Lehrensteinsfeld - Altgemeinde~Teilort 

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Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1254

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Lehrensteinsfeld besteht aus zwei alten Siedlungskernen, dem östlich an das Schloss anschließenden Steinsfeld (1384 »Stainsfelt«) und dem nordwestlich des Schlossgartens gelegenen Lehren (1254/61 »Lohern«). Beide Orte dürften im Zuge des hochmittelalterlichen Landesausbaus entstanden sein und hatten spätestens seit dem 15. Jahrhundert eine gemeinsame Gemarkung. In der frühneuzeitlichen Überlieferung werden sie vielfach in einem Atemzug genannt. Der Name Lehren bezieht sich wahrscheinlich auf einen Wald, während der Name Steinsfeld die topographische Situation beschreibt. Ende des 18. Jahrhunderts umfasste Steinsfeld rund hundert Häuser. Die beiden auf flachem Hochflächenrücken entstandenen ehemaligen Orte sind nach dem zweiten Weltkrieg durch die Neubaugebiete »Hinterm Schloßgarten«, »Lehrener Feld« (1950/60), »Dollenäcker«, »Hofwiesen-Lauch« (1961/70), »Beim Kirchhof« und »Hüttäcker« (1972) locker zusammengewachsen.
Historische Namensformen:
  • Lohern 1254
  • Stainsfelt 1284
  • Steinsfeld mit Lehren 1809
Geschichte: Die hochmittelalterlichen Anfänge der Herrschaftsentwicklung in Steinsfeld und Lehren bleiben mangels einschlägiger Quellen ungewiss. Während des späten Mittelalters teilten sich in das Gericht und in sonstige Gerechtsame die von Weiler (um 1368) und die Heilbronner Bürgerfamilie Erlewin von Steinsfeld (1437); der Anteil der letzteren rührte von der Grafschaft Löwenstein zu Lehen, jener der von Weiler von der Grafschaft Württemberg, in beiden Fällen wohl infolge Auftragung. Inwieweit darüber hinaus alte Weinsberger Rechte eine Rolle spielten, bleibt unklar. Der Weiler’sche Teil wurde 1465 allodifiziert und an einen pfalzgräflichen Diener verkauft. Spätestens 1497 waren die von Gemmingen zu Guttenberg alleinige Herren beider Dörfer; daher erklärt sich, dass Lehrensteinsfeld in der frühen Neuzeit nicht zum Kanton Odenwald der fränkischen, sondern zum Kanton Kraichgau der schwäbischen Reichsritterschaft gehörte. Nach 1544 entstand durch die Vererbung des allodialen Ritterguts über Töchter eine Ganerbschaft, an der 1615 die Greck von Kochendorf, von Mentzingen, von Sternenfels und von Gemmingen-Gemmingen beteiligt waren. 1649/50 erwarb der französische Feldmarschall Ludwig von Schmidberg die ganze Herrschaft, in die sich zu jener Zeit verschiedene Angehörige der Familien von Mentzingen, von Gemmingen, Greck von Kochendorf, von Ichtersheim und Schertel von Burtenbach teilten. Mit dem Erlöschen des schmidbergischen Mannesstamms (1777) erbten wiederum Töchter, die ihre Anteile den Waldenfels, Kechler von Schwandorf, Hygle und Gemmingen-Hornberg zubrachten. Schließlich folgten 1778 durch Kauf die von Gemmingen-Hornberg allein. Im November 1805 wurde der Ort von Württemberg mediatisiert. Bereits im 14. Jahrhundert ist in Steinsfeld ein Adelssitz bezeugt, den man wohl an der Stelle des heutigen Schlosses zu suchen hat. Da noch 1518 von einem »Burgstadel« die Rede ist, mag ein 1497 von den Gemmingen geplanter Neubau zunächst nicht zur Ausführung gekommen sein. Im späteren 16. Jahrhundert entstand dann unter Einbeziehung von Resten mittelalterlicher Vorgängerbauten das noch existierende stattliche Renaissanceschloss, dessen Südfassade am Ende des 18. Jahrhunderts im Stil des französischen Frühklassizismus umgestaltet wurde. Die grundherrlichen Befugnisse waren allem Anschein nach durch die Jahrhunderte ganz überwiegend im Besitz der adligen Ortsherrschaft. Um 1254/61 und noch 1604 ist von Gütern des Klosters Lichtenstern die Rede, 1402 von einem seitens der Herrschaft Weinsberg lehnbaren Hof der Ritteradligen von Eicholzheim, den 1450 die von Weiler innehatten. 1528 bezog die Herrschaft Württemberg Natural- und Geldzinse. Auch der Zehnt scheint allzeit von den Ortsherren bezogen worden zu sein; zu einem Sechstel war er bis 1465 württembergisches Lehen in Händen der von Weiler. Spätestens seit dem ausgehenden Mittelalter bildeten Lehren und Steinsfeld eine einheitliche Gemeinde, die 1463 im Zusammenhang mit dem Bau der örtlichen Kapelle erstmals in Erscheinung tritt. Über ihre Verfassung ist nichts Näheres bekannt; ihre Urkunden wurden von der Herrschaft besiegelt. Das ansehnliche Rathaus mit hohem Steinsockel und zwei Fachwerkobergeschossen datiert von 1591. Lehrensteinsfeld gehörte bis 1.4.1926 zum Oberamt Weinsberg, seither zum Oberamt, seit 1.10.1938 Landkreis Heilbronn.
Wirtschaft: Mitte des 17. Jahrhunderts, nach der Katastrophe des Dreißigjährigen Kriegs, hatte Steinsfeld etwa zweihundert bis 250 Einwohner. Bis in die 1780er Jahre stieg die Zahl auf mehr als das Doppelte, und zu Beginn des 19. Jahrhunderts lag sie schließlich bei rund siebenhundert. Neben Ackerbau und Viehzucht wurde von alters her Obst- und Weinbau betrieben. Eine herrschaftliche Kelter ist bereits um die Mitte des 14. Jahrhunderts nachzuweisen. Auch die Kelter im Erdgeschoss des Rathauses war ursprünglich herrschaftlich, ging aber später in den Besitz der Gemeinde über.

Name: Schloss Steinsfeld der von Gemmingen

Ersterwähnung: 1466
Kirchengeschichte: Die 1466 von der Gemeinde mit Konsens des Klosters Schöntal erbaute St. Laurentius-Kapelle in Steinsfeld war Filial der Pfarrei Sülzbach. Nach dem Bau einer neuen Kirche wurde sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts profaniert und ihr baufälliges, 1702 neuerrichtetes Schiff 1969 abgebrochen; überdauert hat allein der markante rippenkreuzgewölbte Chorturm mit Fachwerkobergeschoss und gewalmtem Satteldach. Die Reformation wurde vermutlich schon in den 1520er, spätestens jedoch in den 1530er Jahren eingeführt und im Zusammenhang damit eine eigene Pfarrei geschaffen; deren Patronat stand stets der Ortsherrschaft zu. Die Anfänge des örtlichen Schulunterrichts dürften in die Zeit unmittelbar nach der Reformation zurückreichen. Die evangelische Pfarrkirche wurde bis auf den Chor im Ostturm 1903 im neuromanischem Stil umgebaut, das Schiff 1969 abgebrochen. Grabdenkmäler der von Schmidtberg aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Katholiken zu Weinsberg-Wimmental.
Patrozinium: St. Laurentius
Ersterwähnung: 1466
Jüdische Gemeinde: In Lehren ist 1592 erstmals ein Jude bezeugt; 1652 gab es dort drei israelitische Familien. Am Ende des Alten Reiches belief sich die jüdische Einwohnerschaft auf rund hundert Personen und machte damit den bei weitem größten Teil der Bevölkerung aus (Judengasse). Seit 1832 war Lehren Sitz eines jüdischen Rabbinats; die aus dem späten 18. Jahrhundert stammende Synagoge wurde 1938 verkauft.

GND-ID:
  • 4358508-5
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