Kurpfalz - Zentrum des Reformiertentums

Die Stiftskirche St. Juliana in Mosbach wurde wie viele andere in der Kurpfalz zur Simultankirche – Quelle LABW/GLAK
Viele Kirchen in der Kurpfalz wurden während der Reformation zu Simultankirchen, Mauern teilten den katholischen und den reformierten Teil voneinander. In der Stiftskirche St. Juliana in Mosbach ist die Mauer bis heute erhalten, 2007 erhielt sie einen Türdurchlass – Quelle LABW/GLAK

In der Kurpfalz gab es bereits unter Kurfürst Ludwig V. (1478–1544) eine erste reformatorische Bewegung, aber erst sein Sohn, Friedrich II., führte 1546 die Reformation nach lutherischem Vorbild ein. Der Reformationsprozess war kaum begonnen, als die Kurpfalz in den Schmalkaldischen Krieg hineingezogen wurde. Nach der Niederlage der Protestanten mussten die reformatorischen Neuerungen auch hier wieder zurückgenommen werden. Ottheinrich, der bereits 1542 in seinem Fürstentum Pfalz-Neuburg die Reformation eingeführt hatte, übernahm 1556 nach dem Tod seines Onkels Friedrich II. auch die Herrschaft im pfälzischen Kurfürstentum und installierte dort eine lutherische Landeskirche. Sein Nachfolger, der aus der Linie Pfalz-Simmern stammende Friedrich III. (der Fromme), war ebenfalls Lutheraner. Sein Ziel war die konfessionelle Einheit im Land, zu deren Herstellung er eine Kirchenordnung und einen Katechismus in Auftrag gab. Friedrich der Fromme verfolgte die Absicht, eine Einigung in dem nach dem Tod Luthers theologisch an Zusammenhalt verlierenden Luthertum zu fördern. Dies scheiterte jedoch, da in den Augen der Zeitgenossen jede Abweichung vom orthodoxen Luthertum bereits als reformiert galt. Friedrich III. gab daraufhin seine vermittelnde Haltung auf und wurde selbst zum Anhänger der reformierten Glaubensausrichtung.

Im November 1563 erschien die von Caspar Olevian verfasste Kirchenordnung der Kurpfalz. Anders als im Genf des Johannes Calvin besaß die Gemeinde aber keine Autonomie. Stattdessen handelte es sich bei der pfälzischen Kirche wie im Luthertum um eine Staatskirche. In die Kirchenordnung integriert wurde auch die vierte Fassung des maßgeblich von Zacharias Ursinus verfassten Katechismus. Über die Kurpfalz hinaus fand er rasch am Niederrhein und den Niederlanden, aber auch in Osteuropa weite Verbreitung. Mit Übersetzungen in vierzig Sprachen gilt er unter Protestanten weltweit als der heute am weitesten verbreitete Katechismus.

Mit dem kurpfälzischen Hof in Heidelberg und der dortigen Universität fand die reformierte Konfessionsbildung im Reich ein geistig-politisches Zentrum. Das kurpfälzische Reformiertentum überdauerte 1577-1583 sogar eine Phase der Relutheranisierung.

Sabine Holtz