von Hofacker, Cäsar 

Geburtsdatum/-ort: 11.03.1896;  Ludwigsburg
Sterbedatum/-ort: 20.12.1944; Berlin-Plötzensee
Beruf/Funktion:
  • Widerstandskämpfer
Kurzbiografie: Schulabschluss: Abitur
Studienaufenthalte in Frankreich und Großbritannien
Aug. 1914 Freiwilliger für Militäreinsatz im Ersten Weltkrieg im Ludwigsburger Ulanenregiment Nr. 20 in Ludwigsburg
1916 Leutnant der Reserve
1917 Meldung zur Fliegertruppe, Flugzeugführer in Aufklärungs- und Jagdstaffeln
Jun. 1918 Kommandierung zur Fliegertruppe der Deutschen Militärmission im Osmanischen Reich, bei Kriegsende geriet er in Bulgarien in französische Kriegsgefangenschaft
1920 Entlassung aus Gefangenschaft und Rückkehr nach Deutschland, Aufnahme eines juristischen Studiums in Tübingen (Wohnort des Vaters) und Göttingen
1924 Promotion
1925–1927 Tätigkeit bei der Handelskammer Reutlingen, Jurist in Krefeld im Spitzenverband der deutschen Seidenindustrie, danach Mitarbeiter und seit 1937 Prokurist der Vereinigten Stahlwerke in Berlin
1931 Eintritt in den Frontsoldatenbund „Stahlhelm“; mehrere Übungen als Reserveoffizier der Luftwaffe, bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Einberufung zu einer Aufklärungsstaffel
1940 Versetzung in einen Ausbildungsstab, wenig später Übernahme des Referats „Eisenschaffende Industrie und Gießereien“ bei der Militärverwaltung in Paris
1942 Beförderung zum Oberstleutnant d. R. (= höchster erreichter militärischer Rang)
1944 Ermordung in Berlin-Plötzensee als „Mitverschwörer der Hitler-Attentäter“
Weitere Angaben zur Person: Religion: ev.
Auszeichnungen: Ehrungen nach 1945: In seiner Geburtstadt Ludwigsburg ist eine Fußgängerallee nach ihm benannt.
Verheiratet: 11.11.1927 (Krefeld) llse-Lotte, geb. Pastor
Eltern: Vater: Eberhard von Hofacker, (* 25.6.1861 Hemmingen, † 19.1.1928 Tübingen)
Mutter: Albertine, geb. Gräfin von Uxküll-Gyllenband
Geschwister: G 4: Alfred (* 1897); Brigitte (* 1899); Annemarie (* 1905); Eva (* 1907)
Kinder: 5: 2 Söhne, 3 Töchter
GND-ID: GND/11948661X

Biografie: Ulrike Faulhaber (Autor)
Aus: Württembergische Biographien 2, 130-132

Cäsar von Hofacker gilt landläufig als „Stauffenbergs Mann in Paris“. Diese Aussage wird dem Leben des Widerstandskämpfers nur verkürzt gerecht. Insbesondere, wenn die Tage um den 20. Juli 1944 in der französischen Hauptstadt genauer betrachtet werden. Am 6. Juni 1944 hatten die alliierten Streitkräfte mit der erfolgreichen Überquerung des Ärmelkanals rund um die Gegend der französischen Stadt Caen die deutschen Streitkräfte überrollt. Die von der französischen Résistance ersehnte und unterstützte Befreiung Frankreichs begann und zog heftigste Kämpfe nach sich, denen die deutsche Wehrmacht immer weniger entgegensetzen konnte. In der deutschen Militärverwaltung in Paris war durch entsprechende – auch von Stauffenberg unterstützte Personaleinsätze – ein aktiver Kreis von Wehrmachtsangehörigen, die dem nationalsozialistischen Regime kritisch gegenüberstanden, zusammengezogen. Für diesen Kreis stand fest, dass der Krieg verloren war, dass es nun darum gehen müsse, die Lage Deutschlands durch andere Mittel zu stabilisieren. Dass ein Ende des nationalsozialistischen Terrors herbeizuführen sei, notfalls auch durch ein Attentat an Hitler und weiteren führenden Köpfen des Regimes. Von Hofacker gehörte diesem Kreis an, mehrere Reisen zwischen Paris und Berlin zeigen an, dass er in die Pläne seines Vetters Claus von Stauffenberg detailliert einbezogen war. Rund um den General Carl Heinrich von Stülpnagel half von Hofacker mit, die Vorbereitungen für die Zerschlagung der NS-Strukturen in Paris vorzubereiten.
Die ersten Stunden nach der Attentatsnachricht verliefen am 20.7.1944 in Paris für den Widerstandskreis sehr erfolgreich. Innerhalb kürzester Zeit wurden Führung und Personal der SS und des „Sicherheitsdienstes“ festgesetzt. Selbst nachdem Stauffenberg ihnen das Scheitern des Aufstandes in Berlin mitgeteilt hatte, lief der Umsturzversuch in Paris weiter. In der Nacht des 20. Juli sprechen von Stülpnagel und Hofacker mit Feldmarschall von Kluge, dem höchsten militärischen Oberkommandierenden an der Westfront und bitten um seine Unterstützung. Kluge lehnt dies ab. Auch in Paris ist die Widerstandsgruppe gescheitert. Kurz darauf erfolgten die ersten Festnahmen durch NS-Beamte, am 25.7.44 – exakt einen Monat vor der Befreiung Paris durch die Aliierten – wurde Hofacker verhaftet und zu Verhören nach Berlin gebracht. Wie alle Offiziere des Widerstandskreises um Stauffenberg wurde er unehrenhaft aus der Wehrmacht entlassen und der Gestapo überstellt. Seine Frau und seine Kinder wurden in Sippenhaft genommen, besonders schwerwiegend sicherlich war die Trennung der Kinder: Der älteste Sohn, die älteste Tochter und seine Frau kamen in Konzentrationslager, die drei jüngeren Kinder in ein Kinderheim in Bad Sachsa.
Hofackers Prozess vor dem Volksgerichtshof unter seinem Präsident Freisler fand am 30.8.1944 statt und endete – wie erwartet – mit einem Todesurteil. Er musste danach eine mehrmonatige Haftzeit ertragen und viele Gestapo-Verhöre erdulden. Von der Familie abgeschnitten kam ihm ein ehemaliger Mitarbeiter der Vereinigten Stahlwerke zu Hilfe, der Paketkurierdienste ermöglichte. Kommentarlos legte Cäsar von Hofacker darin blutverschmierte Hemden bei, Beweise der sogenannten „verschärften Verhöre“.
Aus dem Pariser Kreis gibt es Mitglieder, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Augenzeugen über die Tage berichten konnten, u. a. Ernst Jünger.
Die Augenzeugen schildern Hofacker als besonders begabten Redner und scharfsinnigen militärpolitischen Analysten. Zu seiner Ahnenlinie gehört im Übrigen auch der württembergische Prediger Ludwig Hofacker.
Sein Lebenstraum, inspiriert über die Auslandsaufenthalte in seinen jungen Jahren, dem diplomatischen Dienst beizutreten, gelang ihm weder in der Weimarer Republik noch zu Beginn des nationalsozialistischen Regimes.
Aufgewachsen in einem bürgerlich-monarchistischen Offiziershaushalt war eine deutschnationale Gesinnung naheliegend. Während seiner Studienzeit engagierte er sich in einem von ihm mitbegründeten deutschnationalen Studentenbund und tritt später in den Stahlhelm ein. Die politische Labilität der Weimarer Republik und die Einschränkungen durch den Versailler Vertrag ließen ihn zu einem Kritiker der Situation werden, der auf die Machtübernahme der NSDAP neugierig reagierte und sich wünschte, dass sich nun seine Ziele (ein selbstbewusstes Deutschland innerhalb eines friedlichen Europas) bewahrheiten würden. Wie in seinem Umfeld üblich, bat er um Aufnahme in die Partei und verweigerte sich seiner Aufnahme in die Wehrmacht nach Kriegsausbruch 1939 nicht.
Im Februar 1940 wurde er, nun 44 Jahre alt, in einen Ausbildungsstab versetzt.
Im Juli 1940 übernimmt er in der Militärverwaltung Frankreichs das Referat „Eisenschaffende Industrie und Gießereien“, eine Arbeit, die ihn wieder mit den Vereinigten Stahlwerken in Berlin in Verbindung brachte.
Am 19.8.1942 wechselte der Jurist in leitender Funktion in die Außenstelle „Zentrale Planung für die französische eisenschaffende Industrie“. Am 13.10.1943 bat er um Enthebung von dieser Aufgabe und übernahm Koordinationsaufgaben im Stab des Militärbefehlhabers in Paris, General Carl-Heinrich von Stülpnagel. Zuvor ergaben sich ab Juli 1943 vermutlich intensive Gespräche über die Lage Deutschlands, des Krieges und v. a. der Kriegsverbrechen und Massenmorde in den Lagern im Osten mit seinem engen Freund aus Studientagen, Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, Ende Oktober 1943 ist ein Gespräch mit Claus von Stauffenberg in Berlin belegt. Trotz der schlechten Faktenlage gilt daher 1943 als entscheidendes Jahr, in dessen Verlauf Hofacker zum aktiven Widerstandskämpfer wurde. Mehrere Attentatsvorbereitungen der Offiziere um von Stauffenberg gelten als sicher, am 20. Juli versucht es die Gruppe erneut: unter schlechten Bedingungen (Verletzung von Stauffenbergs, keine persönliche Trennung von Attentäter in der Wolfsschanze und Widerstandsorganisation in Berlin, über die Reisezeit von Stauffenberg geht wertvolle Zeit für die Widerstandsgruppe verloren).
Hofackers Leben wird in zahlreichen Ausstellungen zum 20. Juli und über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus gewürdigt (Gedenkstätte Deutscher Widerstand (GDW), Gedenkstätte Berlin-Plötzensee). In Plötzensee werden zwischen dem 8. August 1944 und dem 9. April 1945 insgesamt 89 Menschen ermordet, die den Widerstandskreisen des 20. Juli zugerechnet werden können oder diese unterstützt haben. Am 20. Dezember 1944 sind dies Carl Wentzel (Industrieller und Vertrauensmann von Carl Goerdeler) und Cäsar von Hofacker, in der Familie übrigens „Peter“ genannt. Kinder und Frau überleben die Sippenhaft, die wirtschaftliche Situation ist jedoch in den Anfangsjahren der Bundesrepublik sehr angespannt.
Quellen: Archiv der Familie von Hofacker, Dauerleihgabe an das Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart.
Werke: Die Arbeitslosigkeit, ihre Ursachen und ihre Bekämpfung, Heidelberg, Bündischer Verlag, 1931; Die Frage der Anrechnung der gesetzlichen Pension auf den Ersatzanspruch des Beamten bzw. seiner Hinterbliebenen wegen Körperverletzung bezw. Tötung, o. J.

Literatur: Wilhelm von Schramm, Der 20. Juli in Paris, 1953; Peter Hoffmann, Widerstand, Staatsstreich, Attentat. Der Kampf der Opposition gegen Hitler, 1969, 1985; Chronos, Der 20. Juli 1944 in Paris, Verlauf – Hauptbeteiligte – Augenzeugen, hg. von Bengt von zur Mühlen/Frank Bauer, 1995; Albert Sting, Geschichte der Stadt Ludwigsburg, 2, von 1816 bis zum Kriegsende 1945, 2004; Eva Madelung und Joachim Scholtyseck, Heldenkinder, Verräterkinder, 2007; Wolfgang Läpple, Schwäbisches Potsdam, Die Garnison Ludwigsburg von den Anfängen bis zur Auflösung, hg. von der Stadt Ludwigsburg, 2009; Alfred von Hofacker, Cäsar von Hofacker. Ein Wegbereiter für und ein Widerstandskämpfer gegen Hitler, ein Widerspruch?, 2010; www.gedenkstätte-ploetzensee.de; www.gdw-berlin.de.
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