Balthasar Neumanns Tätigkeit für den Fürstpropst von Ellwangen

Entwurf für ein neues Rathaus in Ellwangen, kolorierte Federzeichnung von Balthasar Neumann, 1748 – Quelle LABW (StAL B 416 Bü 5 Plan 2)
Entwurf für ein neues Rathaus in Ellwangen, kolorierte Federzeichnung von Balthasar Neumann, 1748 – Quelle LABW

Balthasar Neumann, der Schöpfer der zum Weltkulturerbe gehörenden Würzburger Residenz und zahlreicher anderer weltlicher und kirchlicher Bauwerke, gehört ohne Zweifel zu den berühmtesten Architekten des 18. Jahrhunderts. Auch in Ellwangen wird Balthasar Neumann gerne als Architekt mit drei, Mitte des 18. Jahrhunderts errichteten Bauwerken in Verbindung gebracht. Da sich verschiedene Pläne von seiner Hand aus dem Archiv der dortigen Fürstpropstei im Staatsarchiv Ludwigsburg erhalten haben, könnte man meinen, dass er auch im Ellwanger Stadtbild seine Spuren hinterlassen hat. Bei einem genaueren Studium der fraglichen Akten stellt man freilich rasch fest, dass es sich bei besagten Plänen um nicht realisierte Entwürfe handelt – also um echte Architektenträume, die Neumann in diesem Fall als Berater und Sachverständiger in die Planungen für den Bau eines neuen Rathauses, die Erweiterung des Hospitals sowie den Neubau eines Kollegiengebäudes auf dem Schönenberg eingebracht hat.

Zustande kam Neumanns Kontakt mit Ellwangen über den Trierer Kurfürst Franz Georg von Schönborn, der seit 1732 in Personalunion auch Fürstpropst von Ellwangen war. Zwei jüngere Brüder Franz Georgs bekleideten den Bischofsstuhl in Würzburg, wo Neumann im Hauptberuf beschäftigt war. Franz Georg selbst residierte in Koblenz und hatte von dort aus den Würzburger Baudirektor ins Gespräch gebracht, als 1747 der Neubau des Rathauses in Ellwangen in Angriff genommen wurde. Neumann, damals selbst schon ein sechzigjähriger Mann, hat sich mit großem Elan an die Arbeit gemacht, in rascher Folge Stellungnahmen und Gegenvorschläge zu den Entwürfen des örtlichen Landbaumeisters Arnold Friedrich Prahl verfasst und auf seinen zahllosen Reisen nach Bruchsal und Neresheim, wo er damals ebenfalls große Bauvorhaben leitete, auch mehrmals in Ellwangen Station gemacht, um mit den Verantwortlichen vor Ort über die Projekte zu beraten. Seinen zahlreichen ausführlichen Schreiben nach Ellwangen und Koblenz merkt man eine ungebrochene Lust am Bauen an. Leicht lässt sich nachvollziehen, welchen Schwung und welche Begeisterung seine Persönlichkeit verbreitet haben muss und wie sich der Architekt auch von solchen eher unbedeutenden Aufträgen mitreißen ließ. Wer allerdings glaubt, man sei in Ellwangen über das Engagement des berühmten Baumeisters begeistert gewesen, sieht sich getäuscht.

Vor Ort dominierten eher Eifersüchteleien und Neid. Prahl hat die Aufforderung seitens der fürstlichen Regierung, Neumann regelmäßig über die Bauarbeiten zu berichten, geflissentlich überhört. Und beim Stiftskapitel stießen Neumanns Entwürfe für einen Neubau des Rathauses, das er gerne großzügiger und an einem repräsentativeren Stand- ort in der Stadt errichtet gesehen hätte, auf wenig Gegenliebe und wurden schließlich verworfen. Neumann ließ sich durch derartige Rückschläge nicht beirren und hat, wenn man ihn während des Baus zu Rate zog, regelmäßig auch zu eher nebensächlichen Fragen Stellung bezogen. Nur vereinzelt hört man aus seinen Briefen eine gewisse Unzufriedenheit über die schleppende Bezahlung heraus oder darüber, dass sich seine Entwürfe vor Ort nicht durchsetzen ließen. Immerhin: In den Ellwanger Akten haben sich seine Pläne erhalten und dokumentieren so, was hätte werden können, wenn man seinen Ideen gefolgt wäre. Und seine ebenfalls ins Staatsarchiv gelangten Briefe belegen eindrucksvoll die rastlose Arbeitsweise und den Ideenreichtum eines der größten Architekten seiner Zeit – auch bei Bauprojekten, bei denen er nicht zum Zuge kam.

Peter Müller

Quelle: Archivnachrichten 45 (2012), S.10-11.

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