Kirchberg an der Jagst - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1271

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Der mittelalterliche Stadtkern liegt auf einem Hochflächensporn links der Jagst, der im Norden und Westen zum Fluß, im Оsten zu einem alten Jagstiauf abfällt. Im Westen verengt eine Verwerfungsspalte den Zugang. Anschließend an den die vordersten Teile der Bergzunge einnehmenden Schloßbezirk erstreckt sich die Altstadt, abgesetzt durch einen tiefen Graben. Ihre nüchternen, aber doch repräsentativen Bauten samt dem durch einen klassizistischen Brunnen geschmückten Marktplatz und die verschiedenen herrschaftlichen Parkanlagen betonen den Residenzcharakter. Aber auch mittelalterliche Bestandteile beeinflussen das Stadtbild wesentlich. Von der Ende des 14. Jahrhunderts angelegten Stadtbefestigung ist ein großer Teil erhalten. Im 18. Jahrhundert wurden vielfach Häuser auf die Stadtmauer gesetzt. Die Kirche ist in die Stadtbefestigung einbezogen. Ein Graben mit zweibogiger Brücke trennt die Altstadt von der in Südrichtung sich auf der Hochfläche erstreckenden Vorstadt. Den Zugang zur Innenstadt vermittelt das 1774 umgebaute Stadttor. Die beiden oberen Straßenzüge münden im Westen in den neuen Marktplatz, an dessen westlicher Fortsetzung sich im 19. Jahrhundert ein weiterer Ortsteil bildete. An den südlichen Ausfallstraßen siedelten sich in jüngerer Zeit Industriebetriebe an, desgleichen im Westen und Norden. Neue Wohngebiete entstanden in den Gewannen »Charlottenhöhe« und »Knöllerwiesen« (seit 1960). Ein weiteres Wohn- sowie Industriegelände wurde 1969 im Gebiet »Schindelbach-Windshöhe« erschlossen. Der Ortsteil auf der Talsohle beiderseits des Flusses ist in Erweiterung begriffen und noch überwiegend bäuerlich.
Historische Namensformen:
  • Kirperch 1271
  • Kirchberg 1303
Geschichte: 1271 Kirperch, 1303 Kirchberg, Kirche auf dem Berg oder einer Kirche gehörender Berg, zusammengewachsen aus zwei Burgsiedlungen, deren eine im Anschluß an die im 12./13. Jahrhundert erbaute Höhenburg Kirchberg entstand, die andere im Tal jenseits der Jagst unter der Burg Sulz, 1157 Sulce, nach einer Mineralquelle ebenfalls Sulz genannt, nach Ablösung von ihrer Burg als Kirchberg im Tal bezeichnet. Erbauer der Burg Kirchberg waren am ehesten die angeblich 1237 — 1310 erwähnten von Kirchberg, Verwandte der Sulz und wohl auch ihrer Nachfolger, der Edelknechte von Kirchberg, die ab 1345 genannt werden. Außer den erwähnten beiden Burgen lagen in der jetzigen Gemarkung zwei weitere, Altenberg und Hohenaltenberg, die bereits im Spätmittelalter zerfallen waren; Burg Sulz wurde 1525 zerstört. — Als Erbe der Grafen von Flügelau fiel Burg Kirchberg 1313 als würzburgisches Lehen an die Hohenlohe. Anfangs war sie der Herrschaft Crailsheim zugeteilt. 1361 — 1397 war sie wie Burg Sulz böhmisches Lehen. Im Anschluß an Burg Kirchberg legte Hohenlohe als Mittelpunkt seiner Herrschaft eine Siedlung an, 1365 »Neue Stadt« genannt und 1373 durch Kaiser Karl IV. mit Stadtrechten ausgestattet. Die Stadtherren förderten den Zuzug von Bürgern durch Steuererleichterungen. 1384 wurde Kirchberg an die Städte Hall, Rothenburg und Dinkelsbühl verpfändet, diesen 1398 unter Vorbehalt des Rückkaufsrechtes verkauft. Den Erwerbern lag nichts an einer weiteren Stadtentwicklung, sie bauten die Höhensiedlung aber als Festung und Handelsplatz aus. Verwaltet wurde Kirchberg jetzt durch Vögte und Schultheißen, die durch reichsstädtische Vertreter alljährlich gewählt wurden. Die Stadt selbst stellte zwei Bürgermeister und besaß ein Gemeinde-Gericht mit zwölf Schöffen. Das Zentgericht wurde von Lobenhausen nach Kirchberg verlegt, als Hochgericht tagte es unter Vorsitz eines durch Rothenburg gestellten Blutrichters mit zwölf Beisitzern aus den Herrschaften Kirchberg und Ilshofen. Kirchberg erhielt Rothenburger Stadtrecht. — 1562 kauften die Hohenlohe Kirchberg zurück. Den Vorsitz im Zentgericht übernahm ein herrschaftlicher Beamter. Nachdem Hohenlohe seinen Besitz im Umkreis von Kirchberg erweitert hatte, wurde die Stadt hohenlohischer Amtssitz. Anstelle der ursprünglichen Burg und der reichsstädtischen Feste errichtete Hohenlohe 1590/97 ein Schloß. Die Vierflügelanlage mit Eckbastionen reicht von Talseite zu Talseite und ist nach Südwesten durch einen Halsgraben geschützt. Im hinteren Querbau befindet sich der Rittersaal mit kassettierter Holzdecke des 17. Jahrhunderts (Kopie, Originale seit 1952 im Schloß Neuenstein) und Wanddekorationen aus dem 18. Jahrhundert. 1591 wurde Kirchberg Witwensitz. 1650-1675 und ab 1701 Residenz der Linie Hohenlohe-Kirchberg. 1738/56 wurde das Schloß durch Umbauten, an denen Leopold Retti beteiligt war, in barockem Sinn stark verändert und ausgebaut. Diesseits des Quergrabens umschließen Marstallbau und Witwenbau den gegen die Stadt hin geöffneten Ehrenhof. Anschließend entstanden Beamten- und Amtsgebäude. — Die Hohenlohe-Kirchberg wurden 1764 in den Reichsfürstenstand aufgenommen, 1861 erlosch die Linie. — Von der Ende 14. Jahrhundert erbauten Stadtbefestigung ist vor allem der die Kirchenglocken tragende Turm erhalten. — 1806 fiel Kirchberg an Bayern, 1810 an Württemberg, bis 1938 Oberamt Gerabronn, dann Landkreis Crailsheim.
Ersterwähnung als Stadt: 1365

Name: Burg/Schloss Kirchberg, Burg Sulz (abgegangen), Burg Altenberg (abgegangen), Burg Hochaltenberg (abgegangen)
Datum der Ersterwähnung: 1100 [12./13. Jahrhundert]

Ersterwähnung: 1285
Kirchengeschichte: In der Burg befand sich eine Marienkapelle; 1285 ist zwar ein Pfarrer erwähnt, doch blieb Kirchberg weiterhin von der Pfarrei Lendsiedel abhängig. 1395 bestand eine Kaplanei. Das Patronat erhielt Hohenlohe 1313 als würzburgisches Lehen. Die Marienkapelle wurde im 14. Jahrhundert Wallfahrtskirche. Nach der 1524/25 durchgeführten Reformation erhielt Kirchberg 1577/78 eine eigene Pfarrei, die 1611 in die Stadt verlegt wurde. — Die evangelische Pfarrkirche wurde anstelle der Vorgängerin von 1611 unter Einbeziehung der Stadtmauer und eines Wehrturms 1740 errichtet, mit Kanzelwand und reicher barocker Ausstattung. 1929 ausgebrannt, wurde sie in vereinfachter Form wieder aufgebaut. Ab 1714 versah der zweite Geistliche eine Lateinschule, die 1913 aufgehoben wurde. Katholische Filial-Kirche Heilig-Kreuz um 1900 mit Seelsorgestelle, zur Pfarrei Rot am See gehörend.
Patrozinium: St. Maria / heilig Kreuz
Ersterwähnung: 1285

GND-ID:
  • 4098418-7
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