Amlishagen - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1261

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Eine keltisch-germanische Vorbesiedlung kann bislang nur angenommen werden, worauf einzelne Abschnittswälle auf den gegenüberliegenden Talrändern der Brettach hindeuten. Archäologisch aufgespürte Siedlungsreste weisen allerdings auf eine bis in das frühe 13. Jahrhundert zurückreichende Erstbesiedlung des später befestigten Burgplatzes hin. Amlishagen, dessen heutiger Ortsname – sprachlich von »Amelungeshagen« über »Amlingshagen« und »Amblißhagen« abgeschliffen – in seiner Entstehung nicht eindeutig zu erklären ist, deutet auf einen Personennamen (Amelung) mit der Endung »-hagen« (entspricht durch Hecken/Gebüsch eingefriedeter Bereich) hin. Der im frühen 16. Jahrhundert erstmals genannte Marktflecken Amlishagen dürfte wohl aus einer sich spätestens im ausgehenden Mittelalter um die Burg lagernden Kleinsiedlung entstanden sein. Zwischen der Burganlage als weltlichem Herrschaftszentrum und der ihr östlich gegenüberliegenden Dorfkirche als geistlichem Zentrum kann seitdem von einer gewissen Siedlungskontinuität ausgegangen werden. Mit lückenhaften Bebauungen entlang der drei Ausfallstraßen entwickelte sich hieraus bis zum 16./17. Jahrhundert allmählich eine bescheidene, durch Wall, Graben und drei Tore geschützte bäuerliche Siedlung. Für den Zeitraum 1670–1700 werden zwölf neu erbaute Häuser erwähnt. Neben dem Dorf weist die 421 Hektar umfassende Gemarkung weitere kleine Ansiedlungen auf, so die 1650 erstmals genannte Ziegelhütte (Ziegelei) im Westen, die 1675 bezeugte Hammerschmiede im Brettachtal sowie die ab 1463 mehrfach erwähnte Mahlmühle im Tal unterhalb von Amlishagen. Wachstumsspitzen des Orts Amlishagen zeigen sich entlang den Ausfallstraßen nach Wittenweiler im Norden und Gerabronn im Westen.
Historische Namensformen:
  • Amelungeshagen 1261
  • Amblißhagen
  • Amlingshagen
Geschichte: Die auf der nördlichen, nach Süden abfallenden Hochfläche am Rande der mittleren Brettach auf einem Bergsporn gelegene Burg Amlishagen mit ihrer imposanten Schildmauer wird im Zuge einer Belehnung erstmals 1366 erwähnt. Ursprünglich hatten hier wohl die namengebenden und 1261/62 erstmalig bezeugten Herren von »Amelungeshagen« als hohenlohische Ministerialen einen frühen befestigten Burgplatz zur Sicherung eines aufzubauenden hohenlohischen Territoriums errichten lassen. In der Folge nannten sich Angehörige des weit verzweigten Geschlechts der Leschen bis ins ausgehende 13. Jahrhundert unter anderem auch nach diesem Burgsitz an der Brettach. 1366 wurden Anna, Witwe des Hermann von Wollmershausen (gestorben vor 1359), und ihr Sohn Burkhardt von Wollmershausen sowie alle ihre Erben mit der Hälfte an der Veste Amlishagen von Ulrich III. von Hohenlohe-Brauneck belehnt, ein Lehen, das zuvor ihr Vater Rüdiger Lesch von Amelungeshagen bereits innegehabt hatte. Als 1386 Anna von Wollmershausen ihren Erbanteil an ihren Sohn Burkhardt übergab, fasste das Adelsgeschlecht in Amlishagen endgültig Fuß. Nachdem die letzten Ganerben auf der Burg – vornehmlich Mitglieder der Familien von Seldeneck, von Mergentheim und von Berlichingen – durch Verkauf ihrer Anteile nach und nach aus Amlishagen verdrängt werden konnten, gelangten Burg und Dorfherrschaft Mitte des 15. Jahrhunderts nahezu vollständig in die Hände der Herren von Wollmershausen. Der infolge von Kriegseinwirkungen eingetretene Verlust der namengebenden Stammburg Wollmershausen bei Crailsheim hatte zur Folge, dass Amlishagen (und Burleswagen) fortan zu Hauptwohnsitzen wurden und die Hauptlinien des Geschlechts bildeten. Ein weit gespanntes und umfangreiches Gefüge verschiedener Lehens- und Dienstbeziehungen – vor allem zu den Burggrafen von Nürnberg / Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und den von Hohenlohe – verhalf diesem Adelsgeschlecht zum Aufbau niederadliger Kleinherrschaften, so auch in Amlishagen, das als Enklave seit dem frühen 15. Jahrhundert von burggräflichem beziehungsweise markgräflichem Territorium vollständig umschlossen war. 1463/72 wurde Burkhardt der Jüngere von Wollmershausen zu Rechenberg von den Hohenlohe mit dem ganzen Schloss Amlishagen, zwei Höfen in Rechenhausen und Blaubach, zwei Fischwassern an Brettach und Blaubach sowie mit zwei Mühlen an der Brettach belehnt. Nach Aufkäufen mehrerer Besitzanteile am Schloss Amlishagen samt Zubehör von seinen Brüdern Marx und Ernst von Wollmershausen erhielt schließlich Philipp von Wollmershausen (gestorben 1506) 1494 von Kraft VI. von Hohenlohe die gesamte Belehnung mit dem Schloss. Philipps jüngerer Sohn Georg (circa 1479–1529), der wohl bedeutendste Vertreter des Geschlechts, erlangte als markgräflich-brandenburgischer Hofmeister und Rat 1521 ein kaiserliches Markt- und Halsgerichtsprivileg Karls V. für Amlishagen, das wenig später in ein Afterlehen der Markgrafen von Ansbach umgewandelt wurde. Durch diese Stärkung der unmittelbaren Beziehungen zum Reichsoberhaupt erhielt die kleine ritterschaftliche Herrschaft der von Wollmershausen in Amlishagen eine deutliche Festigung; sie zählte seit 1550 als steuerpflichtiges Rittergut zum Kanton Odenwald der fränkischen Reichsritterschaft. Bezogen auf Schloss, Dorf und die ganze Dorfmarkung hatten die Wollmershausen sowohl die hohe als auch die niedere sowie die vogteiliche Obrigkeit in Amlishagen inne. Darüber hinaus besaßen sie seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein Viertel des großen und kleinen Zehnten zu Amlishagen als hohenlohische Lehen, die übrigen drei Viertel standen dagegen den ansbachischen Markgrafen zu. Nicht zuletzt verfügten die von Wollmershausen über zahlreiche Hörige in den umliegenden Ortschaften. 1568 wird erstmals ein Vogt auf der Herrschaft Amlishagen namentlich genannt. Nach dem Aussterben der Amlishagener Linie 1563 übernahmen Seitenverwandte auf Burleswagen die Amlishagener Besitzanteile, so dass die Herrschaftssitze Amlishagen und Burleswagen 1581 erstmals vereint waren. Das heutige im Stil der Spätrenaissance aufgefasste Schlossgebäude wurde in den Jahren 1601–12 erbaut. Vor 1629 wurde eine Gerichts- und Dorfordnung erlassen. Mit dem Tod Christoph Albrechts von Wollmershausen (1649–1708), der zum einen die Weiterentwicklung des Marktfleckens Amlishagen durch gezielte Wirtschaftsförderung deutlich vorantrieb und zum anderen durch zahlreiche käufliche Zuerwerbungen sowie als Pfandnehmer und Geldverleiher besonders in Erscheinung trat, erlosch das Adelsgeschlecht. Er ließ drei Erbtöchter zurück, worauf das neu gebildete Amt Amlishagen sowie der übrige wollmershausensche Besitz auf die drei angeheirateten Familien vom Holtz, von Clengel und von Pappenheim sowie auf andere Anverwandte aufgeteilt wurden. Nach dem Aussterben zweier Teilhaberfamilien ging Amlishagen 1749 beziehungsweise 1771 schließlich in den alleinigen Besitz der Herren vom Holtz auf Alfdorf über. Auf Grund einer enormen Schuldenlast wurden die Gläubiger unter gerichtlicher Aufsicht ab 1802 an den Einkünften des Amts Amlishagen beteiligt, über das die vom Holtz seit 1812 endgültig nicht mehr verfügten. Am 14. Juni 1817 erfolgte daraufhin eine erste öffentliche Verkaufsausschreibung des Ritterguts Amlishagen, welches dann der preußische Generaldivisionsarzt Dr. Carl von Horlacher (1769–1852) 1821/30 erwarb. Seit seinem kinderlosen Tod 1852 befindet es sich im Besitz seiner Anverwandten, der Familie Bürger. Im Zuge der Mediatisierung war das reichsritterschaftliche Dorf Amlishagen samt Gemarkung 1792 an Preußen gefallen. 1806 geriet Amlishagen vorübergehend an die Krone Bayerns, um schließlich 1810 durch Eingliederung in das Oberamt Blaufelden beziehungsweise Gerabronn endgültig unter württembergische Landeshoheit zu gelangen. Die Burg, ein trapezförmiger mittelalterlicher Bau auf einem Bergsporn über der Brettach, ist etwas tiefer als das Dorf gelegen. Vor- und Hauptburg durch steinerne Brücke über den trennenden Quergraben verbunden. Eine wuchtige Schildmauer aus dem 13. Jahrhundert mit einem über Einstiegloch und Wendeltreppe erreichbaren tonnengewölbten Wehrgang schützt die Hauptburg. An den östlichen Teil der Schildmauer stieß der 1978 ausgebrannte, 1573 erbaute Archivbau. Das alte Schloß an der Westseite der Wehrmauer mit Rundturm und zugeschütteten Kasematten ist wegen Baufälligkeit nicht mehr zugänglich, ein Teil wurde schon 1854 abgebrochen. Das noch bewohnte neue Schloß trägt Volutengiebel; Treppenturm an der Südost-Seite. — Nachdem Amlishagen 1810 an Württemberg gefallen war, gehörte es zunächst im Rahmen des Stabsamts Lenkerstetten und seit circa 1820 als Gemeinde zum Oberamt Gerabronn, seit 1938 zum Landkreis Crailsheim. — 1523 erhielt Amlishagen Marktrecht, das bis 1708 ausgeübt wurde. 1449 wurde Amlishagen im Städtekrieg, 1822 durch Großbrand zerstört.
Wirtschaft: Die überwiegend von der Landwirtschaft und vom Kleingewerbe/Handwerk lebende Dorfbevölkerung setzte sich um 1610 aus etwa 75 dörflichen Haushaltungen zusammen. Unter diesen treten neben circa 40 Untertanen insbesondere der das Schlossgut verwaltende Hofbauer sowie der an der Schlossbrückeneinfahrt gelegene Brückenbauer, ein Amtmann mit Familie, ein Schreiber, ein Pfarrer, ein Schulmeister als Mesner, ein Schlosstorwart, ein Dorftorwart, ein Wirt, eine Erbschenke (später Wirtshaus Krone), sieben Köbler/Kleinbauern und schließlich 18 Häusler mit etwas Gartenland hervor. Jene Häusler waren zumeist Handwerker, darunter Wagner, Schmiede, Weber, Schreiner, Bäcker, Schuster, Metzger und Maurer. Einen wirtschaftlich deutlichen Aufschwung erlebte Amlishagen seit Mitte des 17. Jahrhunderts durch entsprechende Fördermaßnahmen des letzten Herrn von Wollmershausen: Neben einer Dorfbadestube wurden drei weitere Wirtschaften (Zum Hirsch, Zum Lamm mit Braustätte, Zum Löwen mit Seifensiederei und Lichterzieherei) zusätzlich im Dorf etabliert. Außerhalb ließ man eine Ziegelei samt Kalkbrennerei und eine im Tal gelegene, von der Brettach angetriebene Hammerschmiede mit Ölschlägerei, Kohl- und Schmelzhütte errichten. Die seinerzeit instand gesetzte und modernisierte alte Mahlmühle an der Brettach wurde 1687 um eine Rotgerberei mit Lohmühle sowie um eine Färberei mit Walkmühle ergänzt, so dass die ortsansässigen Weber ihre Tücher gleich vor Ort färben konnten. 1804 erfolgte noch der Bau einer Sägemühle. 1760 werden allein 51 Untertanen mit Familien aufgeführt, und um 1800 wies Amlishagen bei circa 600 Bewohnern den höchsten Einwohnerstand auf.

Name: Burg Amlishagen – Schloss (1601-1612)
Datum der Ersterwähnung: 1366

Ersterwähnung: 1403
Kirchengeschichte: Bis ins frühe 15. Jahrhundert war Amlishagen zunächst eine Filiale der Mutterpfarrei Michelbach/Heide ohne eigene Seelsorge vor Ort. Den geistlichen Mittelpunkt bildete danach eine Kapelle/Kirche mit dem Patrozinium Sankt Katharina (25. 11.), für welche 1403 erstmals Meister und Pfleger namentlich genannt werden. Diese stifteten zusammen mit Burkhardt von Wollmershausen der Ältere als Vormünder der Sankt Katharinakapelle einen Hof in Blaubach. Als Ganerben der Burg Amlishagen ließen Anna von Wollmershausen der Jüngere geborene von Treuchtlingen und Lupold von Seldeneck der Amlishagener Kirche 1408 und 1415 weitere Stiftungen zukommen. Die Umwandlung von einer Kapelle zu einer Pfarrkirche in Amlishagen vollzog sich weiter mit der erstmaligen Erwähnung der an das würzburgische Landkapitel Künzelsau beziehungsweise Ingelfingen zugeteilten Pfarrei 1453 und fand schließlich ihren vorläufigen Abschluss mit der 1510 erstmalig belegten Einsetzung eines Pfarrers durch den Würzburger Bischof. Evangelische Pfarrer sind ab 1565 fast lückenlos für Amlishagen belegt, nachdem sich auch diese ritterschaftliche Herrschaft 1547 dem protestantischen Bekenntnis zugewandt hatte. 1612/13 werden Gotteshaus und Pfarrhaus ausdrücklich erwähnt, letzterem waren ein Vorhof mit Scheuern, Schweineställen, Obst- und Krautgarten sowie bestimmte Äcker und Wiesen zur Nutzung durch den jeweiligen Pfarrer zugeordnet. Neben seiner Besoldung mit Geld und Früchten verfügte der Amlishagener Pfarrer noch über Teile des großen und kleinen Zehnten zu Gütbach bei Riedbach und in Raboldshausen. 1784 stellte die Schlossherrschaft der Pfarrei das 1767 erbaute und zuvor als Amtshaus genutzte repräsentative Gebäude an der Dorfstraße als neues Pfarrhaus zur Verfügung. An die Stelle des ursprünglichen, am 1. August 1760 infolge eines Blitzschlags völlig niedergebrannten Kirchenbaus ließen die Schloss- und Patronatsherren Eberhardt Maximilian (1692–1762) und Gottfried vom Holtz (1716–77) in den folgenden Jahren 1761–63 eine neue geräumige Pfarrkirche im barocken Stil erbauen, die im Innern eine aufwändig gestaltete Kanzelaltarwand aufweist. Vor diesem Hintergrund wird in Amlishagen seit 1773 an jedem 1. August der so genannte Hagelfeiertag mit einem Gedenkgottesdienst begangen. 1796 wurde die Amlishagener Pfarrei dem Dekanat Crailsheim und 1810 dem Dekanat Blaufelden zugeteilt. Ein Schulmeister lässt sich erstmals 1626 nachweisen. Danach erscheinen im 17. und 18. Jahrhundert nahezu regelmäßig örtliche Schulmeister, die zugleich auch die Mesnertätigkeiten zu verrichten hatten. 1773 wird über die Einführung der Sommerschule berichtet, darüber hinaus werden ab 1797 Rechenstunden an zwei Winterabenden erteilt. Die Erbauung eines Schulhauses wird erstmals für die Jahre 1674–80 erwähnt, aber 1755 wurde es durch ein neues einstöckiges und mit einem Schulzimmer versehenes Schulgebäude in der Nähe der Kirche ersetzt. Evangelische Pfarrkirche mit rechteckiges Schiff, in den Volutengiebel eingebauter Westturm, nach oben in ein Achteck übergehend und mit welscher Haube gekrönt. Kanzelwand der ehemalige Herrschaftsempore gegenüber. Katholiken zu Gerabronn.
Patrozinium: St. Katharina
Ersterwähnung: 1403

GND-ID:
  • 4488919-7
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