Obersontheim - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1349

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Obersontheims erste sichere urkundliche Erwähnung (»Obern Sunthein« entspricht Südheim) datiert aus dem Jahr 1349. Die Bezeichnung Südheim ist ein für die fränkische Kolonisation des 7./8. Jahrhunderts typischer Orientierungsname, der auf eine Gründung vom fränkischen Stützpunkt Stöckenburg aus hinweisen könnte. Der historische Ortskern mit Schloss und Rathaus liegt am linken Ufer der Bühler, der auf dem rechten Bühlerufer liegende Teil des Orts (»Wasserrain«) wurde ab 1601 errichtet. Der größte Teil der Wüstungen im Gemeindebereich geht wohl vor allem auf das 15. und 16. Jahrhundert zurück. Das nach 1448 abgegangene Bräunlinshausen erscheint im 19. Jahrhundert noch als Flurname. Nach 1426 ist Mettelhofen abgegangen, das zwischen Ober- und Untersontheim bei der Mettelmühle lag. Der Ort wird erstmals 1361 erwähnt, als Heinrich Welfe von Süntheim unter anderem ein Gut zu Mettelhofen an Beringer Snewazzer zu Hall verkaufte. Die Vogtei war ellwangisch und hohenlohisch. Der Marktplatz Obersontheims liegt abseits der Hauptstraße. Der Ort vergrößerte sich entlang seiner Ausfallstraßen nach Crailsheim und Ellwangen beziehungsweise nach Schwäbisch Hall und Gaildorf. Zu den neuen Wohngebieten der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg zählen im Westen die Siedlungen im Gewann »Ebbach« (1965/72), im Norden »Ellwanger Baum« (1969) und im Nordosten »Hermannstal« (1960). Im Westen besteht außerdem das Gewerbegebiet »Hacker«.
Historische Namensformen:
  • Suntheime 1002
  • Obern Sunthein 1349
Geschichte: Das Obersontheimer Schloss war ursprünglich Sitz der seit dem 14. Jahrhundert bezeugten Herren von Suntheim, später befand es sich im Besitz derer von Crailsheim. 1475 verkaufte Georg von Crailsheim zu Schönbronn das Schloss mit sieben Gütern an Schenk Wilhelm von Limpurg (1434–1517). Güter und Rechte in Obersontheim hatte auch das Kloster Ellwangen besessen. Im Jahr 1367 verkaufte Kloster Ellwangen unter dem Vorbehalt des Wiederkaufrechts an Walther von Enslingen die neue Mühle und einige Güter zu Obersontheim sowie alle ihre Gülten und Vogtrechte. Im 15. Jahrhundert ging der Enslinger Besitz nach und nach zum Teil wieder in den Besitz von Ellwangen über: 1489 verkaufte Krafft von Enslingen an Propst Albrecht zwei Lehengüter zu Obersontheim, die Letzterer kurz darauf an die Sankt Wolfgangskapelle in Ellwangen abtrat. 1490 erwarb Propst Albrecht Güter und Gülten zu Obersontheim, die ursprünglich aus dem Besitz des Krafft von Enslingen stammten, und im selben Jahr verkaufte Krafft von Enslingen an Propst Albrecht sein Haus zu Obersontheim. Drei Güter in Obersontheim, die zum Amt Crailsheim zählten, befanden sich 1532 im Besitz der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach. Die Schenken von Limpurg haben von 1541–1713 die Geschichte des Orts geprägt. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts war es den Limpurgern gelungen, sämtliche Güter und Rechte an sich zu bringen: Zwischen 1477 und 1479 kauften sie 15 Güter. 1483 erwarben sie die von Hohenlohe zu Lehen gehende Vogtei von Hans von Vellberg sowie erneut ein Gut. Weiterer Gütererwerb folgte. 1541 kauften sie von der Stadt Hall zehn, 1557 von Hans Wolf von Rechberg zu Heuchlingen drei Güter, 1562 und 1599 von der Stadt Hall alle Zehnten, 1563 von Conrad von Vellberg vier, 1575 von Markgraf Georg Friedrich zu Brandenburg drei Güter und 1578 vom Stift Ellwangen mit der Frühmesse mehrere Kaplanei- und Heiligengüter. Auch ergaben sich 13 freie Bauern zwischen 1479 und 1575 an Limpurg. Im Jahr 1583 kauften sie von den Gaisberg´schen Erben den von ihren Voreltern ererbten Sitz zu Obersontheim. Erst nachdem Schenk Erasmus (1502–53) im Jahr 1541 Schloss Limpurg mit dem Flecken Unterlimpurg sowie den zugehörigen Reichslehen an die Reichsstadt Hall verkauft hatte, übersiedelte er nach Obersontheim, das er in den folgenden Jahren zur Residenz ausbaute und zum Herrschaftsmittelpunkt der Speckfelder Linie machte. Zwischen 1558 und 1676 etablierte sich die Nebenlinie Limpurg-Speckfeld-Obersontheim: Die Halbbrüder Eberhard (1560–1622) und Heinrich II. (1573–1637) hatten sich darauf geeinigt, die Limpurg-Speckfelder Herrschaft in den Speckfelder und den Obersontheimer Landesteil aufzuteilen. Heinrich erhielt Obersontheim. Mit seinem Enkel Heinrich Kasimir starb 1676 jedoch bereits die Linie Limpurg-Obersontheim aus, und Schenk Vollrath (1641–1713) aus der Speckfelder Linie trat das Erbe an. Schließlich starb mit Schenk Vollrath, der noch einmal die ganze Linie vereinigt hatte, das ganze Geschlecht der Schenken von Limpurg aus. Seine Ehefrau Eleonore starb 1722. Es folgten jahrzehntelange Streitigkeiten um den Nachlass zwischen den Töchtern Schenk Vollraths, den Erbtöchtern des letzten Schenken von Limpurg-Gaildorf sowie mit Preußen als Inhaber der Erbansprüche des preußischen Generalmajors Georg Eberhard von Limpurg (1643–1705). Nachdem Eleonore durch einen Entscheid des kaiserlichen Reichsgerichts gegen die Ansprüche des Königs Friedrich Wilhelm von Preußen ihre Besitzungen behalten hatte, wurden diese auf ihre fünf Töchter vererbt. Schließlich wurden 1775 aus der Herrschaft Limpurg-Obersontheim-Speckfeld fünf Teile gebildet: Limpurg-Sontheim-Schmiedelfeld, das 1781 durch Kauf an Württemberg fiel; Limpurg-Sontheim-Gröningen, das 1806 mediatisiert und 1827 endgültig an Württemberg verkauft wurde; Limpurg-Sontheim-Obersontheim, das weiter geteilt und völlig zersplittert wurde; Limpurg-Sontheim-Gaildorf und Limpurg-Sontheim-Michelbach, die ein ähnliches Schicksal hatten. Obersontheim fiel der dritten Erbtochter Vollraths, Amöne Sophie Friederike, und deren Ehemann, dem Grafen Heinrich Friedrich von Löwenstein-Wertheim, zu, die aber ihren bisherigen Wohnsitz in Wertheim beibehielten. Die sechs Kinder des Löwensteiners verkauften ihre »Sexten« (Landesteile) nach und nach an die Krone Württemberg, und ab 1782 besaß Württemberg zwei Sechstel. 1806 kam Obersontheim mit den zuvor erworbenen Teilen an Württemberg. 1563 hatte Kaiser Ferdinand I. den Schenken zu Limpurg zum einen die hochgerichtliche Obrigkeit, zum anderen das Recht, in Obersontheim zwei Jahrmärkte abhalten zu dürfen, verliehen. Sie fanden am Sankt Urbanstag (25. 5.) und am Sankt Egidientag (1. 9.) statt. Zu einer Stadterhebung war es jedoch nicht gekommen. Ausdruck der limpurgischen Herrschaft über Obersontheim sind die vor allem im 16. und 17. Jahrhundert erlassenen Ordnungen. Sie regeln Verfassung, Verwaltung, die verschiedenen Wirtschaftszweige sowie die sittliche Ordnung. Beachtliches leisteten die Schenken auf dem Gebiet der sozialen Fürsorge: Das um 1450 als Stiftung gegründete Spital wurde 1541 von Friedrich VII. mit der Residenz von Unterlimpurg nach Obersontheim verlegt. Als die Herrschaft im 18. Jahrhundert in fünf Linien aufgeteilt wurde, blieb es als gemeinschaftliche Anstalt erhalten. Von Bedeutung ist auch das von dem Hofprediger Johann Müller gegründete und durch Schenk Vollrath geförderte Waisenhaus, das von 1700–1811 bestand und ebenfalls gemeinschaftlich blieb. 1706 wurde hier eine Schule eingerichtet, in der zeitweise bis zu 80 Kinder unterrichtet wurden. Das Wappen Obersontheims, in Silber (Weiß) fünf (3:2) blaue Kolben, geht auf ein dem 17. Jahrhundert zugewiesenes Gerichts- und Marktsiegel zurück, das in einem mittels aufsteigender Spitze gespaltenen Schild vorne die Spitzeneinteilung und hinten die fünf Kolben aus dem Wappen der Schenken von Limpurg zeigt, während die aufsteigende Spitze mit dem Buchstaben S belegt ist. Das jetzige Schloss, eine Zweiflügelanlage mit einem Quaderbau, geht in seinen Anfängen auf Schenk Erasmus zurück. Er ließ anstelle der älteren Anlage, die am südöstlichen Ende des Dorfs auf einer die Umgebung beherrschenden Anhöhe errichtet worden war, den Südwestflügel errichten. Der dreigeschossige, verputzte Massivbau mit polygonalem Treppenturm zum Hof stammt laut Inschrift aus dem Jahr 1544. Sein Sohn, Schenk Friedrich VII., baute 1592/93 den Nordostflügel, worin sich im Erdgeschoss ein Saal mit Renaissance-Ausstattung befindet, und ließ beide durch den so genannten Mittelbau verbinden. Auch die Umfassungsmauern, Tore und Türme stammen aus der Regierungszeit Friedrichs VII. 1806 ging das Schloss in den Besitz Württembergs über, 1871 erwarb es Graf Curt von Pückler-Limburg und ließ es für sich und seinen Sohn zu Wohnzwecken einrichten. 1901 wurde es an Johann Georg von Hütterott verkauft, der es 1903 an die Samariterstiftung Stuttgart verkaufte. Mit dem Schloss umgeben den Marktplatz das Rathaus, das 1596 als Kanzleigebäude erstellt wurde, das alte Pfarrhaus von 1579 und das neue von 1739 sowie die evangelische Pfarrkirche. Das jetzige Schloß besitzt mächtige Mauertürme, Graben, Brücken und Tor. Im Erdgeschoß des Nordost-Flügels von 1592 großer Saal mit geschnitzten Renaissance-Säulen und flacher Felderdecke, im Südwest-Flügel drei Zimmer mit Stuckdecken, in einem Raum bemalt. – Obersontheim kam 1806 zum Oberamt Gaildorf, 1938 Landkreis Schwäbisch Hall.
Wirtschaft: Die Verlegung der Residenz nach Obersontheim im Jahr 1541 und die danach rege einsetzende Bautätigkeit brachte dem Ort einen gewissen wirtschaftlichen Aufschwung, der durch das 1563 erwirkte Marktrecht und Hochgericht verstärkt wurde. Von 1543–1746, als die Schenken hier im Schloss residierten, stellten die Bedürfnisse der Schenken und von deren Beamten und Dienern einen wichtigen Faktor im wirtschaftlichen Leben Obersontheims dar. Im 30-jährigen Krieg hatte die Bevölkerung unter den durchmarschierenden kaiserlichen, französischen und schwedischen Truppen zu leiden. Aussagen über Bevölkerungszahlen sind nur mit Einschränkungen zu treffen. Die Pfarrei Obersontheim (einschließlich Markertshofens) soll vor dem Krieg rund 875 Einwohner gezählt haben, nach dem Krieg waren es nur noch rund 725. Ende 1662 hatte die Pfarrei 692 Seelen. Die Zahl der Haushaltungen wurde 1672 mit 114 angegeben, was auf rund 510 Einwohner in Obersontheim schließen lässt. 1741 wurden in Obersontheim 18 herrschaftliche und 123 bürgerliche Wohnhäuser mit 145 Untertanen (Familien) gezählt, wozu fünf herrschaftliche Räte und Offizianten sowie 14 Kirchen- und Gemeindediener kamen. 1801 hatte Obersontheim 1100 Einwohner. Auch wirtschaftlich ging es der Gemeinde im Lauf des 30-jährigen Kriegs immer schlechter. An Einnahmen konnte die Gemeinde hauptsächlich auf die Gült und das Zinsgeld zurückgreifen, eine weitere lukrative Einnahmequelle war der Verkauf von Holz aus den umliegenden Wäldern. Standen im Gemeindehaushalt von Obersontheim im Rechnungsjahr 1618 den Einnahmen von 434 Gulden Ausgaben von 202 Gulden gegenüber, so standen 1658/59 nur noch 78 Gulden Gesamteinnahmen den 95 Gulden Gesamtausgaben gegenüber. Seit der Mitte der 1650er Jahre begann sich Obersontheim von den wirtschaftlichen Rückschlägen des 30-jährigen Kriegs zu erholen, und schon bald waren die meisten Bauernhöfe wieder besetzt. Die im 16. und 17. Jahrhundert vollzogene völlige Zersplitterung der Herrschaft schmälerte Obersontheims Bedeutung als Residenzsitz, es konnte sich jedoch trotzdem über die Jahrhunderte hinweg eine gewisse zentrale Funktion bewahren.

Name: Burg, später Schloss Obersontheim
Datum der Ersterwähnung: 1300 [im 14. Jahrhundert, Ausbau 1541]

Ersterwähnung: 1448
Kirchengeschichte: Kirchlich gehörte Obersontheim zu Untersontheim und damit ursprünglich zu Bühlertann und zum Stift Ellwangen. Nachdem eine Kapelle zum Heiligen Cyriakus auf dem Marktplatz erbaut war, brachte die Bürgerschaft die Mittel zur Stiftung einer Frühmesse auf, woraufhin Bischof Gottfried von Würzburg 1448 die Errichtung einer Kaplanei genehmigte, unter dem Vorbehalt des Patronats dieser Pfründe für den Abt von Ellwangen. Unter Schenk Erasmus wurde der Ort um 1530 reformiert und die Kaplanei in eine Hofpfarrei umgewandelt. Die Bemühungen, seinen Residenzort kirchlich unabhängig von Ellwangen zu machen, scheiterten jedoch. Erst unter Schenk Friedrich VII. gelang es 1578 durch den so genannten Wechselvertrag mit der Propstei Ellwangen endgültig, das Patronat im Tausch gegen die Pfarrrechte zu Bühlerzell zu erwerben. Er ließ die Kapelle abbrechen und ab 1585/86 die jetzige neue evangelische Pfarrkirche – einen einschiffigen Langbau mit Emporen und östlichem Turmchor – erbauen. Der von den Formen der Nachgotik bestimmte Kirchenraum beeindruckt durch seine zahlreichen Grabdenkmäler der Schenken von Limpurg. Seit 1613 führte der Hofprediger den Titel Superintendent. Nach dem Tod Schenk Vollraths 1713 wechselten sich die Patronatsherren der Pfarrkirche, unter anderem die Grafen von Pückler, rasch ab, bis der Ort an Württemberg kam. Die erste Schule war schon während der Reformationszeit eingeführt worden, das erste Schulgebäude ließ aber wohl Schenk Friedrich VII. im Jahr 1601 errichten. Das Gebäude diente gleichzeitig als Wohnung für den zweiten Pfarrer und den Kantor. Es ist das Geburtshaus des Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–91), der vor allem als Freiheitsdichter, Musiker und kritischer Journalist bekannt geworden ist. Bei der Renovierung 1922 wurden Süd- und Schlossempore abgebrochen. Grabdenkmäler der Schenken, hervorragend: Sandsteinepitaph des Kirchenstifters Friedrich II. und seiner beiden Gemahlinnen (um 1600) von Melchior Schmidt aus Heilbronn; Alabasterdenkmal des letzten Limpurgers Schenk Vollrath in üppigem Barock von G. Chr. Sommer aus Künzelsau. Katholiken Filial der Pfarrei Bühlertann, Kirche St. Peter und Paul 1967 erbaut.
Patrozinium: St. Cyriakus
Ersterwähnung: 1448

GND-ID:
  • 4250493-4
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