Öhringen - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1037

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Siedlungsspuren der Bandkeramiker (Jungsteinzeit) wurden im Bereich des römischen Bürgkastells nordwestlich der Kernstadt entdeckt sowie im Gewann Hungerfeld südöstlich der Stadt. Nördlich der Autobahn fand man Siedlungsspuren aus derselben Epoche in den Gewannen Höfle und in dem inzwischen überbauten Zwetschgenwäldle. Zahlreiche verstreute Einzelfunde aus dem gesamten Stadtgebiet lassen auf eine relativ dichte jungsteinzeitliche Besiedlung schließen, wohingegen Funde aus späteren Epochen nicht gemacht wurden, sieht man einmal ab von einigen keltischen Goldmünzen (Statere). Die Entwicklungslinien dieser Zeit sind vor allem durch die Täler von Kocher und Jagst markiert, während der östlich von Öhringen gelegene, bis ins Mittelalter unerschlossene Ohrnwald sich eher als siedlungsfeindlich erwies. Dem leitenden hohenlohischen Beamten Christian Ernst Hansselmann kommt das Verdienst zu, das römische Öhringen und den Limes, die Ostgrenze des römischen Reiches, entdeckt und erforscht zu haben. In seinen Publikationen von 1768 und 1773 wies er in der Stadt die Existenz von zwei römischen Kastellen nach, des Bürgkastells im Bereich des heutigen Krankenhauses und des Rendelkastells südlich der Straße nach Cappel. Um 155 n. Chr. verlegten die Römer den mit sechs Kastellen gesicherten Limes nach Osten vor, an eine beinahe schnurgerade Linie von Welzheim bei Schwäbisch Gmünd über Öhringen und Osterburken bis an den Main bei Miltenberg. Dieser Vordere oder Obergermanische Limes durchschneidet die Stadtgemarkung von Öhringen. Bei der anhand von Ziegelstempeln nachgewiesenen Kastellbesatzung handelte es sich um die zuvor in Heilbronn-Böckingen stationierte Erste Helveter-Kohorte, um sogenannte Auxiliartruppen, die sich vorwiegend aus Nichtrömern zusammensetzten. Der Limes, bei dem es sich zunächst nur um eine in den Wald gehauene Schneise handelte, wurde später mit einer Palisade und schließlich – seit dem vermehrten Auftreten feindlich gesinnter Germanen – mit Wall und Graben befestigt; gleichwohl stellte er kein unüberwindliches Hindernis dar. Die in Sichtweite stehenden Türme dienten der Unterbringung der Wachmannschaften und der raschen Übermittlung von Informationen durch ein Signalsystem. Die Bezeichnung Bürgkastell geht auf den Flurnamen Untere Bürgäcker zurück, wobei die Bezeichnung Bürg sich auf die römischen Kastellbauten beziehen dürfte. Fünf in einem Brunnenschacht gefundene Weihealtäre mit Inschriften lassen vermuten, dass sich in dem Kastell ein Nymphaeum, ein Quellheiligtum, befand. Im Jahr 187 wurde unter Kaiser Commodus eine Wasserleitung erbaut und 231 durch die unter Kaiser Severus von Mainz hierher verlegte Erste Belgerkohorte erneuert. Nach ihrer Zerstörung, vermutlich während des Alamanneneinfalls 233, wurde die nach Kaiser Gordian benannte Leitung »aqua Gordiana« nochmals instandgesetzt. Das weiter östlich gelegene Rendelkastell trägt seinen Namen nach der Flur Unterer Rendelstein. Der Rendelstein ist eine mittelalterliche Kreuzigungsdarstellung auf einem römischen Meilenstein an der Haller Straße. Weil das Gelände dieses Kastells schon früh überbaut wurde, konnten dort keine so aussagekräftigen Funde gemacht werden wie im Bürgkastell. An der beide Kastelle verbindenden Straße entstand eine zivile Siedlung, die durch zahlreiche Gebäudereste, Streufunde und einen Friedhof belegt ist. Eine 232 entstandene Statue der Minerva trägt auf dem Sockel eine Inschrift, aus der hervorgeht, dass diese Statue den »vicanis Aurelianensibus« gewidmet ist, den Bewohnern eines nach Kaiser Mark Aurel (161–180) benannten »vicus Aurelianus«. Dieses Dorf war vermutlich der Vorort eines bis an den Neckar reichenden ländlichen Verwaltungsbezirks, der »Civitas Aureliana«. Weitere Inschriftenfunde lassen darauf schließen, dass aus diesem vicus Handelsbeziehungen zu den Germanen unterhalten wurden. 233 überrannten die Alamannen den Limes und drangen bis an den Neckar vor, bevor Kaiser Maximinus Thrax sie zurücktreiben und den Limes erneut, allerdings nur noch vorübergehend sichern konnte. Weil die jüngsten in Öhringen gefundenen römischen Münzen aus dem Jahr 249 datieren, ist anzunehmen, dass die römische Siedlung in Öhringen erst um 260 aufgegeben wurde. Spuren größerer Zerstörungen sind nicht zu erkennen. Es ist nicht auszuschließen, dass sich danach auch in Öhringen Alamannen niederließen, jedoch existieren Belege für die vermutete Siedlungskontinuität nicht. Der Fund eines merowingerzeitlichen Grabes (7. Jahrhundert) in der Nähe der Weidenmühle ist singulär und beweist daher nichts. Der Name »Oringowe«, wie er im Stiftungsbrief von 1037 erscheint und noch bis in die frühe Neuzeit vorkommt, bedeutet Gau an der Ohrn und könnte somit auf eine Neubesiedlung im frühen Mittelalter schließen lassen. Als Keimzelle des späteren Dorfs gilt eine Hofstelle beim Kirchbrunnen nicht weit von der 1037 genannten Pfarrkirche. Nach der Gründung des Chorherrenstifts wurden rund um die nunmehrige Stiftskirche die Kurien der Kanoniker angelegt; 1545 werden deren elf beschrieben. Der Stiftsbezirk hob sich deutlich vom Dorf beziehungsweise der Bürgerstadt ab, die ihr Zentrum in dem dem Rathaus vorgelagerten Markt und dem Hafenmarkt hatten. In staufischer Zeit wurde die Stadt mit einer fast durchgängig erhaltenen Mauer aus Buckelquadern, mit mehreren Türmen und drei Toren befestigt. Durch eine zunächst hölzerne, seit einem Hochwasser im 16. Jahrhundert steinerne Brücke über die im Süden vor der Mauer vorüberfließende Ohrn war sie mit der separat ummauerten Altstadt verbunden, die trotz ihres Namens jünger ist als die Kernstadt. Innerhalb der Altstadt bildete das Spital einen eigenen Bezirk. Wann Öhringen Stadt wurde, ob überhaupt eine förmliche Stadtrechtsverleihung erfolgte, ist nicht überliefert. Die letzte Nennung als Dorf (»villa«) geschieht 1215, die erste als Stadt 1253 (»stat«). Außerhalb des sicheren Mauerrings baute man nur vereinzelt, so etwa das Sondersiechenhaus für Personen mit ansteckenden Krankheiten oder Mühlen, wie die Pfaffenmühle und die Weidenmühle, die auf die Wasserkraft der Ohrn angewiesen waren. Erst im 18. Jahrhundert wurde mit dem Bau eines Lusthauses samt Orangerie im stark erweiterten Hofgarten der alte Bering deutlich überschritten. Der ursprünglich um die Stiftskirche gelegene Friedhof wurde 1506 weit vor die Stadt verlegt und erhielt dort eine Sankt Anna-Kapelle. Deren Chor entstand seit 1520 unter dem Stiftskirchenbaumeister Bernhard Sporer, das Langhaus 1580. Der bisherige Friedhof in der Stadt wurde zum Marktplatz umgestaltet und um 1550 mit einem Brunnen geschmückt. Anna von Hohenlohe stiftete 1353 ein Spital zu Ehren der Heiligen Anna und Elisabeth; dazu gehörten eine Kapelle mit eigener Kaplanei und einem Friedhof. Weil der Standort innerhalb der Stadtmauern vor allem wegen des Wassermangels ungünstig war, verlegte man das Spital um 1376 in die Altstadt (»in antiqua civitate«) an den heutigen Standort. Aufgrund zahlreicher Schenkungen entwickelte es sich zu einer bedeutenden Grundherrschaft und wichtigen sozialen Einrichtung für das ganze Hohenloher Land. Einzelne Spitalpfründen sind seit 1399 urkundlich belegt, der gesamte Spitalbesitz wurde 1509 in einem Gültbuch erfasst. 1710 lebten in dem Spital 28 Pfründner, unterteilt in drei Klassen mit unterschiedlichem Wohnkomfort und unterschiedlichen Zuwendungen an Lebensmitteln. Die Stifterfamilie leitete das Spital, bis die Stiftung 1806 im Königreich Württemberg staatlicher Aufsicht unterstellt wurde. Die 1376 geweihte Spitalkapelle diente bis zur Reformation dem für die Pfründner obligatorischen Gottesdienst, danach dem wöchentlichen evangelischen, von der Pfarrkirche aus organisierten Gottesdienst. Südlich der Stiftskirche, oberhalb der Ohrn, ließ sich Gräfin Magdalena, die Witwe Graf Wolfgangs II. von Hohenlohe-Weikersheim, durch Georg Kern 1611/16 ein Schloss im Stil der Renaissance als Witwensitz errichten. Durch eine geschlossene Brücke (Kirchgang) wurde es im Obergeschoss mit dem Chor der Stiftskirche verbunden. Um den Neubau zu realisieren, mussten eine Stiftsherrenkurie und die Lateinschule abgebrochen werden. Unter dem Schloss entstand ein geräumiger Weinkeller. 1675 wurden in der Stadt außer den herrschaftlichen und kommunalen Gebäuden rund dreihundert Wohnhäuser und achtzig Nebengebäude gezählt. Der Aufstieg zur Residenz nach 1677 führte zu einer Verstärkung der Bautätigkeit innerhalb der Mauern. Nach der Begründung einer eigenen hohenlohischen Linie in Öhringen (1677) ließ Graf Johann Friedrich I. durch den Baumeister Paul Platz aus Belfort rechtwinklig zum Schloss den sogenannten Marstallbau errichten. Sein Sohn schuf durch den hofseitigen Anbau von Arkaden mit darüberliegenden Erschließungsgängen mehr Platz im Hauptgebäude, ebenso durch den Ersatz des bisherigen Satteldachs durch ein Mansarddach. 1712/17 entstand der Hofgarten, der 1743 nach Süden erweitert und mit dem bereits erwähnten Lusthaus versehen wurde. Marktseitig fügte man schließlich 1770/75 an das Schloss den Remisenbau an, in dessen Obergeschoss eine Bibliothek untergebracht war. Eine neue Freitreppe im Hof verbesserte 1775 die Erschließung des Marstallbaus. Der besseren Anbindung des Hofgartens diente eine 1781 über die Stadtmauer und die Ohrn gebaute geschwungene Treppenbrücke. Seit 1782 gestaltete der Hofmaler Johann Jacob Schillinger die Innenräume des Schlosses mit romantisierenden Landschaftsmalereien. Zwischen 1780 und 1806 wurde nach Plänen des fürstlichen Baurats und Salinendirektors Johann Georg Glenck (1751–1801) vor dem Oberen Tor in Richtung Cappel als planmäßige Stadterweiterung die Karlsvorstadt geschaffen. Ihr Ausgangspunkt war das dem Brandenburger Tor in Berlin nur ganz entfernt nachempfundene neue, offene Stadttor. Die entlang einer Allee errichteten, durchweg repräsentativen Bauten der Vorstadt dienten eher wirtschaftlichen und administrativen Zwecken, weniger zum Wohnen; wichtige Bauten sind darunter das 1785 als Privathaus errichtete fürstliche Palais (heute Amtsgericht), die gegenüber liegende Fürst zu Hohenlohe-Oehringen’sche Verwaltung, der Fruchtkasten und die ehemalige Zeichenschule. Weitere Gebäude dienten der Unterbringung herrschaftlicher Beamter. Durch die moderne Straßenführung und den Abbruch eines Hauses wurde der Charakter der Karlsvorstadt verändert. Der nordwestlich der Stadt gelegene Weiler Möhrig teilt im wesentlichen die Geschicke Öhringens. Im hohenlohischen Gültbuch von 1357 findet er erstmals Erwähnung (»Morech«). Die Herkunft des Namens ist ungeklärt. Eine Ohrnmühle wird dort um 1500 genannt. Ansonsten war die Kleinsiedlung in älterer Zeit ganz von Landwirtschaft und Weinbau geprägt. Drei Höfe »ze Amelungeshagen« finden einzig im Öhringer Weistum von 1253 Erwähnung; aus ihnen sollte zu den festgesetzten Gerichtsterminen das Futter für die Pferde des Vogts und seines Gefolges geliefert werden. Die Wüstung ist nicht lokalisiert. Öhringens durch die ehemalige Stadtmauer bestimmter ovaler Altstadtgrundriß ist noch deutlich erkennbar. Schöne Fachwerkhäuser, Schloß und Kirche säumen den Marktplatz. Als erste Stadterweiterung wurde 1782 die Karlsvorstadt entlang der östlichen Ausfallstraße planmäßig angelegt. Am stärksten wuchs Öhringen nach dem zweiten Weltkrieg in den Jahren 1950 bis 1960. Neue Wohngebiete bildeten sich im Norden, Оsten und Süden. Neben dem am Bahnhof entstandenen Industriegebiet entwickelte sich ein weiteres im Südwesten.
Historische Namensformen:
  • Orengowe 1037
  • Öringen 1472
  • Oringowe
  • villa Orngov
  • Orengov
Geschichte: Zu Beginn des 11. Jahrhunderts übten in Öhringen – vermutlich nacheinander – drei Grafen Herrschaftsrechte aus: Siegfried, Eberhard und Hermann; alle drei sind in der von ihnen reich dotierten und in ein Kanonikerstift umgewandelten Pfarrkirche beigesetzt. In ungeklärter Weise war mit ihnen Adelheid aus dem Hause der Grafen von Metz verwandt, die Mutter Kaiser Konrads II. Der Kaiser entstammte ihrer ersten Ehe mit dem Wormsgaugrafen Heinrich; aus ihrer zweiten Ehe mit einem namentlich nicht genannten Adligen – vermutlich aus dem Haus der Grafen von Lauffen – ging Gebhard hervor, der 1036 Bischof von Regensburg wurde. Auf Bitten seiner Mutter bestätigte Gebhard das an der bisherigen Pfarrkirche zu Öhringen gegründete Chorherrenstift, unterstellte es dem Bistum Regensburg und setzte die Grafen von Komburg als Stiftsvögte ein. Außerdem überließ Gebhard seinem Bistum größere Gebiete um Waldenburg und um Michelbach. Der ins Jahr 1037 datierte Stiftungsbrief enthält Regelungen, die erst im Investiturstreit aktuell wurden, und kann deshalb in der vorliegenden Form nicht vor der Wende zum 12. Jahrhundert entstanden sein. Die Vogtei über das Stift bildete fortan die Grundlage der Herrschaft über Öhringen, den Ohrnwald und die Waldenburger Berge. Nach dem Aussterben der Grafen von Komburg um 1108 wurden nacheinander verschiedene Adlige vom Regensburger Bischof mit der Stiftsvogtei belehnt, nicht aber von den staufischen Herrschern, wie die ältere Forschung dies angenommen hatte. 1215 scheiterte am Einspruch der Betroffenen der Versuch, die beiden Reichsstifte in Regensburg – Ober- und Niedermünster – gegen das bischöfliche Dorf Öhringen (»villa Orngov«) samt dem Stift und der Stiftsvogtei an den König zu vertauschen. Also blieb Öhringen bis 1806 Regensburger Lehen. Einer der älteren Stiftsvögte war Gottfried von Neuffen (um 1230), der als Minnesänger in der Manessischen Handschrift begegnet. Danach wurde im Zusammenhang mit einem 1250 gescheiterten Attentat auf König Konrad IV., in das auch der Bischof von Regensburg verstrickt war, die Öhringer Stiftsvogtei dem königsnahen Edelherrn Gottfried von Hohenlohe zugesprochen. Zu dieser Zeit nahmen in dem zwischenzeitlich zur Stadt fortentwickelten Öhringen auch die Reichsministerialen von Weinsberg herrschaftliche Rechte wahr, ohne dass über deren Herkunft im einzelnen Klarheit bestünde. Mit ihnen einigte sich der neue Vogt aus dem Hause Hohenlohe 1253 in einem von zahlreichen Angehörigen des Ministerialenadels aus der Umgebung vermittelten Schiedsvertrag, dem sogenannten Öhringer Weistum. Die Stiftsvogtei verblieb bei Hohenlohe, das Schultheißenamt wurde zwischen Weinsberg und Hohenlohe geteilt. Alle Bürger zahlten gleiche Steuern und waren von Zoll befreit. Detaillierte Regelungen betreffen die Gerichtsbarkeit, die Verteilung anfallender Strafen und die Verköstigung des Vogts und seines Gefolges an den drei jährlichen Gerichtstagen. Vogt und Schultheißen hatten gegenüber der Bürgerschaft einen Anspruch auf Beherbergung, wohnten jedoch nicht dauernd in der Stadt, die damals gerade ummauert wurde. Über die Juden und die Münze hatte der Vogt die alleinige Zuständigkeit. Er berief auch zwölf Münzerhausgenossen, die im Gericht die gleichen Befugnisse hatten wie die zwölf städtischen Schöffen. Tatsächlich wurden in Öhringen während des späten Mittelalters Münzen geprägt. Mehrere Münzmeister sind namentlich bekannt. Die Münze, deren Standort nur indirekt erschlossen werden kann, lag vermutlich in der Schafgasse, nicht weit vom Gelben Schlösschen. Die Vögte weilten selten in der vom Stift dominierten Stadt. 1335 erlangten sie von Kaiser Ludwig dem Bayern definitiv die örtlichen Zollrechte, 1347 von Karl IV. die Geleitsrechte im Umland und verfügten damit über wichtige Elemente zur Entfaltung von Landesherrschaft. Ein Galgen findet 1357 Erwähnung. Im Jahr 1400 verpfändeten die Hohenlohe die halbe Stadt Öhringen an die von Weinsberg. Mitte des 15. Jahrhunderts fiel schließlich aufgrund eines 1408 zwischen Hohenlohe und Weinsberg geschlossenen Erbvertrags die Stadt Öhringen vollends an das Haus Hohenlohe. Sitz der hohenlohischen Stadtvögte, später der Amtleute des Amts Öhringen, war das 1455 erstmals erwähnte Steinhaus am Hafenmarkt, dem Markt für Töpferwaren. Auch nach der hohenlohischen Hauptlandesteilung von 1553/55 blieb Öhringen wie schon bei früheren Teilungen (1455, 1475, 1511) samt dem Stift und Spital gemeinschaftliches Eigentum aller Linien des Gesamthauses. Erst 1782 erwarb Fürst Ludwig Friedrich Karl zu Hohenlohe-Oehringen die der Hauptlinie Waldenburg zustehenden Anteile und brachte die Stadt damit in den alleinigen Besitz der Neuensteiner Hauptlinie. Am 13. September 1806 wurde im Öhringer Steinhaus die Mediatisierung aller hohenlohischen Fürstentümer durch das neue Königreich Württemberg förmlich vollzogen. Zwei Drittel des Zehnten gelangten um 1018/34 durch Schenkung seitens des Würzburger Bischofs an die Pfarrei in Öhringen; das übrige Drittel erwarb das Stift zu unbekannter Zeit hinzu. Ein Drittel des Möhriger Zehnten kaufte es 1420 von denen von Berlichingen. Um 1800 war der Großzehnt mit Ausnahme des Propsthofzehnten (circa 60 Morgen), der seit der Reformation der Herrschaft zustand, im alleinigen Besitz des Stifts. Der Weinzehnt gehörte zu je einem Drittel dem Stift und den Linien Hohenlohe-Waldenburg und -Neuenstein; am Pfaffenberg bezog ihn das Stift allein. Die Gemeindeverfassung, deren Grundstrukturen bereits im sogenannten Weistum von 1253 aufscheinen, entwickelte sich im Lauf des späten Mittelalters weiter. Das älteste Stadtsiegel ist aus dem Jahr 1344 überliefert; in Anlehnung an das Stift und seinen Patron zeigt es den heiligen Petrus mit dem Schlüssel und trägt die Umschrift »* S[igillum] CIVIVM IN ORENGOV«. Bürgermeister finden erstmals 1388 Erwähnung, ein Stadtschreiber 1490. 1494 erhielt die Gemeinde eine nur indirekt überlieferte Ordnung, mit der die rudimentär noch vorhandene Leibeigenschaft aufgehoben wurde. Der bislang von der Herrschaft bestellte Schultheiß wurde fortan wie die Bürgermeister aus der Gemeinde gewählt und anschließend vom Stadtherrn ernannt. Die Stadtgemeinde erhielt erstmals genau bestimmte Anteile an den Einnahmen aus Strafen und Verbrauchssteuern; aus diesen Mitteln wurde vor allem die Unterhaltung und Pflasterung der Straßen finanziert. Zwei städtische Badhäuser finden schon 1357 Erwähnung. In drei ihr von Graf Kraft VI. geschenkten Häusern richtete die Stadt ein Rathaus mit Brot- und Fleischbänken sowie einem Wein- und Fruchtlager ein. Das Haus brannte 1504 samt Archiv und Registratur nieder und wurde durch den noch heute bestehenden Neubau ersetzt. Von einer offenen Kaufhalle im Erdgeschoss gelangte man über eine Freitreppe auf den Tanzboden für Feste der Bürgerschaft im Obergeschoss. Darüber lagen die Verwaltungsräume und der große Ratssaal mit einem Renaissance-Portal. 1549 wurde an der nordwestlichen Gebäudeecke ein Standbild des Grafen Kraft VI. angebracht. Als Verbindungsglied zwischen den Administrationsräten der jeweils am Stadtregiment beteiligten hohenlohischen Linien – zeitweise waren es deren neun – und dem städtischen Rat als Vertretung der Bürgerschaft fungierte von 1494 bis 1525 der aus dem Ratskollegium gewählte, nach dem Bauernkrieg aber wieder von der Herrschaft ernannte Schultheiß, der als Stabhalter auch den Vorsitz im Gericht führte. Der Rat bestand aus zwölf gewöhnlich auf Lebenszeit gewählten Personen, desgleichen das Gericht. Aus dem Rat wurden drei Bürgermeister gewählt, die die Amtsgeschäfte im jährlichen Wechsel führten. Der Bauernkrieg begann in Öhringen mit einem gegen die kirchlichen Vorschriften verstoßenden Kalbsbratenessen am 2. April 1525, inmitten der Fastenzeit. Ein gewählter Ausschuss von 24 Bürgern formulierte gemäßigte Forderungen, vor allem zur Erleichterung des städtischen Wirtschaftlebens; es ging um eine Verbesserung der Gemeindeordnung und des Marktrechts, um die Freiheit des Salzhandels, die Rückkehr zu alten Steuern und Gewichten, die Abzugsfreiheit, die Zweckbindung der Zolleinnahmen an den Straßen- und Wegebau, um eine unabhängige Rechnungsprüfung und um die Aufhebung der nicht zuletzt in fiskalischer Hinsicht priviligierten Stellung der Stiftsgeistlichkeit. Die Öhringer Aufständischen schlossen sich dem Neckartal-Odenwälder Haufen an. Am 30. Mai wurde die Stadt vom Schwäbischen Bund besetzt und musste eine Brandschatzung in Höhe von 2000 Gulden aufbringen. Das Strafgericht fiel dennoch vergleichsweise mild aus. Bis 1531 wurde eine Sondersteuer, das sogenannte Bauerngeld, erhoben. Die Zünfte blieben verboten, die städtischen Freiheiten vorübergehend eingeschränkt. Außerdem musste die Stadt künftig für die Besoldung des Türmers aufkommen. Im Gefolge der Französischen Revolution kam es 1790 in Öhringen erneut zu größeren Protesten gegen die Beanspruchung der Untertanen durch Abgaben und Lasten sowie für größere Freiheiten. Fürst Ludwig Friedrich Karl kam den Forderungen teilweise entgegen und konnte damit die Ruhe in der Stadt wiederherstellen. 1806 fiel Öhringen an Württemberg, wurde Kreissitz, 1809 Oberamt, 1938 Landkreis bis zu dessen Auflösung 1973. — Ob das Öhringer Grafengeschlecht einen Sitz in der Stadt hatte, ist unbekannt. Die von den Hohenlohe eingesetzten adligen Vögte und Amtmänner bewohnten das seit 1455 genannte, 1945 zerstörte Steinhaus am Hafenmarkt. Seit 1611/16 wurde das Schloß als Wohnsitz für die Witwe des Grafen Wolfgang zu Hohenlohe-Weikersheim durch Georg Kern erbaut. Als Öhringen 1677 Residenz der Linie Hohenlohe-Oehringen wurde, wurde es 1681, 1770 und 1812/13 erweitert. 1964 ging das Schloß mit dem Hofgarten in städtisches Eigentum über und dient nach umfassenden Renovierungen seit 1975 als Rathaus. Von einer der zahlreichen in der Stadt lebenden Niederadelsfamilien dürfte um 1580 das sogenannte gelbe Schlößle (Mürdter) erbaut worden sein, 1807 Sitz der hohenlohischen Kammer. — Von den ursprünglich 14 Stadttürmen sind noch acht ganz oder in Resten erhalten. Anstelle des Oberen Tores baute J. W. Glenck 1792 das klassizistische Säulentor. Aus Öhringen stammen der Buchhändler Johann Rymann (1450/60 — 1522); der Hofmaler Johann Jakob Schillinger (1750-1829); Karl Weizsäcker (1822-1899), Prof. der Theologie und Tübinger Universitätskanzler; Johann Georg Knapp (1705 — 1771), Prof. der Theologie in Halle und Nachfolger A. H. Franckes am Waisenhaus.
Ersterwähnung als Stadt: 1253 [vor 1253]
Wirtschaft und Bevölkerung: Die Zahl der Einwohner Öhringens dürfte um 1500 bei höchstens zweitausend gelegen haben. Große Einbrüche verursachten immer wieder periodisch auftretende Seuchen, die in der Regel, aber nicht immer zutreffend als Pest deklariert wurden; so starben 1586 vierhundert, 1607 292 Einwohner. Aus dem Dreißigjährigen Krieg wird für die Jahre 1625/26 von 780 Toten berichtet, für 1634/35 von insgesamt 1131, darunter sicher viele Menschen, die sich vor dem Krieg aus dem Umland hinter die vergleichsweise sicheren Mauern der Stadt geflüchtet hatten. 1642 lebten dort noch rund 260 Bürger mit ihren Familien, das heißt etwa 1100 bis 1200 Personen. 1675 zählte man in Öhringen (mit Möhrig) 357 Familien, also circa 1600 Seelen. Um 1800 belief sich die Einwohnerzahl auf rund dreitausend. Seit dem 14. Jahrhundert entstand eine städtische Oberschicht, aus der sich fast durchgängig die kommunalen Amtsträger rekrutierten und die mit dem Niederadel der Umgebung enge wirtschaftliche und verwandtschaftliche Beziehungen pflegte. Angehörige zahlreicher Adelsfamilien der Umgebung, die vor allem die leitenden herrschaftlichen Beamten stellten, ließen sich in der Stadt nieder, so beispielsweise die von Neuenstein, von Talheim, von Böckingen, von Weiler, von Neudeck, Lesch oder Tenner. Das sogenannte Gelbe Schlössle dürfte um 1580 als Sitz einer solchen Ritteradelsfamilie errichtet worden sein. Weingärtner und Bäcker werden schon im Öhringer Weistum von 1253 genannt, außerdem zwei Mühlen und die Münze. Das älteste Gültbuch der Herrschaft Hohenlohe aus dem Jahr 1357 nennt vier Mühlen, zwei Backstuben und ein öffentliches Brothaus. 1360 erlaubte Kaiser Karl IV. die Veranstaltung einer jährlichen einwöchigen Messe in der Woche nach Ostern. Salz- und Weinhandel trugen zum Wohlstand bei. Ackerbau und Viehzucht gab es selbstverständlich weiterhin, jedoch spielten sie im Wirtschaftsleben der Stadt eine zunehmend geringere Rolle. Weinbau wurde in älterer Zeit auf einer relativ großen Fläche betrieben, als Erwerbsquelle fiel er aber nicht stärker ins Gewicht. Eine große Rolle spielte die Leder- und Tuchfabrikation; Öhringer Tuch, versehen mit einem städtischen Gütesiegel, fand überregionale Verbreitung. Ein Teilungsregister, in dem alle Einkünfte Graf Krafts VI. aufgelistet sind, vermittelt durch die Aufzählung von Abgaben der verschiedenen Handwerke und Zölle das Bild eines lebendigen Handelsplatzes. Zu dessen weiterer Förderung richtete der Graf einen zusätzlichen Fruchtmarkt ein; 1496 gab es daher insgesamt vier Jahrmärkte. Der traditionelle Pferdemarkt findet erstmals 1582 Erwähnung. Der Zunftzwang setzte sich im 15. Jahrhundert durch; aus dem 16. Jahrhundert datieren zahlreiche Gewerbeordnungen für Wirte, Metzger, Bäcker, Goldschmiede und andere alteingeführte Handwerke, darüber hinaus auch für Hebammen. Wichtig war die sogenannte Kessler-Terminey. In einem Gebiet, dessen Grenze von Heilbronn über Mosbach, Osterburken, Mergentheim, Dinkelsbühl, Ellwangen und Murrhardt wieder zurück nach Heilbronn verlief, unterstand die Kesslerzunft schon 1389 den Herren von Hohenlohe. Die Aufsicht und der Schirm über dieses Gewerbe war ihnen als sogenanntes Kesslerlehen vom Kaiser übertragen. Öhringen war der Sitz dieser Zunft, die in ihrem Bereich ein Absatzmonopol für einschlägige Produkte hatte. Das Kesslerrecht spielte bis ins 18. Jahrhundert für Handwerk und Handel eine nicht unbedeutende Rolle. Trotz Schutzbriefen wurde die Stadt im Dreißigjährigen Krieg oft zu immensen Leistungen an die durchziehende Soldateska der unterschiedlichen Kriegsparteien herangezogen. Vor allem der davor florierende Weinhandel und das Handwerk litten unter den Folgen des Kriegs, insbesondere unter der Unsicherheit der Verkehrswege. Nach der protestantischerseits verlorenen Schlacht bei Nördlingen (1634) litt die Stadt beinahe ständig unter Einquartierungen; die geforderten Quartiergelder überstiegen das Leistungsvermögen des Gemeinwesens. Erst kurz vor dem Friedensfest verließen 1650 die letzten schwedischen Truppen das verwüstete Öhringen, dessen stark zurückgegangene Einnahmen sich bei rund 5000 Gulden nur noch auf ein knappes Viertel des Vorkriegsstandes beliefen, dessen Schulden sich aber auf nahezu 100000 Gulden summiert hatten. Seit 1683 bestand eine Druckerei, in der seit 1695 der ›Hohenlohische Chronik-Calender‹ erschien, seit 1783 das ›Privilegierte Oehringer Wochenblatt‹. Von größerer Bedeutung war seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert die Zinngießerei. 1726 wurde ein entsprechendes Unternehmen begründet, dessen Tradition später August Weygang fortsetzte. Zahlreiche Zinnsärge für verstorbene Angehörige der verschiedenen hohenlohischen Linien wurden in den Öhringer Werkstätten gegossen. Eine Leihkasse als Vorläuferin der Sparkasse wurde bereits 1783 in Öhringen durch den Stadt- und Landesherrn ins Leben gerufen. Als Sicherheit für entliehene Gelder wurden jeweils Sachpfänder verlangt. Der Versuch der Gründung einer Leibrentengesellschaft scheiterte am mangelnden Interesse der Bürger.

Name: Schloss Öhringen
Datum der Ersterwähnung: 1611 [1611/16]

Ersterwähnung: 1037
Kirche und Schule: Die Gründung des Chorherrenstifts Öhringen ist in einer auf 1037 datierten, wahrscheinlich aber erst um 1090 oder 1100 entstandenen Urkunde überliefert. Darin bestätigt Gebhard, seit 1036 Bischof von Regensburg, zusammen mit seiner Mutter Adelheid die wohl schon davor erfolgte Stiftung einer Kongregation von Kanonikern bei ihrer von den Grafen Siegfried, Eberhard und Hermann samt anderen Besitzungen ererbten Pfarrkirche Sankt Peter und Paul in Öhringen. Zur bereits vorhandenen Ausstattung der Pfarrkirche fügten die Stifter aus ihrem Erbe die vier Dörfer Ohrnberg, Pfahlbach, Eichach und Ernsbach hinzu sowie weitere, im Stiftungsbrief einzeln aufgeführte Güter und Rechte als freies Eigentum. Weiterer Besitz der Stifter, namentlich um Waldenburg, blieb dem Hochstift Regensburg vorbehalten. Graf Burchard von Komburg wurde zum Vogt ernannt und mit der Hälfte der Stadt Hall belehnt. Gebhard behielt sich die Abberufung des Vogts bei Machtmissbrauch vor; gegebenenfalls sollten die Kanoniker einen neuen Vogt wählen. Gleichzeitig übertrug der Stifter der Regensburger Kirche das Obereigentum, verbot aber Eingriffe in das Stiftsvermögen. Bischof Gebhard bestätigte darüber hinaus ein früheres Tauschgeschäft der im Stiftungsbrief genannten Grafen Siegfried, Eberhard und Hermann mit dem Bischof von Würzburg, wonach das Stift die volle Verfügungsgewalt über den einträglichen Öhringer Zehnt erhielt. Der Stiftungsbrief, dessen besitzrechtliche Verfügungen im Unterschied zu den darin als beteiligt genannten Personen keinem Zweifel unterliegen, sicherte dem Stift die erst im Investiturstreit thematisierte freie Wahl seines Vorstehers und seines Vogts entsprechend den Privilegien der Hirsauer Reformklöster. Das Stift bildete eine selbständige, weitgehend autonome geistliche Korporation, die sich entsprechend selbst verfasster Statuten und Kapitelsbeschlüsse organisierte. Die genaue Zahl der Chorherren ist nicht bekannt, dürfte aber begrenzt gewesen sein (»capitulum clausum«). 1453 finden 24 Kanoniker und zehn Kapläne Erwähnung. Die ältesten erhaltenen, vom Bischof von Würzburg und dem Edelherrn Ulrich von Hohenlohe bestätigten Statuten datieren von 1404 und wurden 1457 letztmals erneuert. Als Angehörige eines Säkularkanonikerstifts waren die Chorherren mit eigenen Pfründen ausgestattet und wohnten in stiftseigenen Kurien rund um den die Kirche bis 1506 umgebenden Friedhof. Zunächst entstammten sie überwiegend dem Niederadel der Umgebung beziehungsweise der hohenlohischen Vasallität, später auch dem Öhringer Patriziat. Voraussetzung für die Aufnahme war seit dem 15. Jahrhundert allein die eheliche Geburt, kein Adelsnachweis; darüber hinaus waren die niederen Weihen, zumindest die Subdiakonats- oder Diakonatsweihe verlangt. Ein »convivium« entsprechend der strengen Augustinerregel gab es nie, nur das gemeinsame Chorgebet zu festgelegten Zeiten. Vor der Einweisung in eine Pfründe mussten die Bewerber in Öhringen eine einjährige Residenzpflicht absolvieren. Auf die Besetzung der Pfründen, für die auch der Bischof von Würzburg und der Kaiser gelegentlich ein Nominationsrecht beanspruchten, nahmen die Landesherren seit der Mitte des 15. Jahrhunderts immer größeren Einfluss und verlangten schließlich von neuen Kanonikern einen Huldigungseid. Viermal im Jahr fanden Generalkapitel statt, darüber hinaus außerordentliche Kapitel nach Bedarf. Um auch auswärtige Pfründinhaber zu vermehrter Präsenz zu animieren, wurden eigens Sitzungsgelder gezahlt. An der Spitze des Stifts stand ein in der Regel adliger Propst. Zur Propstei gehörten besondere Einkünfte, die vom allgemeinen Stiftsvermögen separiert waren. Die häufige Abwesenheit der Pröpste, die mit dem Probsthof über einen repräsentativen Sitz außerhalb des engeren Stiftsbereichs verfügten, führte zu heftigen Auseinandersetzungen im Kapitel und 1510 zu einer Reduktion der pröpstlichen Kompetenzen; der Propst hatte sich seither den Kapitelsbeschlüssen zu unterwerfen. Die eigentliche Leitung der Geschäfte oblag dem vom Kapitel gewählten Dekan. Er war für die Eigengerichtsbarkeit des Stifts innerhalb der Immunität und auf den Stiftsgütern zuständig und hatte innerhalb der Gemeinschaft der Stiftsangehörigen und -bediensteten auf Disziplin zu achten. Die Wirtschaftsverwaltung und jährliche Rechnungslegung oblag dem Kustos, der auch als Thesaurarius oder Bursarius bezeichnet wurde. Er residierte in einem Anwesen unmittelbar hinter der Kirche, vermutlich in dem als »curia Hohensteg« bezeichneten, noch heute vorhandenen Hof mit dem Wappen der Familie von Klein. Für die dem Stift in großen Mengen zukommenden Weinerträge aus Zehnten und sonstigen Abgaben war ein Kellermeister verantwortlich. 1371 wurde durch das Stift und die Herrschaft Hohenlohe gemeinsam eine Brotstiftung (»panis communis«) geschaffen und reich dotiert. Aus ihr erhielten die am Gottesdienst teilnehmenden Chorherren und Vikare dreimal wöchentlich frischgebackenes Brot. Die ständig zunehmenden Einkünfte und die Jahrtage der Zustifter wurden im sogenannten Brotseelbuch verzeichnet, das mit mehreren Miniaturen geschmückt ist. Aus diesen kennt man die Tracht der Chorherren; sie bestand aus einer blauen oder schwarzen Soutane, einem weißen, halblangen Chorhemd und einem braunen Pelzumhang mit Hermelinschwänzen. Die Verwaltung der als Sondervermögen geführten Stiftung besorgte der Brotmeister. Dem Stift oblag die Seelsorge im Bereich der außerordentlich großen Pfarrei Öhringen, deren Gebiet zur Zeit der Gründung den noch weitgehend unbesiedelten Ohrnwald bis nach Westernach und in die Waldenburger Berge umfasste. Für die Stadt Öhringen war ein eigener Pfarrer zuständig. Stift und Pfarrei gehörten trotz der herrschaftsrechtlichen Abhängigkeit vom Hochstift Regensburg zur Diözese Würzburg, und zu deren Landkapitel Weinsberg. 1307 konnte das Stift das Patronatsrecht über die Pfarrkirche in Belsenberg und deren Filialen Ingelfingen und Niedernhall erwerben. Als 1353 in der Stadt ein Spital mit eigener Kirche gestiftet wurde, sicherte sich das Stift auch dort die Zuständigkeit. Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt kam auch noch das Patronatsrecht über die Pfarrei Baumerlenbach hinzu. In zahlreichen Dörfern wie Cappel, Ober- und Unterohrn, Untersöllbach und Windischenbach bestanden vom Stift abhängige Kapellen, die durch unselbständige Vikare und Frühmesser versehen wurden. Das Stift hatte kein Interesse, dort selbständige Pfarreien zu gründen, weil dadurch seine Kompetenzen und Einkünfte geschmälert worden wären. So erlangte die Kapelle in der Residenz Neuenstein erst 1499 Pfarrrechte und einen vom Stift unabhängigen Sprengel. Die Öhringer Stadtpfarrei wurde dem Stift 1502 inkorporiert. Aufgrund häufiger Klagen über den unwürdigen Lebenswandel und die nachlässige Seelsorgetätigkeit der Stiftsherren wie auch der von ihnen angestellten Geistlichen, bemühten sich die Vögte um Abhilfe und schufen 1506 eine vom Stift getrennte Predigerstelle (Prädikatur). Nach dem Scheitern reformatorischer Ansätze im Bauernkrieg 1525 zeigten sich erneut reformatorische Tendenzen in der 1544 auf Initiative der Bürgerschaft und mit Unterstützung des hohenlohischen Rats Ägidius Stemler erfolgten Berufung des Augsburger Theologen Caspar Huberinus auf die vakante Predigerstelle. Huberinus, der durch seine in zahlreichen Auflagen verbreiteten, vor allem der Hausväterliteratur zuzurechnenden Schriften und Predigtausgaben einen Namen gemacht hatte, erhielt von den Hohenloher Grafen 1546 die Erlaubnis zu einer behutsamen Reform des Gottesdienstes. So konnte er auch nach dem Augsburger Interim (1548) in Öhringen weiter in evangelischem Sinn wirken, bis er durch Kaiser Karl V. 1551 erneut vorübergehend nach Augsburg berufen wurde. 1553 verfasste er, wohl unter Beteiligung seines Mitpfarrers Hieronymus Hertel, eine erste Kirchenordnung in lutherischem Geist, die aber wohl nur in einigen wenigen Pfarreien außerhalb Öhringens eingeführt wurde. Er starb im gleichen Jahr und wurde in Öhringen beigesetzt; sein Grabstein ist in der Sankt Anna-Kapelle auf dem Friedhof noch zu sehen. Die eigentliche Reformation wurde in Hohenlohe und Öhringen indes erst 1556, im Jahr nach dem Augsburger Religionsfrieden, eingeführt. Der Öhringer Stiftsprediger übernahm unter dem nun als »summus episcopus« fungierenden Landesherrn die Leitung der neuen protestantischen Landeskirche als Superintendent, und an der Stiftskirche wurden insgesamt vier Stellen für evangelische Geistliche geschaffen. Nach der Neueinrichtung selbständiger Pfarreien in Waldenburg und Pfedelbach umfasste der Pfarrbezirk außer der Stadt schließlich nur noch Büttelbronn, Cappel, Eckartsweiler und Westernbach sowie einzelne Wohnplätze im Ohrntal. Die Kirchenordnung wurde 1578 erneuert. Die Aufhebung des Stifts geschah im Rahmen der hohenlohischen Generalkirchenvisitation von 1556. Den beim alten Glauben verharrenden Chorherren sicherte man den Pfründgenuss auf Lebenszeit zu. Der Chor der Kirche wurde durch eine Mauer vom Schiff abgetrennt und diente bis zum Tod des letzten Chorherrn 1581 weiterhin dem katholischen Gottesdienst; danach wurde die Mauer wieder abgebrochen. Der Versuch zur Wiederherstellung und Rekatholisierung des Stifts aufgrund des Restitutionsedikts von 1629 scheiterte 1631. Die Verwaltung des umfangreichen Stiftsvermögens oblag seither einem von der Landesherrschaft eingesetzten Stiftssyndikus. Die letzte umfassende Aufzeichnung des stiftischen Besitzes in Lagerbüchern fand 1670 statt. Finanziert wurden daraus hinfort außer den Kosten der Bauunterhaltung vor allem die Gehälter von Pfarrern, Lehrern und sonstigen im öffentlichen Dienst Tätigen, vor allem aber auch Stipendien und Almosen. Nach der Mediatisierung zog der württembergische Staat das Stiftsvermögen ein, »inkamerierte« es. Sein Kapitalwert wurde zuletzt auf 138000 Gulden geschätzt, die Einkünfte auf 22000 bis 24000 Gulden. Die Bemühungen um Exkamerierung scheiterten endgültig 1848; deshalb ist noch heute der Staat für die bauliche Unterhaltung der Stiftskirche und der Stiftsgebäude verantwortlich. Das Stift verfügte auch über eine umfangreiche Bibliothek, deren Reste sich heute in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart befinden. Wichtige illuminierte Handschriften, wie das 1428/54 geführte Obleybuch oder das gleichzeitige Brotseelbuch, die beide im Hohenlohe-Zentralarchiv in Neuenstein verwahrt werden, dokumentieren den selbst hohen Ansprüchen genügenden Stand der Schreibkunst im Öhringer Stift. In der Sakristei liegen noch heute einige Kettenbücher aus dem 15. Jahrhundert. Die ältesten Ansichten, die vom Vorgängerbau der heutigen Stiftskirche überliefert sind, finden sich im sogenannten Obleybuch des Stifts. Dargestellt ist eine einschiffige romanische Basilika mit durchgeschobenem Querhaus und polygonalem Chorschluss sowie einer Doppelturmfassade mit einem Verbindungsgang zwischen den Türmen in deren oberem Teil. Die alte Pfarrkirche wurde wohl im 12. Jahrhundert erweitert. Von den beiden damals geplanten Chorseitentürmen wurde allerdings nur einer, der heutige Läutturm, gebaut, dazu eine Vorhalle mit Atrium zwischen den Westtürmen. Mit den Erträgen aus Ablassbriefen von 1451 wurde 1454 (Grundstein) mit dem Bau einer spätgotischen dreischiffigen Hallenkrypta mit Säulen unter dem Hochchor begonnen. 1457 erfolgte die Weihe der drei Altäre in der Krypta, 1467 die des Altars im Chor. In der Krypta fand der Sarkophag Adelheids von 1241 Aufstellung. Als 1457 einer der Westtürme einstürzte und das Langhaus schwer beschädigte, beschloss man den Neubau einer dreischiffigen spätgotischen Halle mit Seitenkapellen; um 1500 war dieser Bau abgeschlossen. Die Rippen des Sternnetzgewölbes ruhen an den Breitseiten der Pfeiler auf figürlichen Konsolen, die Fratzen, Heilige, Propheten und Engel mit Spruchbändern darstellen. Die Schluss-Steine im Langhaus zeigen vor allem die Wappen des Stifts, der Landesherrschaft Hohenlohe und – wegen der Gemahlin des Bauherrn, Graf Kraft VI. – auch das Württembergs. Im Gewölbeschluss des Chors ist das bis 1495 geführte Anspruchswappen Hohenlohe-Ziegenhain-Nidda angebracht. Die Schluss-Steine über den netzgewölbten Kapellen zeigen auf die jeweiligen Altäre bezogene Heilige oder Stifterwappen von Öhringer Familien. Baumeister seit 1491 waren Hans von Urach und Bernhard Sporer. In dem anstelle der ursprünglichen, archäologisch nachgewiesenen Westtürme errichteten zentralen Blasturm waren in zwei gewölbten Räumen jahrhundertelang die gemeinschaftlichen Archive des Hauses Hohenlohe verwahrt; sie lagen dort bis nach dem Zweiten Weltkrieg (bis 1956). Im Obergeschoss befindet sich die inzwischen restaurierte Wohnung des Türmers mit einem Umgang. Der Hochaltar mit fünf lebensgroßen Heiligenfiguren in spätgotischem, allerdings erneuertem Gesprenge wurde von einem unbekannten Meister zur Zeit der Fertigstellung des Kirchenbaus geschaffen. Die Deutung einer heute in Berlin befindlichen Figur eines steinernen Kanzelträgers aus der Bauzeit als Selbstporträt des Bildhauers Anton Pilgram ist umstritten. Reste von Glasfenstern aus dem 15. Jahrhundert mit Stifterbildern sind in den Fenstern des Chors angebracht. Die Seitenaltäre wurden nach der Reformation entfernt, der Hochaltar eingelagert. Die nachreformatorische Nutzung der Krypta als Begräbnisstätte der landesherrlichen Familie findet ihren Ausdruck in den Grabdenkmälern im Chor. Bedeutende Schöpfungen darunter sind die Grabmäler für Graf Ludwig Casimir (gestorben 1568) und seinen Bruder Graf Eberhard (gestorben 1570), das eine sicher, das andere vermutlich von Johann von Trarbach. Von Michael Kern stammt das als Tischgrab konzipierte, 1722 zu einem Wandmonument umgestaltete Epitaph für Graf Philipp Ernst von Hohenlohe-Neuenstein (gestorben 1606) und seine Gemahlin Maria von Oranien. An der Chorwand steht das allegorisierende Barockdenkmal für den letzten Grafen von Hohenlohe-Pfedelbach (gestorben 1728), geschaffen von den Künzelsauer Bildhauern Sommer. Bis 1507 entstand der dreiflügelige Kreuzgang – heute Standort von Kriegerdenkmälern und Beamtengrabmälern – sowie das eigentliche Stiftsgebäude, das der Unterbringung der Verwaltung, der Stiftsschule und stiftischer Vorratsräume diente. In einer großen Seitenkapelle des Kreuzgangs – durch eine Bogenöffnung von der Kirche aus zugänglich – war der Kapitelsaal untergebracht, in dem heute ein spätgotischer steinerner Margarethen-Altar steht. Nach dem Bau des Öhringer Schlosses seit 1612 führte von dort aus dem Obergeschoss ein Gang über die Gasse durch die Seitenschiffwand direkt in die Kirche zu einer Loge mit Blick auf den Altar und die Kanzel; dieser Kirchengang wurde im 19. Jahrhundert abgebrochen. Die 1732 eingeweihte neue Orgel stammte von Johann Christian Wigleben aus Wilhermsdorf bei Nürnberg; ihren barocken Prospekt hat der Hofmaler Georg Peter Schillinger in einer Zeichnung festgehalten; 1888 wurde das alte Gehäuse durch ein neugotisches ersetzt. Im Inneren wurde die Kirche, deren Äußeres seit der Reformation keine großen Veränderungen mehr erfuhr, mehrfach den wechselnden Moden entsprechend umgestaltet, zuletzt im Stil der Neugotik um 1890. Auf dem Friedhof wurde 1423 eine als Beinhaus dienende Sankt-Michael-Kapelle errichtet; ihr Stifter war der Dekan Johann Gemminger. Sie wurde 1581 abgebrochen, ihre Steine dienten zur Vergrößerung der Sankt Anna-Kapelle auf dem Friedhof vor der Stadt. Ein »Rector scholarum« wird in Öhringen erstmals 1234 erwähnt; 1349 wurde er bereits als Schulmeister bezeichnet und war nicht mehr Mitglied des Stiftskapitels. Er leitete die Ausbildung des Stiftsnachwuchses, doch scheinen schon früh die schulischen Aufgaben über die engeren Stiftsbedürfnisse hinaus ausgedehnt worden zu sein. Vor allem war der Schulmeister für die gesangliche Ausbildung der Kinder im Hinblick auf die Gestaltung der Gottesdienste verantwortlich. Im Zuge der Reformation erfuhr auch das Schulwesen eine durchgreifende Neuorganisation. Mit der Gründung einer deutschen Schule entwickelte sich die alte Stiftsschule, an der schon früh Bürgersöhne unterrichtet worden waren, zur Lateinschule. 1546 wurde der erste Präzeptor berufen. Die Kosten des Unterhalts bestritt man aus den Einkünften des aufgehobenen Stifts. Eine Schulordnung von 1549 regelte den Unterricht und die Lehrinhalte. Für begabte Landeskinder standen aus Mitteln des Stifts zehn Stipendien bereit, für die es seit 1582 eine Stipendiaten-Ordnung gab. Der von 1554 bis 1567 amtierende Rektor Johann Lauterbach wurde 1558 von Kaiser Ferdinand I. geadelt und zum »poeta laureatus« gekrönt. Bereits 1568 unterrichteten fünf Lehrer acht Jahrgänge in vier Klassen. Der erste Bau der Lateinschule stand an der Stelle des heutigen Schlosses. Mit Beginn des Schlossbaus wurde die Lateinschule in die Stiftsgebäude verlegt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kamen zu den traditionellen Fächern – Theologie, Latein, Griechisch, Hebräisch, Mathematik und Musik – noch Rhetorik, Astronomie, Geographie und Philosophie hinzu. Auch Theaterspiele wurden durch die Schüler aufgeführt. Der gute Ruf der 1692 als Gymnasium bezeichneten Lateinschule strahlte weit ins Umland hinaus. Neben den traditionellen Unterricht traten nicht zuletzt akademische Vorlesungen im Sinn eines »studium generale«. Zu Weihnachten und Neujahr zogen die Schüler der Lateinschule von Haus zu Haus und sangen Choräle und weltliche Lieder. Weil ein Teil der bei dieser Gelegenheit gesammelten Spenden weniger bemittelten Schülern (»pauperes«) zufloss, hieß dieser Brauch im Volksmund »Paupersingen«; er wurde bis zur Mediatisierung gepflegt. Die Aufklärung brachte neue Fächer hervor. Neben dem schon länger unterrichteten Französisch wurden nun auch Zeichnen und Deutsch eingeführt sowie naturkundliche Sammlungen angelegt. 1805 wollte Fürst Friedrich Ludwig zu Hohenlohe-Ingelfingen das Gymnasium entsprechend dem Beispiel der Hohen Karlsschule in Stuttgart umorganisieren, aber mit der Mediatisierung wurde dieser Plan gegenstandslos. Die 1811 von Württemberg verfügte Aufhebung aller Gymnasien in Landstädten und ihre Umwandlung in einfache Lateinschulen beendete vorübergehend eine lange und erfolgreiche Tradition der höheren Schulbildung in den hohenlohischen Fürstentümern, in denen das Öhringer Gymnasium als einzige höhere Schule stets einen Integrationsfaktor darstellte. Ein deutscher Schulmeister erscheint bereits 1526 im Ratsprotokoll. Die deutsche Schule wurde 1555 in einem ehemaligen Stiftsherrenhof in der Schulgasse 13 eingerichtet. Später erfolgte der Unterricht entsprechend der »Teutschen Schulordnung« von 1596. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen dominierte die religiöse Erziehung; die Schüler wirkten an den sonntäglichen Gottesdiensten mit. Die Lehrer der deutschen Schule erteilten auch an der Lateinschule Unterricht und stellten an der Stiftskirche die Kantoren. Einer von ihnen war von 1735 bis 1774 Johann Heinrich Bach, ein Neffe Johann Sebastians. Die Zahl der Schüler nahm beständig zu, von 58 im Jahr 1779 bis auf 282 1802. Ein neues Schulgebäude wurde 1803 eingeweiht; in je einer Klasse für Knaben und Mädchen unterrichteten zwei Präzeptoren. Die Lehrer der gesamten Fürstentümer erfuhren seit 1788 in einem von Fürst Ludwig Friedrich Karl gegründeten Lehrerseminar in dreijährigen Kursen eine besondere Ausbildung, jeweils bis zu vier in einem Jahr; das Seminar existierte bis 1811. Schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts hatte der Kupferzeller Pfarrer und Landwirtschaftsreformer Mayer Realschulen für die berufliche Bildung, vor allem zur Erlernung eines verbesserten Feldanbaus gefordert. Eine erste Möglichkeit zur Erlernung der für einzelne Berufe wichtigen Elemente war um 1770 die Einrichtung einer Zeichenschule. Hier konnte auf freiwilliger Basis Freihandzeichnen und technisches Zeichnen erlernt werden. 1794 wurde von der Herrschaft für das damals von etwa fünfzig Schülern regelmäßig besuchte Institut in der Karlsvorstadt ein eigenes Gebäude errichtet. Vorüberlegungen zur Gründung einer Industrieschule kamen bis zur Mediatisierung über Planungen nicht hinaus. In der 1464 geweihten dreischiffigen Hallenkrypta der St. Peter- und Paulskirche steht der Sarkophag der Stifterin Adelheid von 1241 und eine Tumba ihres Sohnes Gebhard. Sie ist seit der Reformation Grablege der Hohenlohe. Vom Vorgängerbau stammen Tierplastiken am sogenannten Löwentörle, eine Blattmaske und Figuren der Patrone Petrus und Paulus. 1888 wurde die Kirche neugotisch renoviert, dabei die alte Kanzel mit einem Selbstbildnis von Anton Pilgram als Kanzelträger entfernt. Von der alten Ausstattung ist der Mittelschrein des ehemaligen Hochaltars erhalten, fünf Standbilder eines unbekannten Meisters. Im Norden an die Kirche angebaut liegen die ehemaligen Stiftsgebäude mit dreiflügeligem Kreuzgang, die 1556 bis 1956 die Lateinschule, beziehungsweise das Gymnasium beherbergten. Der Kapitelsaal, »Hölle« nach einem ehemaligen Bild des jüngsten Gerichts an der Stirnwand genannt, ist heute Kapelle. Die einschiffige schlichte Spitalkirche St. Anna und Elisabeth wurde 1376 geweiht und dient heute den griechischorthodoxen Gastarbeitern als Kirche. Die Friedhofskapelle St. Anna wurde nach der Verlegung des Friedhofs von der Stiftskirche (heute Marktplatz) 1520 erbaut. Sie enthält zahlreiche Epitaphe und Grabmäler des 16.-18. Jahrhunderts. Die Katholiken benutzten zunächst seit etwa 1940 die Spitalkirche als Vikariat von Pfedelbach. Nach Gründung der katholischen Pfarrei Öhringen 1957 wurde 1960/61 die Pfarrkirche St. Josef erbaut.
Patrozinium: St. Peter und Paul
Ersterwähnung: 1037
Jüdische Gemeinde: Bereits das Öhringer Weistum von 1253 unterstellte die in der Stadt ansässigen Juden dem Schutz der Vögte, der Herren von Hohenlohe. Bei der ersten großen Judenverfolgung in Franken durch den Ritter Rintfleisch 1298 wurde nach Ausweis der Memorbücher auch die jüdische Gemeinde in Öhringen heimgesucht, konnte sich aber danach offenbar rasch wieder erholen. Sie hatte eine eigene Synagoge, die vermutlich im Zuge der großen Judenverfolgung während der Pest 1348/49 zerstört wurde. Als Anna von Hohenlohe nach der Pestepidemie ein Spital stiftete, errichtete man dieses zunächst an der Stelle, an der bisher die Synagoge gestanden hatte (»in quo perfidorum synagoga Judaeorum hactenus extiterat«); 1371 wurde es in die Altstadt verlegt. Trotz dieser Nachrichten ist der Standort der Synagoge heute nicht mehr bekannt. Nach der Mitte des 14. Jahrhunderts dürften nur noch vereinzelt Juden in Öhringen wohnhaft gewesen sein, so beispielsweise ein 1475 erwähnter Mose am Unteren Tor. Als in der hohenlohischen Erbeinung von 1511 die Ansiedlung von Juden in der Grafschaft generell verboten wurde, hatten die letzten Israeliten die Stadt wohl schon längst verlassen. Getaufte Juden wurden geduldet, so der ehemalige polnische Rabbiner Christlieb, der 1760 eine Öhringerin heiratete, das Bürgerrecht erwarb und sein Gewerbe als Zuckerbäcker betrieb. Eine neue jüdische Gemeinde entstand erst wieder nach dem Abschluss der Judenemanzipation nach 1860. Die nach 1860 entstandene neue jüdische Gemeinde richtete 1888 im ehemaligen Gasthaus Sonne eine Synagoge ein und legte 1911 am Galgenberg einen Friedhof an. Nach Demolierung in der sogenannten Reichskristallnacht dient die profanierte Synagoge heute als Jugendherberge.

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