Aichschieß - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1248 [Kopialüberlieferung 1449]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Nach dem Ortsnamen zu schließen, dürfte die Siedlung spätestens im 9. Jahrhundert in der sogenannten Rodezeit entstanden sein und ihren Namen von den Eichenbeständen des Waldes erhalten haben. Die Flurnamen Breite und Brühl (1400, 1503) deuten auf ehemaliges Salland hin. »Krummenhart« wird erstmals 1300 als Anstößer genannt. Die Truchsessen von Stetten sind nachweislich seit dem 15. Jahrhundert die Ortsherren und die bedeutendsten Grundbesitzer in Krummhardt. 1442 waren sie aus finanziellen Gründen gezwungen, die grundherrschaftlichen Objekte an die Liebfrauenpflege (späteres Stift) in Göppingen zu veräußern. 1452 erwarb Graf Ulrich V. von Württemberg von den Truchsessen von Stetten auch die Ortsherrschaft. Württemberg gliederte seine auf dem Schurwald erworbenen Orte in das Amt Schorndorf ein. Aichschieß, Krummhardt und Baach sowie die württembergischen Anteile von Lobenrot und Schanbach bildeten im 15. und 16. Jahrhundert eine eigene Verwaltungseinheit, das sogenannte »Krummhardter Ämtlin«. Nachweislich seit 1563 waren die Orte des Krummhardter Ämtleins ins Dorfgericht nach Hohengehren gerichtbar, das sie offensichtlich mit ihren Schultheißen und einer gewissen Zahl von Richtern beschicken konnten. Möglicherweise löste sich das Krummhardter Ämtlein um 1605 mit der Entstehung des sogenannten Schurwaldgerichts gerichtlich von Hohengehren und erhielt die Zuständigkeit eines Dorfgerichts für die zugehörigen Orte. In Krummhardt werden seit 1399/1400 die Stadt Esslingen und die Grafen von Württemberg als Grundherren, Esslingen auch als Leibherr, genannt. Die Herrschaft Württemberg verfügte 1563 über fünf erbliche Lehenhöfe in der Größe von durchschnittlich 10 Morgen. Der Grundbesitz der Stadt Esslingen erstreckte sich 1531 und 1563 auf vier kleinere Lehengüter, wovon eines der obere, das andere der untere Hof genannt wurde. Für Krummhardt wird erstmals für 1503 ein Schultheiß und für 1531 werden zwei Dorfrichter erwähnt. Im Aufstand des Armen Konrad 1514 leisteten zahlreiche Männer aus dem Krummhardter Ämtlein Widerstand gegen die Herrschaft. Nach Unterdrückung des Widerstands wurden dieselben mit Geldbußen bestraft, andere flohen in die Eidgenossenschaft, um der Bestrafung zu entgehen. Nach der Geländebezeichnung -hardt in der Ortsnamenendung zu schließen, dürfte die Siedlung Krummhardt und das später wieder abgegangene »Eglisweiler« bei Krummhardt spätestens im 9. Jahrhundert in der sogenannten Rodezeit entstanden und als Ort am gekrümmten Wald benannt worden sein. Die Flurnamen Breite und Brühl (1503) deuten auf ehemaliges Salland hin. 1525 gab es in Krummhardt neun Wohngebäude mit Kochstellen, die Bevölkerung lässt sich auf 24 Personen schätzen. 1542 verfügte die Bevölkerung über Vermögen zwischen 100 und 500 Gulden, womit Krummhardt mit durchschnittlich 142 Gulden im Landesmittel (148 Gulden) lag. Die Zählung von 1598 verzeichnete in dem Gerichtsort 14 Männer mit Bürgerrecht. Nach dem 30-jährigen Krieg 1661 lebten im Ort 46 Personen. Die Bevölkerungszahl verdoppelte sich innerhalb von 70 Jahren und betrug 1734 111 Personen. Seit dieser Zeit stieg sie bis 1804 nur leicht an: damals lebten 157 Menschen in Krummhardt. Existenzgrundlage für die Menschen bildete der Ackerbau in Form der Dreifelderwirtschaft sowie die Wald- und Weidewirtschaft. Im 18. Jahrhundert verdiente über die Hälfte der Bürger ihr Geld ausschließlich oder nebenberuflich mit der Weberei (zehn Familien). Krummhardt erholte sich nur langsam wieder vom 30-jährigen Krieg. 1730/31 lebten 18 Bürger, drei Witwen und ein Beisitzer im Ort. Die Zahl der Gebäude betrug 24 inklusive acht Scheunen. Die geringe landwirtschaftliche Nutzfläche betrug 303 Morgen (unter anderem 103 Morgen Ackerland, 97 Morgen Wiesen, 87 Morgen Weiden). Von der Landwirtschaft konnte nur noch ein Teil der Menschen leben. Kirchlich ist Krummhardt Filiale von Schanbach. Das im Kern spätmittelalterliche Kirchlein gehört aufgrund seiner im 18. Jahrhundert entstandenen Bemalungen von Decke, Kanzel, Emporen- und Gestühlsbrüstungen zu den kirchlichen Raritäten des Landkreises. Es bietet weitgehend das ungestörte Bild einer im Bauernbarock ausgestalteten württembergischen Dorfkirche. Der Turm der Kapelle trägt eine 1487 in Esslingen gegossene Glocke. Im oberen Schurwald auf einer Liashochflache gelegen, hat sich das Dorf nach dem Zweiten Weltkrieg durch neue Wohngebiete vor allem im Westen (»Buchenteich«, »Holderbett« — »Reiseäcker« — »Buchenäcker«, 1962/70) und Süden (»Waldeck«, Staufenstraße, Rechbergweg, 1954/73) ausgedehnt. Jüngeren Datums sind die Siedlungen im Norden (»Morgenrain«, 1975) und Osten (»Kürzen« — »Gehrn«, 1973). Eine Nebenerwerbssiedlung besteht seit 1951. Westlich, etwas vom Ort abgesetzt, wurde 1962 das Industriegelände ausgewiesen.
Historische Namensformen:
  • Ainschiez 1275
Geschichte: Für 1248 ist das Prämonstratenserstift Adelberg als Besitzer von Waldungen erwähnt; dies bedeutet zugleich die urkundliche Erstnennung des Ortes »Ainschiez«. Nach einem Vergleich 1248 wurden Besitz und Rechte an diesem Wald der Stadt Esslingen zugesprochen; das Recht zur Nutzung des Waldes wurde den Aichschießer Bauern eingeräumt. Daneben besaß das Spital Esslingen 7 Tagwerk Wiesen (1422) in Aichschieß. Auch der Esslinger Bürger Rüdiger Kürn war in Aichschieß und Krummhardt mit 60 Morgen Wald und anderen Rechten begütert, welche ihm schließlich die Stadt Esslingen 1434 abkaufte. Bis 1366 übte Heinrich Rohrbeck – ein Angehöriger der Schorndorfer Ehrbarkeit und Berater Graf Eberhards des Greiners – die Ortsherrschaft aus. Vermutlich umfasste dies auch die Herrschaft über das zu Aichschieß gehörende Baach, das erst 1842 zur Gemeinde Schnait geschlagen wurde. Möglicherweise hatte Rohrbeck den Ort von den Herren Dürner von Dürnau bei Schnait, teckischen Lehensträgern, erheiratet. Wie aus einer späteren Quelle zu schließen ist, dürfte sich der Grundbesitz auf zehn Lehengüter erstreckt haben. 1366 erwarb Württemberg die Ortsherrschaft in Aichschieß von Heinrich Rohrbeck und positionierte sich damit als Herrschaft in den Aichwalder Orten. Der Grundbesitz erstreckte sich auf neun kleinere Lehen (1400), die sich wiederum in Viertellehen unterteilten, die kaum zur Erwirtschaftung eines Existenzminimums ausreichten. Bis ins 19. Jahrhundert blieb Aichschieß unter württembergischer Herrschaft und gehörte ins Amt Schorndorf. Im Städtekrieg zwischen Esslingen und Württemberg brannten die Esslinger im September 1449 das württembergische Aichschieß nieder. Die Zerstörungen waren so verheerend, dass Aichschieß noch vier Jahre später als verbranntes Dorf beziehungsweise verlassener Ort bezeichnet wurde. Für Aichschieß wird 1503 erstmals ein Schultheiß erwähnt. Wegen den Nutzungsrechten am herrschaftlichen Wald kam es in Aichschieß immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Herrschaft und Untertanen. Besonders heftig war der Disput zwischen Aichschieß und der Stadt Esslingen, der durch die Zerstörung des Ortes im Städtekrieg eine besonders feindselige Qualität erlangte. Obwohl sich die Aichschießer 1477 und erneut 1553 von der Stadt Esslingen ihr Recht bestätigen ließen, dass sie in den Esslinger Wäldern ihr Vieh weiden, lauben, dürres Holz und Äste gefällter Bäume schneiden durften, kam es in der Folge häufig zu Streitigkeiten. Den Gemeinden Aichschieß und Krummhardt wurde bewusster Raubbau am Esslinger Wald vorgeworfen, weshalb Esslingen immer wieder die Nutzungsrechte einschränkte. 1590 konnte im sogenannten großen Vertrag abermals ein Ausgleich erzielt werden, doch bald darauf kam es wieder zu Differenzen, die erst durch einen Vergleich 1809 langfristig beigelegt werden konnten. Im Aufstand des Armen Konrad 1514 leisteten einige Männer aus Aichschieß Widerstand gegen die Herrschaft Württemberg. Als Herzog Ulrich von Württemberg 1519 die Reichsstadt Reutlingen angriff, holte im Zuge dieser Auseinandersetzungen auch die Reichsstadt Esslingen zu einem militärischen Gegenschlag aus. Im württembergischen Aichschieß brannten die Esslinger 1519 das Pfarrhaus nieder. Ende 17. Jahrhundert wurde das um 1610 entstandene, bis ins 19. Jahrhundert bestehende Schurwaldgericht für die Orte Schanbach, Krummhardt, Lobenrot und Baach, ein Ruggericht ohne Befugnisse in Gemeindeangelegenheiten, von Krummhardt nach Aichschieß verlegt. Bis 1842 Amt bzw. Oberamt Schorndorf, seither Esslingen.
Wirtschaft und Bevölkerung: 1525 bestanden in Aichschieß 18 Wohngebäude mit Kochstellen. Zusammen mit den 41 verzeichneten Steuerpflichtigen (1544) lebten rund 185 Menschen in Aichschieß und Krummhardt. Mit einem durchschnittlichen Vermögen von 94 Gulden gehörten die beiden Orte zu den ärmeren Gemeinden im ganzen Land. Entsprechend hoch war der Anteil an nahezu Besitzlosen beziehungsweise Armen. Sieben Steuerpflichtige (17,1 Prozent) besaßen unter 20 Gulden, 13 Steuerpflichtige (31,7 Prozent) zwischen 20 und 99 Gulden Vermögen. 21 Steuerpflichtige (51,2 Prozent) bildeten mit einem Vermögen zwischen 100 und 499 Gulden quasi die Mittel- und Oberschicht zugleich. 1598 wurden 20 Bürger verzeichnet. Erste verlässlichere Bevölkerungszahlen liegen für das 17. Jahrhundert vor: Für 1605 werden 114 Kommunikanten und Katechumenen angegeben. Im 30-jährigen Krieg verliert der Ort ein Drittel seiner Bevölkerung: 1654 werden insgesamt 82 Personen genannt. Die männliche Bürgerschaft in Aichschieß (gemeinsam mit Schanbach) war von 60 Personen (1634) auf 36 (1655) dezimiert worden (also um 62,5 Prozent), im selben Zeitraum waren nur noch 60 der ursprünglich 92 Gebäude bewohnt beziehungsweise vorhanden, allerdings wurde ein großer Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche wieder bebaut. 1655 war die Anzahl der Schulden pro Bürger mit durchschnittlich 210 Gulden auch im Vergleich zum gesamten Amt (183 Gulden) sehr hoch. Der Vorkriegsstand wurde mit 118 Personen bereits wieder im Jahre 1676 erreicht. Seit dieser Zeit stieg die Bevölkerungszahl kontinuierlich. 1743 lebten 200 Menschen im Ort. Nach knapp 70 Jahren hatte sich die Zahl also nahezu verdoppelt. In der Folgezeit stagnierte sie: für 1806 werden lediglich 227 Personen angegeben. 1730/31 werden 30 Bürger, neun Witwen und ein Beisitzer genannt. Die Zahl der Gebäude betrug 42 (inklusive zehn Scheunen). Die landwirtschaftliche Nutzfläche betrug insgesamt 628 Morgen (207 Morgen Gemeindewald, 151 Morgen Ackerland, 181 Morgen Wiesen u.a.). Der Ackerbau sowie die Wald- und Weidenutzung bildeten die wichtigste Existenzgrundlage. Angebaut wurde in den drei Zelgen Schanbach, Im Bildt und Im Plochinger Weg (1563). Württemberg war 1563 mit zehn erblichen Lehenhöfen von durchschnittlich 10 Morgen wichtigster Grundbesitzer. Der Pfarrei Aichschieß gehörte ein Widumgut, das 1573 nebst einem Pfarrgebäude, Scheune und Schweinestall auch 12 Morgen Land umfasste. Flurnamen deuten auf die Versuche hin, Reben anzubauen. Der Weinbau wurde in den 1760er Jahren zugunsten eines wesentlich erfolgreicheren Obstanbaus aufgegeben.

Ersterwähnung: 1275
Kirche und Schule: Die Kirche von Aichschieß wird 1275 erstmals urkundlich als Zentrum einer Pfarrei erwähnt. 1365 ist der Heilige Gereon als Patron nachgewiesen, der in Württemberg ausschließlich für Aichschieß belegt ist. Seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gibt sich die Heilige Margareta als Patronin zu erkennen. Möglicherweise hängt der Patrozinienwechsel mit dem Aufbau der zerstörten Kirche nach 1449 zusammen. Nachweislich seit 1463 nahm Württemberg das Patronatsrecht wahr, es ist jedoch davon auszugehen, dass es dieses bereits mit dem Erwerb des Ortes 1366 erhalten hatte. Die Kirche wurde 1454 unter Verwendung älterer Bauelemente wieder aufgebaut. So dürfte die Umfassungsmauer der Kirche (12. oder 13. Jahrhundert) ebenso wie die Nordwand des Langhauses mit ihren frühgotischen Fresken dem Vorgängerbau zuzuordnen sein. In Aichschieß führte Württemberg 1534 die Reformation ein. Der katholische Geistliche, der mindestens seit 1525 als Priester tätig war, entschied sich für die Annahme der Reformation und blieb weiterhin Seelsorger (bis 1542) in der im Vergleich mit anderen Schurwaldorten überdurchschnittlich gut dotierten Pfarrei. Die evangelische Pfarrkirche besitzt mit ihren seit etwa 1890 wieder freigelegten frühgotischen Wandmalereien (um 1320) an der Langhausnordwand eine weit über den landesüblichen Durchschnitt hinausragende Kostbarkeit. Die erhaltenen Bilder, die stilistisch mit den Wandmalereien in der Nagolder Remigiuskirche in Verbindung gebracht werden, stellen Mariä Verkündigung, die Verkündigung an die Hirten, den Bethlehemitischen Kindermord und die Flucht nach Ägypten dar. Daneben bietet das Kirchlein noch weitere, nach dem Wiederaufbau der Kirche im 15. Jahrhundert entstandene Wandmalereien an der Chornordwand. Bemerkenswert ist auch das Epitaph für M. Johann Christoph Hölderlin von 1718. Eine Schule ist seit 1653, ein eigenes Schulhaus seit 1710 nachgewiesen. Schmucklose evangelische Pfarrkirche, nach dem 30jährigem Krieg neu aufgebaut, 1765 restauriert, vielfach durch Um- und Anbauten verändert (1805, 1842/43); sie wurde 1951 durch Umbau dem ursprünglichen Zustand angenähert. Gesamtkirchengemeinde Aichwald. Katholische Kirche zum Hl. Bonifatius von 1966, zur Pfarrei Baltmannsweiler gehörig.
Patrozinium: Hl. Gereon, Hl. Margareta (seit der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts)
Ersterwähnung: 1365

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