Gaildorf 

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Typauswahl: Gemeinde
Status: Stadt
Homepage: http://www.gaildorf.de
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Einwohner: 11974
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 191.0
Max. Höhe ü. NN (m): 522.45
Min. Höhe ü. NN (m): 307.54
PLZ: 74405

Das 62,57 qkm große Stadtgebiet von Gaildorf im Süden des Landkreises Schwäbisch Hall gehört zu den Keuperhöhen im Randbereich der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge. Die höchsten Geländepunkte befinden sich mit ungefähr 522 m NN im Wald Schwarze Lache westlich Spöck am Westrand des Gebiets und im Wald Herschel zwischen Großaltdorf und Winzenweiler, die tiefste Stelle ist am Austritt des Kochers über die nördliche Stadtgrenze bei etwa 309 m NN. 1404 bewilligte König Ruprecht von der Pfalz die Erhebung Gaildorfs zur Stadt, womit auch das Markt- und Befestigungsrecht verbunden war. Herren über die trapezförmige Siedlungsanlage an einem Kocherübergang waren die Schenken von Limpurg, die im Alten Schloss residierten. 1806 fielen alle heutigen Stadtteile vollständig an Württemberg, das bereits zuvor kleinere Partien erworben hatte. Sie gehörten alle ab 1806/07 zunächst zum Oberamt bzw. Landkreis Gaildorf und nach dessen Auflösung 1938 zum Landkreis Backnang. Im Zuge der kommunalen Gebietsreform konnte die Stadt eine Reihe von bis dahin selbständigen Gemeinden als neue Stadtteile eingliedern: Ottendorf am 1. Juli 1971, Unterrot zum Jahresbeginn 1972 und Eutendorf am 1. Januar 1974. Seit Neujahr 1973 gehört Gaildorf, das die Funktion eines Unterzentrums erfüllt, zum Landkreis Schwäbisch Hall. Zu den Sehenswürdigkeiten der Altstadt zählen das im 15. Jahrhundert erbaute und mehrfach erweiterte Alte Schloss mit Innenhof, das im 16. Jahrhundert erbaute Alte Rathaus und der Alte Speicher von 1490.

Die Stadt Gaildorf und ihre Teilorte liegen rund 13 Kilometer südlich von Schwäbisch Hall. Über die B 298 ist die Stadt mit Schwäbisch Gmünd und über die B 19 mit Schwäbisch Hall und Aalen beziehungsweise Ulm verbunden. Mehrere Kreis- und Landesstraßen ergänzen das Straßennetz. Die Bahnlinie Stuttgart–Nürnberg führt durch Gaildorf und besitzt hier einen Bahnhof. Über die Gaildorfer Bucht hat die Stadt Anteil an den Schwäbisch-Fränkischen Keuperwaldbergen (310–520 Meter über Normalnull) und wird von den Nordwest-Südost gerichteten Rücken des Mainhardter Walds im Westen und den Limpurger Bergen im Osten bestimmt. Die auf rund 310–320 Metern über Normalnull liegende Talaue des Kochers hat sich durch rückschreitende Erosion etwa 200 Meter in die Landschaft eingeschnitten. Die ost- beziehungsweise westwärts abdachenden Rücken werden in ihren Rändern gegen Gaildorf durch die dem Kocher tributären Bäche aufgelöst. Der nördlich Gaildorf stark mäandrierende Kocher und seine Zuflüsse lassen kontrastreich die auf den Gleit- und Prallhängen gründenden Orte hervortreten. Hierdurch entsteht ein abwechslungsreiches Bild von Ausräumbecken, Bergspornen, Hochflächen, Zeugenbergen und Steilstufen. Die die Landschaft aufbauenden Gesteine gehören der vielschichtigen Trias mit dem Oberen Muschelkalk sowie dem Unteren Keuper (Lettenkeuper) und Mittleren Keuper (Gipskeuper, Schilfsandstein, Untere Bunte Mergel, Kieselsandstein, Obere Bunte Mergel, Stubensandstein) an. Aber auch das Quartär hinterließ vielfältige Spuren. Die oberste Lage der Aue gründet in den intensiven mittelalterlichen Rodungen der Menschen, die verbreitet Bodenabträge verursachte. Daraus entwickelten sich neben Braunerden auch biologisch wenig aktive (moorige, sumpfige, gleyige) Böden aufgrund hoher Grundwasserstände. Für Flusslaufveränderungen waren und sind die Kocherzuflüsse mitverantwortlich. Sie schütteten Schwemmkegel auf, die in hochwasserfreier Lage Siedlungen (Ottendorf) aufweisen. Die Aue stößt an die Kochersteilufer, die zwischen Gaildorf und Niederndorf aus dem Oberen Muschelkalk bestehen. Auf den Prallhängen hat sich der so genannte Klebwald (vor allem Laubbäume) entwickelt, der eine eigene Bodenflora besitzt. Die Gleithänge tragen verschwemmten Löss über Lettenkeuperfließerden, die landwirtschaftlich genutzt werden. Im Schichtenspektrum folgt der wechselgelagerte Lettenkeuper. Er besitzt schwere, tonige Braunerden, teilweise mit Grundgipsschichtresten. Darüber liegen zum Beispiel im Flürle teils mächtige Lösslehme, die früher der Ziegelproduktion dienten. Finden sich Bereiche mit Staunässe, so herrscht Grünland, ansonsten Ackerbau vor. Die Vitriolschiefer (Unterkeuper) wurden einst für das inzwischen aufgelassene Alaunbergwerk Gaildorf abgebaut. Der Bereich der Letten-/Gipskeupergrenze zwischen Kleinaltdorf bis Niederndorf wird von eiszeitlichen Ablagerungen (Hochterrassenflussschotter) in Höhen um 330–360 Meter über Normalnull überdeckt. Hier setzt der verbreitete Gipskeuper (360–440 Meter über Normalnull) ein. Er stellt eine flachwellige, teils durch zeitweise auf¬tretende Gewässer zerschnittene Ausspülungs- und Auslaugungslandschaft mit ausgedehnten Hohlformen bis hin zu kleinräumigen Sackungen dar. Sie weist neben Verstürzen, Trockentälern, Fließerden und Hangschutt Karstformen wie Dolinen oder Erdfälle auf, die durch Gipslösung entstanden und teils verfüllt sind. Der Gipskeuper begleitet die dem Kocher zufließenden Nebenarme meist in den Ober- und Mittelläufen. Die dem Gipskeuper zugehörige Grundgipsschicht ist südlich Adelbach erschlossen. Sie wurde früher oft zu Baugips verarbeitet oder diente als Rohgips der Bodenverbesserung. Der Untere Gipskeuper wurde mit Verwitterungslehmen und Fließerden vermischt in der Ziegelhütte Gaildorf verarbeitet. Im sandigen Hangschutt hinauf zum Schilfsandstein finden sich ackerbaulich brauchbare Böden. Ist dagegen vermehrt Ton beigemischt, steigt zwar der Nährstoffanteil, gleichzeitig wird aber die Bearbeitbarkeit erschwert. Zudem entstehen beim Austrocknen rissbildende Minutenböden. Oft sind diese Areale deshalb mit Wald (Eichen-Hainbuchen, Dornsträucher) bestanden oder werden als Wiesen genutzt. Auf sonnenexponierten mittleren und tieferen Hanglagen gab und gibt es Obst- und Ackerbau, früher gar Weinbau, worauf die Keltern in Gaildorf und Ottendorf sowie der Flurname Weinberg hinweisen. Aus dem Gipskeuper tritt kalziumsulfathaltiges Wasser aus, das früher im alten Marktbrunnen von Gaildorf als Trinkwasser genutzt wurde. Hingegen stammt das Wasser für das Gaildorfer Mineralfreibad aus der Grundgipsschicht und der Bochinger Bank. Der Schilfsandstein (430–440 Meter über Normalnull) zeigt sich in einem schmalen Übergangshorizont und bildet mit den Unteren Bunten Mergeln (450–480 Meter über Normalnull) den eigentlichen Steilanstieg. Mitunter wurde der Schilfsandstein als Baustein verwendet (Evangelische Kirche, beide Schlösser Gaildorfs). Die dem Schilfsandstein auflagernden Unteren Bunten Mergel (Rote Wand, Lehrbergschicht) bilden eine Hangschuttzone aus, die zumeist waldbestanden ist. Nach Überwinden des Steilanstiegs gelangt man auf die Verebnungen des stufen- und in seinen Rändern spornbildenden Kieselsandsteins (490–510 Meter über Normalnull). Um Winzenweiler ist ein etwa 2 Kilometer breites Plateau erhalten. Westlich der Linie Unterrot-Adelbach ist die Stufe in Ausliegerberge und Zeugenberge (Kirgel-, Ebers-, Leh-, Adel-, Kieselberg) zerlegt. Die Quellhorizonte des Kieselsandsteins sind durch Versturz verschüttet. Vor allem in den Bachquellgebieten, wo Wasserfälle (Pfannenbach) vorkommen können, treten Rutschungen und Bergstürze auf. Als Sonderform finden sich quartäre Kalksinter (Bröckinger Bach). Über die Oberen Bunten Mergel (510–520 Meter über Normalnull) erfolgt ein weiterer kleiner Anstieg; sie sind auf den Verebnungen um Winzenweiler als Zeugenberge (Brandhalde, Herschel) anzutreffen. Die Böden sind meist flachgründig, tonig, staunässegefährdet und schwer bearbeitbar, so dass sie in offener Landschaft zur Vergrasung neigen. Der Stubensandstein (490–500 Meter über Normalnull) blieb sowohl als Zeugenberg, überdeckt mit flächendeckendem Feuersteingrobschutt (Ladstatt, Kieselbergkuppe), wie auch in einer ausgedehnten Fläche (Reippersberg) mit tiefgründig-mächtigen Verwitterungsdecken und meist nährstoffarmen Böden (Heidevegetation) erhalten. Der Mainhardter Wald hemmt ozeanische Einflüsse, wodurch kontinentalere Klimazüge entstehen. Hieraus ergeben sich unterschiedliche Regenmengen, unter anderem sind im Anströmbereich gegen die Limpurger Berge die Niederschläge mit 900 Millimetern geringfügig größer als im leebedingten Westen mit etwa 887 Millimetern. Die Entwässerung über den Kocher erfolgte einst zur Donau hin. Es kam jedoch mit der rückschreitenden Erosion des Neckars zur Flussumkehr, erkennbar an den Süd, Südost und Ost ziehenden Tälern wie an den mit verkehrtem Winkel (Adelbach, Rot) einmündenden Nebenarmen. Der Kamm der Limpurger Berge birgt die Wasserscheide der Kocher- beziehungsweise Bühler-Zuflüsse. Die weite Verbreitung der für den Ackerbau untauglichen Geländepartien macht die Stadt Gaildorf mit einem Bodenflächenanteil von fast 52 Prozent zu einer waldreichen Gemeinde. Das Holz wurde früher über den Kocher nach Schwäbisch Hall zum Salzsieden und die in den Kohlenmeilern produzierte Holzkohle auf der Kohlenstraße nach Wasseralfingen zur Eisenverhüttung transportiert. Gegenwärtig bildet es noch eine gute Grundlage für die heimischen Holz verarbeitenden Betriebe.

Wappen von Gaildorf

In Rot zwei schräg gekreuzte silberne (weiße) Flößerhaken, überdeckt von einem silbernen (weißen) Floß.

Beschreibung Wappen

Das Floß erscheint im ältesten Siegel der Stadt von 1434 im geteilten und oben gespaltenen Schild unter den Spitzen und Streitkolben der Herrschaft Limpurg. Die jetzige Figuren Verbindung ist seit dem 19. Jahrhundert belegt. Damals zeigte ein von Rot und Grün geteilter Schild oben zwei goldene Flößerhaken, unten ein silbernes Floß (sogenanntes „Fach"), das an die frühere Flößerei auf dem Kocher erinnert. Diese Anordnung der Figuren ist noch für 1930 nachgewiesen, während im Stadtsiegel von 1902 bereits das jetzige Wappen erschien. Auch die Flaggenfarben - Ende des 17. Jahrhunderts: Weiß-Rot, später zeitweilig: Rot-Grün - wechselten, bis 1956 die dem nach 1930 festgelegten Wappen entsprechenden älteren Flaggenfarben Weiß-Rot verbindlich eingeführt wurden.

GND-ID:
  • 4019089-4
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