Berwangen - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 0793

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Zum Jahr 793 im Lorscher Codex zum ersten Mal erwähnt (»Beruuangen«), handelt es sich bei Berwangen um einen Ausbauort der Karolingerzeit. Die Deutung seines Namens bleibt unklar. Das Grundwort -wangen (von althochdeutsch »wang«) beschreibt eine gewölbte Flur. Ob das Bestimmungswort Ber- sich auf Zuchtschweine (»ber«) oder Beeren (»beri«) bezieht, ist kaum zu entscheiden; der Bär (»bero«) kommt eher nicht in Betracht. Davon, dass die unmittelbare Umgebung bereits spätantik besiedelt war, zeugt eine Jupitergigantensäule, die 1957 am nördlichen Ortsrand westlich der Salinenstraße gefunden wurde (Flurname Bildäcker). Ob auch der Flurname Venusbuckel ganz im Südwesten der Gemarkung, wie schon im 19. Jahrhundert vermutet, auf die römische Vergangenheit Bezug nimmt, muss dahingestellt bleiben. 1687 bestand das Dorf aus 32 zweistöckigen und achtzehn einstöckigen Häusern, teils mit, teils ohne Scheunen, um 1800 aus rund hundert Häusern. Von ältesten Zeiten her ackerbaulich genutzt, ist die Gemarkung nur zum geringsten Teil mit Wald bedeckt. Nur im Westen und Süden deuten die Namen einiger kleinerer Gewanne auf jüngere Rodungen hin (Neureut, Winterheldenreut, Sommerheldenreut, Steinswäldle). Die Neubaugebiete der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg liegen unter anderem in den Bezirken »Blumenstraße« (1952), »Ob der unteren Mühle« (1964), »Forstgäßle« (1966, 1973). Außer dem Gewerbegebiet im NW (1956) besitzt der Ort seit 1971 im Norden ein Industrieareal in den Gewannen »Bruch« und »Am Kandel«.
Historische Namensformen:
  • Beruuangen 0793
Geschichte: Zusammen mit dem Michaelsberg über Cleebronn und Gütern an verschiedenen anderen Orten gelangte das Dorf Berwangen (»villa … cum onmi integritate«) am Ende des 8. Jahrhunderts als Schenkung einer gewissen Hiltburg an das Kloster Lorsch. Die spätere Herrschaftsentwicklung wurzelte vermutlich in der Vogtei der Kraichgaugrafen über diesen Klosterbesitz, allerdings bleibt mangels Quellen und angesichts ganz verschiedener lehnsrechtlicher Bezüge unklar, wie die spätmittelalterlichen Verhältnisse sich im einzelnen herausbildeten. Seit 1274 ist eine ritteradlige Familie von Berwangen (im goldenen Schild ein mit drei silbernen Ringen belegter blauer Schrägbalken) bezeugt, die offenbar damals die Vogteirechte am Ort wahrnahm. Möglicherweise gehörte sie ursprünglich zum Kreis der an der Königspfalz in Wimpfen engagierten Ministerialen. Später begegnen ihre Angehörigen als Lehnsleute der Bischöfe von Speyer und der Pfalzgrafen bei Rhein; am Heidelberger Hof dienten sie in Spitzenämtern. Aus Berwangen und dem östlichen Kraichgau zogen sie sich indes schon um die Wende des 14. Jahrhunderts beinahe ganz zurück. In der Markgrafschaft Baden, in der nördlichen Ortenau und in Straßburg fanden sie bald eine neue Heimat, am markgräflichen Hof bekleideten sie wiederum hohe Ämter. Im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts scheint die Familie im Mannesstamm erloschen zu sein. Über die Lage und Beschaffenheit ihres gewiss schon im späten Mittelalter untergegangenen Stammsitzes ist nichts bekannt. Bereits 1378 war das halbe Dorf Berwangen als pfälzisches (davor bruchsal-bolandisches) Lehen im Besitz der von Sachsenheim. 1381 verkauften letztere ihren Anteil an die Venningen, und 1404 folgten ebenfalls durch Kauf die Helmstatt. Die andere Hälfte befand sich als Eigengut vielleicht schon damals in helmstattischer Hand. Jedenfalls waren die Helmstatt spätestens seit dem Ausgang des Mittelalters und bis zum Ende des Alten Reiches ganerbschaftsweise alleinige Herren des Dorfs, das seit der Mitte des 16. Jahrhunderts zum Ritterkanton Kraichgau gehörte und aufgrund kaiserlicher Privilegierung (1572) von der Zuständigkeit des Landgerichts Rottweil sowie anderer Land- und Femegerichte befreit war. Beim Untergang der Kurpfalz folgte 1802/03 mit dem Anspruch auf Lehnshoheit über das Dorf das neue Fürstentum Leiningen. 1806 wurde Berwangen zunächst von Württemberg – im Streit mit Leiningen (wegen des Epfenhofs) – mediatisiert, aber noch im gleichen Jahr an Baden abgetreten. Grundherrliche Einkünfte aus dem Dorf bezogen 1803 neben der Herrschaft Helmstatt allein die Grafen von Neipperg, das Stift Wimpfen (aus dem Erpfenhof) und die Pfarrei Zuzenhausen (aus dem sogenannten Venningen-Gut). Der Erpfenhof ist seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bezeugt und war württembergisches Lehen; zunächst (vor 1452) – noch allodial – gehörte er den Venningen, dann den Angelloch (1452–1556) und schließlich den Neipperg (seit vor 1562). Von 1398 bis 1501 wird darüber hinaus der von Kurpfalz lehnbare Buttingerhof genannt, den die Berwangen innehatten und der später an die Helmstatt gelangte. Auch knapp 70 Morgen Äcker und Wiesen (Wormser Lehen), die im 15. Jahrhundert im Besitz der Itzlingen waren, kamen später über die Gemmingen-Guttenberg (1518) an die Helmstatt (seit 1526). Überdies hatte im 15. und 16. Jahrhundert das Gemminger Mittelschloß Fruchtzinse von hiesiger Gemarkung zu beanspruchen; 1466 rührten diese von der Grafschaft Nassau-Weilburg zu Lehen. Als geistliche Grundherren sind für das 8. bis 12. Jahrhundert das Kloster Lorsch und von 1280 bis 1440 die Zisterzienserinnen von Frauenzimmern zu nennen; ihr hiesiger Hof rührte aus einer Stiftung der Neipperg und wurde später an die Helmstatt verkauft. Ein Drittel des großen und kleinen Zehnten war als Wormser Lehen spätestens seit dem frühen 15. Jahrhundert im Besitz der Itzlingen und kam über die Gemmingen-Guttenberg (1518) an die Helmstatt (seit 1526/28). Ein weiterer Teil scheint Allod gewesen und bereits im 14. Jahrhundert zusammen mit der Ortsherrschaft an die Helmstatt gelangt zu sein. 1803 teilten sich in den Zehnt die Herrschaft, die Pfarrei und der Schullehrer. An der Spitze der Gemeinde standen ein Bürgermeister (1526, 1613) und ein Anwalt (1602). Das Gericht war 1626 mit sechs, 1803 mit zwölf Schöffen besetzt. Zum Berwanger Gerichtsstab zählten noch 1591 auch die Höfe in Bockschaft. 1526 verkaufte die Kommune ihr altes Rathaus und die Badstube in private Hand. Um 1800 bestand das Gemeindeeigentum aus einem Rathaus und einem Schafhaus sowie etwa 400 Morgen Wald. Ab 22.6.1807 Oberamt Waibstadt, ab 6.12.1809 Amt Neckarschwarzach, ab 15.11.1810 grundherrliches Amt Gemmingen, ab 24.7.1813 Bezirksamt Eppingen, ab 1.4.1924 Bezirksamt Sinsheim, ab 25.6.1939 Landkreis Sinsheim.
Wirtschaft: Um die Mitte des 17. Jahrhunderts, nach der Katastrophe des Dreißigjährigen Kriegs, gab es in Berwangen etwa 25 bis dreißig Untertanen, woraus auf circa 110 bis 140 Einwohner zu schließen ist. 1687 zählte man 49 Untertanen (circa 220 Seelen), 1785 waren es bereits 89 Familien (circa 400 Seelen) und 1803 130 Haushaltungen, darunter zwanzig Judenfamilien, das heißt knapp sechshundert Einwohner. Durch die Jahrhunderte lebte Berwangen von einem ertragreichen Ackerbau; der Weinbau in der Sommer- und Winterhelde war nur von geringer Bedeutung. Vom relativen Wohlergehen der Gemeinde zeugt nicht zuletzt der 1803 notierte Viehbestand mit rund dreihundert Rindern und fünfzig Pferden. Handwerke gab es nur im Nebenberuf, einige Juden betrieben Kramhandel. Die beiden Mühlen (Ober- und Unter-) finden bereits im späten Mittelalter Erwähnung (1456). Das Schildrecht zum Goldenen Lamm wurde 1763 verliehen.

Ersterwähnung: 1496
Kirchengeschichte: Ursprünglich gehörte die Berwanger Kirche zum Heiligen Kreuz zum Sprengel der Pfarrei Kirchardt; ihre Verselbständigung mit dem Filial Bockschaft muss vor 1352 erfolgt sein. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts war der Kirchensatz zusammen mit einem Teil des Gemminger Oberschlosses (bruchsal-)bolandisches Lehen und blieb ebenso wie die Kollatur der Frühmesse am Marien-Altar (1496 »plebania«) bis in die Zeit der Reformation in gemmingischem Besitz. Vermutlich um 1525/30 erwarben ihn die Helmstatt. Abgesehen von einigen wenigen Reformierten war der Ort um 1800 rein lutherisch. Ein Schulmeister, der zugleich als Mesner und Gerichtsschreiber fungierte, wird erstmals 1588 genannt; sein 1727 erwähnter Nachfolger war zugleich vereidigter Feldmesser. 1803 wurde die Schule von 48 Knaben und 56 Mädchen besucht; das aus Mitteln des Heiligenfonds unterhaltene Schulhaus war damals renovierungsbedürftig, die Schulstube zu klein. Spätklassizistische evangelische Kirche von 1824. Die Katholischen zu Richen.
Patrozinium: Heiliges Kreuz
Jüdische Gemeinde: 1803 wurden zwanzig Judenfamilien gezählt. Die Juden bildeten eine eigene Gemeinde und hatten seit 1770/71 eine Synagoge. Der erste Nachweis für hier ansässige Juden datiert von 1621. 1845 neue Synagoge. Der Verfolgung fiel ein Rest der Gemeinde (1933: 33 Juden) zum Opfer, die Synagoge 1938 zerstört.

GND-ID:
  • 4280920-4
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