Musik an den hohenlohischen Residenzen

Titelblatt der Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Bestand des Hohenlohe-Zentralarchivs Neuenstein. Copyright: LABW

Titelblatt der Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Bestand des Hohenlohe-Zentralarchivs Neuenstein. Copyright: LABW

An den hohenlohischen Residenzen hat man früher durchweg musiziert. Unbedingt erforderlich war stets die Musik zum Gottesdienst und zu repräsentativen Auftritten der Herrschaft. Hatte der Regent zudem persönlich Interesse an der Musik, so konnte ein darüber hinausgehendes Musikleben entstehen. Dabei war man auf die vorhandenen Kräfte angewiesen; die Hofbediensteten hatten im Orchester mitzuwirken. Das ist nicht zu verachten: Man musste die Musik selber machen, wenn man sie haben wollte, und man wollte sie haben, so gut wie irgend möglich. In Bartenstein etwa standen die Oper und die katholische Kirchenmusik im Mittelpunkt des Interesses. 1786 konnte man dort für einige Jahre Johann Evangelist Brandl (1760–1837) als Kapellmeister anstellen, und oft kam Ignaz von Beecke (1733–1803), um Aufführungen zu leiten. Ein Höhepunkt war die Aufführung von Mozarts Zauberflöte 1796 im Gartensaal des Schlosses, die sehr gut gewesen sei, wie Fürst Carl (1766–1838) notierte, der selber den Sarastro gesungen hatte. Wir haben keinen Grund, dieses Urteil gering zu schätzen. In Kirchberg berief man 1775 den renommierten Geiger Martial Greiner (1724–1805) zum Kapellmeister, das Musikleben der Residenz wurde aber wesentlich von dem Pfarrer und Schriftsteller Carl Ludwig Junker (1748–97) geprägt. 1777–82 führte man Passionsmusiken von Pergolesi, Jommelli und Graun auf. Aus Langenburg wird demgegenüber nur wenig berichtet; durchweg war der Schulmeister für die Musik verantwortlich. Einzig Fürst Carl Ludwig (1762–1825) soll ein glänzender Klavierspieler gewesen sein. Mit dem Ende des Reichs 1806 ging auch die Zeit der Hofmusiken zu Ende; das Musizieren an den Residenzen wurde zu einer Privatangelegenheit.

Aus Langenburg, Bartenstein und Öhringen sind umfangreiche Notenbestände erhalten (heute im Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein). Zum Musikalien-Bestand des Archivs Langenburg, dem umfangreichsten, gehören Inventare des späten 17. Jahrhunderts, die über die damals vorhandenen Noten und Instrumente Auskunft geben, und Musikalien des 18. und 19. Jahrhunderts, unter diesen einige, die von Queen Victoria persönlich signiert wurden. So kann man 300 Jahre Musikleben an dieser Residenz überblicken. Der Musikalien-Bestand des Archivs Bartenstein ist der interessanteste. Er enthält unter anderem das Autograph der Oper Günther von Schwarzburg von Ignaz Holzbauer (1711–83), die Noten zur Aufführung von Mozarts Zauberflöte im Jahr 1796, Mozarts Krönungsmesse und Beethovens Oratorium Christus am Ölberg. Zweifellos hat man auch diese Werke aufgeführt. Der Musikalien-Bestand des Archivs Öhringen enthält vor allem Musikalien aus dem schlesischen Besitz Slawentzitz. Vorwiegend sind es so genannte Harmoniemusiken, Einrichtungen für Blasorchester, bestimmt zur Aufführung im Freien. Darunter findet man neben mehreren Opern auch Beethovens Klaviersonate opus 26 und Lieder ohne Worte von Mendelssohn-Bartholdy. Diese Musik wurde also in einer Form lebendig, die unserer Vorstellung fern steht – aber sie wurde lebendig, und darauf allein kommt es an.

Andreas Traub

Veröffentlicht in: Der Landkreis Schwäbisch Hall. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Schwäbisch Hall (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2005, Bd. 2, S. 305.