Neckarsulm 

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Typauswahl: Gemeinde
Status: Große Kreisstadt
Homepage: http://www.neckarsulm.de
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Einwohner: 25754
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 1.033
Max. Höhe ü. NN (m): 334.54
Min. Höhe ü. NN (m): 124.75
PLZ: 74172

Die Stadt am namensgebenden Zusammenfluss von Neckar und Sulm liegt in der nördlichen Mitte des Landkreises Heilbronn. Damit gehört die Stadt nach dem Landesentwicklungsplan zum Verdichtungsraum um Stuttgart. Das 24,94 qkm große Stadtgebiet erstreckt sich von dem zum Kraichgau zählenden Gartacher Feld im Westen bis zu den Kocherplatten der Hohenloher Ebene im Osten. Dazwischen durchschneidet der Neckar das Areal von Süden nach Norden. Er markiert am Austritt nach Bad Friedrichshall auf ca. 149 m NN den tiefsten Punkt des Gebiets; den höchsten Punkt erreicht das Gelände am Hüttberg über Dahenfeld auf ca. 312 m NN. Die Stadt, deren Kern auf dem Schwemmkegel der Sulm ruht, dehnte sich nach 1945 nach Süden, Osten und besonders nach Norden aus, wo seit 1953 auf dem Amorbacher Feld eine Bundesmustersiedlung zur Aufnahme von Vertriebenen und Flüchtlingen entstand. Im Gegensatz zum altwürttembergischen Obereisesheim fielen die Deutsch-Ordens-Gemeinden, die Amtsstadt Neckarsulm und Dahenfeld, erst 1805 an das Kurfürstentum. Im Königreich wurden letztere am 18. März 1806 dem Oberamt Neckarsulm zugeteilt. Obereisesheim indes gelangte nach der Auflösung des Klosteramts Lichtenstern am 25. April 1807 zum Oberamt Heilbronn. Nach der Aufhebung des Kreises Neckarsulm (seit 30.1.1934) zum 1. Oktober 1938 wechselten auch Dahenfeld und Neckarsulm zum Landkreis Heilbronn. Nach den Eingemeindungen Dahenfelds und Obereisesheims am 1. Mai 1971 bzw. 1972 stieg Neckarsulm am 1. Januar 1973 zur Großen Kreisstadt auf.

Die Große Kreisstadt Neckarsulm liegt in der nördlichen Mitte des Landkreises. Die Entfernung zum Oberzentrum beträgt in der Luftlinie etwa 6 Kilometer. Nachbargemeinden sind Bad Friedrichshall, Oedheim, Neuenstadt am Kocher, Eberstadt, Erlenbach, Heilbronn (Stadtkreis), Untereisesheim und Bad Wimpfen. Zur Gemeinde gehören neben dem Hauptort noch die 1971/72 eingemeindeten Stadtteile Dahenfeld im Osten und Obereisesheim im Westen der Kernstadt, außerdem der seit 1953 nördlich der Kernstadt neu angelegte Stadtteil Amorbach, der praktisch nahtlos in den Bad Friedrichshaller Wohnplatz Plattenwald übergeht. Die Stadt trägt ihren Namen nach dem Flüsschen Sulm, das hier in den Neckar mündet. Die Altstadt (162 Meter über Normalnull) liegt auf dem Ostufer des Neckars, südlich der Sulm. Dem Landesentwicklungsplan zufolge gehört Neckarsulm zum Verdichtungsraum um Stuttgart. Die langgestreckte, schmale Gemarkung (24,94 Quadratkilometer) reicht von den lössbedeckten Schotterterrassen des zum Kraichgau gehörigen Gartacher Felds im Westen bis zu den ebenfalls lössbedeckten Kocherplatten der Hohenloher Ebene im Osten; der Neckar und der parallel zu ihm verlaufende Kanal durchschneiden sie in süd-nördlicher Richtung. Nahezu die gesamte östliche Hälfte des Flusstals wird heute von der Stadt Neckarsulm eingenommen, die hier an natürliche Grenzen stößt. Ebenso wie der Neckar bewerkstelligt die Sulm einen starken Sedimenttransport und hat daher bei ihrem Eintritt in den Neckar einen Schwemmkegel gebildet. Zu beiden Seiten des schmalen Flüsschens erstrecken sich meist von Löss bedeckte und vielfach mit Wein bestockte Gipskeuperhöhen. Sie gehören bereits zum Weinsberger Tal, das sich zwischen den Schilfsandsteinerhebungen des Heilbronner Wartbergs und des 310,2 Meter hohen Scheuerbergs zum Neckar hin öffnet. Nördlich reichen die Kocherplatten in die Gemarkung herein; im Osten steigen sie langsam zum Schilfsandstein der bewaldeten Sulmer Bergebene an, die bereits ein Teil der Löwensteiner Berge ist. Der höchste Punkt der Gemarkung liegt mit rund 312 Meter über Normalnull am Hüttberg über Dahenfeld, der tiefste mit etwa 149 Meter am Neckar, wo dieser auf Bad Friedrichshaller Gebiet wechselt. Der Reiz der Neckarsulmer Gemarkung liegt in der Vielfalt der Landschaften, an denen sie Anteil hat. Ihr Erscheinungsbild ist wesentlich geprägt von der Lage auf den geologischen Sedimenten des Keupers. Dabei profitiert die Stadt in ihrer Lage von der geologischen Struktur der Heilbronner Mulde, der zu verdanken ist, dass die Keuperberge hier der Erosion weitgehend entgangen sind. Die Muldenstruktur war überdies eine wesentliche Voraussetzung für die Bildung der hiesigen großen Salzlager. Unter Neckarsulm ist die im übrigen sehr mächtige Salzschicht allerdings weniger stark, weil durch Grundwassereintritt reduziert. In den Niederungen ist die Landschaft von Auen, Wiesen und Ackerflächen sowie vom Obstbau geprägt. Die eiszeitlichen Lösseinwehungen haben einen fruchtbaren Boden geschaffen, der eine intensive agrarische Nutzung ermöglicht. Das Sulmtal weist einige Quellen und Bachläufe auf und findet als Naherholungsgebiet großen Zuspruch. Der Hängelbach markiert streckenweise die Grenze gegen Neckarsulm. Auf den Höhen findet man nur noch vereinzelt die für Schilfsandsteinschichten an sich typische Eichen- und Buchenvegetation; sie ist weitgehend durch schnellen Ertrag versprechende Nadelhölzer verdrängt. Der Sandstein wurde früher in zahlreichen Brüchen gewonnen und zu Bauzwecken verwendet. Auch in Neckarsulm sind zahlreiche Gebäude daraus errichtet. Unterhalb der Sandsteinvorkommen finden sich Gips- und Mergelböden, die Weinbau ermöglichen; an den südexponierten Hängen finden sich daher zum Teil ausgedehnte Rebkulturen. Auch Gips wurde im 18. und 19. Jahrhundert um Neckarsulm abgebaut und in drei Mühlen an der Sulm verarbeitet. Die Altstadt von Neckarsulm liegt auf dem Schwemmkegel der Sulm; zwischen ihr und dem Neckar entfaltet sich ein großflächiges Industrieareal, im Norden, Osten und Süden entstanden seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ausgedehnte Neubaugebiete. Am östlichen Ende der Gemarkung erstreckt sich Dahenfeld beiderseits des Dahenbachs und zu Füßen des Hüttbergs. Obereisesheim liegt, durch den Neckar von der Kernstadt getrennt, jedoch über eine Straßenbrücke mit ihr verbunden, am Rand der Hochterrasse über dem Fluss und im Übergang zum Kraichgau.

Im Gegensatz zum altwürttembergischen Obereisesheim fielen die Deutsch-Ordens-Gemeinden 1805 an das Kurfürstentum, für das Landvogteigerichtsassessor Schaumenkessel am 27. November Amt und Stadt Neckarsulm mit Dahenfeld übernahm. Im Königreich wurden letztere am 18. März 1806 dem Oberamt Neckarsulm zugeteilt. Obereisesheim indes gelangte nach der Auflösung des Klosteramts Lichtenstern (25. 4. 1807) zum Oberamt Heilbronn. Nach der Aufhebung des Kreises Neckarsulm (seit 30. 1. 1934) zum 1. Oktober 1938 wechselten auch Dahenfeld und Neckarsulm zum Landkreis Heilbronn. Nach den Eingemeindungen Dahenfelds (1. 5. 1971) und Obereisesheims (1. 5. 1972) stieg Neckarsulm zum 1. Januar 1973 zur Großen Kreisstadt auf. Das Abstimmungsverhalten leiteten die sozioökonomischen Verhältnisse und das Bekenntnis der Wähler, die erst ab den 1890er Jahren durchschlugen, da Obereisesheim bis 1887 mit Untereisesheim und Dahenfeld bis 1890 mit dem evangelischen Neuenstadt und Bürg sowie dem katholischen Kochertürn abstimmte. Danach votierte das evangelische Obereisesheim eindeutig für konservative Parteien. Bis 1903 bestimmte die freikonservative Deutsche Reichspartei das Feld (88,7 Prozent, 1887), ehe diese der agrarprotektionistische und antisemitische Bauernbund (68,4 Prozent, 1903) verdrängte. Mit dem Durchbruch zum politischen Massenmarkt etablierte sich auch die SPD, die schon 1887 erstmals gewählt wurde und 1912 ihr Spitzenergebnis (38,2 Prozent) erzielte. Im katholischen Dahenfeld dominierte von 1890 an das Zentrum (89,7 Prozent, 1903), das bei den letzten beiden Urnengängen im Kaiserreich nur deshalb vom Bauernbund abgelöst wurde (95,5 Prozent), weil es keinen Kandidaten aufbot. Bemerkenswert ist auch, dass die SPD seit 1893 den zweiten Platz belegte und das Ergebnis (10,9 Prozent, 1898) exakt dem Erwerbstätigenanteil in der Industrie (9,1 Prozent, 1895) entsprach. Ähnlich stimmte das mehrheitlich katholische Neckarsulm ab. In der Stadt errang indes die linksliberale Volkspartei bis 1893 die Mehrheit (84,5 Prozent, 1884), bevor das Zentrum im aufkommenden politischen Massenmarkt an die Spitze trat (62 Prozent, 1903). Bei den letzten beiden Urnengängen siegte zunächst der konservative Bauernbund (47,3 Prozent, 1907), dann jedoch – untypisch für eine katholische Kommune – die SPD (39,3 Prozent, 1912), was sich freilich durch den Industriearbeiteranteil unter den Erwerbstätigen (42,6 Prozent, 1895) erklärt. Diese Ausrichtungen überstanden den Wechsel zur Republik. In Dahenfeld siegte das Zentrum stets mit absoluten Mehrheiten (94,2 Prozent, 1919). Bei der Erdrutschwahl im Juli 1932 bescherten die Dahenfelder der Katholikenpartei das fünftbeste Resultat im Kreis (88,9 Prozent, Mittel 20,8 Prozent). Weniger eindeutig waren die Verhältnisse in Neckarsulm. Dort setzte sich zwar ebenso stets das Zentrum durch, jedoch mit geringeren Mehrheiten (schlechtestes Resultat 43,1 Prozent, 1928). Daneben behauptete sich wegen der industriellen Prägung das Arbeitermilieu, das sich in SPD-Erfolgen niederschlug (Bestmarke 37 Prozent, Dezember 1924). Der Arbeiterpartei glückte es auch, die NSDAP von 1932 an auf den dritten Platz zu verweisen. Sogar bei der halbdemokratischen Märzwahl 1933 lag die SPD noch vor der Hitlerpartei (23,3 zu 23 Prozent). Auch das protestantische Obereisesheim war wegen seiner sozioökonomischen Struktur eine Hochburg der SPD, die außer 1920 alle Abstimmungen gewann. Selbst im März 1933 gelang es ihr, die braune Bewegung auf den dritten Rang zu verdrängen (36,2 zu 21,2 Prozent) und damit das drittbeste Kreisergebnis (Mittel 16,3 Prozent) zu erzielen. Wie in Bad Friedrichshall ist es auch hier beachtlich, dass zumindest in den katholischen Orten die republiktragenden Parteien (Z/SPD/CSVD/DDP) 1933 die Mehrheit stellten (Dahenfeld 73,8 Prozent, Neckarsulm 67 Prozent). In Obereisesheim jedoch konnten die Republikfeinde von links (KPD) und rechts (NSDAP/KSWR/WBWB) sich knapp durchsetzen (56,5 zu 43,4 Prozent). Trotz dieses Wahlverhaltens gelang es den Nationalsozialisten, 1933 an die Macht zu kommen. Am 8. März hissten sie auf dem Oberamtsgebäude und auf dem Rathaus die Hakenkreuzfahne. Durch innenpolitischen Terror und außenpolitische Erfolge sicherte sich das NS-Regime weiteren Rückhalt. Sprachen sich beim Diktaturreferendum 1934 12 Prozent der Dahenfelder, mehr als sieben von hundert Neckarsulmern und 3,2 Prozent der Obereisesheimer (inklusive der ungültigen Voten) gegen die Vereinigung der Ämter des Reichspräsidenten und -kanzlers in der Person Hitlers aus, votierten bei der Reichstagswahl 1938 restlos alle Wähler für das NS-Regime. Der Heilbronner Kreisleiter Richard Drauz hatte vor dem Urnengang wissen lassen, er wolle in seinem Kreis keine Nein-Stimmen. Auch im Kreis Neckarsulm folgte jeder der 22 639 Wahlberechtigten dem Ruf an die Urne; nur zwei votierten nicht im Sinne des Kreisleiters, drei gaben eine ungültige Stimme ab. Gleichwohl erwiesen sich das katholische und das Arbeitermilieu in der NSU-Arbeiterschaft eine Zeit lang als intakt und resistent gegen die braune Gleichschaltung. Angesichts der Vorbehalte in den katholischen Orten gegen das NS-Regime drohte Kreisleiter Otto Speidel auf dem NSDAP-Kreisparteitag in Neckarsulm (21. 8. 1933): »Jene aber, die schon heute wieder unter dem Schutz des Konkordats versuchen, ihre schwarzen Scharen um sich zu versammeln, werden unsere Macht zu spüren bekommen«. Bei Betriebsratswahlen in den NSU-Werken am 15. März 1933 erhielten die freien Gewerkschaften bei den Arbeitern 340 Stimmen, die christlichen Gewerkschaften 81 Stimmen und die kommunistische Gewerkschaft 24 Stimmen; die NSBO wertete ihren Stimmenanteil von zehn Prozent bereits als Erfolg. Dagegen fiel der Zuspruch bei den Wahlen zum Angestelltenrat größer aus (80 Prozent für NS-Kandidaten). Wegen seiner Bedeutung für die Rüstungsproduktion war Neckarsulm mehrfach Ziel von Luftangriffen. Ein Stollen im Hungerberg diente der Belegschaft der NSU Werke, aber auch der Bevölkerung als Schutzraum. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter der örtlichen Firmen waren in Barackenlagern direkt im Industriegebiet untergebracht. Die Firmen Karl Schmidt und Spohn verlagerten gegen Kriegsende Teile ihrer Produktion in den Kochendorfer und den Heilbronner Salzstollen. Der erste todbringende Luftangriff am 24. April 1944 richtete sich auf die Industrieanlagen, das zweite Bombardement am 8. Dezember forderte 23 Leben und verursachte schwere Schäden in der Altstadt. Der schlimmste Angriff ging am 1. März 1945 über der Stadt nieder. 84 Flugzeuge warfen etwa 36 500 Brand- und 651 Sprengbomben ab. 128 Menschen, darunter 81 Zivilisten, fanden den Tod. Das letzte Opfer wurde erst 1952 beim Abtragen eines Trümmerbergs geborgen. Die Zahl der Toten fiel relativ gering aus, da 4000 beziehungsweise 2000 Menschen in den Großbunkern am Hungerberg und Güterbahnhof Schutz fanden. Verheerend wirkten die Brandbomben. Da das städtische Wasserwerk zerstört worden war, brannte die Altstadt einen Tag und eine Nacht. 45,4 Prozent der Wohnungen wurden zerstört. Anfang April kam es auf dem linken Neckarufer zu Gefechten zwischen Amerikanern und Deutschen. Dabei wurde Obereisesheim am Vormittag des 3. April 1945 von den US-Truppen beschossen, die gegen 14 Uhr mit Panzern in den Ort eindrangen. Beim Gasthof Lamm wurde ein US-Panzer abgeschossen. Gegen Abend zogen sich die Panzer nach Biberach zurück, von wo sie Obereisesheim unter Beschuss nahmen. Dabei starben elf Einwohner, 58 Scheunen und 68 Gebäude wurden zerstört. Nachdem sich die Wehrmacht um 21.30 Uhr nach Neckarsulm abgesetzt hatte, wurde Obereisesheim tags darauf besetzt. Damit standen die Amerikaner vor Neckarsulm. Bis zur Einnahme am 13. April hatten die Stadtbewohner jedoch tagelangen Artilleriebeschuss und Luftangriffe zu ertragen. Am Nachmittag des 12. April sprengte die Wehrmacht alle Brücken und zog sich zurück. Am nächsten Morgen wurde Neckarsulm eingenommen. Zwischen dem großen Luftangriff und der Einnahme ereignete sich am 21. März 1945 die »Bluthochzeit von Neckarsulm«, der Mord an sechs US-Kriegsgefangenen, den die NSDAP-Ortsgruppenleiter von Neckarsulm-Nord und -Süd, Clemens Funder und Heinz Endreß, begingen. Zudem ermordete Kreisleiter Richard Drauz Ende März einen flüchtigen US-Offizier am Hörnle bei Dürrenzimmern. Nach Tagen des Ausnahmezustands stellten die US-Besatzer die öffentliche Sicherheit wieder her. Sie unterbanden die Plünderungen, unter anderem der Vorräte der Weingärtner und in der Großen Kelter, woran sich auch Einheimische beteiligten, und verhängten eine Ausgangssperre von 21 bis 7 Uhr. Bei den ersten freien Wahlen nach vierzehn Jahren knüpften die Bürger an ihre althergebrachten Orientierungen an. In Dahenfeld dominierte die CDU als Zentrumsnachfolgerin (78,8 Prozent), in Obereisesheim siegte die SPD (45,6 Prozent), und in Neckarsulm rangen beide Parteien um die Mehrheit (48,1 Prozent zu 38,7 Prozent). Auch in der jungen Bundesrepublik blieb Dahenfeld eine Hochburg der christlichen Demokratie (82,7 Prozent, Bundestagswahl 1957), der es als der parteipolitischen Personifizierung des demokratischen Neubeginns in Neckarsulm gelang, die SPD auf Bundesebene hinter sich zu lassen (51,3 zu 32,1 Prozent, Bundestagswahl 1953). In Obereisesheim indes stieß die CDU wegen der Kontinuität zum Zentrum auf Zurückhaltung (6,7 Prozent, Bundestagswahl 1949). Dort siegte die FDP/DVP zwar 1949 knapp (38,6 Prozent), aber fortan erwies sich Obereisesheim als SPD-Hochburg (58,1 Prozent, Landtagswahl 1960). Nach der Eingemeindung der CDU-Hochburg Dahenfeld und der SPD-Bastion Obereisesheim setzte sich der Zweikampf zwischen den beiden Volksparteien in der Großen Kreisstadt fort. Die SPD konnte nur bei der »Willy-Wahl« 1972 (47,3 zu 43 Prozent) und 1998 (38,9 zu 38,8 Prozent) die Oberhand gewinnen, die Union siegte bei allen übrigen Urnengängen (48,3 Prozent, Bundestagswahl 1976) – auf Landesebene sogar mit absoluter Mehrheit (52,5 Prozent, 1976; 50,9 Prozent, 1980). Die Liberalen fielen nach Eintritt in die sozialliberale Koalition im Bund auf einstellige Ergebnisse zurück, außer 1980 und 2005 (je 10,2 Prozent) sowie 2009 (16,2 Prozent); im Land rutschten sie 1984/92 sogar unter die Sperrklausel (2,6 Prozent, 1988). Dieses Dreiparteiengefüge fächerte sich in den 1980er Jahren auf. 1983 übersprangen die Grünen die Fünf-Prozent-Hürde, was ihnen danach außer 1990 (Bundestagswahl 3,7 Prozent) und 2001 (Landtagswahl 3,8 Prozent) stets gelang. In der Folgedekade sorgten die Republikaner für Aufsehen, die bei den Landtagswahlen 1992 und 1996 jeweils 14,1 Prozent auf sich vereinen konnten. Dabei übertrafen sie die NPD-Erfolge von 1968 (7,7 Prozent). Beide Parteien am rechten politischen Rand erfuhren in Neckarsulm bis auf 1996 (13,3 Prozent) weniger Zuspruch als im Kreis (10,3 Prozent, 1968; 14,8 Prozent, 1992). Schließlich trat bei den Wahlen nach der Jahrtausendwende die Linke auf, deren Resultat 2005 (3,5 Prozent, Bundestagswahl) sich im Rahmen der KPD-Ergebnisse bewegte (3,4 Prozent, Landtagswahl 1952), dies 2009 aber übertraf (6,9 Prozent Bundestagswahl). Auch bei den Wahlen zum Europäischen Parlament siegte von 1979 bis 2009 stets die Union – 1999 (51,1 Prozent) und 2004 (50,9 Prozent) mit absoluter Mehrheit. Charakteristisch für diese Urnengänge war die wechselhafte Wahlbeteiligung (65,4 Prozent, 1994; 38,6 Prozent 1999). Offizielle Partnerschaften begründete die Stadt bereits 1957/58 mit dem französischen Carmaux als eine der ersten deutsch-französischen Freundschaften und 1963 mit dem italienischen Bordighera. 1988 folgten das schweizerische Grenchen, zwei Jahre später das sächsische Zschopau und 1993 das ungarische Budakeszi, nachdem Neckarsulm schon 1989 die Patenschaft über die Budakesser Gemeinschaft übernommen hatte.

Wappen von Neckarsulm

In Silber (Weiß) ein durchgehendes schwarzes Kreuz mit Tatzenenden (Deutschordenskreuz), belegt mit einem goldenen (gelben) Lilienkreuz

Beschreibung Wappen

Nachdem in den Stadtsiegeln seit 1374 das Rad als Wappenfigur des Erzstifts Mainz, dem die Stadt damals gehörte, erschienen war, tritt dort seit 1528 das Deutschordenskreuz mit den vermutlich vom neippergschen Wappen abgeleiteten drei Ringen auf. Die Änderung ist auf den 1484 unter dem Hochmeister Reinhard von Neipperg erfolgten Übergang der Stadt an den Deutschorden zurückzuführen. Nachdem die Ringe zeitweilig durch vier Rosen in den Kreuzwinkeln ersetzt waren, legte die Stadt 1955 das jetzige Wappen mit dem für Hochmeister üblichen Lilienkreuz fest. Das Wappen wurde am 26. September 1955 von der Landesregierung, die Flagge am 14. November 1963 vom Innenministerium verliehen.