Slettdorf 1100 [Kopialüberlieferung 16. Jahrhundert]
  • Sleithdorf
  • Sleittorf
  • Slettorf
Geschichte: In alemannischer Zeit zählte der Ort vermutlich zum »Swiggerstalgau«. Als erste Ortsherren treten die allem Anschein nach mit den Grafen von Zimmern verwandten edelfreien Herren von Schlaitdorf bis 1344 mehrfach als Zeugen von Rechtsgeschäften in Erscheinung (»Albericus de Sleithdorf« 1088, »Albericus« und »Wernher de Sleittorf« um 1090, »Alberich de Slettorf« um 1110), die auch in Walddorf und Mittelstadt begütert und im 13. Jahrhundert Vasallen der Pfalzgrafen von Tübingen waren. 1342 verkauften die Tübinger Pfalzgrafen mit Tübingen unter anderem auch die hohe Obrigkeit über Schlaitdorf an die Grafen von Württemberg und an die Grafen von Zollern einzelne Steuerrechte, welche Württemberg wiederum 1473 durch Tausch erwarb. Von der Familie Kaib, die bereits seit 1334 über Einkünfte im Dorf verfügte, kam 1436 die Ortsherrschaft an den Edelknecht Georg Dürner von Dürnau, der diese samt seinen Gütern im gleichen Jahr zunächst Württemberg zu Lehen auftrug, bevor er die Ortsherrschaft 1451 an Württemberg gegen Übereignung der Lehengüter veräußern sollte. Bis 1464 hatte Georg Dürner auch seine Güter im Ort verkauft. Der Ort wurde Teil des neuen Tübinger Amts. Im 18. Jahrhundert gehörte die Gemeinde zum Walddorfer Stab (Unteramt) des Amts Tübingen, sodass der Stabsamtmann auch in Schlaitdorf Gerichtstage hielt. Bedeutendste weltliche Grundherren wurden nach Erwerb des Ortes die Württemberger. Weitere Besitzrechte im Ort hatten die Herren von Aich (bis 1344), von Liebenau (1322–1350), von Speth und die Schilling von Cannstatt (1409). Bedeutende geistliche Grundherren waren die Klöster Hirsau (1322), Bebenhausen (1356), Denkendorf (1385) und Pfullingen (1469, 1490). Im Dorf begütert war auch das Kirchheimer Spital, das zusammen mit der Pfarrei Wolfschlugen den großen Zehnt, Wein- und Heuzehnt bezog und unter anderem eine um 1540 erwähnte Zehntscheuer im Ort besaß. Vor dem Spital und der Pfarrei Wolfschlugen hatten die Kaib den Großzehnt, bis 1416 als Lehen des Klosters Reichenau, innegehabt. Schultheiß, Heimbürgen und Gemeinde (Rat) werden 1466 genannt, das Gericht 1500. 1522 sind sieben Richter erwähnt. Ein Rathaus war spätestens 1600 vorhanden (um 1780 Neubau, 1834 Umbau, 1935 durchgreifender Umbau, 1980 Fassadenerneuerung). Der Ort zählte im sogenannten Mittleren Schönbuchamt zu den Schönbuchgenossen. Gegen eine jährliche Abgabe jedes Hauses durften die Einwohner Holz für den Eigenbedarf schlagen und ihr Vieh weiden. Besonders gestellte Sedelhöfe (1383 werden im Ort davon einer, 1585/86 zwei und 1820 fünf genannt) hatten einerseits herrschaftliche Jagdgesellschaften zu versorgen, andererseits abgabebefreite Holznutzungs- und Schweinemastrechte im Schönbuch. 1514 regelte und bestätigte der Schlaitdorfer Vertrag zwischen dem Herzog von Württemberg und den Gemeinden Schlaitdorf, Walddorf, Häslach, Altenriet, Dörnach und Gniebel umstrittene Nutzungsrechte an Holz und Waldweide im östlichen Schönbuch. Die Burg (vermutlich im 13. Jahrhundert erbaut) der Herren von Schlaitdorf und ihrer ortsherrschaftlichen Nachfolger stand auf dem Platz des heutigen Pfarrhauses. Unter Georg Dürner von Dürnau wurde die Burg 1436 Mannlehen von Württemberg, 1462 wieder Eigengut und vermutlich mit den anderen Gütern kurz darauf verkauft. 1482 wurde die Burg (»Schloß«) im Besitz des ehemaligen württembergischen Vogts zu Urach, Ludwig Hafenberg aus Neuenriet, im Zuge eines Tauschs mit dem Pfarrer Jakob Kramer zum Pfarrhaus, das als Fachwerkaufsatz über dem steinernen Erdgeschoss später mehrmals umgebaut wurde, zuletzt 1837. Letzte Überreste des Burggrabens wurden 1929 zugeschüttet. Amt bzw. Oberamt Tübingen, im 18. Jahrhundert Stab Walddorf, 1938 bis 1972 Landkreis Nürtingen.
Wirtschaft und Bevölkerung: 1383 ist von etwa 149 Einwohnern (33 Häuser) auszugehen. Von circa 419 Einwohnern (93 Türkensteuerpflichtige) 1544 stieg die Bevölkerungszahl bis 1634 auf etwa 545 (121 Bürger). 1654 gab es noch 180 Einwohner. Das entspricht einem durch den 30-jährigen Krieg verursachten Einwohnerschwund auf etwa 33 Prozent des Vorkriegsstandes und liegt damit deutlich unter der Quote von 55 Prozent bei der überlebenden Bevölkerung im Amt Tübingen. In der Folgezeit ließ auch starker Zuzug die Ortsbevölkerung wieder anwachsen, bis 1743 auf 528 Einwohner. Der leichte Einbruch in der Entwicklung im Zeitraum um 1744–75 (1769: 445 Einwohner) verweist auf Agrarkrisen und Seuchen wie die Ruhr. 1802 lebten 645 Menschen im Ort. Nach der Türkensteuerliste von 1544/45, die für Schlaitdorf 93 Schatzungspflichtige mit einem durchschnittlichen Vermögen von 99 Gulden verzeichnete, besaß das Dorf im Vergleich zum Amt Tübingen einen deutlich höheren Anteil von armen Bürgern. Die landwirtschaftlichen Erwerbsquellen bestanden im Getreide-, Wein- und Obstanbau sowie besonders in der Viehwirtschaft, wobei die im Schönbuch traditionelle Schafzucht hervortrat, seit Graf Ulrich V. seine von Georg Dürner von Dürnau 1463 eingetauschten Schafweiden in Schlaitdorf 1466 der Gemeinde gegen höhere Landessteuer überlassen hatte. Für 1556 sind auf der Sommerweide um die 300 Schafe vermerkt. Zuzüglich etwa 140 Rinder zeichnet diese hohe Viehdichte die typische, seit den Epidemien und Agrarkrisen des 14. Jahrhunderts verstärkt Viehwirtschaft betreibende Schönbuchgemeinde aus, bevor mit dem Bevölkerungswachstum wieder die Hinwendung zum Getreide- und Obstanbau einsetzte. Die 1762 erwähnte und laut einer dendrochronologischen Untersuchung um 1765 erbaute Schafscheuer stand am nordwestlichen Ortsrand (1999 im Freilichtmuseum Beuren aufgebaut und am 2. Mai dieses Jahres eingeweiht). Schlaitdorf unterlag dem Neckartenzlinger Mühlbann. Ein 1383 genannter Weingärtner (»Mayer der wingarter«) verweist auf damaligen Weinanbau. Im Spätmittelalter war Schlaitdorf zum Keltern nach Altenriet gebannt. Aus dem Bannrecht gelöst, erbauten die Schlaitdorfer oberhalb der auf der Kieserschen Forstkarte (1685) verzeichneten Weingärten südlich des Orts eine eigene Kelter. Waren 1634 noch 31 Morgen Weingärten (gegenüber 376 Morgen Wiesen und Gärten und 661 Morgen Ackerland) vorhanden, so blieben 1655 davon 16 Morgen. 1729 hatte sich der Weinbau auf etwa 33 Morgen Weingärten erholt. An Wiesen gab es insgesamt etwa 466 Morgen und die Ackerflächen umfassten circa 750 Morgen. An Waldungen nutzte die Gemeinde auf ihrer Markung rund 751 Morgen. Im selben Jahr sind an Handwerken belegt: drei Weber, je zwei Bäcker, Schmiede, Wagner, Zimmermänner, Küfer, Schneider und jeweils ein Barbier, Schuhmacher und Maurer. Dorfwirtshäuser bestanden mit dem Hirschen (1722/23), dem Ochsen (1778) und dem Löwen (kurz nach 1800).

Name: Burg
Datum der Ersterwähnung: 1436 [vermutlich im 13. Jahrhundert erbaut]

Ersterwähnung: 1466
Kirche und Schule: 1466 löste sich Schlaitdorf gegen jährliche Zahlungen aus dem Pfarrsprengel Neckartailfingens, nachdem bereits 1431 Differenzen um die kirchliche Versorgung des Orts aufgetreten waren. Die Burgkapelle wurde zur Pfarrkirche (Sankt Wendel) erhoben und bezog auch einen Teil Häslachs ein. Die Kaplanei gründete auf einer Stiftung des auf der Schlaitdorfer Burg gesessenen Georg Kaib von Hohenstein, der diese angeblich als Sühne für den Totschlag des Burgherrn zu Neuenriet geleistet hatte. Ob ein Zusammenhang mit der 1465 erwähnten Pfründe am Vorderen Altar besteht, ist nicht gesichert. Der erhaltene Kirchenbau stammt aus der Zeit um 1500. Möglicherweise gehen Teile des Schiffs der spätgotischen Kirche auf das romanische 12. Jahrhundert zurück. Der Westturm mit Satteldach stammt aus der Zeit kurz nach 1500 und wurde von dem Baumeister der Nürtinger Stadtkirche Hans Buß entworfen. Bis zur Reformation gehörte die Pfarrei zum Landkapitel Urach und kam 1547 zum Dekanat Tübingen. Das Patronatsrecht lag zunächst bei den Kaib von Hohenstein und gelangte 1537 an die Adelsfamilie Speth. 1553 verkauften es die Speth an Württemberg. 1684 wurde Altenriet auf eigenen Wunsch nach Schlaitdorf umgepfarrt, nachdem es sich 1654 mit seiner Mutterpfarrei Neckartenzlingen im Streit über zu tragende Glockenkosten überworfen hatte. 1559 wird erstmals eine Schule im Ort erwähnt. Oblag zunächst dem Pfarrer der Unterricht, so bekam die Gemeinde 1584 einen eigenen Schulmeister, der ab 1596 auch das Mesneramt versah. 1605 zählte man 46 Schüler. Nach der Einstellung des Schulbetriebs im 30-jährigen Krieg (vermutlich 1634–43) ist 1653 wieder von der Schule die Rede, die 1654 von 31 Kindern besucht wurde. Die Einrichtung der Sommerschule ab 1676 konnte sich erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts durchsetzen (1684 60 Schulkinder im Winter, 31 im Sommer). Ab 1797 unterstützte ein Provisor den Schulmeister. 1802 wurde die Winterschule von 120 Kindern besucht, die Sommerschule von 107 Jungen und Mädchen. 1803/04 erbaute man neben der Lehrerwohnung eine Schulstube. Evangelische Pfarrkirche, erhöht gelegen, ein einfacher Rechteckbau mit auf der Südseite z.T. alten Fenstern. Katholisch nach Grötzingen eingepfarrt.
Patrozinium: St. Wendel
Ersterwähnung: 1685

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