Aalen - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1136 [um 1136]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
In dem weiten Taltrichter am Eingang des Kocher-Brenz-Talzugs in den Albkörper gelegen, zählt Aalen zu den typischen »Pfortenstädten« der Schwäbischen Alb. Während der trapezförmige Grundriß der Altstadt, eine Zweitoranlage, sich auf den Talboden beschränkte, setzte nach 1861 mit der Industrialisierung eine stürmische Entwicklung ein: Das Kochertal selbst wurde zur Industriegasse, die umgebenden Braunjurahänge zu bevorzugten Wohngegenden. An neuen Stadtvierteln entstanden nach dem zweiten Weltkrieg im Norden »Rötenberg« (1949/65), »Tännich« (1953/67), »Heide/Hirschbach« (ab 1962), im Osten »Taufbach/Blümert« (1950/78), »Grauleshof« (1965/74), im Süden »Pelzwasen« (1951/78), »Triumphstadt« (1956/76) und im Westen »Hüttfeld« (1950/70). Hinzu kamen die Industriegebiete »West« (seit 1957), »Nord« (seit 1959) sowie die Erweiterung des älteren Industriegebiets »Süd« (1950).
Historische Namensformen:
  • Alon 1136
  • Aelun 1300
Geschichte: Um 1136 Alon, 1300 Aelun (wie bei Aalbach vermutlich vom Fisch Aal), wohl Siedlung des älteren Ausbaus. Aalen, erstmals 1339 Stadt genannt, wurde wahrscheinlich zwischen 1241 und 1246 durch die Staufer auf wohl dem Kloster Ellwangen gehörendem Gelände als Stadt angelegt, kam dann an die Grafen von Öttingen; die Gründung wird mit dem Schutz der wichtigen Straße Nördlingen—Straßburg zusammenhängen. Mit der Herrschaft Lauterburg wurde Aalen von den Grafen von Öttingen 1358/59 an Württemberg verpfändet, von Kaiser Karl IV. 1360 nach Belagerung erobert, aus der Pfandschaft gelöst und zur Reichsstadt gemacht. Durch Anschluß an den Schwäbischen Städtebund 1377 (bis 1479 trat Aalen noch 32mal reichsstädtischen Bündnissen bei) konnte Aalen seine Reichsfreiheit gegen Anfechtungen durch die adeligen Nachbarn behaupten, kam aber in den Kämpfen des Bundes gegen die Fürsten auch in Gefahr: im Krieg gegen Bayern 1388 wurde das Dorf Aalen (in der Flur Krähenbühl südlich der Stadt), dessen Grundherr Kloster Ellwangen war, und die Befestigung auf dem Burgstall zerstört. Politisch trat Aalen nie besonders hervor; die Stadt nahm auf der Städtebank des Reichstags die 35., auf der des schwäbischen Kreistags die 26. Stelle ein. Auch ihr Territorium blieb stets unbedeutend und war kleiner als die heutige Gemarkung der Stadt. Geleit und Zollhoheit standen der Stadt nur innerhalb der »Schranken« zu. Nach anfänglicher Verwaltung durch öttingische und kaiserliche Amtleute erlangte die Reichsstadt 1374 die Selbstverwaltung, 1401 den Blutbann und konnte 1418 das Reichsammannamt für immer erwerben. Neben den aus wenigen ratsfähigen Familien sich selbst ergänzenden Rat trat 1514 erstmals eine Vertretung der Bürgerschaft, doch wurde 1552 die Verfassung durch den kaiserlichen Kommissar Haas zur Stärkung des katholischen Elements in aristokratischem Sinn etwas verändert. Wahrscheinlich 1591 wurde der Bürgerschaft eine 24-köpfige Vertretung zugestanden, die in der Zeit des 30 Jährigen Krieges abgeschafft und erst 1736 endgültig eingerichtet wurde. Wie der Rat ergänzte auch sie sich selbst. 1575 führte die Stadt unter dem von Württemberg erbetenen Beistand des Jakob Andrea die Reformation durch. Ellwangen als Patron der Pfarrei machte in der seit 1610 der Evangelischen Union angeschlossenen Stadt mehrfach Versuche der Gegenreformation, die aber erst 1628 — 1632 mit Hilfe kaiserlicher Kommissionen und unter Gewaltmaßnahmen Erfolg hatten. 1632 kehrte Aalen wieder zum evangelischen Glauben zurück und schloß sich 1633 dem Heilbronner Bund an. Nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 verursachten explodierende Pulverkarren der Schweden einen großen Brand, in dem auch Rathaus und Archiv zerstört wurden, so daß nach Ende des Kriegs eine Reihe neuer Statuten und Verordnungen zur Wiederherstellung der städtischen Verfassung ausgearbeitet werden mußten. Durch den Frieden von Luneville fiel Aalen 1802/03 an Württemberg und wurde alsbald Sitz eines neugeschaffenen Oberamts, seit 1938 Landkreis Aalen, dem 1938 die meisten Gemeinden der aufgelösten Oberämter Ellwangen und Neresheim angegliedert wurden. Im zweiten Weltkrieg wurden durch Bombenangriffe 2,5 % der bebauten Fläche zerstört sowie mehr als 160 Gebäude beschädigt.
Ersterwähnung als Stadt: 1339
Wirtschaft: Abgesehen vom Eisen- und Drahtwerk Erlau (seit 1828) und der 1846 gegründeten Klavierfabrik Hägele setzte die Industrialisierung erst nach dem Bau der Eisenbahn 1863 ein. Es entstanden 1868 die Ostertagwerke, eine bedeutende Geldschrank- und Stahlmöbelfabrik; 1882 Union-AG., die bekannte Schuhkrem- und Bodenpflegemittelfabrik; 1913 Gesenkschmiede und Hammerwerk Schneider; 1927 Trikotwarenfabrik Hengella. Nach dem zweiten Weltkrieg verstärkten weitere Betriebe, besonders auch aus Mittel- und Ostdeutschland, die hiesige Industrie, so 1946 die Greif-Werke für Industriebekleidung (aus Greifenberg/Schlesien); 1946 die G. Winkler Taschentuchwerke (aus Lauban/Schlesien) ; 1947 die Pelo-Pilz-Taschentuchweberei (aus Hohenelbe/Böhmen); 1949 die F. B. Lehmann Spezialmaschinenfabrik für Lebens- und Genußmittelindustrie (aus Dresden). Ferner entstanden 1952 ein Zweigwerk der Miederfabrik Spießhofer und Braun, Heubach, 1955 ein Zweigwerk der Baustahlgewebe Düsseldorf und 1956 ein Zweigwerk der Carl-Zeiss-Werke Oberkochen.

Name: Burgstall (zerstört)

Ersterwähnung: 1340
Kirchengeschichte: Dorf und auch Stadt Aalen waren in älterer Zeit Filial von Unterkochen; 1340 war die Pfarrkirche St. Nikolaus dem Kloster Ellwangen inkorporiert und wurde durch einen vicarius perpetuus versehen. Daneben werden an der Pfarrkirche ein Früh- (1340) und ein Mittelmesser (1447), ferner je ein Kaplan an der Johanneskapelle außerhalb der Stadt (1360) und an der Kapelle des Spitals zum heiligen Geist (1468) genannt. Die bis dahin nach Unterkochen eingepfarrten Katholiken erhielten 1872 eine Pfarrei, die 1913 von der Marien- an die neuerbaute Salvatorische übertragen wurde; 1963 wurde als 2. Pfarrei St. Maria geschaffen. Salvatorpfarrkirche von 1913 mit Nebenkirche Heiliges Kreuz von 1969. Pfarrkirche St. Maria von 1972 mit Nebenkirchen St. Augustinus von 1970 und St. Elisabeth von 1976 sowie Seelsorgestelle St. Michael (1963). — Evangelische Stadtkirche (2 Pfarreien), 1765/67 anstelle der durch Turmeinsturz zerstörten Kirche von 1650 nach Plänen von Johann Adam Groß und Johann Michael Keller erbaut. Protestantische Quersaalanlage, niederer rechteckiger Saal mit kleinen Ausbuchtungen der Längswände. Stuckmarmoraltar mit der Kanzel verbunden. Frühklassizistische Stukkatur von Johann Michael Winneberger von 1766, drei Deckenbilder von Anton Wintergerst. Markuskirche von 1967 (1 Pfarrei), Martinskirche von 1974 (1 Pfarrei). Johanneskirchlein auf dem Friedhof, 1561 erneuert, mit Fragmenten einer hochgotischen Kapelle Johannes des Täufers aus dem 14. Jahrhundert, spät-manieristische Epitaphien von 1576 an.
Patrozinium: St. Nikolaus / St. Johannes (Kapelle), zum heiligen Kreuz (Kapelle) / Salvator / St. Maria / Heiliges Kreuz / St. Augustinus / St. Elisabeth / St. Michael / St. Markus / St. Martin / St. Johannes (Friedhofskapelle)
Ersterwähnung: 1340

GND-ID:
  • 4000015-1
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