Obrigkeitliche Ordnung in unsicheren Zeiten

Die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs in der Grafschaft Sigmaringen

Entwürfe für die Glockentürme der Kappellen in Langenenslingen und Thalheim, 1630, Vorlage: Landesarchiv BW, StAS Ho 80 T 1 Nr. 191
Entwürfe für die Glockentürme der Kappellen in Langenenslingen und Thalheim, 1630, Vorlage: Landesarchiv BW, StAS Ho 80 T 1 Nr. 191

Wie das übrige Schwaben wurde auch die Grafschaft Sigmaringen vom Dreißigjährigen Krieg schwer gebeutelt. Graf Johann von Hohenzollern-Sigmaringen, der wie sein Hechinger Vetter dank seines Einsatzes für die katholische Liga vom Kaiser in den Fürstenstand erhoben worden war, wie auch sein Sohn Meinrad standen in bayerischen Diensten. Daher hielten sie sich die meiste Zeit außerhalb Sigmaringens auf. Umso größeren Wert legten sie aber darauf, dieses sorgfältig zu verwalten und zu regieren. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass sich im Staatsarchiv Sigmaringen eine 43 Faszikel umfassende Korrespondenz zwischen dem Fürsten Johann bzw. dessen Sohn Meinrad und den Amtleuten der Grafschaft Sigma ringen aus der Zeit von 1619 bis 1653 erhalten hat: Diese spiegelt zum einen die Verwaltungstätigkeit eines kleinen Staatsorganismus bis ins Detail wider, zum anderen zeigt sie die Auswirkung des großen Krieges auf das Land und seine Bewohner.

Aussagekräftig ist ebenfalls die Lücke von 1632 bis 1635. Denn ab 1632 fielen die Schweden mit ihren württembergischen Verbündeten in der Grafschaft Sigmaringen ein, besetzten zeitweise das Residenzstädtchen und brannten einen Teil des Schlosses nieder. Waren die hohenzollerischen Untertanen zuvor schon mit Kontributionen und Einquartierungen durch die kaiserliche Armee und ihre Verbündeten in Bedrängnis geraten, so kam ab den 1630er Jahren unsägliches Leid in Form von Hunger, Pest und Misshandlungen durch Soldaten über die Bevölkerung. Daran änderte auch das wechselnde KriegsglücKk nichts. Da alles über die Korrespondenz zwischen Fürst und Amtleuten geregelt werden musste, ist eine Konsultierung der genannten Quellen für Forschungen zu den unterschiedlichsten Aspekten im Herrschaftsgebiet der Sigmaringer Hohenzollern während des 17. Jahrhunderts unabdingbar. Die Themen reichen von juristischen Angelegenheiten wie die Anordnung von Folter und Hexenverfolgung über Kirchensachen und Auseinandersetzungen mit den Untertanen bis zum Zustand der Landwirtschaft, um nur einiges zu nennen.

Geradezu erstaunlich war die Bautätigkeit bis 1631. Offensichtlich rechnete man nicht mit dem Übergreifen des Kriegsgeschehens auf den Raum Sigmaringen. Kirchenbauten wurden ebenso vorangetrieben wie das herrschaftliche Ökonomiebauwesen. Den Berichten der Amtleute sind teilweise Skizzen beigelegt. So hielt Fürst Johann die Vorschläge für Glockentürme der Kapellen von Langenenslingen und Thalheim für überdimensioniert und lehnte deren Bau nun vollkommen ab: wir kündten aber in beeden Capellen noch wol lenger ohne thürn celebrieren lassen. Ebenso lehnte er als sparsamer Landesherr 1630 den Kostenvoranschlag des Zimmermeisters Johannes Heggelen von Andelfingen über 120 Gulden zur Renovierung der Mühlräder der herrschaftlichen Mühle zu Langenenslingen ab: als dan wir solche uff unsern Costen selbst bawen. Schließlich geben die Unterlagen auch einen guten Überblick über die Baumaßnahmen des Dillinger Baumeisters Hans Alberthal am Sigmaringer Schloss, dessen Ostflügel 1633 abbrannte.

Birgit Meyenberg

Quelle: Archivnachrichten 57 (2018), S. 7

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