Die Welfen

Welf IV. († 1101), Abbildung im Codex maior traditionum Weingartensium, zweite Hälfte 13. Jahrhundert (HStAS B 515 Bd. 2a Sp 13-14)
Welf IV. († 1101), Abbildung im Codex maior traditionum Weingartensium, zweite Hälfte 13. Jahrhundert (Landesarchiv BW HStAS B 515 Bd. 2a Sp 13-14)

Neben dem weitgehend landfremden schwäbischen Herzogshaus ragten in Südwestdeutschland während des 10.-12. Jahrhundert vor allem drei große Familien, die Salier, die Welfen und die Zähringer, hervor. Ähnlich wie die Vorfahren der Salier gehörten die frühen Welfen zur fränkischen Reichsaristokratie, sie waren überdies mit dem Karolingerhaus verschwägert. Ihr Kernbesitz lag damals schon im Grenzraum zwischen Bayern und Schwaben, in Oberschwaben und Churrätien und Tirol. Die Welfen hatten die Grafschaft in Linzgau und Argengau inne. Hauskloster war das vor 950 gegründete Frauenkloster Altdorf. Vermutlich als die welfische Stammburg auf dem Martinsberg durch die Gründung der Ravensburg frei wurde, verlegte Welf IV. das Kloster dorthin und wandelte es unter dem neuen Namen Weingarten in ein Benediktinermönchskloster im Austausch gegen Altomünster um. Weingarten wurde die Grablege der späten Welfen.

Chronik des Bauernkriegs von Jacob Murer, Abt des Klosters Weißenau, Kopie des Originals von 1525 (HStAS B 523 Bd. 58 Bl. 4)
Chronik des Bauernkriegs von Jacob Murer, Abt des Klosters Weißenau, Kopie des Originals von 1525 (Landesarchiv BW HStAS B 523 Bd. 58 Bl. 4)

Bereits mit Welf III., der nach 1047 Herzog von Kärnten wurde, war das Geschlecht im Mannesstamm ausgestorben, Welf IV. ist Sohn des Markgrafen Azzo von Este und der Welfin Kuniza. Seit der vorübergehenden Belehnung mit Kärnten betrachteten sich die Welfen als Herzogsgeschlecht, zumal sie schon einmal um 900 den Herzogstitel geführt hatten. Sie nannten sich Herzoge von Altdorf, dann von Ravensburg. Welf IV. verfügte über ansehnliche norditalienische Stammgüter und erwarb 1070 nach der Absetzung Ottos von Northeim aus der Hand Heinrichs IV. das bairische Herzogtum hinzu. Gerade der oberschwäbische Welfenbesitz, gestützt durch die Vogteien über zahlreiche bedeutende Klöster (u. a. Weingarten, Ochsenhausen, Kempten, Füssen) sowie den Schirm über das Hochstift Augsburg, der an eine andere Adelsfamilie verlehnt war, konnte zu territorialen Vorformen ausgebaut werden. Intensiver Landesausbau im Voralpen- und Alpengebiet, Burgen- und Städtegründungen, die ersten Ansätze zu einer Verwaltung durch eine weitgestreute Dienstmannschaft haben dazu beigetragen. Das Erbe der Grafen von Buchhorn 1089 und der Erwerb eines Teiles der Hinterlassenschaft der Grafen von Achalm mit Kloster Zwiefalten 1098 rundeten die welfische Herrschaftssphäre in Oberschwaben ab.

(Quelle: Bearbeitete Fassung aus dem Abschnitt Landesgeschichte, in: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden, hg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Band I, Stuttgart, 2. Aufl. 1977)

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