Balingen - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 0863

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Der bis Anfang 19. Jahrhundert ummauerte Stadtkern bildet ein Rechteck zwi­schen der Terrassenkante an der Eyach im Оsten und der Fußlinie des Heubergs (Wil­helmstraße) im Westen. Das streng regelmäßige Straßengitternetz entstand beim Wieder­aufbau der Stadt nach dem Brand von 1809. Betonte Längsachse ist die breite Fried­richstraße im Verlauf des ehemaligen Straßenmarktes, der vom oberen und unteren Tor begrenzt war und sich zu der noch heute das Bild beherrschenden Stadtkirche in der Mitte keilförmig verbreitert. Von der Stadtbefestigung außer unwesentlichen Resten nur der Wasser- oder Diebsturm an der Südostecke bei der Einmündung der Stein­ach in die Eyach erhalten. Seit 2. Hälfte 18. Jahrhundert obere Vorstadt zwischen Steinach und Eyach, nach 1809 Bebauung auch entlang der Tübinger Straße, seit dem Bahnbau 1874 in Richtung Bahnhof sowie um 1909 darüber hinaus bis zur Rosenfelder Straße. Hier wie auch in der oberen Vorstadt zahlreiche Industriebetriebe. In der 1. Hälfte 20. Jahrhunderts neue Wohnviertel am Heuberghang (Sichel) sowie zwischen Eyach und der 1936 gebauten Umgehungsstraße (Bundesstraße 27). Nach 1952 große neue Wohngebiete östlich der Вundesstraße 27 (darunter Längenfeld mit Schulzentrum, Siechenöschle-Reichenbach 1972/75 mit 6 Punkthäusern). 1976 bauliche Verbindung mit dem Vorort Heselwan­gen. Weitere neue Wohngebiete seit 1957 im Nordwesten (Hinter dem Heuberg) und seit 1962 beiderseits der Ostdorfer Straße (Stettberg, Schmiden mit Punkthaus und La­denzentrum).
Historische Namensformen:
  • Balginga
Geschichte: 863 Balginga (Personenname Balgo). Älteste Siedlungsschicht. Im Umkreis der späteren Stadt wurden 5 Reihengräberfelder gefunden, die auf mindestens ebensoviele alemannische Sied­lungen hinweisen. Eine von ihnen wurde zum Kern des späteren Dorfs Balingen bei der Pfarrkirche (heute Friedhofskirche). 1140, 1190 und von 1225 an treten Adlige von Balingen auf, wobei unsicher ist, ob sie alle stammverwandt sind. Seit dem 13. Jahrhundert im Stadtpatriziat von Rottweil und Reutlingen. Abgegangene Burg vielleicht auf Flur Burkenwang (1565) wenig östlich; ebenso Burg Hirschberg (vor Mitte 14. Jh.). Stadtgründung durch Graf Friedrich von Zollern (nach einer Chronik) 1255. Das namengebende Dorf ver­ödete. Eine erste Befestigung bestand spätestens 1377. Im 16. Jahrhundert doppelte Mauer (Zwinger). Nach einer Reihe größerer Stadtbrände im 17. und 18. Jahrhundert zerstörte der Brand von 1809 fast die ganze Stadt. Das spätere Stadtgebiet gehörte ursprünglich wohl zu Haigerloch und kam von den Grafen von Hohenberg spätestens 1. Hälfte 13. Jahrhunderts an die Zollern, die die Stadt zum Hauptort der Herrschaft Schalksburg machten. Mit dieser 1403 an Württemberg verkauft. Im 15. Jahrhundert verpfändet an Graf Hans von Werdenberg und an die Herren von Bubenhofen bis zur Einlösung 1468. Sitz eines württembergischen Amtes. Das Amt des herrschaftlichen Schultheißen ist erstmals 1268 nachweisbar. Er übte mit dem Stadtgericht (seit 1310 bezeugt) in Stadt und Amt die Blutgerichtsbarkeit und in der Stadt die Nieder- und Zivilgerichtsbarkeit aus. Ende 16. Jahrhunderts wurde sein Amt zwischen dem Ober- beziehungsweise Untervogt und dem Bürgermeister (1441) aufgeteilt. Der Rat ist 1382 erwähnt. Marktrecht wohl zugleich mit dem Stadtrecht verliehen. Die Vögte beziehungsweise Obervögte wohnten bis 1752 im sogenannten Zollernschloss, das - vielleicht an der Stelle des alten zollernschen Schlosses - in der 1. Hälfte 15. Jahrhunderts erbaut wurde. 1936 abgebrochen und in alter Form neu aufgebaut. Anfang 19. Jahrhundert Oberamt (1938 Landkreis) Balin­gen.
Ersterwähnung als Stadt: 1255
Wirtschaft: Im Mittelalter und in der Neuzeit spielten neben der Landwirtschaft die Handwerker, insbesondere die Rotgerber, im 19. Jahrhundert die Messerschmiede, eine wichtige Rolle. Die Industrialisierung setzte erst nach 1870 in größerem Umfang ein.

Name: Burg; Burg Hirschberg; Zollernschloss
Datum der Ersterwähnung: 1400 [1. Hälfte 15. Jahrhundert]

Ersterwähnung: 1255
Kirchengeschichte: Kirche und Pfarrei 1255, Unsere Liebe Frau 1310. Patronat von Zollern, nach 1403 Württem­berg. Die alte Pfarrkirche blieb nach der Stadtgründung und dem Abgang des Dorfs außerhalb der Stadtmauern, seit dem 16. Jahrhundert Friedhofskirche, seit 1955 zweite evangelische Pfarrkirche. Romanischer Turm wohl aus dem frühen 11. Jahrhundert, Glockengeschoss später aufge­setzt. Chor und Schiff gotisch (14. Jahrhundert). Renoviert 1976. Die heutige evangelische Stadtkirche, nach dem Abbruch einer 1343 erwähnten Kapelle Sankt Nikolaus im 15./16. Jahrhundert erbaut, wurde um 1516 zur Pfarrkirche erhoben. Dreischiffiges Langhaus. Ostchor mit acht­eckigem Turm. Reformation 1534. Zweite evangelische Stadtpfarrei (zugleich für Heselwan­gen) 1547. Gemeindezentrum Auf Schmiden und Pfarrei 1968. Katholische Pfarrkirche Heilig Geist 1899, erweitert 1963. Pfarrei seit 1918 (1899 Expositurvikariat, 1904 Pfarrverweserei). Das Spital zum Heiligen Geist wurde 1489 von der Stadtgemeinde gestiftet. Zwei Frauenklausen bestanden bis in die Reformationszeit.
Patrozinium: Unsere Liebe Frau
Ersterwähnung: 1310

GND-ID:
  • 4004329-0
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